Cannabis-Legalisierung -> Handlungsbedarf?

  • :?: Guten Morgen,


    wie geht Ihr mit der Cannabis-Legalisierung um? Das Thema dürfte unter Drogen bzw. Gesundheit fallen. Wir haben ein Alkoholverbot während der Arbeitszeit, das sollte evtl. um Cannabis ergänzt werden bzw. verallgemeinert auf "Drogen". Schließt "Drogen" aber Kaffee bzw. Tee mit ein?


    Teile der Kollegen arbeiten mit Kettensägen, Freischneidern bzw. Heckenscheren. Sollten dort die Teamleiter einen "Drogentest" durchführen?

    Wie seht Ihr das bei direktem Kundenkontakt? Ein Beratungsgespräch unter Drogeneinfluß ist sicher nicht gut....


    Hat sich schon ein BR mit dem Thema beschäftigt? Falls ja, welche Aspekte habt Ihr da betrachtet?


    Der Uwe (denkt nach....)

  • Eine BV sollte natürlich alle Substanzen erfassen, die stärkere Auswirkungen auf Verhalten sowie Leistung haben und Suchtpotential entwickeln.


    Kaffee, Tee und Nikotin zählen dazu nicht.


    Das Rauchen ist aber ein Sonderfall, das geregelt werden muss, weil der Konsum zu Fremdgefährdung führt und das arbeitsrechtlich streng reguliert ist.

    Sollten dort die Teamleiter einen "Drogentest" durchführen?

    Sicherlich nicht, auch anlasslose Alkoholtests sind arbeitsrechtlich nicht möglich.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Danke Fried für Deine Einschätzung. Dann sollten wir aufklären in der nächsten Betriebsversammlung und die Teamleiter ggfs. schulen damit sie einen Drogeneinfluss ggfs. erkennen können.


    Der Gebrauch der Dienstfahrzeuge unter Drogeneinfluss sollte ebenfalls ausgeschlossen werden. Reicht da das allgemeine Recht oder muss der Betrieb das intern auch noch ausdrücklich regeln?


    Der Uwe

  • Eigen- und Fremdgefährdung bei Nutzung von LKW, Großflächenmähern, Kettensägen etc. durch erhöhte Risikobereitschaft?


    Unsere Gärtner machen z.B. Grünpflege in Wohnanlagen, Seniorenwohnanlagen und KiTas....


    Muss ja auch kein Drogentest sein, letzter Stand meiner Überlegungen war, die Teamleiter zu schulen, dass sie Drogeneinfluss ggfs. erkennen können und den Kollegen dann anders einsetzen können bzw. nach Hause schicken.


    Der Uwe

  • Hallo Uwe,

    Wie bitte sollen Teamleiter Drogeneinfluss erkennen und beurteilen? So das das rechtssicher ist.

    Nach Hause schicken gerne, bei voller Bezahlung.

    Können sie in der Regel nicht. Bei uns gibt es da die klare Anweisung, wenn der Verdacht hinreichend ist, dem betroffenen MA "ungefährliche" Arbeiten zuzuweisen und wenn das nicht geht oder er das nicht will, ihn bezahlt Freizustellen und nicht heim zu schicken, sondern nach Hause zu begleiten. Das Problem ist auch, wenn man einen (bspw.) Trinker entlassen will, kann es ganz schnell passieren, dass das eine krankheitsbedingte Kündigung ist, weil Suchtkrank. Das ist ein Tanz auf Messers Schneide. Im Prinzip muss entweder erst richtig was passieren, oder man fängt halt direkt mit Suchtberatung und -prävention an.

  • Dann sollten wir aufklären in der nächsten Betriebsversammlung und die Teamleiter ggfs. schulen damit sie einen Drogeneinfluss ggfs. erkennen können.

    Habt Ihr im BR Suchtmediziner:innen, die die Belegschaft fach- und sachgerecht aufklären können, was wollt Ihr da erzählen? Und die die Teamleitungen entsprechend schulen können?


    Sorry, das ist absurd, v.a. letzteres. Auch Expert:innen aus dem Bereich können von außen nicht mit annähernder Sicherheit eine Intoxikation erkennen.


    Alkohol- und Drogentests sind auch bei risikogeneigten Tätigkeiten wie

    Nutzung von LKW, Großflächenmähern, Kettensägen

    im Grundsatz nicht wirklich pauschal gangbar, weil sie massive Eingriffe ins Persönlichkeitsrecht darstellen.


    Und

    die Teamleiter zu schulen, dass sie Drogeneinfluss ggfs. erkennen können und den Kollegen dann anders einsetzen können bzw. nach Hause schicken,

    scheitert nicht nur an dem, was ich oben geschrieben habe, an der fehlenden Sicherheit der Beurteilung nämlich, es führt zu massiven arbeitsrechtlichen Komplikationen, weil die AN ein Recht auf arbeitsvertragsgemäße Beschäftigung haben und der AG in den Annahmeverzug gerät (die verpasste Zeit also bezahlen muss).


    Der Uwe , m.E. muss Dein BR sich diesbzgl selber schulen lassen, weil Deine Ideen darauf hindeuten, dass da ein Bedarf ist. Ihr braucht rechtssichere und sinnvolle Regelungen.


    Und das geht über bloße Verbote hinaus. Es geht um Prävention, um Umgang mit suchterkrankten AN uvm.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    2 Mal editiert, zuletzt von Fried () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Fried mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Hallo Hans Luft,


    so haben wir das bisher mit Alkohol"-Verdachtsfällen" gemacht: heimbegleitet und Gespräche angeboten/aufgezwungen...


    Einen Kollegen haben wir dabei leider verloren, er wurde nach einem Trauerfall im Freundeskreis rückfällig und hat das nicht überlebt....


    Meist machen wir die Erfahrung, dass kein Problembewusstsein bei den Betroffenen besteht und Hilfe nicht angenommen wird.


    ELBARADO

    Man kann Drogeneinfluss beispielsweise an den Pupillen erkennen und am Verhalten. In meinem Verein haben wir im Rahmen der Zertifizierung zum "jugendfreundlichen Verein" entsprechende Schulungen durchgeführt. So etwas könnte ich mir für Teamleiter und Vorgesetzte auch im beruflichen Umfeld vorstellen. Ich bin sicher, dass wir das auch mit unserer GF vereinbaren können....


    Der Uwe

  • Man kann Drogeneinfluss beispielsweise an den Pupillen erkennen und am Verhalten.

    Oh je. Wie gesagt, auch Fachmenschen können da keine sichere Diagnose über eine akute Intoxikation treffen. Nicht alle intoxikierten Menschen zeigen diese Zeichen, und die "Symptome", die Du beschreibst, können ganz andere Ursachen haben, die mit Konsum nichts zu tun haben.

    In meinem Verein haben wir im Rahmen der Zertifizierung zum "jugendfreundlichen Verein" entsprechende Schulungen durchgeführt. So etwas könnte ich mir für Teamleiter und Vorgesetzte auch im beruflichen Umfeld vorstellen.

    In einem Verein kann man das zur Verbesserung des Bewusstsein bzgl der Problematik machen, und da ist es sehr sinnvoll - man kann dann z.B. unter Gleichen jemanden zur Seite nehmen und ansprechen, Dinge klären, wenn man sich Sorgen macht.


    Da, wo es u.U. massive rechtliche Konsequenzen hat, und wo eine Unterordnungs- und Abhängigkeitsbeziehung besteht, also eben im Arbeitsverhältnis, geht das so einfach nicht. V.a. wenn man wie Du gleich mit Ideen wie Zwangsmaßnahmen um sich wirft.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • wie geht Ihr mit der Cannabis-Legalisierung um?

    Gar nicht. Man muss nicht gleich in Regleritis verfallen.


    Teile der Kollegen arbeiten mit Kettensägen, Freischneidern bzw. Heckenscheren. Sollten dort die Teamleiter einen "Drogentest" durchführen?

    Wenn ihr das heute nicht macht, warum dann zukünftig?


    Wie seht Ihr das bei direktem Kundenkontakt? Ein Beratungsgespräch unter Drogeneinfluß ist sicher nicht gut....

    Mit ein paar Uppern kommt man doch extra-motiviert rüber.

    Fallere me possum solus - wie wir Lateiner sagen. 3er Betriebsrat, BRV, kein Tarif.

  • Erinnern wir uns zurück an die Pandemie, waren es auch "Tests" die darüber entschieden haben ob MA positiv oder negativ ist, und welche Maßnahmen daraus resultierten.


    Eine augenscheinliche Überprüfung eines MA vom TL, das wird so nicht belastbar sein.

    Zumal hier natürlich dann einem "Nasen-Prinzip" Tür und Tor geöffnet werden. (Sympathie, Antipathie)


    Für die Feststellung von THC sind Tests notwendig: Urin, Blut, Haare, Speichel, Schweiß, Atem.

    Blut ist wohl der genaueste, aber wie soll das im Arbeitsalltag stattfinden.

    Urin, Speichel, Schweiß gibt es Test-Produkte (im Straßenverkehr, Polizei)

    Haare ist wohl das ungenaueste.


    Im Straßenverkehr ist ein "Schnelltest" freiwillig. Wenn dieser verweigert wird, kann bei genug Beweislast über richterlichen Beschluss ein Blut-Test angeordnet werden.


    Ein aktuelles, interessantes & facettenreiches Thema.


    ELBARADO: Wie regelt ihr das Thema Alkohol bei Euch im Unternehmen?



    Daher halte uns gerne weiter auf dem Laufenden.

  • Mit ein paar Uppern kommt man doch extra-motiviert rüber.

    Sagen wir es mal so, Gespräche mit Menschen, die auf Uppern sind, können auf eine Art und Weise "interessant" werden, die nicht sehr verkaufsfördernd ist... 8o


    Erinnern wir uns zurück an die Pandemie, waren es auch "Tests" die darüber entschieden haben ob MA positiv oder negativ ist, und welche Maßnahmen daraus resultierten.

    Da gab es für die Tests klare gesetzliche Vorgaben, die den Eingriff ins Persönlichkeitsrecht rechtfertigten. Alkohol- und Drogentests im Arbeitsleben kann man eben nicht so leicht verpflichtend machen.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    3 Mal editiert, zuletzt von Fried () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Fried mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Ich glaube, da bin ich missverstanden worden....


    Die Teamleiter sollen in die Lage versetzt werden, einen möglichen Drogenkonsum zu erkennen. Da sie ihre Mitarbeiter ja gut kennen, können Sie meiner Ansicht nach beurteilen, ob bzw. wo der Kollege ohne erhöhte Gefährdung eingesetzt werden kann. Und sie sollten die Befugnis erhalten, dann zu entscheiden, ob Betroffene ggfs. nach Hause gebracht werden müssen. Natürlich auf dieser Grundlage bei vollem Lohnbezug.

    Es geht nicht um einen medizinischen Drogentest mit arbeitsrechtlichen Folgen. Ich will nur eine Systematik, die hilft im Falle eines Verdachts gesundheitlichen Schäden bei den Kollegen und/oder Passanten zu vermeiden. Suchtprobleme bei Kollegen sollten nicht unbemerkt bleiben bzw. ignoriert werden können.


    Weitere Schritte - wie z.B. eine Information ans Personalmanagement, dann Gespräch mit dem Kollegen etc... - könnten wir in der BV regeln. Da wir ein kleiner Laden sind (<90 MA) ist so etwas bisher immer im Einzelfall und persönlichen Gespräch zwischen BR/MA/Vorgesetzten geregelt worden.


    Die Prävention steht natürlich im Vordergrund. Wir werden externe Suchtberater zur Betriebsversammlung einladen, Kontaktadressen bereitstellen etc.... Auch die BV zum Thema Sucht/Drogen würden wir mit externen Fachleuten aufbauen. Entsprechende Angebote gibt es z.B. bei der Kriminalprävention, Caritas, Diakonie, Arbeiter-Samariter-Bund, Kirchen und auch von ehemaligen Drogensüchtigen bzw. deren Angehörigen.


    Die arbeitsrechtlichen Elemente der BV machen wir immer mit Anwalt bzw. erst nach Schulung. Da liegt auch schon ein Entwurf für eine BV vor, die muss lediglich um Cannabis "erweitert" werden.

  • Hallo,


    solange es keine speziellen rechtlichen Vorschriften zur Arbeit ohne Drogeneinfluss gibt und ein*e Beschäftigte*r seine/Ihre Arbeit erledigt, geht ein evtl. Drogenkonsum einen AG nichts an.

    In diesen Fällen darf nur geregelt werden, daß am Arbeitsplatz keine Drogen (einschl. Alkohol) konsumiert werden. Der AG hat aber keinen Anspruch darauf, daß jemand arbeitet ohne Drogeneinfluss.


    Bitte nicht vergessen: AG und BR sind keine Erziehungsberechtigten der AN. Und zu den Grundrechten des alllg. Persönlichkeitsrechts gehört in diesem Land auch das Recht auf Irrtum, Dummheit und Selbstschädigung - sowhl für AN als auch für AG.


    Wir hatten bei uns jahrelang im Verwaltungsbereich einen sog. "Spiegelsäufer", der erst so ab ca. 1,5 Promille überhaupt arbeitsfähig war. Er brachte eine durchschnittliche Leistung mit durchschnittlichem Arbeitstempo und hatte keine auffälligen Fehlzeiten. Da musste dann auch unsere Betriebsärztin irgendwann mal zähneknirschend eingestehen, daß man diesen beschäftigten nicht zu "0,0 Promille" am Arbeitsplatz zwingen kann und er eben in der Pause zur benachbarten Tanke geht, um sich Nachschub 'reinzuziehen.

  • Ich will nur eine Systematik, die hilft im Falle eines Verdachts gesundheitlichen Schäden bei den Kollegen und/oder Passanten zu vermeiden. Suchtprobleme bei Kollegen sollten nicht unbemerkt bleiben bzw. ignoriert werden können.

    und Du glaubst, nur weil Cannabis jetzt teilweise freigegeben wird fangen jetzt alle das Kiffen an?

    Vorgesetzte, nein eigentlich alle, sollten auch jetzt schon in die Lage versetzt worden sein/versetzt werden, auffällige Verhaltensänderungen zu erkennen. Mehr sicher aber nicht und das wird auch zukünftig eher schwierig.

    Was machste denn wenn Du heute jemanden vor Dir hast von dem glaubst, dass er bekifft ist oder andere Drogen nimmt?

    Nicht die Dinge sind positiv oder negativ, sondern unsere Einstellung macht sie so. (Epiktet, gr. Philosoph)


  • Wir hatten bei uns jahrelang im Verwaltungsbereich einen sog. "Spiegelsäufer", der erst so ab ca. 1,5 Promille überhaupt arbeitsfähig war. Er brachte eine durchschnittliche Leistung mit durchschnittlichem Arbeitstempo und hatte keine auffälligen Fehlzeiten.

    Ist das nicht ein Pegeltrinker?

  • Der Uwe , dann bin ich ja schon etwas beruhigter - aus Deinen bisherigen Beiträgen konnte man etwas anderes schließen, Du hast selber Tests ins Spiel gebracht. Aber ich bin wahrlich nicht voll beruhigt.


    Erst einmal ist zu bedenken, was albarracin schrieb: Man kann zwar den Konsum in der Arbeit verbieten, aber bei den meisten Tätigkeiten darf man als AG gar nicht verlangen, dass AN komplett nüchtern in der Arbeit erscheinen - für den AG dürfen der Konsum außerhalb der Arbeit und eine in die Arbeit "mitgenommene" (Rest)Intoxikation, auch eine Suchtsymptomatik, gar nicht relevant sein, so lange die Arbeitsleistung nicht beeinträchtigt ist.


    Und d.h. zweitens, dass auch bei klaren Intoxikationszeichen (wenn sie denn sicher erkennen kann, s.o.) eine Teamleitung keine Maßnahmen ergreifen kann, so lange der/die AN die Arbeit erledigt.


    Ist das nicht ein Pegeltrinker?

    Das ist synonym. Man spricht von einem Alkoholpegel oder -spiegel.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    3 Mal editiert, zuletzt von Fried () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Fried mit diesem Beitrag zusammengefügt.