Weihnachtsbaum am BR vorbei

  • Hallo Alle, Hobbyjuristen und Experten

    In unserem Unternehmen wurde seit Jahren (5 oder 6) durch den Arbeitgeber ein Weihnachtsbaum natürlicher Herkunft (Wald oder Baumschule) in der Angestelltenkantine während der Vorweihnachtszeit aufgestellt, welcher durch einen Auszubildenden (mehr oder weniger freiwillig) geschmückt und mit Wasser versorgt wurde.

    In diesem Jahr hat die Geschäftsleitung (Mittelstands GmbH, faniliengeführt) beschlossen, diesen durch ein künstliches Fertigprodukt aus dem Versandhandel zu ersetzen.

    Die Lieferung ist bereits erfolgt aber noch nicht einsatzfähig.

    In Kollegenkreis tobt bereits die Diskussion ob dies denn nun nachhaltiger oder eher hinterhältiger wäre. Dem Betriebsrat wird vorgeworfen, dass er sich mal wieder die Mitbestimmungsbutter vom Brot habe nehmen lassen. Auch innerhalb des Gremiums driften die Meinungen stark auseinander.

    Meine Frage daher. Ist das Aufstellen eines Weihnachtsbaumes überhaupt mitbestimmungspflichtig? Das hört sich für viele jetzt wahrscheinlich wie ein Scherz an, dem ist aber nicht so. Wir haben Kollegen, die nicht Anhänger des christlichen Glaubens sind oder Weihnachten als Kommerzhype ablehnen. Ich erinnere an die öffentliche Diskussion über Kreuze und Kruzifixe in Schulklassenzimmern. Könnte sich jemand diskriminiert fühlen, und wenn wie gehen wir damit um?

    Wie sieht die Sache aus dem Blickwinkel von Arbeits- und Umweltschutz aus? Gibt es dort nicht auch Ansatzpunkte für Mitbestimmung, zumindest Kontrollaufgaben.

    Eine Betriebsvereinbarung "Weihnachtsdekoration" oder dergleichen besteht nicht.


    Wir freuen uns auf vielseitige Meinungen und Hinweise in dieser doch speziellen Problematik.

  • Diejenigen die der Meinung sind, ein Weihnachtsbaum sei mitbestimmungspflichtig, würde ich mal nach der Quelle fragen.

    Man könnte bestenfalls §87 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG anführen, aber das wäre richtig weit hergeholt. Dekoration gehört m.E. nicht zur Ordnung des Betriebs, da sind eher organisatorische Dinge gemeint.


    §80 wäre evtl. auch noch so ein Ding, aber ob ein Weihnachtsbaum zu den Mitarbeitern dienlichen Maßnahmen gehört, oder ob dies schon eine Maßnahme zur Förderung des betrieblichen Umweltschutzes ist, ist auch fragwürdig.


    Das Aufstellen eines Weihnachtsbaums hätte den Betriebsrat höchstens im Hinblick auf Arbeitssicherheit, Brandschutz oder Diskriminierung anderer Religionen prüfen können - wäre dann aber eher als spießiger Spaßverderber aufgetreten.


    Ich würde in der nächsten Betriebsversammlung vielleicht mal auf die allgemeinen Aufgaben des BR eingehen.

    Viele Beschäftigte fassen ihre Vorstellungen bezüglich der Zuständigkeit regelmäßig ziemlich weit.


    Natürlich kann der Betriebsrat jederzeit Vorschläge machen. Wenn es aber nicht unter das Initiativrecht fällt, kann der AG die auch genau so gut ignorieren.

  • Eine Betriebsvereinbarung "Weihnachtsdekoration" oder dergleichen besteht nicht.

    Na dann aber hopp hopp! Da gibt es noch mehr zu regeln als nur Plastik, Fichte oder Nordmanntanne! Farbe und Menge der Kugeln, Lametteranteil, Spitze, Art des Weihnachtsbaumständers

    ...und die Plätzchen-Verordnung erst, dass sind alleine mindestens 12 Seiten...


    Aber im Ernst, ob der Weihnachtsbaum in der Kantine, als Ausgestaltung einer Sozialeinrichtung (§ 87 Abs. 1 Nr. 8 BetrVG) gesehen werden kann, weiß ich nicht.

    Aber eigentlich ist das auch egal, denn selbst wenn es "Mitbestimmung beim Weihnachtsbaum" gäbe, einen Anspruch auf einen Weihnachtsbaum gibt es sicher nicht. - D.h. im Zweifelsfall kann, darf und wird die Reaktion des AG einfach sein: "Der passt Euch nicht? Dann gibt's halt gar keinen."

    Ob Ihr damit dann was erreicht habt, müsst Ihr selbst beurteilen.

    In Kollegenkreis tobt bereits die Diskussion ob dies denn nun nachhaltiger oder eher hinterhältiger wäre.

    Diesen Kollegen könnte man ja mal mitteilen, dass es mit Sicherheit wirtschaftlich und ökologisch am nachhaltigsten wäre, wenn es sich der AG einfach ganz sparen würde den MA jedes Jahr einen Weihnachtsbaum zu spendieren.

    „Schreibe nicht der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist“

    Hanlons Rasiermesser

  • Ist das Aufstellen eines Weihnachtsbaumes überhaupt mitbestimmungspflichtig?

    :D :D :D


    Sorry, für das spontane Lachen. Natürlich antworte ich auch noch inhaltlich:


    Nein.


    Zumindest kann ich meinem ErfK nicht entnehmen, dass der Weihnachtsbaum in irgendeiner Art zur mitbestimmten Ausgestaltung der Sozialeinrichtung Kantine gehört.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    2 Mal editiert, zuletzt von Fried () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Fried mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Wir haben Kollegen, die nicht Anhänger des christlichen Glaubens sind oder Weihnachten als Kommerzhype ablehnen. Ich erinnere an die öffentliche Diskussion über Kreuze und Kruzifixe in Schulklassenzimmern. Könnte sich jemand diskriminiert fühlen, und wenn wie gehen wir damit um?

    Ich als Antikapitalist lehne das Konzept abhängiger Lohnarbeit zur Profitmaximierung des AG als Knechtschaft ab, gehe aber trotzdem an mehreren Tagen die Woche in die Arbeit und lebe mit dem Gegensatz.


    Im Ernst: Es gibt keinen Anspruch auf Schutz vor Kommerzhype.


    Ein herumstehender Weihnachtsbaum hat mit Religion bzw Bekenntnis m.E. schon lange nichts mehr zu tun. Er ist m.E. längst einfach nur Folklore - und, klar, Kommerz. (Den wildesten Weihnachtskitsch-Overkill habe ich mal in Taiwan erlebt, einem Land mit weniger als 5% Christ:innen.)


    Und selbst wenn er noch einen christlichen Gehalt hätte: Inwiefern sein Herumstehen mich als Agnostiker oder Muslim:innen oder Buddhist:innen konkret benachteiligt, müsste man mir erst erklären. Wenn es z.B. haram wäre, in einem Raum, in dem ein Weihnachtsbaum steht, Speisen zu sich zu nehmen, wäre das klar.

    Ich erinnere an die öffentliche Diskussion über Kreuze und Kruzifixe in Schulklassenzimmern.

    Da liegt der Fall m.E. deutlich anders. Ein Kruzifix ist ein eindeutiges religiöses Symbol und hat in einer Einrichtung des Staates, der weltanschaulich neutral zu sein hat, nichts zu suchen. Aber das sind nur meine own two cents...

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    Einmal editiert, zuletzt von Fried ()

  • Na dann aber hopp hopp! Da gibt es noch mehr zu regeln als nur Plastik, Fichte oder Nordmanntanne! Farbe und Menge der Kugeln, Lametteranteil, Spitze, Art des Weihnachtsbaumständers

    Vielleicht hilft diese Mustervorlage

    Für einen Betriebsrat gilt: Lobt dich der Gegner, ist das bedenklich. Schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg. (August Bebel)

  • Das hört sich für viele jetzt wahrscheinlich wie ein Scherz an, dem ist aber nicht so.

    ich würde im Rahmen der tätigen Mitbestimmung reagieren und den künstlichen Weihnachtsbaum mit echten Ostereiern schmücken

    In Kollegenkreis tobt bereits die Diskussion ob dies denn nun nachhaltiger oder eher hinterhältiger wäre. Dem Betriebsrat wird vorgeworfen, dass er sich mal wieder die Mitbestimmungsbutter vom Brot habe nehmen lassen. Auch innerhalb des Gremiums driften die Meinungen stark auseinander.

    --> die haben doch einen am Baum 8o

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • In Kollegenkreis tobt bereits die Diskussion ob dies denn nun nachhaltiger oder eher hinterhältiger wäre.

    In unserer Familie haben wir diese Problematik elegant umschifft: Wir schmücken einfach unsere Yucca-Palme mit Christbaumkugeln und einer Lichterkette. Das fand noch jeder Besucher lustig. ^^

    Wäre das ein Vorschlag für die Kantine?

    Für einen Betriebsrat gilt: Lobt dich der Gegner, ist das bedenklich. Schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg. (August Bebel)

  • Ich stelle mir grade folgendes vor:


    Die empörten Kollegen stürmen unser BR Büro und bleiben erstarrt stehen beim Anblick des stark weihnachtlich dekorierten BR Büros.


    Wir sind jedes Jahr bemüht unseren BRV in seiner Deko-Wut etwas einzudämmen. 🎅🤶👼🎄

  • Wir schmücken einfach unsere Yucca-Palme mit Christbaumkugeln und einer Lichterkette.

    Das entspricht der Geschichte aus dem Koran, dürfte sich also als konfliktfreie Lösung disqualifizieren:

    Auf der Suche nach den Ursprüngen der Weihnachtsbaum-Tradition wird man also weniger in der Bibel, sondern eher im Koran fündig: Maryam - Arabisch für Maria - wird von den Wehen überrascht und lehnt sich an einen Baum. Und dort, unter dem Schatten spendenden (Weihnachts)-Baum, kommt Isa - Arabisch für Jesus - zur Welt. Der Baum war allerdings eine Palme.

  • Das entspricht der Geschichte aus dem Koran, dürfte sich also als konfliktfreie Lösung disqualifizieren:

    Für alle, die wg eines dekorierten Tannenbaumes den Konflikt suchen, würde ich den Besuch eines besonderen Weihnachtsmänner vorschlagen:


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    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)