Unentgeltliche Fehlerbehebung in der Freizeit

  • Hallo zusammen,

    ein Kollege (der leider keinen BR mitgenommen hat) war soebend bei unserem Personalchef und hat eine schriftliche Ermahnung erhalten. Der Grund für die Ermahnung ist, dass 29 Paletten à 84 Kartons mit falschen Chargennummern versehen wurden sind. Der Kollege hat statt dem 266 Kalendertag den 166 eingegeben. Die 2436 Kartons mussten von Hand von den Paletten genommen werden, mit der richtigen Chargennummer beklebt werden und dann wieder auf die Palette gestellt werden. Ich bin der Meinung, da Menschen nicht fehlerfrei sind und es keine Überwachung (technische, 4 Augen-Prinzip)gibt, kann soetwas mal passieren, auch wenn es sehr ärgerlich ist und einen gewissen Mehraufwand verursacht.

    Im Wiederholungsfall, kündigt der Personalchef an, dass die Mitarbeiter der Anlage unentgeltlich in ihrer Freizeit die Korrektur des Fehlers beheben müssen. Kann das richtig sein? Dürfte er soetwas anordnen? Inwiefern sind wir als BR da im Boot?

    Freue mich auf eure Antworten

    MfG

    MarcoP.

  • Hallo Marco,

    das ist m.E. Bullshit.
    Sicher kann der AG mal Mehrarbeit anordnen, aber nur, wenn unaufschiebbare Dinge erledigt werden müssen ( Beispiel: verderbliche Ware).
    Alle andere Mehrarbeit ist dem BR vorzulegen.
    Unendgeltlich während der Freizeit m.E. ganz klar unzulässig.

    Gruß
    Wolle

  • Zitat von Wolle :

    Unendgeltlich während der Freizeit m.E. ganz klar unzulässig.

    Kannst Du das anhand von Gesetzen argumentieren, dass zieht immer am besten, wenn wir dem Personaler so kommen :wink: Aber gute Argumente würden auch schon reichen.

  • Hallo Marco,

    Ihr habt doch bestimmt Arbeitsverträge.
    Hier steht, wie lang Dein Kollege arbeiten muss und was der AG dafür bezahlen muss.
    Will der AG, dass der Kollege mehr arbeitet muss er beim BR Mehrarbeit beantragen.
    Und wenn Ihr dem zustimmen solltet muss er die Mehrarbeit natürlich auch vergüten.
    Und schon könnt Ihr mitbestimmen.
    Und achtet auch ruhig darauf, dass er nicht länger als 10 Stunden arbeitet.

    Gruß
    Wolle

  • Zitat von MarcoP. :

    Kannst Du das anhand von Gesetzen argumentieren (...)

    Hallo,

    z.B.: § 106 GewO sagt: Der Arbeitgeber kann Inhalt, Ort und Zeit der Arbeitsleistung nach billigem Ermessen näher bestimmen, soweit diese Arbeitsbedingungen nicht durch den Arbeitsvertrag, Bestimmungen einer Betriebsvereinbarung, eines anwendbaren Tarifvertrages oder gesetzliche Vorschriften festgelegt sind. Kostenloses Arbeiten außerhalb der Arbeitszeit widerspricht mit Sicherheit den Arbeitsverträgen. Stünde eine solche Verpflichtung doch in den AVen, widerspräche diese Klausel § 307 BGB. Zum "billigen Ermessen" lese man § 315 BGB. Sicher auch einschlägig ist der § 611 BGB, da steht, dass für eine vertragliche Leistung auch eine vertragliche Vergütung zu erwarten ist.

    Bei der Anordnung von Mehrarbeit ist der BR nach § 87 I Nr. 2 und 3 BetrVG zu beteilgen.

    Grüsse Winfried

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • was euer AG da anspricht, geht meines Erachtens in Richtung Haftungsfrage oder Ausschußregelung. Was er andeutet, käme einer Bußordnung gleich.
    "... Wenn der Herr dingens da noch einmal den Fehler macht, muss er den Schaden beheben ..."
    Die Beschränkung der Haftung ist gerne auch Gegenstand von Tarifverträgen. Ist dies der Fall und lässt der TV nicht geöffnet, wäre der Weg einer BV verschlossen und somit auch die Mitbestimmung des BR nicht gegeben. Marco - musst mal schauen, ob ein TV da was für euch regelt.
    Bei der Haftungsfrage wird übrigens unterschieden, ob vorsätzlich oder fahrlässig oder grob fahrlässig und dergleichen gehandelt wurde. Dies wären auch Entscheidungsmerkmale für eine etwaige abzuschliessende Betriebsvereinbarung.

  • Team-ifb

    Hat das Thema geschlossen.