Durch die Maschinenhalle mit normalen Schuhe

  • Nabend Zusammen,


    Es hört nicht auf. Es vergeht quasi kein Tag, an dem ich keine Reibereien mit dem Technischen Leiter habe.

    Ich weiß zwar grob was ich machen werde, aber ich wollte es euch auch Mitteilen - ich hab ja sonst niemanden.


    Ihr kennt ja meine Geschichte und meinen Betrieb schon etwas.

    Momentan bin ich in der Verwaltung eingesetzt.


    Ich wollte zum Altpapiercontainer gehen, wozu ich einen kurzen Teil der Maschinenhalle durchqueren musste.

    Wegen dem Büroeinsatz hatte ich keine Sicherheitsschuhe an.


    Ich wurde nun angemahnt, dass ich beim nächsten Mal, indem ich die Maschinenhalle durchquere und keine Sicherheitsschuhe anhabe, eine Abmahnung bekomme.

    Irgendwo hat er ja auch nicht ganz unrecht, also habe ich mir meine Sicherheitsschuhe, die ich noch vom Technikeinsatz hatte, angezogen.


    Am anderen Tag ist ein anderer Kollege zum Altpapiercontainer gegangen. Er geht dort in seiner Pause hin zum rauchen.

    Auch er wurde vom Technischen Leiter angemahnt, dass er doch jetzt Sicherheitsschuhe tragen solle. "Es soll ja hier alles nach Vorschrift vorgehen" oder so ähnlich wurde es zu meinem Kollegen gesagt, wohl mit deutlicher Anspielung auf die Stolperfallen, die ich als Betriebsrat gerügt habe und per Regelungsabrede und BV um Beseitigung gedrängt habe.


    Meine anderen Kollegen im Büro haben gar keine Sicherheitsschuhe.

    Auch finden Führungen statt, die Besucher tragen auch keine Sicherheitsschuhe.


    Aus meinem Verständnis:


    1. Würde ich den Technischen Leiter um die Gefährdungsbeurteilung bitten, aus der hervorgeht, dass in diesem Sektor, den die Kaufmännischen Mitarbeiter benutzen das tragen von Sicherheitsschuhen relevant ist. Da ich ja weiß, dass es keine Gefährdungsbeurteilungen gibt, wird er mir keine vorlegen können.


    2. Wie ich hier nachgelesen habe, kann in der Gefährdungsbeurteilung dieses aufgenommen werden, dass Mitarbeiter solche Sektoren ohne Sicherheitsschuhe durchqueren können, wenn es dort keine akute Gefährdung gibt.


    3. Was wäre denn der Umkehrschluss, wenn er meint, das so machen zu müssen? Alle Führungen auch nur mit Sicherheitsschuhe? Und solange keine Führungen mehr?


    4. Sollte ich darauf drängen, dass die Mitarbeiter im Büro auch Sicherheitsschuhe bekommen.


    5. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass wieder indirekt gegen den Betriebsrat gehetzt wird. So wie mein Kollege angesprochen wurde, dass er keine Sicherheitsschuhe trägt mit dem direkten Verweis/Anspielung auf die Stolperfallen, die ich als BR bemängelt habe, nach dem Motto: "Sieh da, das hat der BR bemängelt, jetzt bin ich bockig und zeig euch mal, was ihr davon habt."


    Ich überlege, ob ich mir diesen Sachverhalt mir von meinen Kollegen nochmal schildern lasse und dann einen Anwalt einschalte, dass er sich diese Situation einmal anschaut, ob das eine Störung des BR sein könnte...


    Was meint Ihr?`

    Was wäre ein kluges und sinnvolles Vorgehen?

  • Hallo mMan85,


    mein Verständnis ist, dass es eine Pflicht gibt Schutzkleidung zu tragen, wenn das durch eine Gefährungsbeurteilung oder Verordnungen als erforderlich angesehen wird. Dazu gehört es zu definieren, an welchen Orten welcher Standard eingehalten werden muss.

    Ein Beispiel aus meinem Betrieb: In den Laborbereichen müssen alle, sowohl die dort direkt Arbeiten Durchführenden als auch MA aus dem Bürotrakt und Besucher einen Laborkittel tragen. Die dort direkt Arbeiten Durchführenden bekommen einen Satz an personalisierten Kitteln und Schuhen, die elektrostatische Entladungen verhindern, für alle anderen gibt es sogenannte Poolkittel, also Kittel aus einem Vorrat verschiedener Größen, aber keine Spezialschuhe.

    Wo nötig wird zusätzliche persönliche Schutzausrüstung verwendet, wie Handschuhe und Schutzbrillen.

    Wir werden mehrmals ährlich auditiert und diese Lösung ist bisher nie beanstandet worden.


    Daher wäre eine Beurteilung der Lage in Deinem Betrieb wichtig und falls das Tragen von Spezialschuhen nötig könnte man je nach Bedarf darauf verzichten, für jeden MA und Besucher persönlich Schuhe anzuschaffen, aber genug Paare in passenden Größen sollten es schon sein.


    Sicherheitsfragen sind ein Thema, bei dem ein Teil der MA selbst sich ungerne an Vorschriften hält, z.B. weil es Zeit kostet und unbequem ist. Deswegen mancht man sich als Person, die auf die Eihaltung der Vorschriften hält, schnell unbeliebt. Das hat der Technische Leiter gut erkannt und versucht vielleicht, diesen Unmut auf Dich zu lenken, ihn sozusagen als Waffe gegen Dich einzusetzen. Als Behinderung der BR-Arbeit sehe ich das noch nicht.


    Vielleicht kannst Du das Ganze kommunikativ etwas drehen, so nach dem Motto:

    Endlich sieht auch der Technische Leiter ein, dass er seinen Pflichten nachkommen muss uns alle vor dauerhaften Gesundheitsschäden zu schützen. Gerne mit drastischem Beispiel, wie Verlust eines Körperteils ...

  • Der TL möchte offenbar seine Spielchen mit dir treiben. Dann zeig ihm doch mal, wer der Meister ist und wer der Lehrling...


    Wenn er dich also abmahnt, weil du mit Straßenschuhen durch die Maschinenhalle latscht, klopf ihm auf die Schulter und sage: "Du hast ja Recht, danke dass du mich auf meine Pflichtvergessenheit aufmerksam machst. Ich werde der GL deine Anweisung weiterleiten, damit keine Bürofritzen und Besucher ihre Gesundheit gefährden und ausdrücklich darauf hinweisen, dass dir der Lorbeer für die vorbildliche Sicherheitsbelehrung zusteht. Übrigens könnte ich mir vorstellen, dass du ein guter BR wärest und werde vor der nächsten Wahl noch mal auf dich zukommen..." ;)

    Für einen Betriebsrat gilt: Lobt dich der Gegner, ist das bedenklich. Schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg. (August Bebel)

  • Bei uns ist genau definiert, wo welche Schutzmaßnahme gilt, MA aus dem Büro haben natürlich auch die entsprechenden Schuhe und auch Schutzbrillen. Für Besucher gibt es "Überzieher" und Schutzbrillen (wenn es in den entsprechenden Bereich geht). Der einzige Unterschied bei den Mitarbeitern des Betriebes ist, dass Brillenträger nur dann eine entsprechend angepasste Schutzbrille mit Sehstärke bekommen, wenn sie entweder ständig in diesem Bereich arbeiten oder aber der Vorgesetzte die Notwendigkeit befürwortet.


    Das Thema Arbeitssicherheit kannst du ja auch mit auf deine Betriebsversammlung nehmen.


    Außerdem gibt es bei den meisten Berufsgenossenschaften auch Schulungen für Betriebsräte zu diesem Thema.


    Wir nutzen diese Schulungen durchaus auch. Einerseits zeigen wir den Arbeitgeber damit, dass auch wir auf die Kosten achten und zum anderen ist es auch interessant die Sache auch aus der Sicht anderer Führungskräfte aus anderen Unternehmen zu sehen.

  • 1. Würde ich den Technischen Leiter um die Gefährdungsbeurteilung bitten

    ich hatte irgendwie in Erinnerung, dass ihr der noch überhaupt keine habt, oder irre ich?

    ob das eine Störung des BR sein könnte...

    sehe ich hier noch nicht.


    Aber scheinbar gibt es Regeln zum Tragen von Sicherheitsschuhen bei Euch und die sollten dann auch alle einhalten, die gibt es ja sehr wahrscheinlich schon länger, als den 1-er-BR der jetzt Druck macht.

    Dass Du trotzdem dann bei den Maßnahmen, die sich aus einer Gef-Bu ergeben in der Mitbestimmung bist, ist dir ja schon ausreichend klar.

    Also Gef-Bu vorlegen lassen, wenn keine da mit Frist die gesetzeskonforme Erstellung einer solchen anfordern und das nicht beim TL sondern bei der GF um auch damit dem TL nochmal klar zu machen, dass Hänsschen dir den Buckel runterrutschen kann und für dich nur Hans relevant ist. GGfls in die Anforderung was schreiben im Sinne von "was würde wohl die BG oder das Amt für Arbeitsschutz dazu sagen...?".

    Wenn dann immer noch nichts passiert eine letzte Erinnerung mit dem eindeutigen Hinweis, dass bei Nichterledigung die beiden dann tatsächlich inkl. dem vorhandenen Schriftverkehr informiert werden.

    You choose your leaders and place your trust as their lies wash you down and their promises rust (MMEB Going Underground)

  • Ich würde da mal einen Termin zur Beratung mit der Berufsgenossenschaft machen. Die haben da Fachwissen wie sie das in dem Betrieb dann gerne hätten.

    Dann gibt es vielleicht Sicherheitsschuhe für alle, also auch die Verwaltung oder nicht wenn man da eine andere Regelung findet.

    Bevor wir einfache oder komplizierte Gesetzen/Verordnungen erlassen sollten wir es vielleicht mit etwas einfachen wie Hochdeutsch versuchen :)

  • ich hatte irgendwie in Erinnerung, dass ihr der noch überhaupt keine habt, oder irre ich?

    Das ist korrekt! :)

    Und ohne Gefährdungsbeurteilung kann der Technische Leiter theoretisch gar nicht definieren, dass Verwaltungsmitarbeiter manche Bereiche nur mit Sicherheitsschuhen betreten dürfen.


    Darauf wollte ich jedenfalls hinaus.

  • Und ohne Gefährdungsbeurteilung kann der Technische Leiter theoretisch gar nicht definieren, dass Verwaltungsmitarbeiter manche Bereiche nur mit Sicherheitsschuhen betreten dürfen.

    theoretisch bin ich Weltmeister in allen möglichen Disziplinen, will sagen theoretisch kann man sehr sehr viel.

    Und da es vor Dir ja auch keinen BR gab konnte der TL das, als Vertreter der GF, durchaus bestimmen, aber jetzt muss er sich daran gewöhnen, dass da jemand ist der ihn nicht mehr theoretisch Weltmeister sein lässt.

    Das kann natürlich dauern.

    You choose your leaders and place your trust as their lies wash you down and their promises rust (MMEB Going Underground)

  • Eigentlich sollte es Sicherheitsvorschriften geben, wo in welchem Bereich welche Ausrüstung/Kleidung wie Sicherheitsschuhe etc. vorgeschrieben sind. Natürlich sind aber bei Anweisungen eines Vorgesetzten grundsätzlich auch Folge zu leisten. Es geht ja auch um den eigenen Schutz.