Kann man mich zwingen Samstags früher zur Arbeit zu kommen obwohl keine öffentlichen Verkehrsmittel zur Verfügung stehen?

  • Hallo Zusammen,

    ich möchte kurz erklären worum es geht:

    Ich arbeite im Krankenhaus in der Physio. Bin sehbehindert - 100% GDB. Ich bin seit 27 Jahren im Unternehmen und seither ist es nötig auch Samstags die Patienten zu betreuen. Meist beginnt die Arbeit am Samstag um halb acht oder je nach dem wie sich die Kollegen verabreden.

    Früher war es für mich kein Problem um Sieben oder halb acht da zu sein, da fuhren die Öffentlichen ja auch noch vernünftig.

    Seit einigen Jahren sind die ersten Züge und Busse aber einfach gestrichen worden. Nun kann ich erst um neun auf Arbeit sein. Das hat bisher auch keinen gestört.

    Nun haben wir einen neuen Chef der mich zwingen möchte früher zur Arbeit zu kommen.

    Ich bin da jetzt soghar als SBV a bissl überfragt, was würdet Ihr mir raten?

    Liebe Grüße

  • Fragen zum Verständnis:


    Beruht dein GdB zur Gänze auf deiner Sehbehinderung oder trägt diese "nur" dazu bei, dass ein GesamtGdB von 100 gebildet wurde? Hast du das Merkzeichen Bl?

    Wieso entscheiden deine Kollegen, wann Schichtbeginn ist und wann will dein neuer Chef, dass du beginnst?


    Mein Rat in der Annahme, dass du o.g. Merkzeichen hast: telefonier mal mit dem für dich zuständigen Integrationsamt und frag, ob in deinem Fall aufgrund der Rahmenbedingungen ein Fahrdienst organisiert und gefördert werden kann. Wir hatten bei uns mal eine blinde Kollegin, die von ihrer Wohnung zu uns gefahren und nach Arbeitsende bei uns abgeholt und zu ihrer Wohnung gebracht wurde. Hat wunderbar geklappt, war aber von meiner Vorgängerin organisiert und beide sind vor meiner Amtsübernahme in den Ruhestand eingetreten, daher weiß ich nicht, wie die das organisiert haben, aber denke mal, dass das I-Amt dir da gerne weiterhilft.

    Sollte das aus irgendeinem Grund nicht gehen können würde mir nur noch der Verweis auf § 164 Abs. 4 SGB IX einfallen, da deine Arbeitszeiten dann wohl behinderungsbedingt angepasst werden müssten.


    Es hat bestimmt auch sonst noch wer eine kluge Idee =)


    Wäre schön, wenn du am Ende mal postest, wie du das Problem gelöst hast, würde mich interessieren!

    LG!

  • Der Fahrdienst wäre jetzt auch mein Hinweis gewesen.


    (vor meiner Zeit als SBV) hatten wir auch einen Kollegen, der gefahren wurde. Wenn ich mich richtig erinnere, war das eine Kombination von Integrationsamt und Rentenkasse, die sich die Kosten für die Teilhabe am Arbeitsleben geteilt haben.

    Allerdings lag da auch eine Teilerwerbsminderungsrente vor.

    Manchmal reicht freundliches Zähne zeigen - auch lächelnd kann man auf die Rechte hinweisen - und der Schritt zum Gericht ist letzten Endes dann doch nicht notwendig.