Erneute Einladung zum Vorstellungespräch notwendig?

  • Hallo rtjum,

    das ein Bewerber nicht genommen wurde heißt nicht, dass er nicht grundsätzlich geeignet wäre - es waren ggf andere fachlich deutlich kompetenter. Ist der SbM jedoch fachlich zwar grundsätzlich geeignet, war also wegen der herrausragenden Leistungen eines anderen nicht genommen worden so ist er in jedem Fall zu laden.

    Von einer Einladung würde ich nur absehen wenn er beim ersten Vorstellunggespräch als fachlich ungeeignet bewertet wurde und dies in den Bewertungsbögen auch eindeutig dokumentiert wurde.

    Die Einladung ist inm Zweifel immer die bessere Wahl!

  • dann solltest Du evtl. mal Deine wortwahl überdenken, denn das wird Dir hier ja ziemlich regelmäßig mal vorgeworfen.

    V.a. von einem bestimmten Teilnehmer, der sehr häufig BS verbreitet.

    Aber nochmal, da du ja, wie du selbst geschrieben hast, von der Materie auch sehr wenig Ahnung hast (...)

    Auf albarracin warten ist in Fragen des SGB IX natürlich immer gut. (Wobei ich finde, dass er bereits recht klar geantwortet hat)


    Zweierlei schreibe ich mir bzgl Expertise allerdings auf die Fahne: Ich kann Urteile und juristische Texte lesen und verstehen, und im AGG (um das es im Urteil auch geht) bin ich auch relativ firm.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    2 Mal editiert, zuletzt von Pfried ()

  • Ich kann Urteile und juristische Texte lesen und verstehen, und im AGG (um das es im Urteil auch geht) bin ich auch relativ firm.

    will ich Dir auch auf keinen Fall absprechen!


    Aber:

    Das Urteil geht ja nicht darauf ein, ob ein Bewerber dem potenziellen AG bereits aus vorherigen Bewerbungsrunden oder anderen Gründen bekannt ist und der AG objektiv schon feststellen kann, dass der Bewerber fachlich oder persönlich nicht geeignet ist.


    Wenn aber in der "ersten Runde" schon keine Einstellung des Bewerbers erfolgte, dann kann es doch nur an fehlender fachlicher oder persönlicher Eignung liegen.

    Beides sollte man als AG, doch eh dokumentieren.


    Natürlich ist es alle Mal rechts sicher wenn ich den Bewerber einlade, auch wenn genau eine dieser beiden Feststellungen beim ersten Mal getroffen wurde. Das bestreite ich auch gar nicht.

    You choose your leaders and place your trust as their lies wash you down and their promises rust (MMEB Going Underground)

  • Dass Urteile nicht zu 100% exakt identische Fälle beschreiben, und dass man da ein wenig analog denken muss, ist doch bitteschön Tagesgeschäft. Das BAG hat hier (nicht zum ersten Mal) außerdem recht klar definiert.

    Wenn aber in der "ersten Runde" schon keine Einstellung des Bewerbers erfolgte, dann kann es doch nur an fehlender fachlicher oder persönlicher Eignung liegen.

    Wie ich bereits schrieb und begründete, bedeutet das damit eben nicht die "offensichtliche Nichteignung". Aber wenn Du das weiter glauben magst, bitte sehr.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    Einmal editiert, zuletzt von Pfried ()

  • Dass Urteile nicht zu 100% exakt identische Fälle beschreiben, und dass man da ein wenig analog denken muss, ist doch bitteschön Tagesgeschäft

    ooh, ja ist mir völlig neu. :rolleyes:

    Deine Beschreibung und Begründung lässt halt den Punkt, dass der Bewerber aus einem vorherigen Vorstellungsgespräch schon bekannt ist, komplett außen vor.

    Das ist aber doch ein wesentlicher Punkt in der ganzen Sache.

    Und es gibt Urteile, die, bei bekannter persönlicher Nichteignung (z.B. durch vorherige Bewerbungsgespräche oder vorherige Beschäftigungen bei dem AG), eine Einladung als nicht zwingend ansehen.


    Jetzt aber allseits ein schönes, erholsames, sonniges und gemütliches Wochenende.

    You choose your leaders and place your trust as their lies wash you down and their promises rust (MMEB Going Underground)

  • Und es gibt Urteile (...).

    Quellen nur mit Angabe, also hier bitte Gerichte, Daten und jeweilige Az, dann kann man das prüfen und darüber reden.

    Deine Beschreibung und Begründung lässt halt den Punkt, dass der Bewerber aus einem vorherigen Vorstellungsgespräch schon bekannt ist, komplett außen vor.

    Nein. Das wurde mehrmals von mir angeführt. Langsam zweifle ich an Deinem Lese-Sinn-Verständnis. Randolf macht sich ja gerade rar, vllt strebst Du die Nachfolge an?

    (...) bei bekannter persönlicher Nichteignung (z.B. durch vorherige Bewerbungsgespräche ...).

    Die offensichtliche Nichteignung ergibt sich, ich schreibe es zum x-ten Male, nicht daraus, dass ein:e Bewerber:in bei einer früheren Bewerbung nicht berücksichtigt wurde.


    Hast Du jemals Stellenausschreibungen und Bewerbungsverfahren fachlich begleitet? Ich habe durchaus selbst erlebt, dass es z.B. 10 Bewerbungen gab, keine einzige davon fachlich oder persönlich wirklich ungeeignet, es aber trotzdem weitere Akquise- und Ausschreibunsversuche gab (sei es wg Teamprozessen und -konflikten, Bauchgefühlen, Uneinigkeit zwischen Hierarchieebenen, unrealistischen Ansprüchen usw.usf.). Hätte man sich für eine Person entschieden, wären die anderen neune auch nicht offensichtlich ungeeignet gewesen.

    ooh, ja ist mir völlig neu.

    Es wirkte tatsächlich so.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    2 Mal editiert, zuletzt von Pfried ()

  • Im öffentlichen Dienst laufen ein paar Dinge anders als in der freien Wirtschaft, daher als kleine Ergänzung:


    Wir haben Artikel 33 Abs. 2 GG zu beachten und müssen daher nach Eignung, Leistung und Befähigung auswählen. Jede sich bewerbende Person (auch auf Stellen für Arbeitnehmende) hat einen Anspruch darauf, dass das Verfahren frei von (Rechts-)Fehlern abläuft.


    Sollte die ausschreibende Behörde den Bewerbungsverfahrensanspruch verletzen müsste sie bei Einreichung einer Konkurrentenklage das Verfahren fehlerfrei neu durchführen. Da ein solcher Anspruch im Rahmen des einstweiligen Rechtsschutzes gesichert werden kann, indem der Behörde untersagt wird, die Stelle bis zur Entscheidung in der Hauptsache nicht zu besetzen kann das deutlich unangenehmer werden also drohende Ersatzzahlungen nach dem AGG ;)


    Sobald also ein schwerbehinderter Mensch einzuladen ist, weil er alle konstitutiven (=zwingend zu erfüllenden) Ausschreibungskriterien erfüllt und nicht eingeladen wird ist das Verfahren auch insoweit angreifbar, da er dann nicht offensichtlich ungeeignet ist.

    Ob die schwerbehinderte Person die nicht konstitutiven (=lediglich wünschenswerten) Merkmale erfüllt oder nicht ist komplett unbeachtlich, sie ist einzuladen.


    Die offensichtliche Nichteignung bezieht sich lediglich auf die o.g. Ausschreibungsmerkmale, nicht auf die Erfahrungen in vorangegangenen Gesprächen.


    Wenn ich bspw. eine/n MFA suche mit mindestens dreijähriger beruflicher Tätigkeit und die schwerbehinderte Person erfüllt diese beiden Voraussetzungen ist sie einzuladen. Auch wenn sie sich im vergangenen Gespräch vielleicht als ungeeignet erwiesen hat, weil sie nen schlechten Tag hatte und Fachfragen nicht beantworten konnte, griesgrämig wirkte weil sie heftige Schmerzen hatte oder oder oder. Aber das sind ja alles Dinge, die auch in einem zweiten Verfahren nicht mehr so sein müssen. Von daher finde ich die BAG-Rechtsprechung da schon garnichtmal so übel ;) Zu beachten ist sie ohnehin ;)


    Da hier neu ausgeschrieben wurde ist für die Einladungspflicht (erneut) nur fraglich, ob der schwerbehinderte Mensch die konstitutiven Merkmale der neuen Ausschreibung erfüllt oder nicht.

  • Die offensichtliche Nichteignung bezieht sich lediglich auf die o.g. Ausschreibungsmerkmale, nicht auf die Erfahrungen in vorangegangenen Gesprächen. Wenn ich bspw. eine/n MFA suche mit mindestens dreijähriger beruflicher Tätigkeit und die schwerbehinderte Person erfüllt diese beiden Voraussetzungen ist sie einzuladen. Auch wenn sie sich im vergangenen Gespräch vielleicht als ungeeignet erwiesen hat, weil sie nen schlechten Tag hatte und Fachfragen nicht beantworten konnte, griesgrämig wirkte weil sie heftige Schmerzen hatte oder oder oder. Aber das sind ja alles Dinge, die auch in einem zweiten Verfahren nicht mehr so sein müssen.

    Danke, John Sheridan , das ist sehr gut erklärt. So sollte es nun wirklich jede:r verstehen können.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • was versteht man denn genau darunter?

    ...



    Ist das in einem zweiten Verfahren keine klar erkennbare, deutliche Nichteignung?

    Wenn in der Stellenausschreibung z.B. ein Hochschulabschluss gefordert ist und er Bewerber diesen nicht nachweisen kann, ist das eine deutliche Nichteignung, die auch nichts mit einer eventuellen zu erwartenden Einschränkung durch eine festgestellte Behinderung hat.


    Wenn sich in dem Fall also der Bewerber erneut bewirbt und formal die Eignungen nachweisen kann, die in der Stellenausschreibung angefordert sind, liegt keine Nichteignung vor.


    Dass es im Bewerbungsgespräch davor nicht gepasst hat - auf welcher Ebene auch immer - hat keinen Einfluss auf die formale Eignung des Bewerbers.


    Kurz: Ich kann als SBV nur dazu raten, den Kandidaten, wie oben schon geschrieben, einzuladen, um eventuellen Strafzahlungen wegen Diskriminierung zu entgehen. Ja. das Gespräch bindet bei Euch personelle Ressourcen und kostet somit etwas. der Andere Fall wäre aber deutlich teurer.

    Manchmal reicht freundliches Zähne zeigen - auch lächelnd kann man auf die Rechte hinweisen - und der Schritt zum Gericht ist letzten Endes dann doch nicht notwendig.

  • Quellen nur mit Angabe,

    LArbG Nürnberg, Urteil v. 20.05.2021 – 5 Sa 418/20


    und hier finde ich in dem Artikel leider kein AZ


    BAG: Keine Berücksichtigung eines schwerbehinderten Bewerbers für befristete Stelle, wenn unzulässige Kettenbefristung droht
    Eine interessante Entscheidung des BAG zum Schutz schwerbehinderter Menschen im Spannungsverhältnis zum Verbot von Kettenbefristungen:Der schwerbehinderte…
    community.beck.de


    Nochmal: Mir geht es nicht darum, dass ich Deine Aussage

    Der AG muss beweisen können, dass die Nichtberücksichtigung im vorigen (und damit auch jetzigen) Auswahlverfahren aufgrund der Nichterfüllung fachlicher Kriterien erfolgte.

    als falsch ansehe, nur in der von Dir immer wieder postulierten Ausnahmslosigkeit ist es halt nicht so ganz richtig.




    You choose your leaders and place your trust as their lies wash you down and their promises rust (MMEB Going Underground)

  • rtjum , ein LAG-Urteil zu einem Fall, wo der sb Bewerber sich auf eine Stelle beworben hatte, von der er vorher wg Unfähigkeit entfernt worden war? Und ein nicht einschlägiges BAG-Urteil (in dem es um die Einstellung geht, nicht ums Bewerbungsgespräch)? Ernsthaft?


    Ich denke, John Sheridan und Binchen3 haben es bestens erklärt. Dazu ist also alles gesagt.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • ein LAG-Urteil zu einem Fall, wo der sb Bewerber sich auf eine Stelle beworben hatte, von der er vorher wg Unfähigkeit entfernt worden war?

    genau, offensichtliche persönliche Nichteignung. Die Möglichkeit, die Du aber die ganze Zeit in deinem Absolutismus verneinst.


    Jetzt ist alles gesagt.

    You choose your leaders and place your trust as their lies wash you down and their promises rust (MMEB Going Underground)

  • Die Möglichkeit, die Du aber die ganze Zeit in deinem Absolutismus verneinst.

    Nein.


    Ich bin in ca. vier Beiträgen hier im Thread auf das Thema eingegangen, inkl zitiertem BAG-Urteil. Beim hier diskutierten Fall liegt halt keine offensichtliche Nichteignung vor, und Deine Ansage, eine Nichtberücksichtigung von Bewerber:innen bei früheren Ausschreibungen bedeute eine offensichtliche Nichteignung, ist eben grottenfalsch.


    Dein Lese-Sinn-Verständnis scheint wirklich sehr arg beeinträchtigt zu sein. 8o

    Jetzt ist alles gesagt.

    Nicht erst jetzt.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Beim hier diskutierten Fall liegt halt keine offensichtliche Nichteignung vor

    das hat Sonnenschein99 nie irgendwo geschrieben dass das nicht der Fall ist, das interpretierst Du hinein, genauso wenig wie sie geschrieben hat, dass es der Fall ist.


    Dein Lese-Sinn-Verständnis scheint wirklich sehr arg beeinträchtigt zu sein.

    You choose your leaders and place your trust as their lies wash you down and their promises rust (MMEB Going Underground)

  • rtjum , Du hattest folgendes geschrieben:

    also ganz persönliche Meinung ist wenn ein Bewerber beim ersten Mal nicht geeignet war wird er des beim zweiten Mal auch nicht sein.

    Offensichtliche fachliche Nichteignung ist ja durch das erste Gespräch bereits gegeben.

    Und das ist und bleibt grottenfalsch. Wenn Du das bis jetzt nicht kapierst, wirst Du es wohl nie verstehen.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    Einmal editiert, zuletzt von Pfried ()

  • Und das ist und bleibt grottenfalsch.

    dann genauso wie Dein


    Beim hier diskutierten Fall liegt halt keine offensichtliche Nichteignung vor.

    denn das ist Deine Interpretation der nicht vorliegenden Fakten.


    Aber jetzt ist wirklich genug.

    Wenn Du das bis jetzt nicht kapierst, wirst Du es wohl nie verstehen.

    You choose your leaders and place your trust as their lies wash you down and their promises rust (MMEB Going Underground)

  • Wenn in der Stellenausschreibung z.B. ein Hochschulabschluss gefordert ist und er Bewerber diesen nicht nachweisen kann, ist das eine deutliche Nichteignung, die auch nichts mit einer eventuellen zu erwartenden Einschränkung durch eine festgestellte Behinderung hat.

    So einfach sehe ich das nicht.

    Wenn der Hochschulabschluss nicht zwingend erforderlich ist, z.B. weil er eine Voraussetzung für die Berufsausbildung ist, wie bei Anwälten, Richtern, Ärzten, Architekten etc, dann sehe ich im fehlenden Hochschulabschluss keine objektive Nichteignung. Nicht umsonst gibt es ja im öffentlichen Dienst die "sonstigen Beschäftigten".

  • Meines Erachtens ist ein Mensch, der zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wurde, nicht offensichtlich ungeeignet.

    Wenn es sich hier um den öffentlichen Dienst handelt und ich die guten Ausführungen von John Sheridan korrekt verstehe, dann sind die Anforderungen in "Pflicht" und "Kür" unterteilt. Die Pflichtanforderungen werden entweder erfüllt (und sollten dann nachweisbar sein) oder sie werden nicht erfüllt. Dann wäre die Eignung offensichtlich nicht gegeben, aber das erste Bewerbungsgespräch wäre auch schon Unfug gewesen.


    Sofern für die erneute Bewerbung keine konkrete Ausnahme von der Pflicht zur Einladung vorgesehen ist, muss wieder eingeladen werden.

    (Wir haben in unseren Richtlinien zu internen Bewerbungen z. B. die Regelung, dass bei Bewerbungen auf mehrere Stellen in kürzerem Zeitraum auf ein Gespräch verzichtet werden kann.)

  • (Wir haben in unseren Richtlinien zu internen Bewerbungen z. B. die Regelung, dass bei Bewerbungen auf mehrere Stellen in kürzerem Zeitraum auf ein Gespräch verzichtet werden kann.)

    Das wäre bei SB im öD jedoch illegal.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • (Wir haben in unseren Richtlinien zu internen Bewerbungen z. B. die Regelung, dass bei Bewerbungen auf mehrere Stellen in kürzerem Zeitraum auf ein Gespräch verzichtet werden kann.)

    Verschiedene Stellen? Dann viel Spaß wenn da mal ein Bewerber klagt.

    Bevor wir einfache oder komplizierte Gesetzen/Verordnungen erlassen sollten wir es vielleicht mit etwas einfachen wie Hochdeutsch versuchen :)