Änderung Arbeitsablauf

  • Guten Tag Zusammen,


    In meiner Firma wurde ein Arbeitsablauf geändert.

    Es sollen nun vor einer Maschine nicht mehr als 2 Produkte/Material zur verarbeitung vorgezogen werden.

    Bis vor kurzem haben wir über 10 Jahre lang immer für die ganze Schicht das benötigte Material zur weiterverarbeitung vor die entsprechende Maschine gestellt.

    Dadurch hat sich nun logistisch einiges geändert, was unter anderem zu einer Mehrbelastung der einzelnen Kollegen führt.


    So müssen manche Produkte, Gewicht ca. 80 bis 100 Kilo, gedreht werden.
    Das wurde immer am Anfang der Schicht zu Zweit mit Rollwagen bewerkstelligt.


    Nun ist es so, dass nur noch 2 Materialien vorgezogen werden sollen. Da holt der Kollege natürlich nicht immer
    den anderen Kollegen zum mit anpacken.

    So dass dann immer 1 Kollege am rumbuckeln ist und versucht die Materialien alleine zu drehen.


    Natürlich kann man auch sagen "Dumm für den Kollegen, muss er eben warten bis der andere Kollege in der Nähe ist".


    Aber das ist in der betrieblichen Praxis eben nicht immer gewährleistet und blockiert ein flüssiges weiterarbeiten.


    Ich werde jetzt ersteinmal bemängeln, dass mein Informatinsrecht nach §90 Abs.1 Satz.3 BetrVG nicht beachtet wurde und ich so meine Beratungsrechte nach §90 Abs.2 dadurch nicht ausüben konnte.


    Außerdem sehe ich hier eine betriebliche Übung, immerhin wurde das schon seid mehr als 10 Jahren so gehandhabt.

    Leider ist die Betrieliche Übung ja ein Individualrechtsanspruch, wenn ich mich recht entsinne - aber mit kollektiven Bezug.


    Soll ich den AG noch auffordern, dass er diesen Arbeitsablauf rückgängig macht, bis sich mit dem BR zusammen geeinigt worden ist?

    Theorie der Wirksamkeitsvorraussetzung?


    Habt Ihr andere Ideen?

  • So müssen manche Produkte, Gewicht ca. 80 bis 100 Kilo, gedreht werden.
    Das wurde immer am Anfang der Schicht zu Zweit mit Rollwagen bewerkstelligt.

    Da bist du auch bezüglich Arbeits- und Gesundheitsschutz im Boot. Lass dir doch mal eine Gefährdungsanalyse für den Arbeitsplatz nach der Prozessumstellung vorlegen.

    Man wird alt wie ein Haus und lernt doch nie aus.

  • Nun ist es so, dass nur noch 2 Materialien vorgezogen werden sollen. Da holt der Kollege natürlich nicht immer
    den anderen Kollegen zum mit anpacken.

    So dass dann immer 1 Kollege am rumbuckeln ist und versucht die Materialien alleine zu drehen.


    Natürlich kann man auch sagen "Dumm für den Kollegen, muss er eben warten bis der andere Kollege in der Nähe ist".

    am Ende muss man den AN klar machen, das sie das nicht machen sollen, aus Gesundheitsschutz.

    Verbieten kannst Du es denen ja nicht und der AG wird es nicht verbieten wollen.

    Aber das ist in der betrieblichen Praxis eben nicht immer gewährleistet und blockiert ein flüssiges weiterarbeiten.

    was nicht das Problem des BR ist, sondern des AG --> außerdem müsst ihr das als BR ja quasi erreichen, wenn ihr den Gesundheitsschutz für die AN anstrebt

    Außerdem sehe ich hier eine betriebliche Übung, immerhin wurde das schon seid mehr als 10 Jahren so gehandhabt.

    eine betriebliche Übung für einen Arbeitsablauf?


    unter betrieblicher Übung fallen Leistungen und Vergünstigungen die der AG dem AN gewährt hat und das wiederholter Maßen so das ein Anspruch des AN entstanden ist.


    Ein Arbeitsablauf im Rahmen des Direktionsrechtes ist keine Vergünstigung oder Leistung zugunsten des AN.


    Das unterliegt doch der Mitbestimmung. Hat der BR da zugestimmt?

    Wenn nein Rückgängig machen bis ihr euch einig seit.

    ich bin da bei Arbeitsabläufen aber nicht bei Mitbestimmung sondern bei Information und Beratung, d.h. Informieren und beraten ja - mitbestimmen grundsätzlich nicht


    § 90 Abs. 1 Nr. 3, Abs. 2 BetrVG


    der §91 passt m.M.n. nicht, da ja die Möglichkeit besteht, dass der AN sich Hilfe holt, er es nur nicht macht

    --> ihr wären explizite Anweisungen, dass der Arbeitsablauf nur zu zweit oder mit einer Hilfsmaschine zu erledigen ist angebracht

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


    2 Mal editiert, zuletzt von Randolf ()

  • mMan 85 ist ein BR-Einzelkämpfer. Wenn er schreibt, dass er nicht angehört wurde, erübrigt sich die Frage nach Zustimmung des BR.


    Eine Mitbestimmung sehe ich auch nach §87.1 (7). Bei den Gewichten sind Rückenleiden als Berufskrankheit geradezu vorprogrammiert.

    Für einen Betriebsrat gilt: Lobt dich der Gegner, ist das bedenklich. Schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg. (August Bebel)

  • Arbeitsabläufe sind nicht mitbestimmt, und Arbeitsabläufe können niemals Teil einer betrieblichen Übung werden. So viel vorab.


    (Fortsetzung folgt)


    Mitbestimmt könnten allerdings wg des neuen Ablaufs notwendig gewordene Maßnahmen nach § 87 (1) Nr 7 BetrVG sein - Du hast da Initiativrecht und kannst dem AG entsprechenden Maßnahmen vorschlagen.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    3 Mal editiert, zuletzt von Pfried () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Fried mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Du kannst natürlich mit dem §90 argumentieren, das hat m.E. aber keine aufschiebende Wirkung bzw entsteht da kein Unterlassungsanspruch - das ArbG kann den AG aber bei unterbliebener Information des BR zu einer Geldatrafe verdonnern.


    §91 sehe ich als nicht erfüllt.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    Einmal editiert, zuletzt von Pfried ()

  • Arbeits- und Gesundheitsschutz ist für mich hier der Punkt.

    Je nachdem wie diese Gewicht bewegt werden ist das für den Rücken mehr als belastend.

    Wenn ich mich an die bisherigen Threads von Dir richtig erinnere, ist den AG nicht der Einsichtigste.

    Wende dich doch mal an die zuständige Aufsichtsperson eurer BG und erklär der mal was da so passiert.

    You choose your leaders and place your trust as their lies wash you down and their promises rust (MMEB Going Underground)

  • Das unterliegt doch der Mitbestimmung. Hat der BR da zugestimmt?

    Wenn nein Rückgängig machen bis ihr euch einig seit.

    Nein, der BR (Ich) habe nicht zugestimmt.


    § 90 Abs. 1 Nr. 3, Abs. 2 BetrVG


    der §91 passt m.M.n. nicht, da ja die Möglichkeit besteht, dass der AN sich Hilfe holt, er es nur nicht macht

    --> ihr wären explizite Anweisungen, dass der Arbeitsablauf nur zu zweit oder mit einer Hilfsmaschine zu erledigen ist angebracht

    Danke für diese Einschätzung. Ich sehe deinen ganzen Beitrag und Deine Einschätzung als korrekt an bzw. teile Ihn mit Dir.

    Bei der betrieblichen Übung habe ich wieder was gelernt, dass hatte ich mir falsch gemerkt.


    Eine Mitbestimmung sehe ich auch nach §87.1 (7). Bei den Gewichten sind Rückenleiden als Berufskrankheit geradezu vorprogrammiert.

    Ich habs kurz aufgeführt, teile aber eher die Einschätzung von Randolf.

    Um den Arbeitsablauf einigermaßen zu gewährleisten müssen die Materialien rechtzeitig gedreht werden.
    Und ja, dass soll zu Zweit durchgeführt werden.

    Und ja, theoretisch müsste dann jedesmal der Kollege extra dazu kommen.


    Und dann wäre es schon nicht ganz so Rückenschädlich, als wenn der Kollege das alleine machen würde.

    Ich habe eben nochmal gesehen, jetzt verstecken die Kollegen die anderen Materialien in Nischen und Fluren, die von der Leitwarte zum Beispiel nicht einsehbar sind.


    Damit verstopfen sie mitunter Fluchtwege und die Situation ist negativer als vorher.

    Nach Rücksprache von meinen Kollegen werde ich dieses Argumen nicht anführen, denn das soll ja niemand wissen, dass sie das jetzt so handhaben.


    Daher werde ich den AG wohl nur anmahnen, bzw. darauf hinweisen, dass sie zum wiederholten Male "vergessen" haben, mich rechtzeitig zu informieren.


    Arbeitsabläufe sind nicht mitbestimmt, und Arbeitsabläufe können niemals Teil einer betrieblichen Übung werden. So viel vorab.

    Ja, dass meinte Randolf auch schon.

    Aber auch zu Dir ein Danke für die Antwort.


    Du kannst natürlich mit dem §90 argumentieren, das hat m.E. aber keine aufschiebende Wirkung bzw entsteht da kein Unterlassungsanspruch - das ArbG kann den AG aber bei unterbliebener Information des BR zu einer Geldatrafe verdonnern.

    Genau das habe ich vor.

    Also die Geldstrafe noch nicht, aber darauf hinweisen, dass der BR vergessen wurde zu informieren und deshalb seine Beratungsrechte nicht wahrnehmen konnte...



    §91 sehe ich als nicht erfüllt.

    Danke für Deine Einschätzung.



    Arbeits- und Gesundheitsschutz ist für mich hier der Punkt.

    Guten Morgen rtjum,

    leider aber nur auf den ersten Blick.

    Wie ich bereits schrieb.... die Materialien sollen ja zu Zweit gedreht werden.


    Es ist eben nur ein total guter Arbeitsablauf gewesen, den der AG hier unter meiner Meinung nach nicht nachvollziehbaren Gründen zum schlechteren geändert hat.

  • Damit verstopfen sie mitunter Fluchtwege und die Situation ist negativer als vorher.

    Nach Rücksprache von meinen Kollegen werde ich dieses Argumen nicht anführen, denn das soll ja niemand wissen, dass sie das jetzt so handhaben.

    Na da machst Du dich aber angreifbar, weil verstopfte Fluchtwege muss im Prinzip jeder AN sofort melden


    - weil er gesundheitlichen Schaden von AN abwendet, der durch verstopfte Fluchtwege eintreten kann


    als BR bist Du m.M.n. sogar verpflichtet den AG zur sofortigen Abstellung des Sicherheitsrisikos aufzufordern

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • Damit verstopfen sie mitunter Fluchtwege und die Situation ist negativer als vorher.

    Nach Rücksprache von meinen Kollegen werde ich dieses Argumen nicht anführen, denn das soll ja niemand wissen, dass sie das jetzt so handhaben.

    Wenn Ihr wisst oder seht, dass Fluchtwege versperrt werden, müsst Ihr reagieren.

    Bei derartigen Verstößen gegen die Arbeitssicherheit kann es keine 2 Meinungen geben.

    Ihr müsst den Kollegen sagen, dass das so nicht geht und Ihr das weitergeben müsst, sofern es nicht abgestellt wird.

  • leider aber nur auf den ersten Blick.

    sorry, für mich auch auf den zweiten Blick:

    Gewicht ca. 80 bis 100 Kilo

    sind auch für 2 Personen keine alltäglichen Gewichte und führen zu erheblichen Belastungen des Körpers.

    You choose your leaders and place your trust as their lies wash you down and their promises rust (MMEB Going Underground)

  • Meiner Meinung nach:
    Wir haben auch im Werkzeugbau Formen, die man ab und zu Umdrehen muss. Normalerweise muss das mit einem Kran mit 2 "Katzen" bewerkstelligt werden, da die Formen bei einem normalen Kran in die Seile Fallen.


    Es gibt aber auch Formwender (Werkzeugwender).


    Gibts eine Arbeitsanweisung?

    Wenn da steht zu zweit, dann suchst du dir halt einen der gerade nix zu tun hat. Wenn dadurch weniger Teile gefertigt werden können dann ist das halt so. Vielleicht sollte man das ja mal wirklich machen. Da nicht immer einer greifbar war habe ich nur 6 anstatt 60 Teile fertigen können. Was kann i dafür?

  • Darauf beharre ich vehement:

    Mitbestimmt könnten allerdings wg des neuen Ablaufs notwendig gewordene Maßnahmen nach § 87 (1) Nr 7 BetrVG sein - Du hast da Initiativrecht und kannst dem AG entsprechenden Maßnahmen vorschlagen.

    :)

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Ich danke allen Beteiligten ersteinmal für da viele Feedback.

    Ich freue mich wirklich sehr, dass ihr mir so viele Ratschläge gibt.

    Leider geht es immer mehr Kopf runter und rüber.


    Ein Problem ist noch nichteinmal ganz angepackt, so poppen schon wieder 2 Neue auf und ich selbst komme garnicht mehr mit der BR Arbeit nach.


    Momentan bin ich alleine in der Firma, weil alle anderen Kollegen krank sind :(


    Ich komme zum späteren Zeitpunkt nochmal hier zurück zum Thema.

  • Momentan bin ich alleine in der Firma, weil alle anderen Kollegen krank sind

    Egal! Solange TL, GF und Assistenz der GF da sind, sind alle wichtigen Menschen anwesend!


    ;)

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Solange TL, GF und Assistenz der GF da sind, sind alle wichtigen Menschen anwesend!

    Hey, es ging nicht um unnützen Ballast - mit den wichtigen Menschen meinst du wohl eher den Pförtner oder den 'Facility Manager', den Koch und die Reinigungsfachkraft; ohne die läuft bekanntlich nix. 8o ^^ 8)

    Man wird alt wie ein Haus und lernt doch nie aus.

  • kurze Rückmeldung:

    Ich habe mit den übergangenen Beratungsrechten argumentiert@

    § 90 Abs. 1 Nr. 3, Abs. 2 BetrVG


    Daraufhin hat der Arbeitgeber bzw. Die Assistenz es nachgeholt und ich habe ausführlich über die negativen Auswirkungen berichtet, die dieser geänderte Arbeitsablauf mit sich bringt.


    Nun ist es vorerst wieder so wie es einst war.

    Also alter Arbeitsablauf.

    Zwar noch mit dem Nebensatz, dass man schauen muesse, wie es aussieht, wenn wir wieder genug Personal haben.


    Aber zumindest hat es was gebracht.