Freiwillig 12-Stunden-Schicht

  • Was spricht dagegen, dass Schichtarbeiter freiwillig über einen begrenzten Zeitraum hinweg Sa und SO jeweils 12 Stunden-Schichten fahren müssen ähh..dürfen?
    Wir haben eine tarifliche 35 h Woche. Geht dies ohne Zustimmung des BR mit Hinweis, die MA würden dies freiwillig machen und es wäre nur zeitlich begrenzt.
    Was sagt das ArbeitszeitG dazu, besonders § 3? Wie kann dieser von der GF ausgehebelt werden (wir sind Automobilzulieferer und kein Lebensmittelproduzent)?
    Jeden Tag was Neues...

  • Hallo.

    Zitat von Interessierter :

    Was spricht dagegen, dass Schichtarbeiter freiwillig über einen begrenzten Zeitraum hinweg Sa und SO jeweils 12 Stunden-Schichten fahren müssen ähh..dürfen? (...) Was sagt das ArbeitszeitG dazu, besonders § 3?

    Was dagegen spricht? Na, genau der § 3 ArbZG, den Du erwähnst: Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.

    Zitat von Interessierter :

    Wie kann dieser von der GF ausgehebelt werden (wir sind Automobilzulieferer und kein Lebensmittelproduzent)?

    Wie? Gar nicht.

    Zitat von Interessierter :

    Geht dies ohne Zustimmung des BR mit Hinweis, die MA würden dies freiwillig machen und es wäre nur zeitlich begrenzt.

    Nein. § 87 I Nr. 2 und 3 BetrVG.

    Grüsse Winfried

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Genau so,wie Winfried es schreibt, sieht es aus.
    Wir sind sogar soweit unserer GF eine Anzeige diesbezüglich anzuhängen wenn er das freiwillige "Längerarbeiten" >10h nicht abstellt.

  • Genau so sehe ich das auch, ich wollte mich eigentlich nur nochmals vergewissern, dass ich richtig liege.
    Das heißt aber auch, dass der BR einem solchen Ansinnen gar nicht stattgeben darf, da es eben unter dem § 3 ArbZG fällt? Und für § 14 sehe ich, zumindest in unserer Branche keine Möglichkeit.

    Inwieweit verliert ein MA seinen Versicherungsschutz, wenn er "freiwillig,", also auch am BR vorbei 12 stunden am Stück arbeitet und ihm passiert in Stunde 11 ein Arbeitsunfall? Hier gäbe es doch sicherlich Probleme?

  • Eine Möglichkeit sähe schon: Der AG und der BR bestimmen, dass insgesamt 2 Std Pause zu machen sind (ggf. können auch für verschiedene Gruppen verschobene Pausen vereinbart werden).

  • @ heelium,

    diese Schachzüge kenne ich nicht und wurde diese auch nicht als rechtlich fundiert betrachten.
    Das ArbZG benennt die Arbeitszeit ohne Pause, also kannst du auch drei Stunden oder von mir aus mehr Pause machen und es würde an der Arbeitszeit nichts ändern. Das währe als Arbeitsunterbrechung anzusehen. An den 8 bzw 10 Stunden ändert sich m.e. nichts.

  • Zitat von heelium :

    Eine Möglichkeit sähe schon: Der AG und der BR bestimmen, dass insgesamt 2 Std Pause zu machen sind (ggf. können auch für verschiedene Gruppen verschobene Pausen vereinbart werden).

    Heelium, wir reden hier über eine Arbeitszeit von 12 Stunden. Da sind Pausen außen vor. Winfried

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Zitat von Interessierter :


    Das heißt aber auch, dass der BR einem solchen Ansinnen gar nicht stattgeben darf, da es eben unter dem § 3 ArbZG fällt? Und für § 14 sehe ich, zumindest in unserer Branche keine Möglichkeit.


    Nein, heißt es nicht!
    auch 12h Schichten sind möglich
    BV, hinzuziehen Staatliche Amt für Arbeitsschutz
    auch wir Automobilzulieferer

    Bei uns gemacht,
    Voraussetzung war, MA arbeiten nur am WE (Fr. Früh 8h, Sa Früh 12h, So spät 12h )und haben der Rest der Woche frei
    Bezahlung war bei uns natürlich weiter Vollzeitbezahlung (geregelt in der BV)
    Die Arbeitsplätze sind vom Amt begangen worden, hierbei wurde festgestellt, das ein hoher Anteil der Arbeitszeit unter der Arbeitsbereitschaft fällt (Maschinen beobachten, Prozesse kontrollieren jedoch die Produktion laufen lassen)

    Gruß
    Rabauke

  • Hallo Rabauke,

    ganz so einfach ist es nicht, denn eine wichtige Vorraussetzung unterschlägst Du und eine erwähnst Du nur im Nebensatz.
    Auf Grundlage von § 7 Abs. 1 Nr. 1a ArbZG (die Spezialregeln des Abs. 2 außer Betracht gelassen)ist eine Verlängerung der Arbeitszeit nur dann möglich, wenn

    1. Ein Tarifvertrag zur Anwendung kommt, der diese Öffnungsmöglichkeit ausdrücklich vorsieht

    UND

    2. in erheblichem Umfang und regelmäßig Arbeitsbereitschaft oder Bereitschaftsdienst Bestandteil der Arbeitszeit ist.

    Die Literatur sieht die notwendige Untergrenze bei Arbeitsbereitschaft bei 25 - 30 %, bei Bereitschaftsdienst bei 20 % (ErfK, Rn. 6 zu § 7 ArbZG), allerdings gibt es auch Autoren, die die Untergrenze höher setzen.

    Gibt es keinen TV mit Öffnungsklausel, so muß die zweite Vorraussetzung gar nicht mehr geprüft werden. Die Öffnungsklausel des Abs. 5 dürfte in der Praxis wenig relevant sein.

  • Hallo.

    Zitat von Rabauke :

    Die Arbeitsplätze sind vom Amt begangen worden, hierbei wurde festgestellt, das ein hoher Anteil der Arbeitszeit unter der Arbeitsbereitschaft fällt (Maschinen beobachten, Prozesse kontrollieren jedoch die Produktion laufen lassen)

    Am Arbeitsplatz sein, Maschinen beobachten, Prozesse kontrollieren, u.s.w.? Das mag ein reduzierter Arbeitsanfall, kann m.E. keine Bereitschaft i.S.d. ArbZG sein: Bereitschaftsdienst ist nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts die Zeitspanne, während derer der Arbeitnehmer, ohne daß er unmittelbar am Arbeitsplatz anwesend sein müßte, sich für Zwecke des Betriebs an einer vom Arbeitgeber bestimmten Stelle innerhalb oder außerhalb des Betriebs aufzuhalten hat, damit er erforderlichenfalls seine volle Arbeitstätigkeit sofort oder zeitnah aufnehmen kann (u.a. BAG, 18. 2. 2003, 1 ABR 2/02).

    Grüsse Winfried

    Edit Interessierter: Welche Ausnahmeregelungen ließe Euer TV denn bei Bereitschaften zu? Kannst Du etwas dazu sagen, ob es sich hier um Bereitschaften handeln könnte?

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Zitat von whoepfner :


    Hallo Rabauke,

    ganz so einfach ist es nicht, denn eine wichtige Vorraussetzung unterschlägst Du und eine erwähnst Du nur im Nebensatz.
    Gibt es keinen TV mit Öffnungsklausel, so muß die zweite Vorraussetzung gar nicht mehr geprüft werden. Die Öffnungsklausel des Abs. 5 dürfte in der Praxis wenig relevant sein.

    Lieber Whoepfner,
    genau so wie ich es beschrieben habe ist es bei uns abgelaufen.
    Wir (BR) haben nicht ohne Grund das Staatliche Amt für Arbeitsschutz und die IGM hierfür hinzugeholt.
    Die Maßnahme war auch bei uns nur vorübergehend geplant (3 Monate), mitlerweile arbeiten wir Rund um die Uhr 7 Tage die Woche, und machen keinen Gebrauch mehr von dieser Regelung.

    Gruß
    Rabauke

  • Nein, es soll hier nicht um Bereitschaftsdienst gehen,sondern um die Idee eines Segmentleiters, der seine Mitarbeiter nach langem Druck nun nicht mehr dazu motiviert bekommt, am Samstag freiwillig zu arbeiten (eine BV hierzu haben wir nach einem Testlauf abgelehnt)und der nun meint, über diesen Weg seine Produktion aufrecht erhalten zu können. In meinen Augen wenig durchdacht und wie schon erwähnt wohl auch rechtlich unmöglich.

  • Hallo.

    Zitat von Interessierter :

    Nein, es soll hier nicht um Bereitschaftsdienst gehen (...).

    Dann erledigt sich die zuletzt losgetretene Diskussion sowieso komplett: 10 Stunden waren, sind und bleiben die vom ArbZG vorgegebene Obergrenze.

    Grüsse Winfried

    P.S.: Ich finde im Übrigen den Ausdruck der "Freiwilligkeit" in einem Abhängigkeitsverhältnis, und nichts anderes ist das Verhältnis von AN zu ihrem AG, sowieso vollkommen fehl am Platze.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Zitat von Interessierter :


    Nein, es soll hier nicht um Bereitschaftsdienst gehen,sondern um die Idee eines Segmentleiters, der seine Mitarbeiter nach langem Druck nun nicht mehr dazu motiviert bekommt, am Samstag freiwillig zu arbeiten (


    Halli Interessierter,

    Ich empfehle euch dann, über ein 4-Schichtsystem nachzudenken.
    Arbeitszeit von Mo 6 Uhr bis So 6 Uhr, mit 4 rollierenden Schichten, im Mittel eine 36h/Woche.
    Sorgt für mehr Beschäftigung, und sichert die Produktion.
    Ich denke ihr seit genau so wir wir ein "IGM" Betrieb (wegen der 35h/Woche), die IGM hat hierzu MusterBV’s

    Gruß
    Rabauke

  • Fried:
    ich habe nie was anderes behauptet, die Diskussion ist von alleine in die falsche Richtung abgerutscht. Ich sehe hier auch eine feste Grenze von 10 h und basta.
    Rabauke
    wir sehen momentan keinen Grund für eine Veränderung des derzeit bestehenden Schichtsystems, dieses fordert dem Mitarbeitern schon genug ab.
    Wenn der Workflow optimiert würde (wie schon mehrfach angemahnt)und man gleichzeitig dem MA besser behandeln und angemessener bezahlen würde, dazu noch die längst versprochenen Investitionen in Mitarbeiter, Maschinen und Ausbildung angehen würde, wären unsere Abrufe in der jetzigen Form bedienbar. Und wenn sich daraus dann mehr Aufträge generieren lassen und diese dann nicht mehr in 5 Tagen zu schaffen sind, kann man sicherlich über eine Ausweitung der Regelarbeitszeit diskutieren. Und wenn dann noch alle Parteien vom erhöhten Umsatz profitieren, wäre eine einvernehmliche Lösung sicherlich machbar.

  • Hallo.

    Zitat von Interessierter :

    ich habe nie was anderes behauptet, die Diskussion ist von alleine in die falsche Richtung abgerutscht. Ich sehe hier auch eine feste Grenze von 10 h und basta.

    Ich habe ja auch nie behauptet, dass Du was anderes behauptet hast, gell. Aber so ist das halt bei den Diskussionen hier, irgendwer schmeißt irgendwas in die Runde, und schon schweift es ab. Manchmal ist das dann interessant bzw. erhellend, manchmal aber eben auch nicht.

    Grüsse Winfried

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Team-ifb

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