Erste Betriebsversammlung mit Teilnahme des AG

  • Hallo zusammen,


    als neu gegründeter BR stehen wir vor der ersten Betriebsversammlung, an der unser AG teilnehmen wird, auch um seinen eigenen Verpflichtungen nachzukommen.


    Jetzt diskutieren wir hin und her wie wir mit der Anwesenheit des AG umgehen, da es Befürchtungen gibt, dass Mitarbeitende eher weniger engagiert sind, sich nicht trauen, Fragen zu stellen etc., so lang der AG anwesend ist.


    Habt ihr da Tipps? Hintergrund ist, dass wir einen politisch versierten, charismatischen AG haben und befürchten, dass dieser Stimmung gegen uns macht.

    Wie sollten wir am Besten damit umgehen? Freundlich bitten, dass wir nach seiner Präsentation auch gern ohne ihn weitermachen? Oder einfach aushalten, dass manche sich eingeschüchtert fühlen, während andere evtl. dennoch kritische Fragen stellen?

    Wir wollen ja nicht direkt mit Hausrecht o.ä. um die Ecke kommen und suchen daher nach Erfahrungen, wie man gut damit umgehen kann.


    Danke schon einmal!

  • Wir haben das mal geprüft, der AG hat ein Recht auf Anwesenheit während der gesamten Versammlung.


    Wir bieten bei uns die Möglichkeit an, Fragen schon vorher anonym einzureichen (per Web-Formular) oder eingereichte Fragen vorher auch anonym weiterzugeben.

    Diese Fragen stelle ich dann als BRV im Rahmen der Aussprache und der AG kann darauf antworten. Ich stelle auch ganz bewusst die Fragen, auf die ich selber aufgrund der BR-Tätigkeit schon die Antwort kenne, weil ich will, dass alle die ganz offizielle Antwort des AG kennen.


    Hintergrund ist, dass wir einen politisch versierten, charismatischen AG haben und befürchten, dass dieser Stimmung gegen uns macht.

    Da bleibt euch nur, selber immer weiter zu lernen und entsprechend Paroli zu bieten. Es gibt z. B. auch Rhetorikseminare. Aber vorerst werdet ihr das aushalten müssen. Haltet euch an Fakten und Gesetze.

  • Wir wollen ja nicht direkt mit Hausrecht o.ä. um die Ecke kommen... Zitat Sundown


    Könnt Ihr ja auch nicht da der AG Anwesenheitsrecht hat.

    Aber man kann natürlich auch Absprachen treffen bei welchen Teil er dabei ist und wo nicht....wenn er mit macht.


    Dass dieser Stimmung gegen uns macht ....dies geht aber nur in einem sehr engen Rahmen ansonsten würde ich dem ....politisch versierten, charismatischen AG.... klar machen, dass er die nächste Ansprache gegenüber einem Arbeitsrichter machen darf :)

  • ....politisch versierten, charismatischen AG.... klar machen, dass er die nächste Ansprache gegenüber einem Arbeitsrichter machen darf :)

    Wenn der AG z.B. deutlich ausfällig würde, könnte man doch vom Hausrecht Gebrauch machen, das war mein Gedanke. Aber die Hürde ist, zurecht, natürlich hoch.

  • Wenn der AG z.B. deutlich ausfällig würde, könnte man doch vom Hausrecht Gebrauch machen, das war mein Gedanke. Aber die Hürde ist, zurecht, natürlich hoch.

    Anwesenheitsrecht bedeutet nicht das er "ständiges Rederecht" hat.

    Man kann ihm auch das Wort entzeihen.

    Unabhängig davon: wer das Hausrecht hat sollte jedem der redet auf Gesetzesverstöße aufmerksam machen, damit er diese unterläßt

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


    Einmal editiert, zuletzt von Randolf ()

  • Anwesenheitsrecht bedeutet nicht das er "ständiges Rederecht" hat.

    Der Arbeitgeber ist zu den Betriebs- und Abteilungsversammlungen unter Mitteilung der Tagesordnung einzuladen. Er ist berechtigt, in den Versammlungen zu sprechen.


    Das Entziehen des Wortes ist damit sicher in bestimmten Fällen möglich (und ggf auch nötig!), es ist jedoch eine Gratwanderung.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    Einmal editiert, zuletzt von Fried () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Fried mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Ergänzend: sortiert die rede des GF nicht zu weit vorne ein.

    Unserer war in unserer Anfangsphase ganz am Anfang dran und wurde dann nicht mehr fertig - bis wir zu unseren eigenen Themen kamen, gingen die Ersten (weil sie Dienst hatten oder Feierabend oder müde wurden usw. usw.).

    Seit wir erst unsere Themen durchziehen (inkl. Frage-und-Antwort-Runde!) und dann erst der GF drankommt, ist das wesentlich besser - und meinem sehr subjektiven Gefühl nach gehen a) die Ersten trotzdem nach ca. einer Stunde und b) fasst sich der GF seitdem kürzer ...

    Man wird alt wie ein Haus und lernt doch nie aus.

  • Die Idee mit den "anonymen Fragen" im Vorfeld setzen wir ebenfalls seit ein paar Jahren um.

    Nach ersten Anlaufschwierigkeiten (die Kollegen trauten sich nicht wirklich) läuft das mittlerweile richtig gut und sogar unser AG hat gefallen an der Idee gefunden.

    Überlegt euch selber Fragen, falls nicht genug von den Kollegen kommen.


    Wir haben die Fragerunde direkt nach dem Beitrag der Geschäftsleitung platziert. Das ermöglicht es mir, noch eigene Fragen zu seinem Redebeitrag einzubauen. Unabhängig davon, ob die Frage von mir, oder den Kollegen kommt, stelle ich sie aber immer so, als wenn alle Fragen von mir sind.

    Vom Aufbau her machen wir es wie eine Talkshow im Fernsehen. Ich Moderator, die Geschäftsleitung (3) als meine "Gäste".

    Wenn du dann noch versuchst, das ganze etwas locker zu halten, auch mal einen Spruch einbaust, dann bleiben die Kollegen auch gerne.

    Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen

    (Aristoteles)


    Noch ein Tipp für die derzeitige Nachhaltigkeitsdebatte:

    Save Water - Drink Wine !!

  • Unabhängig davon, ob die Frage von mir, oder den Kollegen kommt, stelle ich sie aber immer so, als wenn alle Fragen von mir sind.

    Das mache ich auch so, es gehört aber auch ein gewisses Selbstbewusstsein dazu. Gleichzeitig bieten diese anonymen Fragen auch die Möglichkeit, sich als unerfahrener BR oder BRV ein wenig dahinter zu verstecken. Im Zweifelsfall kann ja auch ein BRM eine kritische Frage anonym einwerfen, von der einfach nur eine öffentliche Antwort gewollt ist.

    Das Vorgehen bietet auf jeden Fall die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln und sich stetig zu entwickeln. Dazu gehört auch, dass man nicht in jeder Versammlung als Gewinner aus dem Ring geht.