Stempeluhren

  • Hallo. In einer Abteilung wurden neue Stempeluhren eingebracht. Wir haben zugestimmt. Zuvor konnten die Mitarbeiter in einer anderen Abteilung viel näher am Firmenausgang ausstempeln. Aber jetzt haben wir ein Problem. Da die Abteilung sehr weit vom Ausgang entfernt liegt und sie in der Spätschicht, beim Feierabend , den Straßenbahn nicht verpassen dürfen (sonst müssen sie eine halbe Stunde auf den nächsten Straßenbahn warten), müssen sie rennen. Leider hat dies innerhalb von 3 Wochen bereits zu 4 Arbeitsumfällen geführt. Trotzdem will der Arbeitgeber nichts dagegen unternehmen. Wir haben ihm gesagt, ob die Arbeiter in der anderen Abteilung, die dem Ausgang am nächsten ist, ausstempeln könnten, der will aber nicht. Frage: Was können wir tun? Welche Möglichkeiten haben wir? Ich habe gehört, dass wir in diesen Fällen einen Beschluss fassen können und die Stempeluhr stoppen oder bis auf weiteres sperren können. Haben wir diese Möglichkeit wirklich? Was empfehlt ihr? Danke

  • Ihr habt Eure Mitbestimmung wahrgenommen und könnt nun nichts mehr einseitig über einen Beschluss stoppen.


    Ihr könnt nur die BV über den Ort der Stempeluhr kündigen, diese neu verhandeln und hoffen, ein für Euch sinnvolleres Ergebnis zu erreichen.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Hallo,

    ihr habt der Sache doch zugestimmt.

    Ich habe gehört, dass wir in diesen Fällen einen Beschluss fassen können und die Stempeluhr stoppen oder bis auf weiteres sperren können.

    Welche Fälle meinst du?

    Leider hat dies innerhalb von 3 Wochen bereits zu 4 Arbeitsumfällen geführt. Trotzdem will der Arbeitgeber nichts dagegen unternehmen.

    Was soll der AG dagegen unternehmen?

    Eventuell habt ihr euren Mitarbeitern einen Bärendienst erfüllt. Aber mal so in den Raum gestellt, wenn ich anstempeln tue und sehr weit zum Arbeitsplatz muss, hat der AG nicht auch ein Recht auf Erfüllung der vertraglich geschuldeten Arbeitsleistung?

  • Was soll der AG machen wenn die Mitarbeiter nicht die nächste Bahn nehmen möchten und nicht laufen können?

    Ich sehe keinen Ansatz.

    .Es spielt keine Rolle wenn es dadurch noch weitere Unfälle passieren...

    Wodurch passieren denn die Unfälle? Oder wo liegt das Verschulden des AG?

  • Es spielt keine Rolle wenn es dadurch noch weitere Unfälle passieren...

    Nochmal, die Positionierung der Stempeluhren wurde von AG und BR gemeinsam für die AN verbindlich festgelegt. Das gilt jetzt (und kann nur über Kündigung der BV neu verhandelt werden).


    Das Interesse des AG, dass nächstmöglich zum Arbeitsplatz ein- und ausgestempelt wird, ist ja auch absolut nachvollziehbar. Dass der AG erwartet, dass die ArbZ arbeitend verbracht wird, sehe ich auch nicht als Verbrechen an. (Und käme es zur E-Stelle, wären diese Argumente überzeugender)


    Und dass die AN nicht 1/2 Stunde warten wollen und deshalb nach der Arbeit so schnell laufen, dass sie ggf verunfallen, ist rechtlich betrachtet in der Tat nicht das Problem bzw die Verantwortung des AG.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Interessant wäre schon, wie es zu den Unfällen kommt.


    Ich bezweifle, dass es sich um Arbeitsunfälle handelt Arbeitsunfälle sind die Unfälle, die versicherte Personen infolge der versicherten Tätigkeit erleiden. Der Heimweg ist keine versicherte Tätigkeit, hier dürfte es sich um Wegeunfälle handeln.

  • Also, habe ich richtig verstanden...Es spielt keine Rolle wenn es dadurch noch weitere Unfälle passieren...

    der Weg zur Arbeit und zurück liegt in der Eigenverantwortung der AN, da muss der AN für sich selbst entscheiden ob der rennt oder langsamer geht und dann den nächsten Bus nimmt.


    Ist doch nix anders zu bewerten, wie AN die mit Auto zu schnell fahren um der Rush-Hour an der Kreuzung zuvorzukommen.

    da gibt es für den AG auch keine Verpflichtung eher Feierabend machen zu lassen, damit die AN langsamer fahren können.


    Abgesehen davon: wenn die AN 5 Min eher gehen dürften, wer ersetzt den AN dann die fehlenden 5 Min?


    Ich habe gehört, dass wir in diesen Fällen einen Beschluss fassen können und die Stempeluhr stoppen oder bis auf weiteres sperren können.

    was würde das bringen?


    dann wäre Arbeitsbeginn und Ende am Arbeitsplatz --> also noch weiter weg von der Bushaltestelle, die AN müßten noch schneller rennen

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


    Einmal editiert, zuletzt von Randolf () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Randolf mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Was empfehlt ihr?

    Die Anzahl der Unfälle habt ihr ja schon. Wenn es deswegen zu AU kommt, dann läuft der Lohn ohne Arbeitsleistung weiter. Das ist ein faktischer Verlust für den AG.


    Vergleicht diese Zahl mit dem Geld, dass der AG verliert, wenn weit entfernt vom Arbeitsplatz ausgestempelt wird.


    Falls da rauskommt, dass die Krankheitskosten höher sind, sollte der AG im eigenen Interesse das Ausstempeln nahe der Haltestelle ermöglichen.

  • Was soll der AG dagegen unternehmen?

    Ich würde als AG zuerst das Rennen auf dem Betriebsgelände untersagen. Damit dürfte der Rahmen des Möglichen erschöpft sein.

    Dann würde ich als AG vielleicht noch den Mitarbeitenden entgegenkommen und ihnen das frühere Ausstempeln im Sinne einer Gleitzeitregelung ermöglichen. Montag bis Donnerstag fünf Minuten früher, Freitag 20 Minuten später. Jeweils passend für eine Bahn.

    Und final würde ich wirklich prüfen lassen, ob bei derartigen Wegeunfällen ggf. eine Fahrlässigkeit annehmbar wäre und erst mal keine Konsequenzen daraus ziehen, den MA das aber mal so mitteilen, dass das nicht hinnehmbar ist.

  • wie viel Pausenzeiten habt ihr denn?


    ggf. könnte man die Pausenzeiten die über dem gesetzlichen Mindestpausenzeiten liegen um 5 Min. kürzen und so 5 Minu. früher die Arbeit beenden und das rennen verhindern?


    Das wäre für den AG nicht nachteilig und für die AN ggf. verträglich

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • Ihr könnt auch prüfen, ob die Funktion der Stempeluhr auch softwaretechnisch erreichbar ist. Unser System hat eine Weboberfläche mit entsprechenden Funktionen, anders würde es mit mobilem Arbeiten auch schwer werden.

    Fallere me possum solus - wie wir Lateiner sagen. 3er Betriebsrat, BRV, kein Tarif.

  • Ihr könnt auch prüfen, ob die Funktion der Stempeluhr auch softwaretechnisch erreichbar ist. Unser System hat eine Weboberfläche mit entsprechenden Funktionen, anders würde es mit mobilem Arbeiten auch schwer werden.

    Dazu bedarf es dann ebenfalls der Änderung der BV.


    Dann würde ich als AG vielleicht noch den Mitarbeitenden entgegenkommen und ihnen das frühere Ausstempeln im Sinne einer Gleitzeitregelung ermöglichen.

    Auch das wäre nur über eine BV regelbar.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    Einmal editiert, zuletzt von Fried () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Fried mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Ihr habt Eure Mitbestimmung wahrgenommen und könnt nun nichts mehr einseitig über einen Beschluss stoppen.


    Ihr könnt nur die BV über den Ort der Stempeluhr kündigen, diese neu verhandeln und hoffen, ein für Euch sinnvolleres Ergebnis zu erreichen.

    Dem ist nichts hinzuzufügen. mit der BV hat der BR den Mitarbeitern einen Bärendienst erwiesen.

    Interessant wäre schon, wie es zu den Unfällen kommt.


    Ich bezweifle, dass es sich um Arbeitsunfälle handelt Arbeitsunfälle sind die Unfälle, die versicherte Personen infolge der versicherten Tätigkeit erleiden. Der Heimweg ist keine versicherte Tätigkeit, hier dürfte es sich um Wegeunfälle handeln.

    Das sind Wegeunfälle welche auch relevant für die BG sind. Weil auch diese sind versichert. Egal ob da gerannt worden ist oder nicht.


    Wenn sich das häuft mit Unfällen, welche aufgrund der Ausfalltage meldepflichtig an die BG gehen müssen, dann wird spätestens in einiger Zeit die BG sich das mal in Präsenz ansehen. Weil die merken das ja dann auch da es da etwas gibt was zu Unfällen führt. Und wenn die Wegeunfälle noch alle auf dem Betriebsgelände sind werden die tätig.

    Bevor wir einfache oder komplizierte Gesetzen/Verordnungen erlassen sollten wir es vielleicht mit etwas einfachen wie Hochdeutsch versuchen :)

  • habt ihr in der BV auch festgelegt wo welcher MA bzw. wo welche Abteilung stempeln muss?

    Nur weil in einer Abteilung Stempeluhren hängen bedeutet das ja erstmal nicht zwingend, dass ich dort auch stempeln muss.

    Nicht die Dinge sind positiv oder negativ, sondern unsere Einstellung macht sie so. (Epiktet, gr. Philosoph)

  • Nur weil in einer Abteilung Stempeluhren hängen bedeutet das ja erstmal nicht zwingend, dass ich dort auch stempeln muss.

    Das wäre wohl die einfachste Lösung aber:

    Wir haben ihm gesagt, ob die Arbeiter in der anderen Abteilung, die dem Ausgang am nächsten ist, ausstempeln könnten, der will aber nicht.

    Würde denn die zweiteinfachste Lösung funktionieren, dass alle die es wollen 5 Minuten früher anfangen und 5 Minuten früher gehen? Oder ist die Werkssirene die oberste Instanz bezüglich der Arbeitszeit?

    Für einen Betriebsrat gilt: Lobt dich der Gegner, ist das bedenklich. Schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg. (August Bebel)

  • Wenn ich es richtig verstehe, geht es doch um zwei verschiedene Sachverhalte ...?


    Der erste wäre dann:

    In einer Abteilung wurden neue Stempeluhren eingebracht. Wir haben zugestimmt.

    Neu im Sinne von "alte ersetzt" oder neu im Sinne von "dort gab es vorher keine"?


    Und der zweite Sachverhalt:

    Zuvor konnten die Mitarbeiter in einer anderen Abteilung viel näher am Firmenausgang ausstempeln.

    Sofern beim ersten Sachverhalt die neuen Stempeluhren völlig neu waren, wäre schon bei der Einführung zu berücksichtigen gewesen, für wen sie angebracht wurden und wie sich das auf die betreffenden MA auswirkt.
    Wwenn beim ersten Sachverhalt hingegen nur alte Stempeluhren ersetzt wurden - und diese neuen keine zusätzlichen Funktionen z.B. im Sinne des § 87 (1) Nr. 6 BetrVG ermöglichen - wäre andererseits auch gar keine Zustimmung notwendig gewesen?


    Wie auch immer, bei "neue Stempeluhren eingebracht" fehlt zumindest mir für Verständnis das Detail, in welchem Sinne hier "neu" zu verstehen ist. :-/

    Man wird alt wie ein Haus und lernt doch nie aus.