BRM & Workation

  • Ahoihoi. Was machen wir denn, wenn ein ordentliches BRM das an alle AN gerichtete Angebot zur Workation wahrnehmen will? Also bis zu knapp einem halben Jahr wohnen und arbeiten irgendwo auf der Welt, Papierkrieg macht uns ein Dienstleister.


    Als Arbeitgeber würde ich dem AN einen Vogel zeigen, wenn er jede Woche von Südafrika nach Deutschland und zurück fliegen will. Virtuelle Sitzungen gehen bei uns, die GO gibt das her, aber da bleibt irgendwie nicht viel von Präsenzvorrang, wenn das ein halbes Jahr so geht.


    Habt ihr solche Fälle? Wie handhabt ihr das?

    2 Mal editiert, zuletzt von Hans Luft () aus folgendem Grund: Formatierung

  • Südafrika wäre gut, weil er dann faktisch nicht teilnehmen kann und er für mich als BRV als verhindert gelten würde.


    Posemuckel10 km um die Ecke --> ist zumutbar und machbar --> nicht verhindert und muss kommen.

    Kommt er trotz Zumutbarkeit nicht, kann das eine Verfehlung seiner Pflicht als BRM darstellen und als BR-Gremium kann man dann dagegen vorgehen, ggf. bis zur Amtsenthebung (ob das innerhalb von 6 Monaten geht, vermute ich eher nicht)


    ist also vom Einzelfall abhängig, ob dadurch das Gremium in "Schwierigkeiten" kommt oder nicht.


    Habt ihr solche Fälle? Wie handhabt ihr das?

    einschätzen ob eine Verhinderung vorliegt oder nicht und dann dem BRM erklären, das es etwas ungünstig ist ggü. seinen Wählern, sich erst wählen zu lassen und dann die Aufgabe nicht auszufüllen.

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • Angenommen, ich wäre dieses BRM und hätte überraschend die Möglichkeit bekommen, von irgend einem Lieblingsplatz in der Welt aus zu arbeiten. Mit meiner BR-Tätigkeit sehe ich auch kein Problem, weil

    Virtuelle Sitzungen gehen bei uns, die GO gibt das her, aber da bleibt irgendwie nicht viel von Präsenzvorrang, wenn das ein halbes Jahr so geht.

    und mir dann ein BRV erklärt

    das es etwas ungünstig ist ggü. seinen Wählern, sich erst wählen zu lassen und dann die Aufgabe nicht auszufüllen.

    würde ich dem BRV wohl zurück erklären, wo er mich was kann, wenn ihm die Erfüllung einer anachronistischen Vorschrift wichtiger ist ...

    Für einen Betriebsrat gilt: Lobt dich der Gegner, ist das bedenklich. Schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg. (August Bebel)

  • Ich würde das Angebot annehmen und dnn schauen, was die GO so hergibt. Wenn das nicht passt, muss ich schauen, ob die Teilnahme an der Sitzung mit verhältnismäßigem Aufwand möglich ist und dann entweder teilnehmen oder aber verhindert sein.

  • Ich habe an anderer Stelle schon mal angemerkt (den Thread müsste ich raussuchen) dass ich den Vorrang der Präsenzsitzung auch gewährleistet sähe, wenn man in der GO die Präsenz als Standard festlegte, dabei aber eng umfasste persönliche Ausnahmetatbestände (aufgrund von Behinderung nicht reisefähig usw) definierte, unter denen BRM regelmäßig aus der Ferne teilnehmen könnten.


    Hier würde ich aber tatsächlich aus diversen Gründen von einer Verhinderung für die Dauer des Auslandsaufenthaltes ausgehen.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Südafrika dürfte zeitlich gehen - keine bis kaum Zeitverschiebung. Wenn diese mit reinspielt, müsste man das nochmal überlegen, also ob sich das BRM dann verhindert sieht, weil z.B. Sitzungsbeginn für ihn oder sie um 1 Uhr nachts wäre.

    Manchmal reicht freundliches Zähne zeigen - auch lächelnd kann man auf die Rechte hinweisen - und der Schritt zum Gericht ist letzten Endes dann doch nicht notwendig.

  • Technisch kein Problem. Rechtlich hingegen …

    In der Theorie vielleicht. In der Praxis würde es vermutlich etwa so aussehen:

    "Chef, ich bin dann mal ein halbes Jahr in Südafrika. Einmal in der Woche komme ich auf Ihre Kosten mal her- und zurückgeflogen, um an der BR-Sitzung teilzunehmen. Präsenzsitzung hat Vorrang, sagt der Gesetzgeber. Kein Problem, oder? Was, ob ich noch alle Nadeln auf der Tanne habe? Und ob ich nicht online teilnehmen kann? Nee nee, sobald Ihnen ein Beschluss nicht passt, fechten Sie ihn wegen falscher Zusammenkunft an und wir sind die Blöden. Kann ich nicht machen. Ach so, Sie meinen, dass Sie einen Teufel tun werden, weil ich nach einem Mal zukünftig auf Nummer Sicher gehen würde und das die Firma viel teurer zu stehen käme und Sie deshalb keine Beschlüsse anfechten würden, weil Sie sich ja nicht ins eigene Fleisch schneiden wollen? Na, wenn Sie mir das versprechen, dann machen wir es doch so..." ;)

    Für einen Betriebsrat gilt: Lobt dich der Gegner, ist das bedenklich. Schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg. (August Bebel)

  • Hofft auf gutes Wetter und eine Lösung, die BRM nicht gegenüber anderen AN benachteiligt.

    Lösung ist doch aufgezeigt: an Onlinesitzungen teilnehmen und für Präsenzsitzungen verhindert, wegen der Entfernung.

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • Wir haben 13 BRM, da kann nicht einer das "Onlinekontingent" alleine auffressen.

    Auch wenn es an entsprechender Rechtsprechung noch fehlt: Der Vorrang der Präsenzsitzung ist nicht pauschal erreicht, nur weil es zum Jahresende eine Präsenzsitzung mehr als Onlinesitzungen gab. Dann wären ja alle Beschlüsse bis zur finalen Auswertung schwebend ungültig.


    Das Gesetz besagt, dass per GO der Vorrang der Präsenzsitzung gewährleistet sein muss. Die Regelung muss also geeignet sein, diesen Vorrang in der Theorie sicherzustellen, auch wenn es dann in der Praxis (nehmen wir mal eine globale Pandemie mit Ausgangssperren an) trotzdem dazu führt, dass effektiv die Mehrheit der Sitzungen nicht in Präsenz durchgeführt wurden.


    Mit Spannung warte ich auf den neuen Fitting, in dem die digitale Betriebsratsarbeit angeblich überarbeitet wurde. Hoffentlich sind die Aussagen da etwas klarer.

  • Mit Spannung warte ich auf den neuen Fitting, in dem die digitale Betriebsratsarbeit angeblich überarbeitet wurde. Hoffentlich sind die Aussagen da etwas klarer.

    Vllt auch hierzu:

    Ich habe an anderer Stelle schon mal angemerkt (...) dass ich den Vorrang der Präsenzsitzung auch gewährleistet sähe, wenn man in der GO die Präsenz als Standard festlegte, dabei aber eng umfasste persönliche Ausnahmetatbestände (aufgrund von Behinderung nicht reisefähig usw) definierte, unter denen BRM regelmäßig aus der Ferne teilnehmen könnten.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Und dieser Einschätzung schließe ich mich auch gerne an. Arbeitsgerichte lassen sich allerdings viel leichter mit Fachliteratur als mit Einschätzungen von (selbst legendären) Forenmitgliedern überzeugen.


    Ich sehe hier in diesem Fall ebenso nur die Notwendigkeit, eine eng gefasste und klare Regelung für die GO zu finden, die bestenfalls nach anwaltlicher Prüfung unter anderem den gewünschten Fall bestmöglich eindeutig regelt.

  • Hallo,


    ich würde da einfach kein Problem draus machen.

    Wenn er nach Südafrika will, kann er in der Zeit nicht an BR Sitzungen teilnehmen.

    Er soll sich verhindert melden (Als BRV hast du keine Pflicht das zu kontrollieren) und dann wird einfach ein eBRM eingeladen.

    Sobald er braungebrannt zurückkommt, wird er wieder eingeladen.


    Gruß
    Gerhard

  • Und dieser Einschätzung schließe ich mich auch gerne an. Arbeitsgerichte lassen sich allerdings viel leichter mit Fachliteratur als mit Einschätzungen von (selbst legendären) Forenmitgliedern überzeugen.

    Ich habe es aber weiter oben bereits geschrieben: Ich sehe im Auslandsaufenthalt einen klaren vorübergehenden Verhinderungsgrund.


    Hofft auf (...) eine Lösung, die BRM nicht gegenüber anderen AN benachteiligt.

    Das heisst? Ins Ausland gehen und währenddessen verhindert sein ist ja keine Benachteiligung?

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    3 Mal editiert, zuletzt von Pfried () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Fried mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • für eine Präsenzsitzung? (es geht ja um Vorrang-Präsenzsitzung)

    Nee, für eine Teil-Online-Sitzung. das Präsenz Vorrang haben sollte: klar, aber wenn in der GO die Möglichkeit Online vorgesehen ist, wäre es ja machbar, ein BRM online dazu zu schalten. Eben weil nicht so viel zeitverschiebung zu Südafrika vorliegt.

    Manchmal reicht freundliches Zähne zeigen - auch lächelnd kann man auf die Rechte hinweisen - und der Schritt zum Gericht ist letzten Endes dann doch nicht notwendig.