Stolperfalle - Abhilfe

  • ...als nächstes erwarte ich aber ein Bild auf dem man sieht, dass Du das auch ordentlich abgesperrt hast. :D

    (Der nächste fliegt vielleicht wirklich auf die Fresse und fragt sich dann, warum Du Gefahrenstellen fotografieren und posten, aber nicht kenntlich machen kannst...).

    „Schreibe nicht der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist“

    Hanlons Rasiermesser

  • Ich habe heute 2 Sachen erstellt.


    1mal eine Regelungsabrede, in der ich dem AG auffordere, die Bleche zu entfernen und den darunter liegenden Fußboden neu zu verfliesen.


    zweitens eine Betriebsvereinbarung.

    In der Betriebsvereinbarung habe ich folgendes geregelt:

    Sie dient der Gefahrenabwehr für die Entstehung von Stolperfallen nach der DGUV Regel.

    Ich habe dort festgeschrieben, dass der technische Leiter 1 mal im Monat den Fliesenfußboden im Bereich 1 mal 2 Meter links und rechts neben den Öfen kontrollieren muss. Diese Kontrolle muss in ein Verzeichnis eingetragen werden.

    Weiter, dass jeder AN meinen Missstand am Fußboden melden kann. Auch die Meldung muss der technische Leiter in ein Verzeichnis erfassen.

    Ist ein Mangel ersichtlich, dann muss der Arbeitgeber bis zum nächsten Kalendermonat Abhilfe dagegen geschaffen.

    Der BR darf jederzeit Einsicht in die Verzeichnisse nehmen.


    So in etwa, grob beschrieben. Natürlich in der eigentlichen BV etwas schöner formuliert.


    Hintergrund:

    Neben den Öfen ist der Fußboden öfters belastet. Da war ja eigentlich schon immer ein Fliesenfussboden und es soll ja auch wieder das Blech entfernt und der kaputte Fliesenfussboden repariert werden.

    Werden dann die heißen Behälter dort abgestellt, beginnt irgendwann, nach 6,7 Monaten, langsam die Fugen spröde zu werden.


    Der alte technische Leiter hat das dann immer wieder neu verfugt, und es hat über 20 Jahre lang gehalten.

    Nur der neue technische Leiter lässt es in dieser Hinsicht etwas schleifen.


    Was meint Ihr, kann man so eine BV durchkriegen.

    Unterliegt diese der Mitbestimmung? Würde schon sagen "ja". Ganz sicher bin ich mir aber nicht, da ja schon eine Handlung angewiesen wird, bevor das ganze dann zur Stolperfalle wird.


    ...als nächstes erwarte ich aber ein Bild auf dem man sieht, dass Du das auch ordentlich abgesperrt hast. :D

    Wenn ich diese Bereiche absperren würde, dann würde unser Betrieb stillstehen.

    Ja ich weiß... Bitte nicht steinigen. Ich hoffe, dass ich mit der Regelungsabrede und der BV etwas erreiche.

    1er BR - kein Tarifvertrag

    Einmal editiert, zuletzt von mMan85 () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von mMan85 mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Kontrolle sollten immer regelmäßig (hier bei Dir 1x im Monat) und zusätzlichbei Hinweisen oder aufgrund besonderer Anlässe erfolgen.


    Ansonsten war gestern die Regelkontrolle, heute ist etwas eingetreten was kontrolliert werden muss und der Kontrolleur beruft sich auf die Vorgabe und wartet bis zur nächsten Regelkontrolle

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • Wenn ich diese Bereiche absperren würde, dann würde unser Betrieb stillstehen.

    Du musst nicht so "absperren", dass da nichts und niemand mehr vorbei kommt. - Das wäre natürlich geboten wenn von der Gefahrenstelle tatsächlich Lebensgefahr ausgeht, aber es geht hier ja nicht darum, dass da jemand in einen 800m tiefen Schacht stürzen könnte.

    Daher ist "kenntlich machen" das Gebot der Stunde. Mach aus einer versteckten, leicht zu übersehenden Stolperfalle etwas meterweit sichtbares. - Dieses schwarz/gelbe Flatterband gibt es auch als Klebeband, wenn man das rund um die Stolperfalle auf den Boden klebt, wird die nicht mehr übersehen und ist für jeden offensichtlich. - Wenn das nicht geht, weil da heiße Sachen abgestellt werden und das Klebeband das nicht überstehen würde, dann besorg Dir eine Dose mit Sprühlack in tagleucht-Warnfarbe und sprüh einen Kreis um jede Gefahrenstelle.

    Das bringt enorm viel, nicht nur für die Sicherheit der MA, sondern auch für Dein langfristiges Ziel, denn auch dem AG werden die vielen Markierungen auffallen und ihm das Problem sehr viel bewusster machen, als wenn man es ihm noch so oft erklärt.

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    Hanlons Rasiermesser

  • darf ich das absperren, markieren etc einfach so als BR?

    Selbst wenn nicht, wird der AG in diesem Falle kaum seine massiven Sicherheitsprobleme über ein Gerichtsverfahren an die Öffentlichkeit bringen wollen...

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • darf ich das absperren, markieren etc einfach so als BR?

    Rechtlich vermutlich nicht. Es ist deine Aufgabe, auf Abhilfe zu drängen. Es ist Aufgabe des AG, deinen Beschwerden nachzugehen und Lösungen zu schaffen.


    Wenn der AG aber ein Problem mit deinem Flatterband hat, dann kann er dich ja auffordern, die BG zu informieren.

  • darf ich das absperren, markieren etc einfach so als BR?

    hat nicht jeder Mensch das Recht andere Menschen vor Gefahren zu warnen?


    Warnaufsteller oder Ähnliches hinterlassen ja auch keine Schäden am Eigentum des AG, da wäre ich entspannt

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  • Danke für die Antworten, das war von mir eher als Hinweis gedacht (ich glaube sowas nennt man rhetorische Frage oderso)

    Muss man halt immer bedenken.

    Nicht die Dinge sind positiv oder negativ, sondern unsere Einstellung macht sie so. (Epiktet, gr. Philosoph)

  • darf ich das absperren, markieren etc einfach so als BR?

    das ist durchaus eine gute und interessante Frage! Weil dass hier:

    Es ist deine Aufgabe, auf Abhilfe zu drängen. Es ist Aufgabe des AG, deinen Beschwerden nachzugehen und Lösungen zu schaffen.

    ...natürlich richtig ist.

    Selbstverständlich kann man nicht einfach wild im Betrieb Gefahrenstellen absperren oder ansprühen, ohne dieser Aufgabe vorher nachgekommen zu sein.

    Aber Du bist Deiner Aufgabe ja soweit nachgekommen und drängst beim AG auf Abhilfe. - und es kann niemals rechtswidrig sein Menschen auf akute Gefahren für ihre Sicherheit/Gesundheit aufmerksam zu machen. Allenfalls kann man darüber streiten, ob die Mittel angemessen waren.

    ...und es ist ja auch nicht näher definiert wie auf Abhilfe zu drängen ist, daher würde ich das kenntlich Machen von Gefahrenstellen als Bestandteil dieses Drängens sehen, mit dem ich den AG ja sogar bei der Abhilfe unterstütze.


    Letztendlich muss man sich doch folgendes fragen: Wenn sich ein MA dann tatsächlich an einer leicht zu übersehenden Gefahrenstelle schwer verletzt, reicht es mir dann, dass ich den AG seit 6 Monaten dränge diese Gefahrenstelle zu beseitigen und der damit juristisch die alleinige Verantwortung trägt? - Oder reicht mir das nicht und das Wissen, dass ich dem Kollegen mit 2m Flatterband und 3min Arbeit die Verletzung, den Schmerz, die OP und den Klinkaufenthalt hätte ersparen können, belastet mich.

    Mir würde das nicht reichen, auch wenn ich das juristisch rechtfertigen könnte, könnte ich es niemals vor mir selbst rechtfertigen auch nur eine Gefahrenstelle, auch nur einen einzigen Tag, im Zustand "leicht zu übersehen" zu belassen.

    (Ich übertreibe das jetzt mal ganz bewusst) ...das muss sich doch anfühlen, als lässt man die Kollegen Tag täglich in einem Minenfeld arbeiten, dem AG hat man zwar gesagt, dass er das räumen muss und selbst weiß man auch ganz genau wo die Minen verbuddelt sind, aber den MA sagt man das nicht, die lässt man weiter blind im Minenfeld rumrennen, weil dem AG hat man gesagt, dass er es räumen muss (schnell den Finger an die Nase) und schon ist der schwarze Peter beim AG.

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    Hanlons Rasiermesser

  • Oder reicht mir das nicht und das Wissen, dass ich dem Kollegen mit 2m Flatterband und 3min Arbeit die Verletzung, den Schmerz, die OP und den Klinkaufenthalt hätte ersparen können, belastet mich.

    das kommt auf den Kollegen an :D

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  • Es tut sich etwas.

    1. die Geschäftsführung hat die Regelungsabrede und Betriebsvereinbarung von ihrem Firmen-Anwalt zurück erhalten.

    Sie hat das Ok bekommen, beide zu unterschreiben.

    Dieser hatte sich aber beschwert, dass ich in der Betriebsvereinbarung so viele Paragrafen mit eingebunden habe. Das müsste ich nicht, er könne selber nachschauen, wenn er wissen wolle, wo was stehe.... (Muss ich wohl mal einen 1 Wochen Lehrgang besuchen, wie man Betriebsvereinbarungen richtig aufsetzt, wurde bislang nur immer ganz grob angeschnitten)


    Grundsätzlich meinte er aber, dass die GF das unterschreiben kann.

    In der Regelungsabrede haben ich beschrieben, dass die Bleche bis Zeitpunkt X entfernt werden müssen und der Fußboden neu gefliest werden muss. Diese habe ich schon unterschrieben zurück erhalten.


    Bei der zweiten, der Betriebsvereinbarung hatte ich im Prinzip folgendes festgehalten:

    Sinn ist die Gefahrenabwehr zur Entstehung von Stolperfallen.

    Dadurch, dass auf den Fliesen heiße Behälter abgestellt werden, müssen diese regelmäßig kontrolliert werden.

    Als erstes gehen nämlich nur die Fugen kaputt, und wenn man diese gleich wieder neu verfugt, hält das insgesamt mehrere Jahrzehnte.


    Also, der Technische Leiter soll:

    Ein mal im Monat eine Sichtkontrolle durchführen, und diese durchgeführte Kontrolle in eine Liste vermerken.

    Wenn ein Mitarbeiter eine defekte Fuge oder Fliese meldet, so muss das auch in eine "Meldeliste" eingetragen werden und der Technische Leiter (bzw. der Arbeitgeber) hat 1 Monat lang Zeit, diesen Zustand zu beheben.

    Mehr steht in der Betriebsvereinbarung im Prinzip inhaltlich nicht drin.


    Da hat aber der Technische Leiter kein Bock drauf. O.-Ton zur Geschäftsführung :"Was soll ich denn noch alles machen?"

    Also habe ich diese Betriebsvereinbarung noch nicht zurück erhalten.


    Ich hatte euch das oben schon einmal gefragt, aber was ist eure Einschätzung:

    Fällt so eine BV unter den §87 Abs.1. Satz 7.

    Meiner Meinung nach "Ja", da es absehbar ist, dass die Fugen der Fliesen sich mit der Zeit wieder lösen werden.

    1er BR - kein Tarifvertrag

    Einmal editiert, zuletzt von mMan85 ()

  • Neues:

    Auf Nachfrage bei der GF, wie es mit der Unterzeichnung der BV aussähe ergab sich folgendes:

    die GF könne die BV unterzeichnen, aber es ist dem Technischen Leiter zu viel Arbeit die Fliesen einmal im Monat zu kontrollieren und würde diese Arbeit dann per Direktionsrecht mir übertragen.

  • und würde diese Arbeit dann per Direktionsrecht mir übertragen.

    der AG hat kein Direktionsrecht ggü. einem BRM


    Wenn er das ggü. dem AN macht, könnte das funktionieren, soweit der AN geeignet ist und im diese Tätigkeit gem AV zugeteilt werden darf.


    Ich würde es in beiden Fällen ablehnen, seine Verantwortung zu übernehmen.

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • Auf Nachfrage bei der GF, wie es mit der Unterzeichnung der BV aussähe ergab sich folgendes:

    die GF könne die BV unterzeichnen, aber es ist dem Technischen Leiter zu viel Arbeit die Fliesen einmal im Monat zu kontrollieren und würde diese Arbeit dann per Direktionsrecht mir übertragen.

    Das schöne ist, dass das zwei unabhängige Vorgänge sind. So hast du deine BV und die Aufgabe kannst du ablehnen. :D

    Fallere me possum solus - wie wir Lateiner sagen. 3er Betriebsrat, BRV, kein Tarif.

  • der AG hat kein Direktionsrecht ggü. einem BRM

    Das ist wahr, aber ich bin ja nicht nur Betriebsratsmitglied, ich bin ja auch immer noch Arbeitnehmer.

    Bin ja nicht voll freigestellt.

    Wenn er das ggü. dem AN macht, könnte das funktionieren, soweit der AN geeignet ist und im diese Tätigkeit gem AV zugeteilt werden darf.

    Da ist auch wieder die Frage, was ist denn "geeignet"? Was bedeutet es?

    Ich sag es mal unter uns. Ein bisschen Fugenmasse anrühren und neu verfugen, das ist wahrlich kein Hexenwerk. Andererseits bin ich auch kein Fliesenleger.

    Ich würde es in beiden Fällen ablehnen, seine Verantwortung zu übernehmen.

    Darauf wird es wohl hinauslaufen.

    Das schöne ist, dass das zwei unabhängige Vorgänge sind. So hast du deine BV und die Aufgabe kannst du ablehnen.

    Noch hat die GF die BV ja nicht unterzeichnet.

  • Zitat von mMan85

    aber es ist dem Technischen Leiter zu viel Arbeit die Fliesen einmal im Monat zu kontrollieren und würde diese Arbeit dann per Direktionsrecht mir übertragen.

    ...

    Andererseits bin ich auch kein Fliesenleger.

    will er dir nur die Kontrolle übertragen, oder auch die folgende Reparatur?

    Für die Kontrolle musst du ja kein Fliesenleger sein, und für die Reparatur ist dann wieder der technische Leiter zuständig.

  • Da ist auch wieder die Frage, was ist denn "geeignet"? Was bedeutet es?

    da Dir die Kontrolle übertragen werden soll, musst Du fachlich in der Lage sein eine entsprechende Gefährdungsbeurteilung durchzuführen.

    Das ist Aufgabe des AG und er übernimmt natürlich die Verantwortung, wenn die Beurteilung fehlerhaft ist.

    Ohne entsprechende Fortbildung würde ich diese Aufgabe nicht übernehmen als AN.

    Als BRM/BRV würde ich das so-oder-so nicht machen, weil der BR an der Beurteilung beteiligt werden muss und dadurch ein "Mehr-Augen-Prinzip" entsteht.

    Werden die Aufgaben auf eine Person übertragen, ist auch kein "Mehr-Augen-Prinzip" mehr vorhanden.


    Abgesehen davon das der BRV/BR dann Schuld ist, wenn eine fehlerhafte Beurteilung einem AN schadet.

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • Das ist wahr, aber ich bin ja nicht nur Betriebsratsmitglied, ich bin ja auch immer noch Arbeitnehmer.

    Ich komme auf einen bereits zu anderer Gelegenheit gemachten Vorschlag zurück:


    Es handelte sich hier, selbst wenn der AG indivudualrechtlich berechtigt wäre, diese Anweisung zu geben (was ich bezweifle), um eine Versetzung, bei der vorab der BR zu beteiligen wäre. (Formal wärst Du, sollte die Versetzung Dich betreffen, bei der Beschlussfassung rechtlich verhindert, Dein:e Nachrücker:in müsste das übernehmen).Das muss der BR einfordern, und er hat gute Gründe, eine solche Versetzung abzulehnen.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)