Beiträge von TIP67

    Hallo,


    ich möchte vorausschicken, dass ich erst Ende letzten Jahres in den BR nachgerückt bin und daher noch keinerlei Erfahrung habe, was BR-Arbeit angeht. In dem Unternehmen bin ich jetzt seit 21 Jahren beschäftigt.


    Nun zu meiner Frage.

    Unsere Firma befindet sich südlich der Elbe, ca. 30km vom Stadtzentrum Hamburg entfernt im sogenannten "Speckgürtel" von HH.

    Unser CEO hatte uns Ende 2019 mitgeteilt, dass die Firma in 4 Jahren umziehen wird, aber wohin noch offen sei.

    Bei der vorletzten Mitarbeiterversammlung wurde uns dann mitgeteilt, dass die Firma (ca. 150 Mitarbeiter) nach Hamburg ziehen wird. Es handelt sich dabei um eine kleine Insel mit wenig Verkehrszugangsmöglichkeiten für den PKW-Verkehr und ca. 15 Minuten zu Fuß bis zur nächsten Bahnhaltestelle, mitten im Hafengebiet von Hamburg. Theoretisch fährt noch ein Bus, aber meist wartet man genau so lange wie man gehen würde.


    Die Belegschaft ist sehr inhomogen, was die Wohnorte angeht. Ich vermute einmal (eine Liste der Wohnorte liegt vor, ist aber noch nicht zu 100% ausgewertet), dass 1/3 der (meist länger zugehörigen) Kollegen südlich der Elbe wohnen und aktuell einen relativ kurzen Arbeitsweg haben, während 2/3 ca. aus Hamburg kommen und täglich "gegen den Strom" zur Arbeit fahren. Dies sind vermehrt neuere Kollegen, da wir in den letzten beiden Jahren jeweils pro Jahr 20-30 Neuzugänge hatten.


    Der BR wurde bisher gar nicht in das Thema "Wechsel des Betriebsstandortes" mit einbezogen, und bis auf die Adresse, die Vorstellung des Neubaus und den geplanten Umzugstermin wissen wir recht wenig.

    Ich bin Mitglied im neu gegründeten BR-Ausschuss, der sich mit dem Wechsel des Betriebsstandortes beschäftigen soll.

    Dadurch ergeben sich für mich als BR-Mitglied, aber auch persönlich, viele Fragen.


    Dass der Umzug als unternehmerische Entscheidung vom BR nicht hätte groß mit beeinflusst werden können, ist mir soweit klar. Aber für viele Kollegen bedeutet der Umzug eine erhebliche Mehrbelastung.


    Ich habe das für mich einmal beispielhaft gerechnet.

    Ich persönlich benötige aktuell 2 x 1/4 Std., um zur Firma zu kommen. In Zukunft fahre ich mit den Strom nach Hamburg rein und raus, d.h. ich muss mit minimal 2 x 1 1/4 Std. rechnen, eher mehr (wg. der Staus in Zeiten ohne Lockdown). Mit der Bahn bin ich auch bei 1 1/4 Std., wobei 1/2 Std. davon zu Fuß ist.

    Ich fahre somit im Jahr (ca. 45 Kalenderwochen) 10.800km mehr, falls ich mit dem Auto fahre, und benötige mind. 450 Std. mehr an Zeit (egal ob PKW oder HVV, größere Staus oder Zugausfälle, wie sie leider häufig vorkommen, nicht berücksichtigt).

    Mit dem HVV ließen sich die km-Kosten verringern. Der HVV ist für mich aber keine richtige Alternative, da ich die 1/2 der Zeit zu Fuß gehen müsste (und leider nicht mehr gut zu Fuß bin) und zudem aufgrund meiner chronischen Erkrankung Menschenansammlungen in der immer überfüllten Bahn (vor allem im Herbst/Winter/Frühjahr) lieber meide (und das auch schon vor Corona).

    Bei 0,30€/km und einem Mindestlohn von 9,50€/Std. wären dies alleine ein Nachteil von ca. 7.500€/Jahr bzw. 625€/Monat!

    Und so wie mir geht es vielen Kollegen, die mit dem Umzug eine erhebliche finanzielle Mehrbelastung und einen Verlust an Lebensqualität haben.

    Ich würde annehmen, dass es für 1/3 der Kollegen nachteilig, für 1/3 von Vorteil und für 1/3 ohne große Änderung ist.


    Wie kann der BR hier es erreichen, dass der AG einen Interessensausgleich oder einem Sozialplan zustimmt (nach §112).

    Hat jemand schon einmal eine ähnliche Situation und Tipps, wie man hier am geschicktesten vorgehen sollte?


    Vom AG angedacht wurde bisher eine Flexibilisierung der Arbeitszeit (d.h. morgens mobiles Arbeiten, gg. 10:00 Uhr ins Büro, um dem Berufsverkehr aus dem Weg zu gehen, um dann kurz nach dem Mittag oder ganz spät wieder nach Hause zu fahren.

    Zudem wird an ein Zuschuß oder eine kostenfreie Karte für den öffentlichen Nahverkehr (HVV) gedacht. Die Anreise mit dem PKW soll möglichst vermieden werden, da es auch mit der Parkplatzsituation am neuen Standort nicht sonderlich gut bestellt ist. Immerhin gibt es einen Bootsanleger... ;)


    Momentan kommen ca. 90% der Kollegen mit dem Auto.

    Für die Kollegen aus HH ist der öffentliche Nahverkehr sicher eine interessante Alternative (wenn Corona bis dahin hoffentlich seinen Schrecken verloren hat).

    Für viele Kollegen, die im dörflichen Umland der aktuellen Arbeitsstätte leben, ist dies aber keine richtige Alternative.


    Was gibt es sonst noch für Möglichkeiten?

    Maßnahmen, die mir bisher eingefallen sind:

    - flexiblere Gleitzeit/Kernarbeitszeit

    - vermehrt Home Office

    - dezentrale Kleinbüros

    - HVV-Karte / Tankkarte

    - Firmen-Shuttlebus

    - Finanzieller Ausgleich

    - zus. Urlaubstage


    Wobei vielen dieser Punkte der AG wahrscheinlich nicht zustimmen wird.


    Sorry für den langen Text, ist mein 1. Thema und werde mich hoffentlich hier mit der Zeit bessern ;) .


    Schon einmal vielen Dank für Eure Antworten...