Sortimentserweiterung Sexspielzeug und Mitbestimmung

  • Hallo zusammen,

    wir sind ein eCommerce Dienstleister. Unser Kunde gedenkt derzeit sein Sortiment mit Sexspielzeug zu erweitern. Bisher hatte er lediglich Lifestyleprodukte im Sortiment.

    Nun gibt es bei uns einige muslimische Mitarbeiter, die sich bestimmt daran stoßen würden. Seht ihr hier ein Mitbestimmungsrecht des BR zur Abwicklung des erweiterten Sortiments?

  • Huhu,

    hmm ich denke nein, dies ist im Betrieblichen interesse und die Planung der GF.


    Der GF berät dies mit dem WiA im optimalfall, dann wird der BR informiert, solange sich die Aufgabengebiete nicht ändern und Zeiten und Maschienen und Arbeitsabläufe usw. denke ich ist es egal was hergestellt wird. Solange es nichts verbotenes oder diskriminierendes ist.

    Gruß

  • Haben Muslime keinen Sex? Oder dürfen die nicht spielen? Sorry, aber so ganz verstehe ich den Sinn der Frage nicht. (Oder auch einfach den Zusammenhang mit der Religion nicht.)

    Solange die Dinger (was auch immer jetzt im Detail) originalverpackt vorliegen und niemand mit ihnen hantieren (im Sinne von sie benutzen) muss, wo ist das Problem? Eine Ware wie jede andere auch.

    Verstößt gegen kein Gesetz, gefährdet nicht die Gesundheit, ich wüsste nicht, warum der BR hier die unternehmerische Entscheidung das Sortiment zu erweitern in Frage stellen sollte/könnte/dürfte.

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Zitat von Moritz:

    Haben Muslime keinen Sex?

    Moritz: Nur mit dem in legitimer Ehe verbundenen Partner. Da die Kunden aber wohl kaum das Familienstammbuch vorlegen müssen, könnte es ja sein, dort werden Personen zu außerehelichen Aktivitäten verführt...

    Ansonsten bin ich bei Dir: In Deutschland dürfte die Sortimentsergänzung wohl Mitbestimmungsfrei sein.

    @X-Files: Könnten sich nun die betroffenen MA weigern, religiös verbotene Artikel zu verkaufen, ohne von einer Kündigung bedroht zu sein? Da machen wir das doch mal wie die Mathematiker - und führen die Frage auf einen bekannten (und gerichtlich wohl ausgeurteilten) Fall zurück:

    Der Auftraggeber beschließt, (harte) Alkoholika in sein Sortiment aufzunehmen. Für strenggläubige Moslems definitiv verboten. Hier fragt das BAG, ob es dem ArbGeb möglich ist, den Mitarbeiter anderweitig sinnvoll einzusetzen (BAG, Urteil vom 24. 2. 2011 - 2 AZR 636/09)

  • Zitat von Petrus:

    Nur mit dem in legitimer Ehe verbundenen Partner. Da die Kunden aber wohl kaum das Familienstammbuch vorlegen müssen, könnte es ja sein, dort werden Personen zu außerehelichen Aktivitäten verführt...

    Also die Argumentation gilt doch wohl für Katholiken 1:1, oder? Dürfen die dann auch die Tätigkeit verweigern?

    Wenn ich den Eingangspost richtig verstehe, geht es um einen Dienstleister im eCommerce, sprich es erfolgt kein persönlicher Verkauf sondern es geht (so vermute ich es mal) lediglich um die Kommissionierung der bestellten Ware (allenfalls noch um die telefonische Annahme der Bestellungen).

    D.h. hier wird niemand gezwungen mit den Waren zu "spielen" oder sie auszuprobieren oder sonstwie gegen seine Überzeugung zu handeln. Es geht lediglich darum Waren aus dem Regal in einen Versandkarton (oder Drahtkorb oder wie auch immer das dort organisiert ist) zu legen, ein Häckchen auf der Kommissionierungsliste zu machen (oder die Ware einzuscannen) und gut ist.

    Wer der Meinung ist, dass das seine religiösen Gefühle verletzt, sollte sich einen anderen Job suchen. Punkt!

    (Bei allem Verständnis für alle Religionen, irgendwann ist es auch mal gut!)

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Zitat von Moritz:

    D.h. hier wird niemand gezwungen mit den Waren zu "spielen" oder sie auszuprobieren oder sonstwie gegen seine Überzeugung zu handeln. Es geht lediglich darum Waren aus dem Regal in einen Versandkarton (oder Drahtkorb oder wie auch immer das dort organisiert ist) zu legen, ein Häckchen auf der Kommissionierungsliste zu machen (oder die Ware einzuscannen) und gut ist.

    Das genannte Urteil sei zu Lektüre empfohlen! (der Fall ging vor der Verhandlung durch die einschlägige Presse - nach dem Urteil war es außer auf islamophoben Seiten recht ruhig...)

    Die Frage könnte nämlich genau sein, "wie auch immer das dort organisiert ist".

  • Oh, ich habe es gelesen, selbstverständlich.

    Und was steht dort (wohl nicht explizit aber implizit!)?

    Selbstverständlich darf der AG alleine entscheiden welche Waren er vertickt. Und die Arbeitsverweigerung aus religiösen Gründen ist ein Kündigungsgrund.

    Aber, und das ist letztlich das entscheidende an der Stelle, erst dann, wenn der AG geprüft hat, ob er den AN nicht auch woanders einsetzen kann. Es heißt eben nicht, er darf ihn gar nicht kündigen, sondern hier wird nur (absolut konsequent) darauf gedrungen, dass die Kündigung die Ultima ratio bleibt.

    D.h. in dem Fall hier wäre es denkbar, dass alle Bestellungen mit "anstößigem" Inhalt (und nochmal, dazu braucht man nun wahrlich kein Muslime zu sein!) eine Kennung bekommen, so dass die betroffenen Kollegen erkennen können, welchen Zettel sie nicht anpacken wollen.

    Aber vorher (und auch das wird in dem Urteil gerügt!) muss der AN erst einmal belegen wo und wie genau eine solche Tätigkeit mit seinem Glauben kollidiert. (Und auf die Argumentation bin ich jetzt schon gespannt!)

    Insofern bleibt doch erst einmal abzuwarten ob sich überhaupt ein AN beschwert. Und ob ein BR sich vor den Karren irgendwelcher religiösen Fanatiker (gleich welcher Couleur!!! (die Argumentation die hier bisher vorgebracht wurde gilt streng genommen für Christen ganz genauso!)) spannen lassen möchte muss er selber entscheiden. Mein Ding wäre es nicht.

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Hallo,

    ich kann Moritz da nur zustimmen - ganz abgesehen davon, dass der BR nullkommakeine Mitbestimmung bei der Zusammenstellung des Sortiments hat, sollte man sich als AN-Vertretung nicht vor den Karren irgendwelcher religiöser Gruppen spannen lassen.

    Was das individualrechtliche Problem betrifft: Das BAG konstatiert ja klar einen potentiellen Kündigungsgrund, und bei einem Internetversand sehe ich allergrößte Schwierigkeiten, AN, die mit bestimmten Produkten nichts zu tun haben wollen, eine andere Arbeit anzubieten - das ist ja nicht wie in einem Kaufhaus, wo man von der Alk- in die Käseabteilung wechseln kann.

    Im Übrigen kann m.W. ein generelles Verbot von Sexspielzeug gar nicht mit islamischen Vorschriften begründet werden, siehe z.B. hier.

    Grüsse Winfried

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Hallo zusammen,

    was ich sehr interessant finde ist, dass der Fragesteller sich gar nicht mehr zu Wort meldet :?:

    Nichts destotrotz sind eure Antworten sehr aufschlussreich.

    Danke und ein schönes Wochenende:D

    Nachtrag: Nein, ich bin's nicht:D

  • Team-ifb

    Hat das Thema geschlossen.