6 Tage Woche/ Teildienst/(Teilschicht)/Dienstplan- Fragen...

  • Hallo Ihr Lieben,
    ich habe schon im Arbeitszeitgesetz geblätter und gelesen, aber so richtige Erkenntnisse habe ich nicht sammeln können. Vielleicht, bzw. hoffentlich habt ihr da mehr Erfahrungswerte:
    Also, wir gehören keiner Tarifgruppe an, sind ein Kurheim. Nach der tiefgreifenden Erkenntnis der Geschäftsleitung, dass der Samstag ein "Werktag" ist, müssen bereits einige Abteilungen auch Samstags ran, soweit so gut, wenn der passende Ausgleichstag gegeben wird, so dachte ich bisher.
    Seit "Saisonbeginn", das ist so ca. Mai, arbeiten diverse MA der Küche immer 6 Tage. Ist das tatsächlich okay so? Da die MA Zahl dieses Jahr nicht aufgestockt wurde, müssen auch einzelne Mitarbeiter zur Teilschicht anrücken, d.h. er arbeitet morgens, hat dann 3 1/2 Stunden frei und muß nochmal 4 Stunden zum Dienst.
    Eine weitere Frage einer MA Küche war folgende: Sie wird krank, hat einen gelben Schein bis Freitag, Samstag weiß sie, hat sie Dienst, Sonntag wäre eigentlich ihr freier Tag gewesen. Als sie Samstag zur Arbeit kommt, liest sie, dass sie auch Sonntag arbeiten muß. Die Kollegen meinten, sie wäre ja schließlich lange genug zu Hause gewesen und habe frei gehabt. Sie selbst findet das nicht sehr witzig, zumal sie auch ein Kind hat, für dessen Betreuung sie während ihrer Arbeitszeit auch sorgen muß, und das ist derartig kurzfristig bisweilen problematisch.
    Wann muß dem Arbeitnehmer der Dienstplan vorliegen? Kann der jederzeit geändert werden - heute denk ich noch, dass ich übermorgen frei hab und morgen stell ich fest, der Dienstplan ist geändert worden und nix frei?!
    Dann meinten die Kollegen aus der Küche noch, sie wären eigentlich der Meinung, dass jeder 3. Sonntag frei sein müsse, damit sie auch noch ein Leben neben der Arbeit haben. Richtiger Gedanke - menschlich gesehen, ich fand im Arbeitszeitgesetz nur, dass lediglich 15 Sonntage im Jahr frei sein müssen und nachdem das Jahr so 52 Wochen hat...sind eine Menge Sonntage zu arbeiten.....
    Könnt ihr mir zu einzelnen Punkten vielleicht näheres sagen??
    Ich danke euch vielmals! :roll:

  • Hallo Inselchen,

    Dienstpläne unterliegen nicht umsonst dem MBR des BR nach § 87 (1) Zif 2 BetrVG. D.h. eine solche kurzfristige Änderung kann nur mit Eurer Zustimmung passieren.

    Ihr solltet den AG mal fragen, ob denn auch die Kollegen kommen dürfen und einen Tag vorher sagen, ach übrigens für morgen bin ich jetzt nicht mehr auf dem Dienstplan. Geht doch wohl auch nicht, oder?
    Im Übrigen, hatt die Kollegin nicht frei, sie war krank. Da ist ein himmelweiter Unterschied! Kurzfristige Änderunge wird es wohl immer wieder geben müssen, sollten aber im gegenseitigen Einvernehmen gemacht werden.

    Nach dem ArbZG ist an einer 6-Tage-Woche nichts auszusetzen. Allerdings vermute ich mal, dass die Kollegen doch alle einen Arbeitsvertrag haben. Ist in diesen nicht die regelmäßige Arbeitszeit festgelegt?

    Wenn Du 52 durch drei teilst, kommt rechnerisch 17, 33 raus. Damit ist jeder dritte So frei schon eine recht gute Näherung an die 15 Sonntage. Gibt es da bei der NGG evtl. eine andere Regelung?

    Gruß

    Moritz

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Hallo Inselchen,

    Ihr habt ja als BR viel Mitbestimmung. Wir haben bei uns z.B. geregelt (mal so als Anregung für Euch):
    :arrow: 5-Tage-Woche,
    :arrow: ein Dienstplan hat bis zum 15ten des Vormonats erstellt zu sein, danach darf nur noch im gegenseitigen Einvernehmen (und ggf. mit Zustimmung des BR) abgewichen werden,
    :arrow: Verbot von geteilten Schichten,
    :arrow: mindestens 2 Wochenende im Monat sollen frei bleiben.

    Und am Samstag sagen, morgen mußt Du arbeiten, ist nicht gesetzeskonform, da gibt es eine Ankündigungsfrist von mindestens 4 Tagen (analog zu § 12 II TzBfG), die natürlich zwischen BR und AG verlängert (nicht verkürzt) werden kann (s.o.).

    Grüße
    Winfried

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Hallo Inselchen,
    das ist ja ein Strauß an Fragen und Problemen. Dann versuche ich mal so viel wie möglich zu beantworten:

    1) 6-Tage-Woche:

    Erfurter: § 7 ArbZG RN 29 ff: Sinngemäß heißt es da, dass der AG mit dem AN einzeln eine Arbeitszeitverlängerung ohne Zeitausgleich vereinbaren kann, wenn der AN schriftlich seine Einwilligung gegeben hat. Diese kann mit einer Frist von 6 Monaten widerrufen werden. RN 32 besagt, dass 12 Monate lang 48 Std je Woche nicht überschritten werden dürfen. Die RL 93/104/EG erlaubt die Verlängerung des Bezugszeitraums auf 12 Monate nur, wenn die allgemeinen Grundsätze der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der AN gewahrt werden. Insoweit bestehen Zweifel an der Richtlinienkonformität bzgl. der generellen Festsetzung des 12-monatigen Ausgleichszeitraums. Für Regelungen nach § 7 Abs 5 sieht Abs 8 die Zulassung eines Ausgleichszeitraums von höchstens 6 Monaten bzw. 24 Wochen vor.

    2) Sonn- und Feiertagsarbeit:

    § 9 ArbZG Abs. 1 sieht ein generelles Sonn- und Feiertagsarbeitsverbot vor. -> da habt als BR immer ein Mitspracherecht (§ 87 Abs 1 Ziffer 2)

    3) Dienstpläne:

    Die kann der AG nicht freihändig ändern, da habt Ihr immer ein MBR § 87 Abs 1 Ziffer 2 und 3


    Die Sonn- und Feiertagarbeit muss auch beim Gewerbeaufsichtsamt (oder Nachfolgeorganisation?) angemeldet und genehmigt sein. Hier könnt Ihr auch noch vorstellig werden.

    Liebe Grüße
    heelium

  • für die zahlreichen Anregungen bzw. Antworten. Der Hase liegt wohl da im Pfeffer, dass einige Kollegen "alte" Verträge haben, die eine 5 Tage Woche ausdrücklich beschreiben, andere wiederum nicht. Unsere Abtl. Küche gehörte Tariftechnisch in Anlehnung der Nahrungsmittelliga an, aber man (das heißt die Personalabteilung) und die einzelnen Mitarbeiter, haben dies aufgekündigt, dafür haben jetzt halt alle Küchenmitarbeiter eine 40 statt eine 45 Stundenwoche, dafür weniger AZV's und -nicht immer vorher dran gedacht, keinen Anspruch mehr auf Lohnerhöhungen im Rahmen der Tariferhöhung, da kein Tarif mehr da....
    Ich habe die Kollegen schon mehrfach gebeten mir doch mal den Passus ihrer Verträge zu zeigen, ausdem ersichtlich ist, ob da 5 Tage oder 6 Tage Woche steht......Und wenn der Küchenchef ein netter Kollege ist, dann gibt er sicherlich jedes 3. Wochenende frei, oder zumindest den Sonntag, wenn nicht, dann heißt das vielleiciht im Winter und Frühjahr immer Sonntags frei und in der Saison nicht, er kann ja wohl die 15 Sonntage hinlegen, wohin auch immer er will...
    Und was die Dienstpläne und das einreichen derselben angeht: sowas wird sicherlich [bimmerb] mit kurzfristige Änderung wegen Krankheit, Ausfall oder Pesteinsatz entschuldigt. Eigentlich hängt immer ein 3 Wochenplan in der Küche, der in der laufenden und den kommenden Wochen oft mehrmals wöchentlich geändert wird - weil halt immer jemand krank. Ich denke, abgesehen von Gesetzen etc. liegt es auch immer ein bissi an der Bereitschaft des jeweiligen Chefs seinen Mitarbeitern gerecht frei zu geben und nicht so, dass der Eindruck entsteht, manche haben öfters das WE frei und einige haben immer die A-Karte.
    Aber was ich eigentlich sagen wollte, war vielen, vielen Dank! Ihr seid Spitze! :idea: :D

  • Hallo Inselchen,

    was mir noch eingefallen ist: Die KollegInnen können nach dem TzBfG auch eine Verkürzung der Arbeitszeit verlangen, wenn es dem AG zumutbar ist (§ 8). Ihr solltet aber dann unbedingt darauf achten, dass die Verringerung befristet ist, weil der AN anschließend keinen Anspruch auf Verlängerung hat, wenn dies unbefristet ist.

    Lieben Gruß
    heelium

  • Hallo Inselchen,

    man muß nicht alles hinnehmen - zeigt dem AG doch mal Euer Waffenarsenal. Nutzt Euere Mitbestimmungsrechte, sorgt für freie Sonntage, die 5-Tage-Woche, die Abschaffung geteilter Dienste etc...

    Grüße
    Winfried

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Team-ifb

    Hat das Thema geschlossen.