Freistellung - Erfahrungswerte

  • Hallo zusammen,


    wir diskutieren im BR zur Zeit (vor einer Neuwahl stehend) die Freistellung.

    Welche Erfahrungswerte gibt es bei euch mit Teilfreistellungen (also z.B. 20Stunden)? Bei uns gehen die Meinungen auseinander. Bisher hatten wir eine Vollfreistellung (40Std.) und 2 mit jeweils 20 Stunden. Besonders scheinen Sorgen zu bestehen, dass man sich ggfs. nicht hinreichend absprechen kann, wenn wir weiter so verfahren. Ich persönlich finde das nicht schlecht, wenn mehrere Mitglieder freigestellt sind, weil dann auch die Aufgaben auf mehreren Schultern liegen und das auch ein breiteres Meinungsbild abgibt.
    Wie hat sich das bei euch entwickelt und wie sieht es auch mit der beruflichen Entwicklung aus?
    Bei uns im Unternehmen gibt es viele junge Mitarbeitende, Branche ist Software im weitesten Sinne.


    Viele Grüße

  • Welche Erfahrungswerte gibt es bei euch mit Teilfreistellungen (also z.B. 20Stunden)?

    Als ehemals teilfreigestellter BRV (50%) und jetzt "normales" und nicht freigestelltes Mitglied eines Gremiums mit mehreren Freistellungen, die Voll- und Teilfreistellungen sind, kann ich sagen: Die Erfahrungswerte sind insgesamt gut.


    Vorteile aus meiner Sicht sind u.a.:

    1.Gerade wenn BRM (so wie ich damals) nicht voll aus dem Berufsleben aussteigen wollen, erhöht die Möglichkeit der Teilfreistellung die Motivation, sich dafür zur Verfügung zu stellen.

    2. Es mag v.a. anfangs insgesamt einen höheren internen Organisationsaufwand geben, aber gerade die notwendigen Absprachen untereinander führen imho zu mehr Struktur und Zusammenhalt.

    3. Das Verteilen auf mehr Schultern wirkt der Tendenz mancher Gremien, alles auf die Schultern von BRV (und ggf sBRV) zu laden, entgegen.


    M.E. hat das natürlich Grenzen - es wird wenig Sinn machen, z.B. bei Anspruch auf 2 Vollfreistellungen 10 BRM zu je 20% freizustellen. Aber Freistellungen von 50% oder mehr sind gut machbar.


    Nachteil aus meiner Sicht: Man bleibt als BRM im Spagat zwischen BR und AV. Dem kann man aber entgegenwirken durch klare Absprachen bzgl Zeiten, wann man fest BR-Tätigkeit macht.


    Bisher hatten wir eine Vollfreistellung (40Std.) und 2 mit jeweils 20 Stunden.

    Wie lange schon? Und wie sind Eure konkreten Erfahrungen damit?

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    Einmal editiert, zuletzt von Fried () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Fried mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • ergänzend zu Fried:


    wir haben 2x 50%-Freistellungen - durch die Doppelfunktion als AN und BR ergeben sich tlw. "Konflikte" weil man sein Arbeitsprojekt fertig haben will/muss (Termine stehen ja) und gerade durch ungeplante BR-Tätigkeiten dann "Zeitprobleme" bekommt.


    Bei meinem AG bezgl. der Thematik BR-Arbeit außerhalb der persönlichen Arbeitszeit kein Problem, wir bekommen alles als AZ vergütet, ohne Diskussion - das entschärft die Situation, weil wir eben auch Sitzungen zeitlich ggf. verschieben können, soweit alle BRM zustimmen.

    erfordert aber einen BR der keinen internen Konflikte hat und flexibel ist.


    Wenn der AG und/oder der BR da problematischer ist, dann kommt es natürlich zu Diskussionen oder das der BRM entscheiden muss was ihm wichtiger ist.

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • Wie lange schon? Und wie sind Eure konkreten Erfahrungen damit?

    Naja, die Meinungen sind gemischt.

    Ich bin klar der Haltung, dass bei 2 Freistellungen, die zur Verfügung stehen, eine Aufteilung auf mehr als 2 Personen schon aus demokratischer Überzeugung Sinn macht, weil mehr Meinungen präsent sind. Das wird aber in Teilen nicht so gesehen, manche freigestellte BRM wünschen sich mehr Einigkeit, sodass sich z.B. BRV (100% freigestellt) und sBRV (50% freigestellt) inhaltlich abstimmen, bevor mit dem Gremium gesprochen wird. Das sehe ich politisch anders, weil ich finde, dass das Gremium und der Vorsitz von unterschiedlichen Meinungen und Perspektiven profitiert und denke, dass dies ein demokratischer Grundsatz ist. Argumentiert wird, dass, wenn 2 Personen 100% freigestellt sind, man sich immer absprechen und austauschen kann (und es dann, so wohl die Schlussfolgerung), zu weniger Meinungsunterschieden kommt.


    Andere "Teilzeit-freigestellte" BRM haben eher Schwierigkeiten, wie ihr schon sagt, AV und BR-Tätigkeit unter einen Hut zu bekommen. Das kann ich gut verstehen, ich muss mich auch enorm strukturieren, aber das ist es mir wert.


    Letztlich finde ich, gerade nach der Neuwahl, das Argument, dass sich mehr Freiwillige finden und somit eine bessere Repräsentanz entsteht, sehr überzeugend. Zumal ich manchmal fasst befürchte, dass sich unsere junge Belegschaft ihre berufliche Entwicklung durchaus verbaut, wenn sie kaum Berufserfahrung gesammelt haben. Aber das ist jeder Person selbst überlassen.

  • (...) manche freigestellte BRM wünschen sich mehr Einigkeit, sodass sich z.B. BRV (100% freigestellt) und sBRV (50% freigestellt) inhaltlich abstimmen, bevor mit dem Gremium gesprochen wird.

    Ich will gar nicht damit anfangen, dass ich den Satz total bescheuert - weil vordemokratisch - finde. Der BR ist das Gremium, in dem die Meinungsbildung stattfindet, in dem Beschlüsse gefasst werden. Diese BRM wollen also alles vorgekaut bekommen!?


    Was ich gerade geschrieben habe, würde ich mir zwar denken, aber nur für mich und es nicht in die Argumentation im BR tragen - denn das wäre natürlich geeignet, BRM zu verprellen, die man überzeugen will.


    Trotzdem: Auch wenn es mich als BRV sicher auch genervt hat (weil es die Sitzungsleitung nicht gerade vereinfachte), fand ich Gremien immer effektiver, die Ergebnisse qualitativ besser und nachhaltiger, wenn unterschiedliche Meinungen konstruktiv ausgetauscht wurden und man sich "zusammenraufte".

    Argumentiert wird, dass, wenn 2 Personen 100% freigestellt sind, man sich immer absprechen und austauschen kann (und es dann, so wohl die Schlussfolgerung), zu weniger Meinungsunterschieden kommt.

    Meine Erfahrung ist eine andere. Vollfreigestellte können auch wunderbar nebenher und aneinander vorbei arbeiten, Teilfreigestellte müssen sich von Haus aus mehr absprechen.


    Ganz abgesehen davon hat man, wenn die Freistellungen gut organisiert, immer genug Zeit für Absprachen. Dazu braucht man wahrlich nicht 100% oder 50% Überschneidung in den Freistellungszeiten. Wenn man das in 10% nicht hinbekommt, bekommt man es in 100% auch nicht hin.

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  • Wir haben bei uns (11er-BR) die Freistellungen aufgeteilt. (Mal 1, mal 2 Freistellungen)

    Die BRM arbeiten aktiv mit, da ist die Verteilung der Freistellungen hilfreich.

    Ich bin sBRV gewesen. Mit meiner BRV haben ich natürlich auch vor der Sitzung Meinungen ausgetauscht. Das hat nach meinem Empfinden dazu geführt, dass manche komplizierten Sachverhalte so für die Sitzung gut vorbereiten waren.


    Außerdem haben wir unseren Eindruck über die anderen BRM ausgetauscht. Dadurch haben wir beide unser Gespür dafür weiter entwickelt, wer sich evtl. für welche Aufgaben interessieren könnte. Dadurch wurde es für manche BRM einfacher, sich an neue Aufgaben heranzutrauen. Mit einer 100-Freistellung wäre das so nicht möglich gewesen.


    Wir sind beide gerade zurück getreten und hinterlassen trotz vieler neuer BRM ein Gremium mit hoher Diskussions- und Entscheidungskompetenz.

  • Moin,

    Ich bin klar der Haltung, dass bei 2 Freistellungen, die zur Verfügung stehen, eine Aufteilung auf mehr als 2 Personen schon aus demokratischer Überzeugung Sinn macht, weil mehr Meinungen präsent sind.

    M.E. werden hier zwei komplett verschiedene Dinge vermischt: Meinungen sind nicht von der Aufteilung von Freistellungen abhängig.


    Wir hatten in der letzten Amtsperiode eine unserer 3 Freistellungen auf 2 Personen aufgeteilt (je 50%).

    Bei mir ging das prima: die halbe Woche in meinem Büro in der IT, die andere halbe Woche im BR-Büro.

    Bei meinem Kollegen ging das nicht so gut, weil sich Schichtdienst nicht gut splitten ließ mit 50% "übliche Büroarbeitszeit".


    Kleinere Aufteilung als 50% wollten wir mal (40/40/20), kam aber nicht dazu. Hätte sicher auch funktioniert.

    Man wird alt wie ein Haus und lernt doch nie aus.

  • Ich will gar nicht damit anfangen, dass ich den Satz total bescheuert - weil vordemokratisch - finde. Der BR ist das Gremium, in dem die Meinungsbildung stattfindet, in dem Beschlüsse gefasst werden. Diese BRM wollen also alles vorgekaut bekommen!?

    Danke, Fried. Ich war zu unpräzise: es ist die BRV, die gern vorab eine inhaltliche Abstimmung wünscht, sodass sie in ihrer Meinung vor dem Gremium von der sBRV gestützt wird. Da ist m.E. große Empfindlichkeit vorhanden.

    Also, anders als BMG das für sich beschreibt, nicht in dem Sinne, dass man sich überlegt, wer evtl. bestimmte Aufgaben gut übernehmen könnte.


    Ich finde das vor allem problematisch, weil die verbliebenen 11 Mitglieder das ja u.U. nicht einmal wissen und dann in ihrer Meinungsbildung beeinflusst werden könnten.


    Moin,

    M.E. werden hier zwei komplett verschiedene Dinge vermischt: Meinungen sind nicht von der Aufteilung von Freistellungen abhängig.

    Ja, genau, das ist noch einmal ein guter Hinweis. Bei uns sind die Freigestellten am aktivsten und dann ergibt sich durchaus eine gewisse Mischung, weil die dann etwas einfacher mehr Zeit und Ressourcen auf die BR Arbeit verwenden können, als andere, nicht Freigestellte.


    Wie auch immer, ich bedanke mich schon einmal für die Erfahrungswerte und bin beruhigt, dass ihr mit Teilzeitfreistellungen gute Erfahrungen gemacht habt.

    Einmal editiert, zuletzt von Sundown () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Sundown mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Danke, Fried. Ich war zu unpräzise: es ist die BRV, die gern vorab eine inhaltliche Abstimmung wünscht, sodass sie in ihrer Meinung vor dem Gremium von der sBRV gestützt wird. Da ist m.E. große Empfindlichkeit vorhanden.

    Also, anders als BMG das für sich beschreibt, nicht in dem Sinne, dass man sich überlegt, wer evtl. bestimmte Aufgaben gut übernehmen könnte.


    Ich finde das vor allem problematisch, weil die verbliebenen 11 Mitglieder das ja u.U. nicht einmal wissen und dann in ihrer Meinungsbildung beeinflusst werden könnten.

    mal dazu:


    natürlich spreche ich als BRV mit meinem stellv. BRV häufiger und teile ihn alles unverzüglich mit, auch mal schnell zwischendurch. Alleine schon weil er mich vertreten muss wenn ich morgen ausfalle.

    Das ist m.M.n. doch normales Verhalten zwischen Personen die sich vertreten.


    Aber trotzdem bekommen doch alle BRM auf der nächste Sitzung alle Informationen ungefiltert um sich einen eigene Meinung bilden zu können.

    Und genau wie jedes BRM habe ich als BRV auch eine Meinung die ich vertrete (mein stellv querulantischerweise auch ;))

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  • Ich war zu unpräzise: es ist die BRV, die gern vorab eine inhaltliche Abstimmung wünscht, sodass sie in ihrer Meinung vor dem Gremium von der sBRV gestützt wird.

    Dann denkt eben Eure BRV vordemokratisch... Ich würde das, wie oben beschrieben, in der Sitzung, in der über die Freistellungen entschieden wird, nicht so offensiv formulieren, aber durchaus klar sagen, dass die Meinungsbildung und die Beschlüsse im Gremium stattfinden, und dass unterschiedliche Perspektiven da zu besseren Ergebnissen führen.


    Die Argumentation bleibt ansonsten m.E. gleich:

    Vollfreigestellte können auch wunderbar nebenher und aneinander vorbei arbeiten, Teilfreigestellte müssen sich von Haus aus mehr absprechen. Ganz abgesehen davon hat man, wenn die Freistellungen gut organisiert, immer genug Zeit für Absprachen. Dazu braucht man wahrlich nicht 100% oder 50% Überschneidung in den Freistellungszeiten.

    Unterschiedliche Meinungen und Handlungsansätze hat man oder man hat sie nicht, das hängt nicht vom Ausmaß der Freistellung ab.


    Da man sich bzgl Aufgabenverteilungen usw mehr abspricht, hat man m.E. auch mehr Ansätze, sich inhaltlich zu besprechen (weil man häufiger on einer Gesprächssituation


    Und eine höhere oder geringere Freistellung hat m.E. auch keine Auswirkungen auf die Möglichkeit, sich organisatorisch oder inhaltlich abzusprechen:

    Wenn man das in 10% nicht hinbekommt, bekommt man es in 100% auch nicht hin.


    Sundown , lt Gesetz führt ja der BA die Geschäfte des BR. Das ist eigentlich das Gremium, das Sitzungen vorbereitet, unabhängig von Freistellungen. Wie läuft das bei Euch faktisch?

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    Einmal editiert, zuletzt von Fried () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Fried mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Trotzdem: Auch wenn es mich als BRV sicher auch genervt hat (weil es die Sitzungsleitung nicht gerade vereinfachte), fand ich Gremien immer effektiver, die Ergebnisse qualitativ besser und nachhaltiger, wenn unterschiedliche Meinungen konstruktiv ausgetauscht wurden und man sich "zusammenraufte".

    und genau das finde ich für die Meinungs-/Entscheidungsfindung eines Gremiums echt unabdingbar.

    Ja auch ich habe einige streitbare Geister im Gremium aber trotzdem passiert bei uns genau das auch. Wir diskutieren, teils auch bis an die Grenze der Fairness, aber finden am Ende immer einen Weg den alle dann auch mitgehen.

    Und auch mir geht es manchmal so, dass ich genervt bin, aber ich liebe unser Gremium dafür.


    Wir haben 2 Vollfreistellungen (die zweite hate die sBRV) obwohl uns bei der Wahl 3 zugestanden hätten, mittlerweile durch Stellenabbau nicht mehr.

    Die 3. wollte aber niemand haben trotz viel gutem Zuredens und Aufzeigen der Möglichkeit einer Teilfreistellung.

    Natürlich sprechen wir uns ab und das auch mehrmals täglich, das ist einfach Teil der Arbeit.

    Nicht die Dinge sind positiv oder negativ, sondern unsere Einstellung macht sie so. (Epiktet, gr. Philosoph)

  • Die 3. wollte aber niemand haben trotz viel gutem Zuredens und Aufzeigen der Möglichkeit einer Teilfreistellung.

    Das ist schade, das Problem kenne ich aber auch.


    Man sollte dabei nicht vergessen, man kann die Freistellungen auch mitten in der Amtszeit "auffüllen" - wenn BRM in ihre Aufgaben hineinwachsen, wächst vllt auch die Bereitschaft zumindest für Teilfreistellungen. Fühlt Ihr da hin und wieder ins Gremium hinein?

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  • 3. Freistellung hat sich mittlerweile erledigt, wir haben leider Stellen abgebaut.

    Stimmt, das hattest Du geschrieben. Wer liest, was er/sie kommentiert, ist klar im Vorteil! :S


    Als generellen Tipp bzw Hinweis für so einen Fall lasse ich es aber mal stehen: Bei bestehendem und nicht eingelöstem Anspruch des BR kann man immer "auffüllen".

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)