Mithilfe beim Umzug auf "freiwilliger" Basis

  • Liebe Kollegen,


    bei uns steht Ende des Jahres ein Umzug an. Unser Sender zieht in ein neues Haus. Der größte Teil des Umzugs ist organisiert und wird von einem Unternehmen vorgenommen.

    Nun geht es um das "Einrichten" der neuen Büroräume. Dazu gab es vom Arbeitgeber diesen Hinweis in einer InfoMail:

    "Alle, die Lust und Zeit haben, an dem Wochenende 14. und 15. September mitzuhelfen, sind herzlich willkommen. Wir freuen uns über jede helfende Hand."
    Wir können also "freiwillig" helfen und wer nicht möchte, bleibt halt zu hause. Soweit so gut.

    Aus unserer Sicht, als Betriebsrat, erzeugt die Aufforderung in der Mail aber auch einen gewissen Sozialdruck - "freiwillig" helfen zu müssen. Die Mitarbeiter sind sich jedenfalls unsicher. Grundsätzlich sind viele bereit zu helfen, würden sich zumindest aber über einen Überstundenausgleich dafür freuen.

    Deshalb hier die Fragen:

    • Ist eine solche freiwillige Hilfe beim Arbeitgeber überhaupt möglich? (Auch wegen der Absicherung bei Unfällen).
    • Wie würdet ihr in der Kommunikation mit dem Arbeitgeber vorgehen?

    Über Einschätzungen und Ratschläge würden wir uns freuen.


    Beste Grüße, Ralfi05

  • M.E. (und das muss vorher mit dem AG geklärt sein, damit es unstrittig ist), ist das entlohnungsrechtlich als ArbZ zu werten, muss also bezahlt werden. Die Freiwilligkeit ist dabei unerheblich. Die AN erbringen dem AG Dienste, nach § 611 BGB hat er diese zu vergüten.


    Auch arbeitszeitrechtlich ist das ArbZ.


    Damit ist auch der gesetzliche Versicherungsschutz positiv geklärt.


    Und betriebsverfassungsrechtlich sehe ich das als mitbestimmt. D.h. ohne Zustimmung des BR kann der AG die AN auch nicht freiwillig heranziehen.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Hinweis am Rande: Da der 15. September ein Sonntag ist muss der AG eine behördliche Ausnahmegenehmigung für Sonntagsarbeit einholen. MA, die dann arbeiten, haben Recht auf einen Ersatzruhetag.

    Darum wird der AG durch die angebliche Freiwilligeit der Aktion nicht herumkommen, es sei denn Ihr gehört zu einer Branche, die davon ausgenommen ist.

  • MA, die dann arbeiten, haben Recht auf einen Ersatzruhetag.

    Das würde ich auch für den Samstag gegenüber normalem Arbeitslohn präferieren. Warum soll der Buchhalter, der keinen Nagel in die Wand schlagen kann, beim Umzug das doppelte verdienen, wie der Lagerarbeiter, der mal kurz unter jeden Arm einen Büroschrank klemmt? (Klischees, ich weiß)


    Wenn man den MA pro Umzugstag einen Ruhetag nach eigenem Ermessen und ein großes Blech Pizza zur Verfügung stellet, klappt es auch mit der Freiwilligkeit. 8)

    Für einen Betriebsrat gilt: Lobt dich der Gegner, ist das bedenklich. Schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg. (August Bebel)