Fahrwege zur Baustelle bei Azubis

  • Hallo zusammen,


    gibt es ein Gesetz oder Urteile die den erlaubten Zeitaufwand bei Azubis, um selbständig zur Baustelle zu kommen, einschränken?

    Grundsätzlich sollen alle Azubis eingesammelt werden, da viele Baustellen 70km und mehr vom Betriebssitz entfernt sind. Dies wird aber nicht konsequent eingehalten, da die Monteure und Azubis teilweise zu weit auseinander wohnen. Dann sollen die Azubis selbständig zur Baustelle kommen. (keine Arbeitszeit, Auslöse wird nach Tarif bezahlt) Jetzt stelle ich mir die Frage, ob ich als Azubis verpflichtet bin 3h am Tag mehr Unterwegs zu sein und dafür dann die Auslöse bekomme oder ob ich einen Anspruch, dass die Arbeitszeit am dem Betriebsstandort beginnt. Wohne nur 3km weg vom Firmensitz und muss jetzt für 3Monate 70km (1,5h pro Strecke) mit der Bahn zurücklegen um am Einsatzort zu sein. Ich finde das sprengt den Rahmen. Ich habe auch schon meine Situation mehrmals geschildert aber dann wird nur gesagt: "Lehrjahre sind keine Herrenjahre".


    PS. Gibt es ein Portal wo man Rechtssprüche selber nachschlagen kann?

  • Wird kein Material vom Firmensitz benötigt?

    Was steht in deinem Ausbildungsvertrag? Wo ist der Arbeitsort?


    Leider hinkt hier die Rechtssprechung der Situation in den Betrieben und Baustellen hinterher. Die Rechtssprechung ist von 1900-1950 oder noch früher und die Arbeitsstätten sind dank moderner Technologien heute weltweit. Füher hat man sich das nicht (oder nur bei besonderen Baustellen) vorstellen können, dass man eine Baustelle z.B. 350km weg vom Firmensitz hat. Die besonderen Baustellen hatten aber auch andere Vergütung.


    Wir hatten schon den Fall, dass der AG einen MA nach USA schickte und als Reisezeit nur die 8h Arbeitszeit anrechnete. Ist ja so schön in so einem Flieger sitzen zu müssen.

  • Ausbildungszeit


    evt hilft Dir das etwas weiter --> unterliegt ihr einem TV? was steht im Ausbildungsvertrag)


    aber 3 Stunden täglich? damit könnte sogar die Höchstzulässige AZ überschritten sein, weil auch Wegezeiten als Arbeitszeiten gelten können (bezahlt oder unbezahlt ist dabei für das ArbZG unerheblich)

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • Was steht in deinem Ausbildungsvertrag? Wo ist der Arbeitsort?

    Das ist eine extrem wichtige Frage, aus deren Antwort sich sehr viel ergibt weil:

    Wenn in Deinem Ausbildungsvertrag steht, dass der Betriebssitz Dein Arbeitsort ist, dann sind alle Fahrten zur Arbeit, die nicht an den Betriebssitz führen, Dienstreisen.

    Damit hat man dann das nächste Stichwort und muss mal schauen, wie Dienstreisen denn genau betrieblich/tariflich geregelt sind. - und zwar sowohl in Bezug auf die Reisekosten, als auch in Bezug auf die Arbeitszeit.

    ...im besten Falle steht in Deinem AV der Betriebssitz als Arbeits-/Ausbildungsort und es ist absolut nichts geregelt (weder im AV noch im TV), ob Reisezeit = Arbeitszeit ist. (Denn dann ist Dir lt. BAG ist die Reisezeit vollständig als Arbeitszeit zu vergüten).

    aber 3 Stunden täglich? damit könnte sogar die Höchstzulässige AZ überschritten sein, weil auch Wegezeiten als Arbeitszeiten gelten können (bezahlt oder unbezahlt ist dabei für das ArbZG unerheblich)

    Das ist grundsätzlich richtig, würde ich in diesem Fall...

    70km (1,5h pro Strecke) mit der Bahn zurücklegen

    ...aber eher nicht vermuten.

    Ich würde hier nicht von Arbeitszeit im Sinne des ArbZG ausgehen, aber Arbeitszeit im vergütungsrechtlichen Sinne könnte es durchaus sein.

    „Schreibe nicht der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist“

    Hanlons Rasiermesser

  • Das Problem mit der "zumutbaren Entfernung" haben wir auch schon mal zu behandeln versucht.


    Auch da ging es um eine 1,5 stündige Anfahrt mit den Öffis (wenig km, aber ungünstige Verbindungen / Umsteigezeiten). Bei uns werden nur 30 Minuten Anfahrt angerechnet. Gut für die, die drunter liegen, doof für die, die drüber liegen. (Fazit: es ging um mich, habe den Führerschein gemacht und komme jetzt mit dem PKW - brauche bei guter Verkehrslage 12 Minuten, bei schlechter 20 Minuten pro Strecke)


    Eine ausführliche Recherche hat ergeben: es gibt keine eindeutige gesetzlich festgelegte Angabe zu Anfahrtszeit und km.


    Alles, was sich "ungefähr" finden lässt, orientiert sich an dem, was irgendwann mal als "zumutbar" für Arbeitslose zur Aufnahme einer Beschäftigung angenommen wurde. (Dummerweise genau die 1,5 Stunden werden als "zumutbar" betrachtet.) in Km haben wir derzeit was von 60-70 gefunden. Auch da lägt ihr noch drin. Eine konkrete Angabe, ob diese Anfahrt dann zu Arbeitszeit (unabhängig von der Bezahlung) zuzurechnen ist, konnten wir auch nicht finden. Da scheint es einen großen Ermessensspielraum zu geben.


    Noch komplizierter wird es, wenn sich Wohnort (wird als Privatvergnügen betrachtet, wenn sich die Anfahrt verlängert) oder zeitweise der Arbeitsort ändern.


    Du scheinst ja JAV zu sein. Kannst Du gemeinsam mit Eurem BR eine BV dazu anregen? Das "Phänomen" dürfte bei Euch auch in Zukunft noch gelegentlich gegeben sein und eine eindeutige Klärung wäre für alle Beteiligten da schon hilfreich.

    Manchmal reicht freundliches Zähne zeigen - auch lächelnd kann man auf die Rechte hinweisen - und der Schritt zum Gericht ist letzten Endes dann doch nicht notwendig.