Grenzwertiges Verhalten meiner Stellvertretung

  • Guten Morgen Ihr Lieben!


    Ich bin ja erst zum Monatsanfang in die Position der BRV gerückt.


    Die bis dato 1. Stellvertretung war auf Grund einer Erkrankung der ehemaligen BRV fast ein Jahr "quasi" BRV - hat bspw. die Signatur für die Mails ändern lassen - was ich zurück geändert hatte (gab Diskussion).

    Bei der Frage der Neuwahl der BRV erklärte die 1. Stellvertretung: Vorsitz steht zur Wahl und, falls ich (Binchen) nachrücke auch die Position 2. Stellvertretung, die eigene Position sei nicht neu zu wählen.


    Aktuell zeigt sich:

    a) Stellvertretung "muss" in Gesprächen (und den Sitzungen) noch immer das letzte Wort haben.

    Teilweise mit Beispielen, wie die Arbeit hier im Betrieb vor 20 Jahren war und dass man das mit heute ja nicht mehr vergleichen könne - fast jedes Gegenüber kennt diese Geschichten mittlerweile auswendig und verdreht die Augen, weil es immer die gleichen Beispiele / Sprüche sind - auch die neuen Verantwortlichen hier im Betrieb nehmen die Stellvertretung nicht für voll.

    Hat sich ein Gesprächspartner hier im BR-Büro verabschiedet und klar gemacht: Gesprächsbedarf geklärt, kommt von der Stellvertretung immer noch was, so dass Menschen fast 15 Minuten nach er ersten Verabschiedung erst aus dem Büro hier kommen. Und mit etwas Feingefühl spürt man dieses "Unwohlsein".

    Die Thematik unter 4 Augen anzusprechen hat nicht geholfen.


    b) Obwohl (genau wegen dem Verhalten der Stellvertretung) in der Klausurtagung Ende letzten Jahres vereinbart wurde:

    "Der BR spricht unter keinen Umständen schlecht über Kollegen und Kolleginnen!" hat die Stellvertretung es gegenüber der neuen Leitung bereits wieder gemacht.

    "Ich mag Frau MüllerMeierSchulze nicht. Bei der fragt man sich echt, wofür die bezahlt wird. Sogar der alte Vorstand hat gesagt: `Aus welchem Fenster die 8 Stunden guckt, ist auch egal´.

    (Geht meiner Meinung nach überhaupt nicht - als BR bin ich gewählt und habe sämtliche MA nach bestem Wissen und nach Prüfung von Gesetzten zu unterstützen / beraten. Und ggf. auf einen Anwalt zu verweisen - unabhängig von persönlichen Präferenzen oder alten Disputen im Arbeitsbereich.)


    c) (Auch das war nochmal eindrücklich Thema bei der Klausurtagung, aber es war nicht klar, wo das "Leck" ist)

    Beratungsinhalte und Positionen bleiben im BR-Büro. (Datenschutz, Vertrauen, etc.)

    Gestern hat sich in BR-Mitglied - Leitung einer Abteilung - beschwert, das ihr Vorgesetzter wortwörtlich die Position zu einer Abstimmung kannte. Dieses BR-Mitglied wird heute nicht aus dem Gremium austreten, aber die Arbeit an allen Arbeitsgruppen und den Ausschüssen niederlegen, bei denen Reibungspunkte zum direkten Vorgesetzten entstehen könnten, bzw. zur neuen Führungsetage, durch die Befürchtung: "Was wissen die vielleicht noch alles, was ich im BR gesagt habe? Ich befürchte, bei Gesprächen, in denen es um meine Abteilung geht, in der schlechteren Verhandlungsposition zu sein, wenn da verschiedenes in einen Topf geworfen wird. Zum Nachteil der Mitarbeiter in meiner Abteilung."

    Auch das kommt, dieses Mal nachweislich, von der stellvertretenden BRV.


    Kurz vor der Neuwahl der BRV gab es schon etliche Gespräche und Überlegungen von "Stellvertretung muss weg" aus dem Gremium.


    Da es auch immer wieder fremdenfeindliche oder (sorry, ich bin da vielleicht auch etwas empfindlich) sexuell belästigende blöde Sprüche gab. (Diese Belästigung findet nach einem sehr harten 4 Augen Gespräch momentan nicht mehr in meine Richtung statt, aber an anderer Stelle hat er sich doch schon wieder im Ton vergriffen).


    Was kann ich als BRV tun, um die angespannte Situation (an allen Fronten) zu entschärfen? Wir haben, weiß der Henker, genug wirkliche Themen zu bearbeiten, dass eigentlich für so einen Kram keine Zeit sein sollte. Nicht falsch verstehen: ich meine nicht die Lösung solcher Probleme, sondern das Schaffen dieser Probleme.


    Falls ich nicht schnell Nachfragen beantworten kann: gleich sind Termine und Sitzung und morgen Termine außer Haus.


    Liebe Grüße!

    Manchmal reicht freundliches Zähne zeigen - auch lächelnd kann man auf die Rechte hinweisen - und der Schritt zum Gericht ist letzten Endes dann doch nicht notwendig.

  • Hallo,
    für mich klingt das alles nach grober Pflichtverletzung und man könnte bei Gericht einen Ausschluss aus dem BR beantragen.
    Vorher würde ich aber mit dem gesamten Gremium in einer Sitzung das Thema nochmals aufgreifen und dem Stelli sagen, was so alles schiefläuft und was man von ihm erwartet. Da muss halt jeder mal den Mund aufmachen damit er merkt, dass es nicht nur von dir kommt. Auch würde ich ihm mitteilen, dass ihr über einen Ausschluss nachdenkt und er galanter aus der Nummer kommt, wenn er von selbst das Mandat niederlegt als, wenn in der Firma Publik wird das er per Gerichtsbeschluss ausgeschlossen wurde.

    wenn man düngen will reicht es nicht durch den Zaun zu furzen.

  • Also wenn da vom angesprochenen BRM kein eigener Rücktritt zu erwarten ist, bleibt eigentlich aus meiner Sicht nur 23/1 also grobe Pflichtverletzung und eine Amtsenthebung.

    Oder es ertragen.


    Wenn aber das ganze Gremium das so sieht, sollte dem BRM das mal bewusst machen.

  • Also zum einem klare offene Worte vom Gremium in der nächsten Sitzung und ganz ehrlich, wollt ihr euch als Gremium von diesem Stellvertreter in deiner Abwesenheit vertreten lassen?


    Bei uns würde die Position neu besetzt werden.


    Aber ok, wir haben auch schon unseren Vorsitzenden abgewählt, da wir kein Vertrauen mehr in ihn hatten.

  • Da es auch immer wieder fremdenfeindliche oder (sorry, ich bin da vielleicht auch etwas empfindlich) sexuell belästigende blöde Sprüche gab.

    wenn beweisbar sofort Anzeigen!


    und


    BetrVG §104

    You choose your leaders and place your trust as their lies wash you down and their promises rust (MMEB Going Underground)

  • Es gibt also im Amt (Nachweisbar? Und wenn ja, wie? Denn das wird ggf wichtig...) mindestens verbale Herabwürdigungen von Kolleg:innen (siehe b; war das das einzige Mal?), Weitergabe von vertraulicher Information aus dem BR (siehe c; war das das einzige Mal?), und immer wieder sexistische und rassistische Äußerungen?


    Als Erstes würde ich alle o.g. Ereignisse möglichst genau schriftlich sammeln, d.h. mit Beschreibung des Vorkommnisses und möglichst Ort, Zeit und Zeug:innen; in diese Auflistung gehört auch hinein, wann und wie der BR sich schon konkret mit den Verfehlungen des/der sBRV befasst hat (also z.B. Eure Klausurtagung).


    Zwischenfrage: Hat die/der sBRV denn auch vor Zeug:innen solche Vorkommnisse zugegeben (z.B. in jener Klausurtagung)? Das gehört auch in die schriftliche Sammlung.


    Dann würde ich mimmie folgen und das Thema auf die TO setzen, zu einem Termin, an dem sBRV und betroffene BRM (v.a. die Kollegin, deren konkrete Äußerungen und Positionen weitergegeben wurden) nicht verhindert sind. Das o.g. Schriftstück sollte verlesen werden. Alle BRM sollten sich äußern (wobei man natürlich niemanden zu Wortmeldungen zwingen kann), auch die/der sBRV. Das wird viel Aufwand an Sitzungsleitung beanspruchen, v.a. muss m.E. darauf geachtet werden, dass niemand unterbrochen wird. Der sBRV muss am Ende des TOPs klargemacht werden, dass nun unweigerlich die Abwahl als sBRV bei der kommenden Sitzung auf der TO stehen wird (wenn nicht vorher von dem Posten zurückgetreten wird), aber auch ein Ausschlussverfahren als Möglichkeit im Raum steht (wenn nicht vorher aus dem Gremium ausgetreten wird), hierfür die/der derzeitige sBRV aber "auf Bewährung" ist.


    Unabhängig vom Ergebnis dieses TOPs würde ich in der Sitzung darauf die Ab- und Neuwahl des Postens sBRV auf die TO setzen - das nötige Vertrauen, dass die/der bisherige sBRV das weiter macht, scheint mir definitiv verbraucht.


    Bzgl eines Ausschlussverfahrens würde ich eine Bewährungsfrist (natürlich bis zum Ende der Amtszeit) ansetzen und das genau weiter beobachten. Bei weiteren Fehlverhalten schaut man dann, dass man es durchzieht.


    wenn beweisbar sofort Anzeigen!

    Das bringt mich zu einer weiteren Frage: Sind diese Äußerungen dergestalt, dass sie sich schon im Bereich der Strafbarkeit befinden? (Gibt es Beispiele, was da konkret gesagt wurde...?). Das wäre vllt auch etwas, was in der Sitzung als letztes Mittel zur "Motivation" zum Austritt genutzt werden könnte.


    BetrVG §104

    Zu dem gibt es Rechtsprechung. Da müsste schon sehr viel mehr passiert sein, damit das auch nur im Ansatz Erfolg verspräche.


    Binchen3 , noch eine Frage: Hat der/die sBRV eine Freistellung? Wenn ja, wie wurde die gewählt (Mehrheits- oder Verhältniswahl)?

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    4 Mal editiert, zuletzt von Pfried () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Fried mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Bei der Frage der Neuwahl der BRV erklärte die 1. Stellvertretung: Vorsitz steht zur Wahl und, falls ich (Binchen) nachrücke auch die Position 2. Stellvertretung, die eigene Position sei nicht neu zu wählen.

    Das ist technisch erst einmal so korrekt. Ein Stv. BRV kann aber recht einfach durch Mehrheitsbeschluss abberufen werden - jederzeit!

    Ansonsten möchte ich mich dem Beitrag von Fried anschließen. Ihr solltet hart, aber sauber reagieren.

  • b) Obwohl (genau wegen dem Verhalten der Stellvertretung) in der Klausurtagung Ende letzten Jahres vereinbart wurde:

    "Der BR spricht unter keinen Umständen schlecht über Kollegen und Kolleginnen!" hat die Stellvertretung es gegenüber der neuen Leitung bereits wieder gemacht.

    das finde ich schon sehr grenzwertig, weil hier das Recht der freien Meinungsäußerung "beschnitten" werden soll.

    Man kann doch mündigen Bürgern nicht vorschreiben, wie sie sich zu äußern haben, erst recht nicht wenn die Äußerungen der Wahrheit entspricht

    -- "unter keinen Umständen" bedeutet ja: auch wenn es wahr ist, darf man es nicht äußern


    a) Stellvertretung "muss" in Gesprächen (und den Sitzungen) noch immer das letzte Wort haben.

    da muss der BRV sich durchsetzen, er hat die Sitzungsleitung und erteilt das Wort bzw. entzieht es

    --> eine andere Möglichkeit sehe ich da nicht


    Auch das kommt, dieses Mal nachweislich, von der stellvertretenden BRV.

    Da es auch immer wieder fremdenfeindliche oder (sorry, ich bin da vielleicht auch etwas empfindlich) sexuell belästigende blöde Sprüche gab. (Diese Belästigung findet nach einem sehr harten 4 Augen Gespräch momentan nicht mehr in meine Richtung statt, aber an anderer Stelle hat er sich doch schon wieder im Ton vergriffen).

    Fremdenfeindliche Sprüche oder sexuelle Belästigung: unabhängig davon wer es ist, jeden Einzelfall festhalten, und ggü dem AG "anzeigen" und den AG zum Handeln zwingen

    --> bei uns BR+AG gibt es da eine Null-Toleranz und da wird jeder Einzelfall "sanktioniert"

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • Zu dem gibt es Rechtsprechung. Da müsste schon sehr viel mehr passiert sein, damit das auch nur im Ansatz Erfolg verspräche.

    naja, Fitting wie Däubler sehen gerade wiederholte rassistische und ausländerfeindliche Störungen des Betriebsfriedens als besonderen Grund.

    Was ich allerdings nicht bedachte habe, ist, dass es sich ja um ein BRM handelt, daher fällt der §104 eh raus, weil §15 KSchG Vorrang hat.

    You choose your leaders and place your trust as their lies wash you down and their promises rust (MMEB Going Underground)

  • naja, Fitting wie Däubler sehen gerade wiederholte rassistische und ausländerfeindliche Störungen des Betriebsfriedens als besonderen Grund.

    Das steht ja auch wörtlich im Gesetz. Ich habe vor nicht so langer Zeit im Netz ein paar Urteile dazu recherchiert. Die Hürden waren extrem hoch gesetzt, gerade dafür, ab wann der Betriebsfrieden gestört ist.

    Was ich allerdings nicht bedachte habe, ist, dass es sich ja um ein BRM handelt, daher fällt der §104 eh raus, weil §15 KSchG Vorrang hat.

    Das BRM fällt nicht raus. Denn a.o. kann es gekündigt werden. Mir stellt sich nur die Frage, ob der BR noch nach 103 beteiligt werden müsste, wenn er bereits nach 104 die Kündigung gefordert hat (-> das ist aber meilenweit OT, weswegen wird das hier nicht unbedingt diskutieren müssen).

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • das finde ich schon sehr grenzwertig, weil hier das Recht der freien Meinungsäußerung "beschnitten" werden soll.

    Die (öffentliche) verbale Abwertung von AN gehört sicher nicht zu den Aufgaben des BR, und im Rahmen der gesetzlichen Aufgaben handeln wir als BRM.


    Die Meinungsfreiheit hat zudem Grenzen, die z.B. im StGB definiert sind.

    "Ich mag Frau MüllerMeierSchulze nicht. Bei der fragt man sich echt, wofür die bezahlt wird. Sogar der alte Vorstand hat gesagt: `Aus welchem Fenster die 8 Stunden guckt, ist auch egal´.

    Hier befinden wir uns m.E. schon im Bereich der üblen Nachrede.


    Auch Rassismus und Sexismus fallen nicht unter die geschützte Meinungsfreiheit.


    Wir reden hier von verbalen Äußerungen, deren Inhalt wir nicht kennen, nicht von Belästigung (lt Urteil hat das BRM einer AN wiederholt pornografische Videos und Informationen über seine gegenwärtigen Erektionen geschickt).

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    4 Mal editiert, zuletzt von Pfried () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Fried mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Auch Rassismus und Sexismus fallen nicht unter die geschützte Meinungsfreiheit.

    was soll diese Unterstellung?

    Die (öffentliche) verbale Abwertung von AN gehört sicher nicht zu den Aufgaben des BR, und im Rahmen der gesetzlichen Aufgaben handeln wir als BRM.

    natürlich nicht - aber einen "Beschluss fassen" was ein BRM sagen darf und was nicht, ist auch nicht Aufgabe des BR, das regelt das Gesetz

    Die Meinungsfreiheit hat zudem Grenzen, die z.B. Strafgesetzbuch definiert sind.

    Genau so ist es, aber eben nicht

    in der Klausurtagung Ende letzten Jahres vereinbart wurde:

    "Der BR spricht unter keinen Umständen schlecht über Kollegen und Kolleginnen!"

    die Mehrheit kann doch nicht entscheiden, was die Minderheit sagen darf und was nicht.


    --> das ist im Gesetz geregelt

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • Der BR hat ganz schlicht auf einer Klausurtagung aufgrund von negativen Vorkommnissen, die in den Bereich der Pflichtverletzung reichen, etwas explizit abgesprochen bzw vereinbart, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist.


    Daraus jetzt eine Beschränkung der Meinungsfreiheit bzw einen Pflichtverstoß des BR basteln zu wollen, halte ich für reichlich absurd. An der Randolfisiererei, die der Threadstarterin und ihrem Problem nicht hilft, werde ich mich jedenfalls nicht weiter beteiligen.


    Binchen3 , kannst Du mit den Infos aus dem Thread genug anfangen, brauchst Du noch was? Und ich hatte weiter oben noch ein paar Fragen gestellt, deren Beantwortung vllt wichtig ist.


    (Edit, Zusatzfragen: Wie konkret sahen die sexistischen und rassistischen, ggf Belästigungen Äußerungen denn aus, was wurde wem ggü geäußert?)


    Falls ich nicht schnell Nachfragen beantworten kann: gleich sind Termine und Sitzung und morgen Termine außer Haus.

    Hat ja auch Zeit. Ich finde es sehr schön, wenn jemand das gleich reinschreibt, weil man dann damit rechnen kann und sich nicht wundern oder gar ärgern muss... :thumbup:

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    3 Mal editiert, zuletzt von Pfried () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Fried mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Wir reden hier von verbalen Äußerungen, deren Inhalt wir nicht kennen, nicht von Belästigung

    auch das ist eine sexuelle Belästigung und auch dazu gibt es Urteile (wie kommt man auf den Gedanken, das diese Art Äußerung keine Belästigung sein soll?)

    Zitat TE:

    sexuell belästigende blöde Sprüche gab.

    Fünf Urteile rund um die Weihnachtsfeier | Betriebsrat

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • überzeugt

    V.a. dieses LAG-Urteil ist da deutlich, Tenor: Der Betriebsfrieden ist gestört, wenn die physische oder psychische Gesundheit der Belegschaft oder erheblicher Teile der Belegschaft gestört ist. Ernstlich ist die Störung, wenn sie noch andauert oder eine Wiederholung unmittelbar bevorsteht.


    Aus der Urteilsbegründung: Die ernstliche Störung des Betriebsfriedens im Sinne des § 104 Satz 1 BetrVG liege nur dann vor, wenn das Verhalten eines Arbeitnehmers den Betriebsablauf bzw. das betriebliche Miteinander so erheblich negativ beeinträchtige, dass schutzwürdige Interessen anderer Arbeitnehmer oder des Arbeitgebers eine Entfernung des Arbeitnehmers aus dem Betrieb unbedingt erfordern würden. Eine Störung des Betriebsfriedens in diesem Sinne könne nur dann angenommen werden, wenn die Störung von einer gewissen Dauer und von nachhaltiger Wirkung für eine größere Anzahl von Arbeitnehmern sei. Dabei genüge eine bloße Gefährdung des Betriebsfriedens bzw. die Eignung der Verletzungshandlung zur Störung nicht. Vielmehr müsse der Betriebsfrieden so erheblich beeinträchtigt sein, dass die Zusammenarbeit tatsächlich erschüttert sei. Zumindest müsse eine erhebliche Beunruhigung unter der Belegschaft, also bei einer ins Gewicht fallenden Anzahl von Beschäftigten entstanden sein.


    Edit rtjum : In Ausnahmefällen kann ein BRM auch wg Verfehlungen im Amt gekündigt werden. Jenseits des 104er könnte man den AG auf die entsprechenden Verfehlungen hinweisen und dann die ggf folgende 103er-Anhörung abwarten.


    auch das ist eine sexuelle Belästigung und auch dazu gibt es Urteile

    Klar. Aber wir kennen, wie gesagt, nicht die konkreten Inhalte und den Schweregrad der Äußerungen, und damit können wir nicht sagen, ob das für eine a.o. Kündigung reichen würde - der von Dir verlinkte Fall ist ja ziemlich krass, wenn man das Urteil tatsächlich liest.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    4 Mal editiert, zuletzt von Pfried () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Fried mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • In Ausnahmefällen kann ein BRM auch wg Verfehlungen im Amt gekündigt werden. Jenseits des 104er könnte man den AG auf die entsprechenden Verfehlungen hinweisen und dann die ggf folgende 103er-Anhörung abwarten.

    war nach dem Durchlesen des von Randolf verlinkten Urteils auch mein Gedanke, das wäre dann wahrscheinlich einfacher.

    You choose your leaders and place your trust as their lies wash you down and their promises rust (MMEB Going Underground)

  • Klar. Aber wir kennen, wie gesagt, nicht die konkreten Inhalte und den Schweregrad, und damit können wir nicht sagen, ob das für eine a.o. Kündigung reicht

    Das ist mMn ein sehr wichtiger Punkt, zu dem sich aber zumindest ein paar begründete Vermutungen anstellen lassen.

    ...und zwar dahingehend, dass das keine wirklich schwerwiegenden, oder auch nur eindeutige Fälle waren.

    Denn "Fremdenfeindlichkeit" und "sexuelle Belästigung" sind hier doch die wirklich "harten" Themen und würden bei einer Auflistung problematischen Verhaltens ohne Zweifel der ersten Platz einnehmen. - Hier ist das nicht Mal Bestandteil der Auflistung! a) muss immer das letzte Wort haben b) bringt fiese Sprüche über Kollegen c) gibt BR-interne Infos weiter - Punkt - "Fremdenfeindlichkeit" und "sexuelle Belästigung" mit einem kündigungswürdigen Schweregrad ist kein "Ach ja und außerdem noch...". - Würde das vorliegen, wäre genau das das Thema und die Liste bestenfalls eine unnötige Ergänzung.

    Außerdem kann man bzgl. des Schweregrades dieses hier eigentlich nur als relativierende Aussage verstehen:

    sorry, ich bin da vielleicht auch etwas empfindlich


    Wenn ich mich da täusche lasse ich mich von Binchen3 gerne aufklären, aber für mich klingt das vor allem nach einem "BR-internen" Problem. - Es geht in erster Linie darum, dass das Gremium nicht von dieser Person vertreten werden möchte, nicht darum, dass diese Person als MA im Betrieb untragbar ist.

    Kurz vor der Neuwahl der BRV gab es schon etliche Gespräche und Überlegungen von "Stellvertretung muss weg" aus dem Gremium.

    D.h. man kann hier durchaus begründet vermuten, dass es hier in erster Linie um "dumme Sprüche", (anzüglich gegenüber Frauen, abwertend in Bezug auf Menschen mit Migrationshintergrund) geht, die zwar keine Kündigung, oder Ausschluss aus dem BR begründen würden, wo man aber als Gremium ganz klar sagt "Niemals darf dieser Typ für uns als Gremium sprechen!!".

    ...und wenn das der Punkt ist, wenn Ihr als Gremium nicht von dieser Person vertreten werden wollt, dann braucht Ihr dafür keine Faktensammlung, oder Beweisführung, oder den AG, sondern nur eine Mehrheit und einen Beschluss.

    Dann wählt ihn als Stellv. ab und wählt einen neuen. Wenn er in irgendwelchen Ausschüssen tätig ist, kann man ihn auch dort abberufen.

    Deshalb ist hier eine sachliche und objektive Beurteilung des Schweregrads von zentraler Bedeutung, den daran ist festzumachen ob das Verhalten Auswirkungen auf das Beschäftigungsverhältnis haben muss, oder ob "der Typ einfach nur ein Arsch ist, den man als Ergebnis einer demokratischen Wahl halt im Gremium erdulden muss, dem man als Gremium aber sicher nicht noch besondere Funktionen zuweisen muss/sollte".

    „Schreibe nicht der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist“

    Hanlons Rasiermesser