BR-Aufgaben im QM-Handbuch hinterlegen?

  • Guten Morgen!


    Wir haben seit dem 02.04. (8 Arbeitstagen) eine neue QM-Mitarbeiterin.


    Stellenbeschreibung mit genauen Befugnissen / Weisungsrecht liegt noch nicht vor (hatten wir bei der vorherigen Stelleninhaberin bereits angefordert - aber der Themenbereich zieht sich in allen Bereichen wie altes Kaugummi).


    Besagte neue Kollegin hängt sich in den Arbeitsbereichen bereits arg aus dem Fenster (macht Ansagen an Mitarbeiter, befragt Bewohner) und das alles, ohne sich in Person oder Funktion vorzustellen. Sie hat bereits eine Ansage dazu vom Einrichtungsleiter bekommen.


    Gestern lief sie mir in Begleitung einer PDL in den Arm und stellte sich ebenfalls nicht vor. Ich habe mal spekuliert wer sie sei und gefragt:


    "Ah, die neue Mitarbeiterin im QM? Willkommen an Bord. Wir werden in der nächsten Zeit bestimmt öfter miteinander reden."


    (Wir verstehen hier BR und QM als eine - im optimalen Fall - kommunikativ vernetzte Angelegenheit, da einige Bereiche, die die QM eventuell angeht die Mitbestimmungsrechte durchaus betreffen kann.)


    "Ja, mir ist aufgefallen, dass die Aufgaben des BR noch nicht im QM-Handbuch stehen." :huh:


    Stehen sie bei jemandem von Euch mit im QM-Handbuch? Oder dürfen wir auf das BetrVG verweisen?


    Es wirkte nicht wie:

    "Wir informieren die MA mal, dass sie sich bei folgenden Fragen und Problemen (Auflistung) vertrauensvoll während der Arbeitszeit an den BR wenden können und wo sie ihn finden."


    Wie würdet Ihr damit umgehen?

    Manchmal reicht freundliches Zähne zeigen - auch lächelnd kann man auf die Rechte hinweisen - und der Schritt zum Gericht ist letzten Endes dann doch nicht notwendig.

  • "Ja, mir ist aufgefallen, dass die Aufgaben des BR noch nicht im QM-Handbuch stehen." :huh:

    Das müssen Sie auch nicht.


    Wenn ich richtig verstanden habe seid ihr in der Pflege .


    Was gehört in ein QM Handbuch Pflege?

    Das Qualitätsmanagement-Handbuch

    • Registratur und Inhalt. Zusammenfassung. ...
    • Mitgeltende Dokumente. Zusammenfassung. ...
    • Allgemeine Anforderungen an das Qualitätsmanagementsystem. Zusammenfassung. ...
    • Die Organisationsstruktur. Zusammenfassung. ...
    • Pflegeleitbild und Pflegekonzept. ...
    • Kontext der Organisation. ...
    • Planung. ...
    • Managementbewertung.


    Stehen sie bei jemandem von Euch mit im QM-Handbuch? Oder dürfen wir auf das BetrVG verweisen?

    bei uns nicht. Und ja das denke ich schon.


    Wie würdet Ihr damit umgehen?

    Eventuell mal zu einem Gespräch einladen und wie ihr euch die Zusammenarbeit vorstellt. Oder auch wie es bei euch bis jetzt läuft und ob Sie das ändern möchte?

  • Wir haben seit dem 02.04. (8 Arbeitstagen) eine neue QM-Mitarbeiterin. Stellenbeschreibung mit genauen Befugnissen / Weisungsrecht liegt noch nicht vor (...).

    Der Käse ist ja jetzt gegessen, aber warum verlangt Ihr so etwas nicht bei der Anhörung zur personellen Maßnahme?

    Besagte neue Kollegin hängt sich in den Arbeitsbereichen bereits arg aus dem Fenster (macht Ansagen an Mitarbeiter, befragt Bewohner) und das alles, ohne sich in Person oder Funktion vorzustellen. Sie hat bereits eine Ansage dazu vom Einrichtungsleiter bekommen.

    Wie sah diese Ansage aus?


    Ohne Mitwirkung des BR sind große Teile des QM nicht umsetzbar, weil Informations- und Mitbestimmungsrechte des BR tangiert sind. Vllt müsst Ihr da in die Klärung mit dem AG.

    "Ja, mir ist aufgefallen, dass die Aufgaben des BR noch nicht im QM-Handbuch stehen." Stehen sie bei jemandem von Euch mit im QM-Handbuch? Oder dürfen wir auf das BetrVG verweisen?

    Es gehört definitiv nicht zu den Aufgaben des BR, seine Aufgaben in QM-Handbücher zu schreiben.

    Wie würdet Ihr damit umgehen?

    Mit dem AG über die Grenzüberschreitungen und QM im Allgemeinen reden und ein 6-Augen-Treffen (AG, BRV, QMB) vorschlagen. Wenn das stattgefunden hat, QMB in die Sitzung einladen.


    QM auf Mitbestimmungsrechte prüfen und da, wo Regeln fehlen, diese nachholen.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    Einmal editiert, zuletzt von Pfried ()

  • Guten Morgen,


    stünden "Prozesse" des BR im QM-Handbuch, würden sie am Ende noch auditiert werden!


    Spätestens wenn ein Auditor nach BR-Unterlagen fragen würde, würde ich mit Verweis aufs BetrVG lächelnd mitteilen, dass ich keinerlei Auskunft zu BR-Interna geben werde, geschweige denn Unterlagen zeigen.

  • "Ja, mir ist aufgefallen, dass die Aufgaben des BR noch nicht im QM-Handbuch stehen." :huh:


    Stehen sie bei jemandem von Euch mit im QM-Handbuch?

    Putzige Vorstellung.


    Ich würde die Dame wohl fragen, ob sie denn eine ungefähre Ahnung über Funktion und Aufgaben eines Betriebsrates hat ... offenbar stellt sie sich den BR wie eine beliebige Funktionsabteilung (Ambulanz oder Endoskopie o.ä.) vor.

    Vielleicht würde ich sie auch fragen, ob sie denn die Aufgaben der Geschäftsführung schon im QM-Handbuch erfasst habe.


    Von weisungsfreier Tätigkeit hat sie wohl bisher nie gehört oder glaubt, nur die großen Chefs seien weisungsfrei ... da mangelt es wohl einfach an betrieblicher Erfahrung. Aber schaut halt, engagierte Leute sind dennoch nicht die schlimmsten, vor allem wenn man sie noch gut einweisen kann.

    Man wird alt wie ein Haus und lernt doch nie aus.

  • "Ja, mir ist aufgefallen, dass die Aufgaben des BR noch nicht im QM-Handbuch stehen." :huh:

    Antwort:

    "Womit Sie die Grenzen Ihrer Zuständigkeiten selbstständig und ohne fremde Hilfe erkannt haben, das gibt Anlass Hoffnung zu haben"

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • Naja was man sicher mit dem Hinweis das das keine abschließende Beschreibung ist, bei welchen Dingen/Vorgängen der Betriebsrat vom Unternehmen zu beteiligen ist.

    Bevor wir einfache oder komplizierte Gesetzen/Verordnungen erlassen sollten wir es vielleicht mit etwas einfachen wie Hochdeutsch versuchen :)

  • Danke erstmal für Eure Beteiligung: lag mein Bauchgefühl doch richtig, dass das Quatsch ist (in dem Sinne, den Sie sich vorstellt)..


    Hier sind ja schon gute Ideen dabei: bin ja mal gespannt, ob Sie nachher tatsächlich ins Büro kommt.


    Dankeschön!

    Manchmal reicht freundliches Zähne zeigen - auch lächelnd kann man auf die Rechte hinweisen - und der Schritt zum Gericht ist letzten Endes dann doch nicht notwendig.

  • ob sie denn die Aufgaben der Geschäftsführung schon im QM-Handbuch erfasst habe.

    Hi,

    nur als kleine Anmerkung: natürlich stehen die Aufgaben der GF im QM-Handbuch.

    :)



    aber ja, die Aufgaben und deren Ausgestaltung stehen natürlich nicht im QM-HB.

    Man kann höchstens erwähnen, wann er wie bei bestimmten Aufgaben (durch die GF oder delegierte Personen) eingebunden werden UM zu zeigen, dass die Mitarbeiter wie in vielen Zertifizierungsprozessen gefordert eingebunden sind.

    aber das ist Aufgabe der QM-B oder der GF.

  • Dann lass sie doch aufführen, wobei der BR alles Mitbestimmungs- und wo Informationsrechte hat, dann kann ja keiner mehr sagen, er hätte es nicht gewusst. :)


    Bei uns gibt es auch das eine oder andere Dokument, auf dem explizit nachgefragt wird, ob der BR informiert wurde oder aber die Zustimmung des BR vorliegt. Wurde einfach zu oft vergessen.

  • Dann lass sie doch aufführen, wobei der BR alles Mitbestimmungs- und wo Informationsrechte hat, dann kann ja keiner mehr sagen, er hätte es nicht gewusst. :)

    Das ist eine klasse Anregung.


    Danke!

    Manchmal reicht freundliches Zähne zeigen - auch lächelnd kann man auf die Rechte hinweisen - und der Schritt zum Gericht ist letzten Endes dann doch nicht notwendig.

  • Das ist eine klasse Anregung.


    Danke!


    Ganz wichtig dabei ist aber die Aufzählung nicht abschließend ist, weil sonst hat man den Streit nachher wenn etwas anders nicht dem Betriebsrat gemeldet wird wo man aber gesetzlich darauf Anspruch hat. Als Unternehmen würde ich dann mal argumentieren das was im QM Handbuch steht ist abschließend und auf den Rest hat der BR verzichtet weil er da seine Mitbestimmung schon festgeschrieben hat.

    Naja was man sicher mit dem Hinweis das das keine abschließende Beschreibung ist, bei welchen Dingen/Vorgängen der Betriebsrat vom Unternehmen zu beteiligen ist.

    Bevor wir einfache oder komplizierte Gesetzen/Verordnungen erlassen sollten wir es vielleicht mit etwas einfachen wie Hochdeutsch versuchen :)

  • Als Unternehmen würde ich dann mal argumentieren das was im QM Handbuch steht ist abschließend und auf den Rest hat der BR verzichtet weil er da seine Mitbestimmung schon festgeschrieben hat.

    Das wäre Quark, da auf die gesetzlichen Rechte gar nicht verzichtet werden kann. Und das würde jedes ArbG dem AG gerne kostenpflichtig erklären...


    Aber ein Grund mehr, an so etwas gar nicht erst mitzuwirken.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Aber ein Grund mehr, an so etwas gar nicht erst mitzuwirken.

    Aber irgendwie muss man die Kollegin doch beschäftigen. Ob man sie alle roten Autos zählen oder BR-Aufgaben aufschreiben lässt ist doch wurscht... ;)

    Für einen Betriebsrat gilt: Lobt dich der Gegner, ist das bedenklich. Schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg. (August Bebel)

  • Aber irgendwie muss man die Kollegin doch beschäftigen. Ob man sie alle roten Autos zählen oder BR-Aufgaben aufschreiben lässt ist doch wurscht... ;)

    zur Beschäftigung könnte der BR ihr ja den Tipp geben zunächst ein JAV-/SBV-QM-Handbuch anzufertigen, dann hat der BR wenigstens Ruhe ;)

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • zur Beschäftigung könnte der BR ihr ja den Tipp geben zunächst ein JAV-/SBV-QM-Handbuch anzufertigen, dann hat der BR wenigstens Ruhe ;)

    ähm, ich bin doch in Personalunion SBV und BRV. Das wäre ein Schuss ins Knie.


    Aber sie darf sich ehrlich gerne mit den Gefärdungsbeurteilungen beschäftigen. Das wäre effizient und effektiv. :P

    Manchmal reicht freundliches Zähne zeigen - auch lächelnd kann man auf die Rechte hinweisen - und der Schritt zum Gericht ist letzten Endes dann doch nicht notwendig.

  • Ganz wichtig dabei ist aber die Aufzählung nicht abschließend ist, weil sonst hat man den Streit nachher wenn etwas anders nicht dem Betriebsrat gemeldet wird wo man aber gesetzlich darauf Anspruch hat.

    Wenn man der Dame einfach einen Katalog von zu beachtenden Rechtsnormen schickt - auch den ausdrücklich nicht abschließend! :) - wird sie schon verstehen .... oder vielleicht :)


    Ich denke da an BetrVG, ggf. diverse PersVG, AGG, BGB, diverse Sozialgesetzbücher (nicht nur das neunte!), ArbZG, ArbSchG, TzBfG, MuschG, BUrlG, ArbStättVO, KschG, diverse LASI und und und und und und und ..... es könnte Spaß machen und nebenbei dem einen oder anderen BRM die Augen öffnen, nur eine Liste der Gesetze und Verordnungen zusammenzustellen: auch der § 80 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG schließt nicht ab, welche zugunsten der AN geltenden Gesetze, Verordnungen, Unfallverhütungsvorschriften, Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen bzw. deren Einhaltung zu überwachen ist - von ggf. resultierenden Reaktionen völlig abgesehen ;)


    Aus einem handlichen QM-Handbuch kann man dann schonmal eine Reihe wie den letzten großen Brockhaus machen :D


    Die kann gerne auch alle BR-Aufgaben aus dem BetrVG rausschreiben.

    Du machst es viel zu einfach ;)

    Man wird alt wie ein Haus und lernt doch nie aus.

  • Die Idee ist ja eigentlich nur, der neuen Kollegin aufzuzeigen, dass sie zwar in ihren Bereich prüfen kann, wo alles der BR zu informieren ist, oder aber zum Schluss kommt, dass sie den BR besser immer informiert und der entscheidet ob Handlungsbedarf besteht.


    Bei uns kam es wirklich dazu, in einigen Formularen die Einbeziehung des BR fest zu hinterlegen, weil es immer wieder vergessen wurde (ging der Fachkraft für Arbeitssicherheit auch so :) ). Es ging hauptsächlich um das räumliche Umstellen von Maschinen, hier müssen viele Instanzen durchlaufen werden und wenn am Schluss der BR sagt, so nicht, weil.... ist das frustrierend. Es war ja nicht mal die Idee, den BR zu umgehen, aber einige Kollegen hatten ihn einfach nicht auf dem Schirm. Der Frust richtete sich aber dann gegen den BR.


    Mit der Regelung ist es jedem bewusst, dass der BR zu informieren ist. Das läuft und wir können unseren Senf schon am Anfang mit dazugeben und häufig auch bessere Regelungen durchsetzen. Mittlerweile ist es nicht mehr nur eine lästige Pflicht sondern einfach Standard.