Beschluss des Betriebsrats zu angeordneter Mehrarbeit umgangen?

  • Die Situation - viele Neukunden machen viel Arbeit und somit ist in einem unserer Callcenter ein respektables Backlog angewachsen. Bisher wurde die Situation entspannt, indem die Möglichkeit geschaffen wurde, auf freiwilliger Basis auch am Samstag zu arbeiten. Tarif und BVs machen das grundsätzlich möglich.

    In der letzten Sitzung wurde uns ein Antrag hereingereicht, in dem einer von zwei wählbaren Samstagen für die ganze Truppe verbindlich angeordnet werden sollte. Dieser Antrag wurde aus mehreren Gründen abgelehnt. Erstmal war der erste dieser zwei Samstage schon in der Situngswoche war, zweitens wollen wir kein Tor für regelmäßige, verbindliche Samstagsarbeit öffnen und dritte hat und unsere Erfahrung gezeigt hat, dass das freiwillige Angebot ausreichend angenommen wird, wenn die Vorgesetzten rechtzeitig und eindeutig informieren.

    Der Bereichsleiter hielt das eher für eine Formsache und konnte unserer Argumentation nicht folgen. Er kam mit den üblichen Argumenten, ob wir wollten dass die Abteilung outgesourcet werden muss (bla :roll: ) und wollte sich bei der Personalabteilung erkundigen, wie das Problem auf andere Weise gelöst werden kann.

    Im Endeffekt wurden durch die Teamleiter per Liste bei den Tarifmitarbeitern erfasst, wer an den Wochenenden kommen kann, wer nicht, und warum nicht. Den Punkt lassen wir mal durchgehen, weil das Kreuzchen bei "persönliche Gründe" ohne weiteren Kommentar akzeptiert wurde.

    Eine Besonderheit in dieser Abteilung ist ein großer Anteil von Leiharbeitern - fast die Hälfte der Mannschaft. Diese Mitarbeiter wurden durchgehend für die fraglichen Samstage bei den Leiharbeitsfirmen angefragt.

    Hier liegt der Gedanke nahe, dass der Beschluss des Betriebsrats auf diesem Weg umgangen werden sollte - wie sollen wir hier reagieren? Unsere Mitbestimmungsrechte bezüglich Arbeitszeiten gelten doch auch an unser Unternehmen entliehene Arbeitskräfte?

  • Zitat von Hermine Zander :


    Unsere Mitbestimmungsrechte bezüglich Arbeitszeiten gelten doch auch an unser Unternehmen entliehene Arbeitskräfte?


    so isses. Ihr habt doch der Einstellung der Leiharbeitskräfte zugestimmt und dem Antrag dürfte doch auch zu entnehmen sein, in welchem Arbeitszeitmodell die Leiharbeitskräfte eingesetzt werden. Dieses Arbeitszeitmodell ist meines Erachtens bindend. Überstunden und Mehrarbeit unterliegen dem Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats.

  • Mal etwas anderes, was hier auch zu entnehmen ist.
    Warum stimmt Ihr bei einem so hohen Anteil an Leiharbeitnehmern zu?
    Ist abzusehen, dass die nur kurze Zeit gebraucht werden?

    Auch bei uns hat das immer mehr zu genommen, dass der AG Anträge bezüglich Leiharbeitnehmern an uns stellt. Wir lassen nur noch 3 Monate zu, wenn der AG dann verlängern will oder austauschen, dann lehnen wir ab und verlangen erst eine Festeinstellung der besten 20%

    Wenn er dann nach einem halben Jahr wieder die gleichen Leiharbeitnehmer verlängern will, dann lehnen wir ab, geben aber den Hinweis, dass diese Leute ja wahrscheinlich gut sein müssen und wir unsere Zustimmung zu einer Festeinstellung geben würden.

    Das funktioniert mittlerweile sehr gut. Derzeit beschäftigen wir immer so zwischen 60 und 100 LA bei 800 Stammpersonal, 40 bis 50 werden je Jahr fest übernommen.

    Denkt mal darüber nach warum in grauer Vergangenheit Leiharbeit eingeführt wurde und ob es ok ist, dass sie heute so ausgenutzt wird. Der Zweck die Auftragsspitze abzuarbeiten ist heute kaum noch der wahre Grund.

  • Hallo.

    Zitat von RPW :

    Wir lassen nur noch 3 Monate zu, wenn der AG dann verlängern will oder austauschen, dann lehnen wir ab und verlangen erst eine Festeinstellung der besten 20%

    Und auf welcher gesetzlichen Grundlage macht Ihr das? Die sehe ich nämlich nicht, und m.E. scheint Ihr einfach das Glück zu haben, mit einem AG zu tun zu haben, der sich etwas bieten lässt, was er sich nicht bieten lassen müsste.

    Grüsse Winfried

  • @ RPW,
    ich finde es gut wie ihr als BR in dieser Sache agiert, wenn der AG mitspielt, um so besser. Schließlich haben beide Seiten etwas davon, der Leiher steht endlich anständig in Lohn und Brot und der AG hält gute Leute.
    @ winfried,
    ich weiß, du bist gerade was das BetrVG betrifft sehr firm und deine Anregungen und Tipps werden gern angenommen, aber was spricht dagegen, wenn AG und BR Regelungen ohne konkrete Gesetzesgrundlage finden, die für beide Seiten Vorteile bringen?

  • Hallo.

    Zitat von eisenkalle :

    @ winfried, (...) was spricht dagegen, wenn AG und BR Regelungen ohne konkrete Gesetzesgrundlage finden, die für beide Seiten Vorteile bringen?

    Absolut nix. Wenn beide Seiten mitspielen, kann man das wunderbar zu Gunsten der AN so machen.

    Wenn man diesem Tipp in einem Betrieb folgt, in dem der AG diesen Kurs nicht fährt (und das dürfte die Mehrzahl der Betriebe sein), hat man als BR allerdings schnell ein Problem. Das war es, was ich meinte.

    Grüsse Winfried

  • Zitat von Winfried :


    Hallo.

    Und auf welcher gesetzlichen Grundlage macht Ihr das? Die sehe ich nämlich nicht, und m.E. scheint Ihr einfach das Glück zu haben, mit einem AG zu tun zu haben, der sich etwas bieten lässt, was er sich nicht bieten lassen müsste.

    Grüsse Winfried

    Hallo Winfried,

    unser AG versucht uns immer wieder rein zu legen und hält sich eigentlich selbst an kein Gesetz. Wir haben nicht selten Termine mit einer Einigungsstelle oder Beschlüsse einen RA hinzuzuziehen. Aber wenn der AG mal in einer Sache nicht die Rechtsgrundlage kennt und uns dies nützlich ist, dann sehe ich keinen Anlass, ihn aufzuklären ;)

    Allerdings muss ich sagen, wir sind ein großer Konzern mit einem Passus im TV, dass Personal untereinander ausgetauscht werden MUSS wenn Arbeitsplatzverlust droht. So lange unser AG es für zu Zeitaufwendig hält, in anderen Konzernbetrieben nachzufragen und dann ggf. die Mitarbeiter einzuarbeiten, können wir so lange verweigern, so lang er uns keinen Beweis seiner Bemühungen vorlegt.

    Gruß,

    RPW

  • Hallo.

    Zitat von RPW :

    Aber wenn der AG mal in einer Sache nicht die Rechtsgrundlage kennt und uns dies nützlich ist, dann sehe ich keinen Anlass, ihn aufzuklären

    Dem kann ich allerdings 1000%ig zustimmen. Winfried

  • Team-ifb

    Hat das Thema geschlossen.