Für Selbstschulungen aufgewendete Zeit in Software sichtbar - Konsequenzen für MA, objektive Beurteilung von Schulungsaufwand möglich?

  • Hallo zusammen,


    in einer neu eingeführten Software in unserem Betrieb gibt es die Möglichkeit den MA Dokumente zur Selbstschulungen zuzuweisen.

    Die aufgewendete Zeit wird von der Software erfasst und ist für den MA und dessen direkten Vorgesetzten sichtbar, offebar aber (aggregiert?) auch für andere. Das müssen wir noch genauer erfragen.


    Meinen BR beschäftigt, inwieweit das zulässig ist und was die Konsequenzen für MA sein könnten.

    Bisher erfassen die MA ihre Arbeitszeit elektronisch nach bestimmten Kategorien. Es gibt die Option Training, unter der die aufgewendete Zeit gebucht werden kann.

    Momentan gibt es schon eine Software, die primär ein Dokumentenmanagementsystem ist. Die dort gespeicherten Dokumente werden den MA abteilungsspezifisch zur Selbstschulung zugewiesen. Der MA bestsätigt mitttels Eingabe einer PIN, dass er das Dokument gelesen hat und der Zeitpunkt der PIN-Eingabe wird gespeichert. Es ist bisher nur dem Qualistätsmanagement durch eine koplizierte Prozedur möglich zu ermitteln, wie lange der MA das Dokument geöffnet hatte bis er die PIN eingegeben hat.

    Das wäre mit den neuen System viel einfacher festzustellen.


    Die Argumente AG für das neue System, das ein echtes Lernmanagementsystem ist, sind:

    1. Dass man darin Dokumente und Kurse verschiedenster Formate anbieten kann (sowohl selbst erstelltes Material als auch welches von Fremdanbietern).
    2. Dass man darin auch Tests verschiedenster Formate anbieten kann, um zu ermitteln ob die A das Material verstanden haben.
    3. Dass es für die Ersteller des Schulungsmaterials praktisch ist zu sehen wie lange MA mit dem Material verbracht haben.
    4. Dass der AG so erfassen kann wie viele Stunden im Unternehmen für Schulungen aufgewendet werden. (Was nur teilweise stimmt, weil die meisten Schulungen weiterhin in der Dokumentenmanagementsoftware sttfinden werden).
    5. Dass Fehler von MA oft darauf zurückzuführen seien, dass diese sich nur oberflächlich geschult hätten.


    Wir bezweifeln ob eine objektive Beurteilung von Schulungsaufwand möglich ist.

    Was man mit den Daten bewirken oder anrichten könnte, kann sehr unterschiedlich sein.


    Die Selbstschulungsdauer pro Dokument oder Kurs variiert sehr, denken wir, denn:

    1. Die Schulungsinhalte sind auf Englisch verfasst, aber wir haben fast keine Englisch-Muttersprachler im Betrieb.
    2. Das Lesetempo von MA variiert.
    3. MA können unterbrochen werden (durch diverse Faktoren incl. langsamen Internets)
    4. Die Komplexität der Schulungsinhalte ist sehr unterschiedlich.
    5. Die Dokumenteninhalte sind manchmal identisch zur Version des Vorjahrs, manchmal gibt es mehr oder weniger grosse Änderungen oder ganz neue Dokumente.
    6. Auch die Erfahrenheit der MA ist sehr unterschiedlich.


    Außerdem wird den MA einerseits vo AG befohlen, sich möglichst schnell nach Veröffentlichung neue Dokumente(nversionen) zu schulen, weil sie nur Arbeiten durchführen dürfen auf die sie geschult sind. Meistens haben sie 10 Tage Zeit dafür.

    Andererseits wird am Monatsersten eine Liste noch nicht abgeschlossener Schulungen aus den USA geschickt, von wo aus unser Betrieb gesteuert wird, und z.T. auch vor Audits. Diese Liste wird pro Abteilung gefiltert und den direkten Vorgesetzten zur Verfügung gestellt, die ihre MA dann auffordern die ausstehenden Schulungen zu absolvieren.

    Schulungen sollen so schnell wie möglich abgearbeitet werden, was dazu führen kann, dass MA Dokumente nur abhaken, weil für eine gründliche Schulung die Zeit fehlt.


    Zu wissen wie viel Zeit wirklich für gründliche Schulungen nötig wäre, wäre angesichts der Arbeitsverdichtung und der gestiegenen Umsatzerwartungen wichtig, denken wir als BR.

    Wir befürchten aber, dass die Daten nicht richtig erhoben würden oder missbraucht würden, um die MA noch mehr unter Druck zu setzen, ihnen schlechte Bewertungen zu geben und ihnen dadurch Nachteile bei Gehaltsverhandlungen und dem Erhalt von Arbeitsplätzen entstehen könnten.


    Was für Erfahrungen habt Ihr gemacht?

    Welche Einschränkungen sollten wir als BR fordern?


    Nachtrag: Die Personalerin argumentiert, dass MA die viel Zeit für Selbstschulunegn aufwendeten sich vor ihrer Arbeit drücken wollten. D.h. lieber die Zeit vor demm Computer absitzen würden statt ihre eigentlcihe Arbeit zu machen.

    Dabei gehören Schulungen absolut zu unserer Arbeit dazu. Wir dürfen einen Handschlag ohne entsprechende Schulungen machen, was oft auch Praxiselemente beeinhaltet, z.B. mehrmaliges erfolgreiches Wiederholen von Arbeiten, um Zertifikate zu bekommen und die Arbeiten dann auch offiziell durchführen zu dürfen.

    Einmal editiert, zuletzt von Turmalin1 () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Turmalin1 mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Man kann (und soll m.E. unbedingt auch) speziell für dieses System oder besser in einer Rahmen-IT-Vereinbarung ein Verbot jeglicher personenbezogener Auswertung von Daten, die zur Erfassung und Bewertung von Verhalten und Leistung dienen können, vereinbaren. Und auch jede Generierung und Auswertung solcher Daten für kleine Gruppen von AN (Erlaubnis z.B. ab Gruppengröße von 10).


    Ansonsten gibt es eben keine Zustimmung des BR. Punkt.


    Und das gerade dann, wenn seitens des AG so dermaßen bescheuert argumentiert wird:

    Die Personalerin argumentiert, dass MA die viel Zeit für Selbstschulunegn aufwendeten sich vor ihrer Arbeit drücken wollten.

    Auch mir stellt sich die Frage, warum Ihr da erst im Nachhinein draufkommt? Ich hoffe, Ihr habt Eure Mitbestimmung bzgl des Systems nicht bereits abschließend wahrgenommen?


    Habt Ihr eine Rahmen-IT-BV? Wenn nicht, dann macht die dringend.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Vielen Dank für Eure Antworten!

    Ich kann gerade nur kurz antworten.


    Für die neue Software haben wir eine Rahmen-BV abgeschlossen.

    Die einzelnen Module sollen auch mittels BV geregelt werden.

    Das LMS ist so ein Modul für das wir eine BV erarbeiten müssen. Wir haben vor ein paar Tagen die Funktionen vorgestellt bekommen und müssen unds nun als BR überlegen wie wir dessen Nutzung per BV regeln.


    Die Dokumentenmanagement-Software ist leider (noch) nichüber BV geregelt. Das sehe ich wie Ihr als Problem.


    Eine Rahmen-BV zu IT-Systemen wollen wir auf meinen Vorschlag hin dieses Jahr verfassen. Das haben wir mit dem AG vereinbart.


    Wir sind ein recht neuer BR und werden seit dem Verkauf des Betriebs an ein Unternehmen aus den USA mit sehr vielen Neuerungen und Änderungen konfrontiert,wovon viele Verschlechterungen darstellen. Wir kämpfen an vielen Fronten und können leider nicht alles gleichzeitig regeln.