neue zusätzliche Führungsebene mit Teamleitern - Versetzung?

  • Hallo zusammen,


    bei uns solle im Rahmen einer Organisationsänderungen eine zusätzliche Führungsebene in mehreren Bereichen eingeführt werden. Bis jetzt haben wir eine sehr flache Führungsstruktur GF->Bereichsleiter->Mitarbeiter. Jetzt wird die Führungsebene Teamleiter GF->Bereichsleiter->Teamleiter->Mitarbeiter eingeführt.


    Die Mitarbeiter werden aufgrund ihrer bisherigen Aufgaben in Teams zusammengefasst. Stellt die Einführung der Teams bzw. die Zuweisung der Mitarbeiter eine mitbestimmungspflichtige Versetzung für die Mitarbeiter dar?

    Bspw. weil nicht mehr der Bereichsleiter der disziplinarische Vorgesetzte (führt Mitarbeitergespräche und Gehaltsgespräche, genehmigt Urlaub,..) ist, sondern ein neuer Teamleiter? Weil sich die Organisationseinheit ändert?


    Grüße

    Jochen

  • Die Mitarbeiter werden aufgrund ihrer bisherigen Aufgaben in Teams zusammengefasst. Stellt die Einführung der Teams bzw. die Zuweisung der Mitarbeiter eine mitbestimmungspflichtige Versetzung für die Mitarbeiter dar?

    Ja, das ist eindeutig eine wesentliche Änderung, wenn eine neue "Führungsriege" eingeführt wird.

    Auch für die AN die in Führungsverantwortung versetzt werden, ist das eine wesentliche Änderung.


    --> die Einführung der Teamleiterebene werdet ihr nicht verhindern können, bei der Besetzung könnt ihr mitreden

    --> bei der Versetzung der An auf TL-Posten seid ihr auch in der Mitbestimmung

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • Ja, das ist eindeutig eine wesentliche Änderung (...).

    Für die AN, die die neuen, bisher nicht existierenden Leitungspositionen einnehmen sollen, mag das pauschal richtig sein.


    Für die "normalen" AN ist das pauschal nicht so, es müssen die konkreten Umstände geprüft werden. In diesem Fall ist die Antwort von Randolf wohl richtig: Ein reiner Vorgesetztenwechsel wird lt BAG eine Versetzung sein, wenn der/die neue Vorgesetzte nicht nur die Arbeitsanweisungen erteilt, sondern darüber hinaus weitere Personalbefugnisse inne hat, z.B. die Genehmigung von Urlaubsanträgen, die Vornahme von Leistungsbeurteilungen, das Führen von Mitarbeitergesprächen usw.:

    (führt Mitarbeitergespräche und Gehaltsgespräche, genehmigt Urlaub,..)

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    Einmal editiert, zuletzt von Fried ()

  • Für die "normalen" AN ist das pauschal nicht so, es müssen die konkreten Umstände geprüft werden. In diesem Fall ist die Antwort von Randolf wohl richtig: Ein reiner Vorgesetztenwechsel wird lt BAG eine Versetzung sein, wenn der/die neue Vorgesetzte nicht nur die Arbeitsanweisungen erteilt, sondern darüber hinaus weitere Personalbefugnisse inne hat, z.B. die Genehmigung von Urlaubsanträgen, die Vornahme von Leistungsbeurteilungen, das Führen von Mitarbeitergesprächen usw.:

    ok, mir geht es tatsächlich um die normalen Mitarbeiter, deren Aufgaben sich nicht ändern, deren Arbeitsort sich nicht ändert. Sie werden aber organisiert in einem neuen Team, welches eine neue Führungskraft (Urlaubsanträge, Leistungsbeurteilung, ..) bekommt.

    Ein reiner Vorgesetztenwechsel wird lt BAG eine Versetzung sein, wenn der/die neue Vorgesetzte nicht nur die Arbeitsanweisungen erteilt, sondern darüber hinaus

    Dies würde dann bei uns zutreffen. Fried: Hast du einen Hinweis welche BAG Entscheidung dies erläutert/ausführt?

  • Hallo,


    Ihr werdet seeehr genau nachfragen müssen, was das Einziehen dieser neuen Führungsebene konkret für die jeweiligen AN bedeutet und ob und falls ja wie sich ggfs. die Arbeitsinhalte und auch die organisatorischen Abläufe ändern.


    Die Meinung von Fried, daß ein FK-wechsel für sich allein noch keine Versetzung darstellt, wird zB vom ErfK, Kania, § 99 BetrVG Rn 14 gedeckt:

    " Bei im wesentl. gleich bleibender Tätigkeit, kann ein Vorgesetztenwechsel nur dann als Versetzung eingestuft werden, wenn damit ein spürbar anderes "Arbeitsregime" verbunden ist, was zumindest voraussetzt, dass der neue Vorgesetzte erhebl. eigene disziplinarische Befugnisse hat, die er eigenverantwortl. wahrnehmen kann (BAG 17.6.2008 ...)."

  • Worauf willst Du eigentlich hinaus? - Ist das eine reine Sachfrage, also um ggf. formal stattfindende Versetzungen nicht zu übersehen und dann als BR korrekt bearbeiten zu können? - Oder steckt da irgendwas dahinter, was Ihr erreichen wollt?

    Ich meine es ehrt einen BR durchaus, wenn er den Willen hat die Versetzungen der gesamten Belegschaft einzeln ordnungsgemäß zu bearbeiten und zu beschließen, damit das halt formal korrekt erledigt ist, aber ist das wirklich der einzige Grund sich diesen immensen Arbeitsaufwand aktiv zu angeln?

    „Schreibe nicht der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist“

    Hanlons Rasiermesser

  • Worauf willst Du eigentlich hinaus?

    Vermutlich will der BR, dass die Mitbestimmung in personellen Angelegenheiten beachtet wird?


    Ich sehe nicht, dass man Zwecke darüber hinaus angeben bzw sich hier in irgend einen Rechtfertigungszwang bringen lassen muss. (Erst recht nicht in diesem Forum)

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Ich sehe nicht, dass man Zwecke darüber hinaus angeben bzw sich hier in irgend einen Rechtfertigungszwang bringen lassen muss. (Erst recht nicht in diesem Forum)

    Es geht keineswegs um "Rechtfertigungszwang", sondern darum, dass man ggf. auch andere Wege aufzeigen kann die zum gewünschten Ergebnis führen können. Dazu muss man das "gewünschte Ergebnis" aber kennen.

    „Schreibe nicht der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist“

    Hanlons Rasiermesser

  • Es geht keineswegs um "Rechtfertigungszwang", sondern darum, dass man ggf. auch andere Wege aufzeigen kann die zum gewünschten Ergebnis führen können. Dazu muss man das "gewünschte Ergebnis" aber kennen.

    Wenn das der Hintergrund der Frage war, bin ich dabei.

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  • Wenn das der Hintergrund der Frage war

    War er. Das war die erste Lektion, die ich in meinem ersten BR-Seminar gelernt habe: Als aller erstes kommt immer die Frage "Was will man eigentlich erreichen" und wenn man das konkret benannt hat, dann durchforstet man das BetrVG nach allen Möglichkeiten, die da hinführen können. - Es kommt ja immer mal wieder vor, dass man den "Hebel" den man gesucht hat, dann da findet wo man ihn nicht unbedingt als erstes erwartet hätte.

    „Schreibe nicht der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist“

    Hanlons Rasiermesser

  • Wir haben uns bei der letzten Reorganisation vorab komplett informieren lassen und dann mit den Mitarbeitenden gesprochen, ob das für sie ein "Problem" darstellt. Davon haben wir dann abhängig gemacht, ob wir intensiver im Gesetz nach Möglichkeiten suchen. Letztlich haben wir dann im Sinne einer Anhörung der Reorganisation und den damit verbundenen Versetzungen gemäß neuem Organigramm zugestimmt.


    Es gibt in diesem Fall bestimmt die Möglichkeit, beliebig viel "Ärger zu machen". Aber halt auch die Möglichkeit, das Ganze ohne viel Aufwand abzuwickeln, wenn es denn allen passt. Dazu gehört auch ein wenig die Überlegung, welche Möglichkeiten man denn hat, wenn eine Anhörung erfolgt. Denn der Wisch auf dem Schreibtisch ist ja nur die halbe Miete: Wenn die Widerspruchsmöglichkeiten nicht gegeben sind, dann muss man die mit viel Gezeter eingeforderten Anhörungen trotzdem abnicken.