AG will Sozialauswahl durch Selbstübernahme umgehen

  • Guten Abend miteinander. Ich hoffe es geht Euch gut :). Falls jemand Erfahrungen oder Meinungen hat, freue ich mich sehr.


    Unser Vertrieb besteht aus zwei Personen. Einem Vollprofi der seit 7 Jahren unzweifelhaft sehr gute Arbeit geleistet hat, und einem neuen Kollegen der noch in der Probezeit ist. Der neue Kollege wurde ausdrücklich als Vertriebsverstärkung geholt.


    Der erste Kollege trägt den Titel "Lead Sales Manager", weil er auch die Aufgabe hat neuen/jüngeren Vertrieblern zur Seite zu stehen. Er hat auch den Neuen einarbeiten müssen. Seine Arbeit besteht aber zu 90% aus klassischem Vertrieb. Der Neue trägt den Titel "Senior Sales Manager".


    Der AG hat nun dem Lead betriebsbedingt gekündigt. Er gibt an, dass keine Sozialauswahl nötig ist, da die Stelle "Lead Sales" wegfällt und in Zukunft durch den Geschäftsführer höchstpersönlich übernommen wird.


    Wir sind nun sprachlos ob dieser offensichtlichen Dreistigkeit. Der AG will dem Lead offensichtlich Verhaltensbedingt kündigen, aber hat derzeit nichts gegen ihn in der Hand. Wir möchten, dass niemand gehen muss, da wir beide Vertriebler dringend brauchen. Wenn aber einer gehen müsste, dann doch klar der Neue.


    Wir sind gerade echt sauer...grrrr. Freue mich über Gedanken oder auch einfach einem netten Wort.

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  • Der AG hat nun dem Lead betriebsbedingt gekündigt.

    ist also schon passiert?


    dann ist egal was war, der MA muss innerhalb von 3 Wochen Kündigungsschutzklage einreichen, sonst wird die Kündigung wirksam.

    --> da ist das dann allerdings wieder ein wichtiger Punkt, wobei das dann nicht mehr Angelegenheit des BR ist, das beurteilt dann das Gericht


    --> für die nächste Kündigungsrunde: ja, grundsätzlich hätte eine Sozialauswahl stattfinden müssen - ob dann der Neue in die Auswahl "reingefallen" wäre, kann man aber so als Außenstehender mit den Angaben hier nicht wirklich beurteilen.

    Es muss sich ja um "vergleichbare MA" handeln, dazu gehören mehr Faktoren --> ob das bei den beiden der Fall ist, kann sein, kann auch nicht sein

    Da können auch noch weitere MA im Unternehmen in die Sozialauswahl reinfallen, die Du jetzt noch gar nicht "auf dem Schirm" hast.

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • Hallo lynxmuc,

    Hat der AG schon gekündigt oder habt ihr die Anhörung zur Kündigung vorliegen?

    Bei letzterem:

    blende mal in der Bewertung die Titel der Personen aus und gehe mal nur auf die Stellenbeschreibungen sind dann die beiden Positionen vergleichbar (nicht 100% gleich)? Dann habt ihr schon die Möglichkeit des Wiederspruchs nach §102 Abs. 3 Punkt 1 BetrVG ggf. käme auch Punkt 5 in Betracht allerdings braucht es da die Einverständnis des Betroffenen. weiterhin solltet ihr prüfen ob es Arbeitsplätze im Betrieb gibt die frei sind und durch den Betroffenen übernommen werden können.


    Für die Sozialauswahl würde ich dann aber auch schauen dass die GF mit reinkommt, da sie ja die Aufgabe übernehmen will, da freut sie sich sicherlich darüber wenn sie in die engere Auswahl der zu Kündigenden gerät.

  • Für die Sozialauswahl würde ich dann aber auch schauen dass die GF mit reinkommt,

    ääh, sicher?

    GF sind ja postionsbedingt fast immer leitende Angestellte.

    You choose your leaders and place your trust as their lies wash you down and their promises rust (MMEB Going Underground)

  • GF sind ja postionsbedingt fast immer leitende Angestellte.

    Nicht mal das. Sie sind immer "Organ des AG".

    Der AG hat nun dem Lead betriebsbedingt gekündigt.

    Ohne vorherige Anhörung des BR? Dann hätte er den Kündigungsschutzprozess (der hoffentlich angestrengt wird) schon verloren.

    Er gibt an, dass keine Sozialauswahl nötig ist, da die Stelle "Lead Sales" wegfällt (...).

    Das ist Blödsinn. Es geht nicht um den Namen einer Stelle, sondern um die grundsätzliche Vergleichbarkeit der AN. Und die beiden sind, zumindest lässt sich das aus dem Post schließen, vergleichbar. Und vllt müssten sogar noch mehr AN in eine Sozialauswahl einbezogen werden.


    Wenn mein AG mich jetzt "Lead Psycho Manager" nennt und die Kolleg:innen "Assistant Psycho Manager", und er will keine:n Lead mehr, dann muss er eine:n von uns kündigen, unter uns Sozialauswahl machen und eine weniger schützenswerte Person kündigen. Isso.

    Wir möchten, dass niemand gehen muss, da wir beide Vertriebler dringend brauchen. Wenn aber einer gehen müsste, dann doch klar der Neue.

    Ersteres könnt Ihr nicht erreichen, zweiteres ist klar.


    Seid Ihr angehört worden?

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    Einmal editiert, zuletzt von Fried ()

  • Der AG hat nun dem Lead betriebsbedingt gekündigt.

    Wurde der BR angehört oder nicht?

    da wir beide Vertriebler dringend brauchen

    Ihr wurdet diesbezüglich über die Personalplanung unterrichtet?

    Falls jemand Erfahrungen oder Meinungen hat, freue ich mich sehr.

    Ich habe beides in sehr großen Umfang, du hast also sehr viel Anlass zu großer Freude :D :D :D 8o 8) :saint:

    Man wird alt wie ein Haus und lernt doch nie aus.

  • müsste er bei Dir das Manager nicht weglassen?

    OT: Eigentlich sollte ich meinen Namen hier in "Norman Bates" oder "Patrick Bateman" ändern, das wäre realistischer...

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Das geht auch noch auf gut Deutsch.

    OT: Ich könnte als Nick hier, wenn Deutschstämmigkeit gefragt wäre, auch noch "Fritz Haarmann" inndie Runde werfen...


    lynxmuc , wir schweifen sehr weit ab. Du hast aber schon mal klare Antworten bekommen, die hoffentlich weiterhelfen, aber auch Nachfragen.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    Einmal editiert, zuletzt von Fried () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Fried mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Aber nicht in Internationalen Konzernen. :) :)

    Bevor wir einfache oder komplizierte Gesetzen/Verordnungen erlassen sollten wir es vielleicht mit etwas einfachen wie Hochdeutsch versuchen :)

  • vielen vielen Dank für Eure Gedanken. Ich muss mich entschuldigen...ich habe ein wichtiges Detail vergessen: Wir sind leider noch in der BR Gründung. Und der Vertriebler sollte mit in den Wahlvorstand.


    Es ist klar, dass somit jetzt der normale Weg der KSKlage gegangen werden muss. Dass der Kollege die notarielle Beglaubigung der BR Gründung hat, hilft ja nun nichts.


    Insgesamt ist das alles sehr krass - wir haben nicht erwartet dass der AG solche Mittel zur Verhinderung der BR Wahl greifen würde. Das trifft uns schon - auch hinsichtlich der Motivation.

  • Und der Vertriebler sollte mit in den Wahlvorstand.

    Zukunftsvision oder war er von als Wahlvorstand bestellt/gewählt worden?


    gehört er zu den "Wahl-Initiatoren" die die Wahl einleiten wollten?


    -- nur wegen der Details ;)

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • vielen vielen Dank für Eure Gedanken. Ich muss mich entschuldigen...ich habe ein wichtiges Detail vergessen: Wir sind leider noch in der BR Gründung. Und der Vertriebler sollte mit in den Wahlvorstand.


    Es ist klar, dass somit jetzt der normale Weg der KSKlage gegangen werden muss. Dass der Kollege die notarielle Beglaubigung der BR Gründung hat, hilft ja nun nichts.

    Das sollte im Kündigungsschutzprozess natürlich massiv helfen (§15, 3b KSchG).
    Aber klar - es schützt nicht vor der Klage an sich.

    Tue es oder tue es nicht. Es gibt kein Versuchen. [YODA] - BRV, 9er Gremium, kein Tarif, sGBRV, sSBV

    2 Mal editiert, zuletzt von esci ()

  • Es ist klar, dass somit jetzt der normale Weg der KSKlage gegangen werden muss. Dass der Kollege die notarielle Beglaubigung der BR Gründung hat, hilft ja nun nichts.

    Notarielle Beglaubigung der BR Gründung? Was hat ihr da gemacht?


    Insgesamt ist das alles sehr krass - wir haben nicht erwartet dass der AG solche Mittel zur Verhinderung der BR Wahl greifen würde. Das trifft uns schon - auch hinsichtlich der Motivation.

    Ihr seit sicher das das gezielt gemacht worden ist um die Wahl zu verhindern durch den Arbeitgeber?
    Wenn das so stimmt sollte das die Motivation eigentlich erhöhen tätig zu werden und zu einem Betriebsrat zu kommen.

    Bevor wir einfache oder komplizierte Gesetzen/Verordnungen erlassen sollten wir es vielleicht mit etwas einfachen wie Hochdeutsch versuchen :)