Mitarbeiterin ist krankgeschrieben - wird aber in Arbeiten einbezogen

  • Hallo liebe BR-Kolleg*innen,


    wir haben eine Kollegin, die seit mehreren Monaten krankgeschrieben ist und mittlerweile auch längst im Krankengeldbezug ist.


    Da es in unserer kleinen Stiftung (11 MA) so ist, dass nach einem heftigen Stellenabbau in den vergangenen 5 Jahren, nun sämtliche Mitarbeiter*innen (MA) überlastet sind, werden dann Aufgaben, die irgendwo zu viel sind, dann wild auf irgendwelche anderen Schultern verteilt, wonach dann diese MA auch in eine Überlastungs-Situation kommen.


    Auf die Gesundheit der MA wird seit mehreren Jahren keinerlei Rücksicht mehr genommen.


    Da die o.g. Kollegin noch immer krankgeschrieben ist, aber im Dienst eine Aufgabe erfüllt, die nur sie macht, erklärte unsere neue GF in einer Teamsitzung, dass die Kollegin nun ein paar Aufgaben für uns übernehmen werde... sie würde das freiwillig tun.


    Ich wollte es nicht gleich vor allem MA machen... habe die GF jedoch nach der Teamsitzung angeschrieben und sie darauf aufmerksam gemacht, dass dies ein Verstoß gegen das Arbeitszeitgesetz darstellt und dass ich das nicht einfach so hinnehmen könne. Die Kollegin sei krankgeschrieben und wenn sie für uns Arbeiten übernehmen will, dann müsse sie sich "gesund schreiben"... also zur Arbeit erscheinen.


    Zwar darf man offenbar arbeiten, während man noch krankgeschrieben ist, da die Krankschreibung nur eine Prognose des Arztes ist. Aber wie verhält es sich, wenn man schon in der Krankengeldzahlung ist (also länger als 6 Wo. krank)?


    Wie seht Ihr das und welche weiteren Argumente könnte ich hier noch vorbringen, wenn es zum Gespräch mit der GF kommt?


    Danke und Grüße,

    imebro

  • Mit dem ArbZG kollidiert das nicht.


    Allerdings kollidiert das mit dem Krankengeldbezug - wenn gearbeitet wird, erlischt automatisch der Anspruch auf Krankengeld. Dieses muss, wenn das bekannt wird, von der AN dann zurückgezahlt werden. Dafür müsste der AG dann normal entlohnen.


    Die Kollegin muss also unbedingt mit ihrer Kasse klären, ob sie in ihrer AU mit Krankengeldbezug vereinzelte Tätigkeiten übernehmen darf und wenn ja, in welchem Umfang.


    Zu klären ist m.E. auch, ob das Arbeiten evtl genesungswidrig ist.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    2 Mal editiert, zuletzt von Pfried () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Fried mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Hallo,


    wie Pfried schon richtig geschrieben hat, liegt ein Konflikt mit der KK vor.

    Wenn Beschäftigte im Krankengeldbezug sind,sind sie vollständig arbeitsunfähig- eine Teil-AU gibt es im deutschen Recht nicht.

    Diese vollständige AU ist gem. § 44 Abs. 1 SGB V

    § 44 SGB 5 - Einzelnorm

    zwingende Voraussetzung für den Bezug von KG. Arbeitet eine Beschäftigte außerhalb einer ärztlich verordneten und von der KK genehmigten Wiedereingliederung weiter trotz AU - auch in Teilzeit - fällt der Anspruch auf KG automatisch mit Aufnahme der Tätigkeit weg.

    Sollten AG und ANin beratungsresistent sein, dann sollten sie dringend auf § 263 StGB hingewiesen werden

    § 263 StGB - Betrug - dejure.org


    Und sollte der BR die Dinge laufen lassen, obwohl evtl. MBR bestehen, mit denen der Betrug gestoppt werden könnte, käme vielleicht auch noch eine "Beihilfe" iSd § 27 StGB in Betracht:

    § 27 StGB - Beihilfe - dejure.org

  • Ich hatte durchaus überlegt,

    hier anzubringen. Habe es aber sein lassen. Warum, das frage ich mich gerade auch. Weil das Risiko, dass der AG sich hier strafbar macht (Vermögensschaden der KK, um sich Entgelt zu ersparen), sollte ihn eigentlich wirklich überzeugen...


    Da die o.g. Kollegin noch immer krankgeschrieben ist, aber im Dienst eine Aufgabe erfüllt, die nur sie macht, erklärte unsere neue GF in einer Teamsitzung, dass die Kollegin nun ein paar Aufgaben für uns übernehmen werde...

    Klassisches Organisationsversagen des AG.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    Einmal editiert, zuletzt von Pfried () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Fried mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Vielen Dank für die wertvollen Tipps!!


    Es ist bereits ein Gespräch mit der neuen GF anberaumt für übermorgen (Mi.).

    Dabei werde ich entspr. Argumente vorbringen - auch die in Bezug auf § 263.


    Darüber hinaus hat mir heute eine AL berichtet, dass sie ihre Arbeitsstelle gekündigt hat.

    Grund ist, dass sie "einfach nicht mehr kann" und dass die ständige Arbeitsüberlastung sie fertig gemacht hat.


    Erst vor ca. einem Monat ist ein weiterer Kollege aus der Abteilung dieser AL aus dem gleichen Grund gegangen...


    All das ergibt ein Gesamtbild, wo man sieht, dass wir hier ein heftiges Problem mit der Personalpolitik haben.


    Grüße,

    imebro

  • Na wenn die Kollegin sich das zutraut und der Arzt auch, warum macht sie nicht "Wiedereingliederung"?

    das wäre doch der richtige Weg oder sehe ich das falsch?

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • Na wenn die Kollegin sich das zutraut und der Arzt auch, warum macht sie nicht "Wiedereingliederung"?

    Was hier laufen soll, ist keine Wiedereingliederung, und eine Wiedereingliederung schüttelt man sowieso nicht aus dem Handgelenk. Sie wird als rehabilitative Maßnahme ärztlich geplant und AG sowie Sozialversicherungsträger, hier die KK, müssen beide vorher zustimmen.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Na wenn die Kollegin sich das zutraut und der Arzt auch, warum macht sie nicht "Wiedereingliederung"?

    das wäre doch der richtige Weg oder sehe ich das falsch?

    für mich liest sich der "Vorschlag" des Ag aber irgendwie nicht nach:

    gucken wir mit der AN gemeinsam, ob sie wieder in das Erwerbsleben eigegliedert werden kann, sondern nach:

    Notlösung für Aufgaben mit Alleinstellungsmerkmal auf Kosten der MA.

    Zur Haltung der MA und deren Gesundheitszustand steht da nix.


    Zumindest die Kollegin würde ich, wie oben geschrieben, eindringlich davor warnen, sich auf Ärger mit der KK einzulassen. Sowas fliegt immer irgendwann auf - im Zweifel dann, wenn man irgendwelche Rückzahlungsforderungen am allerwenigstens gebrauchen kann. Und sie dahin gehend beraten, dass sie zu Gesprächen zu dem Thema immer ein BR-Mitglied mitnimmt. (man muss nicht alles telefonisch klären), damit kein Druck- oder Droh-Szenario von Seiten des AG aufgebaut werden kann.

    Manchmal reicht freundliches Zähne zeigen - auch lächelnd kann man auf die Rechte hinweisen - und der Schritt zum Gericht ist letzten Endes dann doch nicht notwendig.

  • Was hier laufen soll, ist keine Wiedereingliederung, und eine Wiedereingliederung schüttelt man sowieso nicht aus dem Handgelenk. Sie wird als rehabilitative Maßnahme ärztlich geplant und AG sowie Sozialversicherungsträger, hier die KK, müssen beide vorher zustimmen.

    ich meine ja nur: wenn, wäre das der richtige Weg


    was der AG da will ist für mich indiskutabel

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • Sollte das Ganze auffliegen, wird die Krankenkasse das gesamte Krankengeld für den fraglichen Zeitraum zurückfordern und der AG ziemlich sicher nur die geleistete Arbeitszeit vergüten. Meines Erachtens wäre da auch auf dem Rechtsweg nicht mehr zu holen. Ein Annahmeverzug scheidet aufgrund des explizit fehlenden Angebots aus.

    Am Ende steht also eine fette Rückzahlung an. Und vom Rest will dann der Anwalt im Betrugsverfahren bezahlt werden.

  • Hallo und danke für die zahlreichen Kommentare.


    Ich habe mit der GF gesprochen und sie darauf aufmerksam gemacht, dass eine Arbeit durch die krankgeschriebene Kollegin dazu führen könnte, dass sie am Ende Krankengeld zurückzahlen muss und dass die Arbeitsaufnahme auch der Krankenkasse gemeldet werden müsse.


    Daraufhin hat sie das Ganze quasi abgesagt. Die Kollegin wird also nicht für uns arbeiten... so soll es ja auch sein... immerhin ist sie krank!!


    Danke und Grüße,

    Imebro