Attest vom Arzt - Mitarbeiterin kann keinen Nachtdienst mehr leisten

  • Hallo zusammen,


    mal eine Frage - habe sie unterstrichen - aus der Pflegebranche (3-Schichten) TVÖD


    Eine Kollegin - seit 40 Jahren in der Pflege tätig hat vom Arzt (Hausarzt - Allgemeinmediziner) ein Attest das sie keinen Nachtdienst mehr machen kann. Dies hat sie beim Arbeitgeber vorgelegt.


    Antwort des Arbeitgebers: Das ist nur eine Empfehlung. Die Situation kann sich erst dann ändern, wenn die Mitarbeiterin ein ausführliches Attest eines Facharztes vorlegt, aus dem wir entnehmen können, warum der Nachtdienst nicht mehr möglich sein soll.


    BAG Urteil vom 10 AZR 637/13 vom 09.04.2014 sagt dazu eindeutig das die Kollegin nicht als Arbeitsunfähig einzustufen ist sondern ihr nur noch Tagdienste zustehen.


    Reicht ein Attest vom Hausarzt oder muss es zwingend vom Facharzt (wie von der GF gefordert) sein

    oder (wie noch nicht vom GF bemerkt) kann man zum Betriebsarzt geschickt werden. Unser Betriebsarzt ist sehr sehr AG freundlich.



    Achso Arbeitszeitgesetz §6 4 besagt ja das

    (4) Der Arbeitgeber hat den Nachtarbeitnehmer auf dessen Verlangen auf einen für ihn geeigneten Tagesarbeitsplatz umzusetzen, wenn a)nach arbeitsmedizinischer Feststellung die weitere Verrichtung von Nachtarbeit den Arbeitnehmer in seiner Gesundheit gefährdet

    sofern dem nicht dringende betriebliche Erfordernisse entgegenstehen.

    Mit dem "sofern" im Nachsatz ist der Passus leider Geschichte und die Leitung kann das so zusammenbasteln was man es braucht.




    vielen Dank schon einmal für eure Antworten

  • Aus dem Bauch raus.

    Eine Kollegin - seit 40 Jahren in der Pflege tätig

    Dann hat Sie schon richtig was geleistet.

    Antwort des Arbeitgebers: Das ist nur eine Empfehlung. Die Situation kann sich erst dann ändern, wenn die Mitarbeiterin ein ausführliches Attest eines Facharztes vorlegt

    Sie hat ein Attest. Der AG kann doch nicht beurteilen ob der Hausarzt nicht auch Facharzt ist.

    aus dem wir entnehmen können, warum der Nachtdienst nicht mehr möglich sein soll.

    die Umstände sollten unter die Schweigepflicht fallen und gehen keinen etwas an. Datenschutz.

    Reicht ein Attest vom Hausarzt oder muss es zwingend vom Facharzt (wie von der GF gefordert)

    Die GF kann viel fordern. Dann aber auch die Begründung mitliefern.


    Wenn ich persönlich die AN wäre und der BR würde mich nach 40 Jahren im Beruf und Schichtarbeit (ich hoffe das tut ihr)

    nicht unterstützen würde mir was anderes einfallen.

  • Das Thema hatten wir gestern mit unserem Betriebsarzt, und es ist tatsächlich nur eine Empfehlung! Der AG kann die Kollegin zum Betriebsarzt und der dann weiter zum Facharzt schicken. Der das dann beurteilt und seine Empfehlung an den Betriebsarzt weiter gibt. Dieser wiederum teilt dann dem AG seine Beurteilung mit .Da spielt das Thema Fürsorgepflicht des AG eine Rolle.

    Man sollte aber aufpassen denn solche Atteste können u.U. eine Steilvorlage für eine Kündigung sein. Nichterfüllung des AV.

    wenn man düngen will reicht es nicht durch den Zaun zu furzen.

  • Die Antwort steckt schon in der Anfrage ....

    Arbeitszeitgesetz §6 (4)

    (4) Der Arbeitgeber hat den Nachtarbeitnehmer auf dessen Verlangen auf einen für ihn geeigneten Tagesarbeitsplatz umzusetzen, wenn

    a) nach arbeitsmedizinischer Feststellung die weitere Verrichtung von Nachtarbeit den Arbeitnehmer in seiner Gesundheit gefährdet sofern dem nicht dringende betriebliche Erfordernisse entgegenstehen.

    (Hervorhebung von mir)

    Der Hausarzt ist eher selten auch Arbeitsmediziner, insofern war der Hinweis auf ein fachärztliches Attest schon korrekt.

    Man wird alt wie ein Haus und lernt doch nie aus.

  • (...) insofern war der Hinweis auf ein fachärztliches Attest schon korrekt.

    Jawollja. Anspruch auf die medizinische Begründung hat der AG aber definitiv nicht.


    Mit dem "sofern" im Nachsatz ist der Passus leider Geschichte und die Leitung kann das so zusammenbasteln was man es braucht.

    Nein! Was "dringende betriebliche Gründe" sind, ist gut ausgeurteilt, da hätte der AG größere Probleme, wollte er etwas zusammenbasteln. In einer großen Abteilung, in der potentiell viele Leute Nachtschichten leisten, ist es m.E. fast unmöglich, dringende betriebliche Gründe zu generieren, wenn Einzelne herausgekommen werden müssen.


    Der BR hat Mitbestimmung bei den DPen und könnte ggf die Zustimmung verweigern, wenn jemand gg fachärztlichen Rat eingesetzt wird.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    2 Mal editiert, zuletzt von Pfried () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Fried mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • wir sind zwar ein größeres Unternehmen aber haben verschiedene Standorte.


    Die Kollegin die das betrifft arbeitet in einer sehr kleinen Abteilung / Einrichtung. 11 Pflegekräfte im 3 Schichtsystem. Da wird es problematisch.

    In einem unserer größeren Häuser mit 200 Mitarbeitern kann man so etwas schon eher auffangen.


    @ELBARADO AV sagt - Ma ist beschäftigt bei dem xxx Unternehmen als Pflegerin.


    Keine genaue Angabe der Einrichtung. Der Vertrag ist wie schon beschrieben ein bisschen älter (4-stellige Postleitzahlen gab es da noch)

  • Mit 200 Pflegenden im Schichtsystem gibt es keine dringenden betrieblichen Gründe, wg derer von allen Nachtschicht gemacht werden muss bzw wg derer nicht Einzelne aus der Nachtschicht genommen werden können. Aber natürlich wird sie dann wohl auf eine andere Station bzw Einrichtung müssen.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    Einmal editiert, zuletzt von Pfried ()

  • Wenn mglw. die Arbeit an sich mit Schuld ist an dem Zustand (nach 40J. in der Branche kein Wunder), könnte man auch noch ein freiwilliges BEM mit initiieren. Aber in einem gebe ich den anderen recht, eine Versetzung wird es schon werden müssen.

  • Gibt es bei Euch eine SBV und hat die Kollegin vielleicht einen GdB?


    Wir hatten einen ähnlichen Fall, da konnten wir über "Leidensgerechten Arbeitsplatz" die Tätigkeit zeitlich eingrenzen.


    Aber obacht: Wenn das Verfahren "Leidensgerechter Arbeitsplatz" mit benennen von Ross und Reiter eingeleitet ist, kann am Ende auch ein "hier trennen sich die Wege" stehen, wenn kein leidensgerechter Arbeitsplatz vorhanden ist. (Da greifen gesetzliche Fristen)

    Manchmal reicht freundliches Zähne zeigen - auch lächelnd kann man auf die Rechte hinweisen - und der Schritt zum Gericht ist letzten Endes dann doch nicht notwendig.

  • Servus zusammen,


    es gibt in diesem Fall keine Schwerbehinderung.


    vielen Dank für die zahlreichen Antworten.


    Die Kollegin kann nicht mehr im Nachtdienst arbeiten. So viel steht außer Frage.


    Eine Versetzung möchte die Kollegin ebenso wenig. (Andere Abteilung - neue Vorgesetzte - neue Arbeitskollegen usw.)

  • es gibt in diesem Fall keine Schwerbehinderung.

    nur zum Verständnis: die MA muss ja eine Einschränkung haben, wenn der Arzt ihr die "Nachtschichttauglichkeit" komplett abspricht

    Die Kollegin kann nicht mehr im Nachtdienst arbeiten. So viel steht außer Frage.

    --> liegt keine SB vor, weil keine Anerkennung beantragt wurde oder weil die Ursache der "Einschränkung" keine SB ist?


    Eine Versetzung möchte die Kollegin ebenso wenig. (Andere Abteilung - neue Vorgesetzte - neue Arbeitskollegen usw.)

    das mag Verständlich sein, aber "Wasch mich, aber mach mich nicht nass" funktioniert eben nicht --> wenn man in einer Abt mit Nachtschicht arbeitet und keine Nachtschicht mehr machen darf/will, dann muss man akzeptieren, das man ggf, auch in eine andere Abt. versetzt werden muss

    --> was ist der MA denn wichtiger? ihre Gesundheit oder ihr Team/Arbeitsumfeld?

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • Die Einschränkung die gegeben sind würden für eine SB reichen. Bisher wurde nichts beantragt da es die Kollegin nicht will.

    Die Kollegin scheint vieles nicht zu wollen, manchmal ist man da eben hilflos...

    wenn man düngen will reicht es nicht durch den Zaun zu furzen.

  • da es die Kollegin nicht will.

    Man kann manche Menschen nicht zu ihrem Glück überreden oder zwingen.

    Sie will nicht versetzt werden, will keinen Grad der Behinderung beantragen.


    Eine alte Werbung fragte "WAs wollt ihr dann?"

    Will sie evtl auch MAOAM?

    You choose your leaders and place your trust as their lies wash you down and their promises rust (MMEB Going Underground)

  • Die Kollegin scheint vieles nicht zu wollen, manchmal ist man da eben hilflos...

    na hilflos ja nun nicht ganz.


    Attest liegt vor --> also kann die MA auf den Einsatz in Tagschicht bestehen.

    Der AG kann natürlich ggf. eine Versetzung in Aussicht stellen, soweit er in der aktuellen Abt. die dauerhafte Tagschicht nicht realisieren kann.

    --> der "Ball des Handels" liegt m.M.n. jetzt bei der MA, die sich entscheiden muss, was sie eigentlich will.


    --> das Thema SB ist noch zusätzlich, wäre sicher auch hilfreich für die MA, aber auch hier: die MA muss entscheiden was sie will


    der BR kann sie natürlich unterstützen und beraten etc.

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • na hilflos ja nun nicht ganz.


    Attest liegt vor --> also kann die MA auf den Einsatz in Tagschicht bestehen.

    kommt drauf an was im AV steht, wenn's dumm läuft erfüllt sie ihren AV eben nicht mehr und das ist dann eine Steilvorlage zur Kündigung weil sie ihren Arbeitsvertraglichen Pflichten nicht mehr nachkommt.

    wenn man düngen will reicht es nicht durch den Zaun zu furzen.

  • Attest liegt vor -->

    aber das eines Hausarztes und wie ja weiter oben schon aufgezeigt, sagt das ARbZG, dass es ein fachärztliches/arbeitsmedizinisches Gutachten sein muss.

    Das muss also erstmal noch beschafft werden.

    You choose your leaders and place your trust as their lies wash you down and their promises rust (MMEB Going Underground)