heimliche Kameraüberwachung

  • Hallo zusammen,



    Folgende Situation, stichpunktartig zusammengefasst:

    • Seit einiger Zeit im Außenbereich unseres Betriebs Probleme mit abendlichem/nächtlichem „Vandalismus“, d.h. vermutlich durch feiernde Jugendliche, die entsprechende Spuren hinterlassen (Abfall, Scherben, z.T. beschädigte Sitzgruppen, Schmierereien an Wänden), idyllisch am Ortsrand gelegen, lädt zum Verweilen ein, kaum Anwohner, man stört also niemanden.
    • Vorletzte Woche deutliche Hinweise auf einen Einbruchsversuch (beschädigte Türklinken an Außentüren).
    • Auch vorletzte Woche kam der GF auf den BR zu mit der Bitte um Zustimmung für Videoüberwachung durch Wildkamera (nur abends und nachts, also außerhalb unserer Öffnungszeiten.

    Soweit, so nachvollziehbar…


    Hinweis des BR, dass man doch bitte technische und (datenschutz)rechtliche Beratung einholen möge, ist erfolgt, ebenso die Bitte, man möge sich bis zum morgigen Monatsgespräch Gedanken zur Sichtung und Speicherung bzw. Löschung der Aufzeichnungen machen.


    Bis hierher hätte ich noch keinen Grund gesehen, dies im Forum hier zu posten.


    Aber jetzt kommts:


    Letzen Freitag hat jemand im Pausengespräch so beiläufig erwähnt, dass bereits eine Wildkamera installiert sei. Ich schnappte mir also eine BR-Kollegin und wir gingen der Sache nach, und fanden tatsächlich eine versteckt angebrachte Wildkamera, die wir kommentarlos dem GF übergeben haben.


    Er sei ebenso sprachlos wie wir und hat versprochen zu recherchieren, was ich ihm bisher auch geglaubt habe.


    Erst haben wir vermutet, dass der Hausmeister auf eigene Faust das Ding installiert hat, gestern allerdings kam ein hohes Tier aus der Verwaltung an (quasi der zweite Chef), hat ein bisschen Smalltalk betrieben und herumgedruckst, um schließlich zu verkünden, dass er dafür verantwortlich sei, ein Speichermedium sei nicht mehr in der Kamera gewesen (wir haben sie nicht untersucht, nur übergeben).


    Interessant wird es jetzt, weil weder der geständige Finanzminister noch der Hausmeister MA unserer Einrichtung sind (Kooperationsvertrag, kein Werkvertrag, keine AN-Überlassung, wir sind Mieter beim Träger, der Haustechnik und Verwaltung übernimmt.)


    Irgendwie bin ich immer noch sprachlos ob dieser Frechheit mit der Kamera.


    Eure Meinungen würden mich interessieren.


    Was macht man in so einer Situation?


    Grüße

  • den AG schriftlich auffordern dafür zu Sorgen, dass zukünftig so etwas nicht mehr vorkommt incl. der Aufforderung einer schriftlichen Bestätigung.


    Mehr kann man da jetzt nicht mehr machen, die evt. Beweise habt ihr ja "dem Täter" zurückgebracht ;)


    sollte das nochmal vorkommen, die "Wildkamera" zunächst sicherstellen und nicht übergeben

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • man kann den AG über die Sicherstellung bis zur Klärung der Sachlage ja informieren.

    Und wenn der AG rumzickt, kann man auch offiziell die Beweise den zuständigen Strafverfolgungsbehörden aushändigen.

    Heimliche Filmaufnahmen unbeteiligter MA ist ja kein "Kavalliersdelikt"

    --> schätze der AG verzichtet gerne auf die Klärung des Sachverhaltes durch offizielle Stellen

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • Heimliches Aufnehmen ist, das sei mal angemerkt, ein Straftatbestand (§ 201 StGB). Man könnte als BR aber freundlicherweise anmerken, dass man auf eine Strafanzeige verzichtet, wenn die Täter:innen geloben, künftig brav zu sein.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Irgendwie bin ich immer noch sprachlos ob dieser Frechheit mit der Kamera.


    Eure Meinungen würden mich interessieren.

    Vermutest Du wirklich, dass der "geständige Finanzminister" sich gedacht hat "ach, scheiß auf den BR, dass Ding wird jetzt installiert", als er die Kamera installiert hat, bzw. installieren ließ? - Also dass er bewusst und vorsätzlich den BR übergangen hat?

    ...oder könnte das auch einfach ein typisches "Kommunikationsproblem" gewesen sein? So wie, AG sagt zum Finanzminister: "Jetzt reichts aber, wir hängen da jetzt ne Kamera hin die diese Ecke außerhalb der Öffnungszeiten überwacht. Ich kläre das mit dem BR" - und das "Ich kläre das mit dem BR" vom AG nur gedacht, oder vom Finanzminister nicht aufgenommen wurde.

    Es ist ja anzunehmen, dass es in dem Gespräch zwischen dem AG und dem "Finanzminister" vornehmlich um das Problem (Vandalismus) und dessen Lösung (Kamera) ging, die Klärung mit dem BR ist da ja im Prinzip nur eine Formalität, die zur Umsetzung der angestrebten Lösung erforderlich ist. Diese Formalität ist Aufgabe des AG und deshalb, nachvollziehbarer Weise, nicht der erste Gedanke des "Finanzministers". Dessen erster Gedanke ist natürlich: Das umsetzen, was mit dem AG besprochen wurde (= Kamera).

    Natürlich kenne ich hier die Akteure nicht, wie die so drauf sind musst Du selbst einschätzen, aber grundsätzlich würde ich hier erstmal nicht von Vorsatz ausgehen, sondern von betriebsüblicher "Dummbeutelei" und "die Rechte weiß nicht was die Linke tut".


    Heimliches Aufnehmen ist, das sei mal angemerkt, ein Straftatbestand (§ 201 StGB).

    Da ist aber schon die Frage, ob dieses denn auch stattgefunden hat, weil:

    Videoüberwachung durch Wildkamera (nur abends und nachts, also außerhalb unserer Öffnungszeiten).

    ...wenn das auch so umgesetzt wurde, wurden keinerlei Aufnahmen von MA erstellt.

    Allerdings betrifft dies ja nicht nur die MA, sondern ggf. auch die Personen, welche sich außerhalb der Öffnungszeiten an dieser Ecke aufgehalten haben und evtl. aufgenommen wurden. - Denn auch hier muss gut lesbar darauf hingewiesen werden, dass der Bereich Videoüberwacht ist. - und das reicht oft schon! Ein übergroßes Warnschild und wenn man es drauf anlegt noch eine fette, gut sichtbare Kameraattrappe und schon haben die "feiernden Jugendlichen" überhaupt keinen Bock mehr da abzuhängen. - Könnte man dem AG mal vorschlagen, so gäbe es überhaupt keine Diskussion über Datenschutz und/oder Verarbeitung, Aufbewahrung usw. der aufgezeichneten Daten (weil es keine gibt) und das Problem wäre höchst wahrscheinlich gelöst.

    „Schreibe nicht der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist“

    Hanlons Rasiermesser

  • Dieser Bereich ist videoüberwacht. Strafrechtliches Verhalten landet bei der Polizei, peinliches Verhalten bei Youtube!


    Was geschehen ist, ist geschehen. Prüft, was da passiert ist und findet mit dem AG eine Lösung, dass das auf diesem Wege nicht mehr vorkommt.

    Dann erstellt ihr eine BV zur Kameraüberwachung, die personelle Maßnahmen ausschließt, die Überwachung der MA verbietet und den Rest DSGVO-Konform regelt (das ist kompliziert genug). Dazu all das, was euch wichtig erscheint und ein wenig von dem, was der AG damit bezwecken möchte. Danach kann dann wieder eine Kamera installiert werden.

  • Da ist aber schon die Frage, ob dieses denn auch stattgefunden hat (...).

    Das klärt nicht die Person, die die Anzeige stellt, sondern die Strafverfolgungsbehörde. Das Vorhandensein der Kamera wäre Indiz genug, die Anzeige ggf zu stellen.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Update:

    Im Monatsgespräch kam die ganz große Entschuldigung vom GF: Der Finanzminister hat wohl eigenmächtig gehandelt und während des zweiwöchigen Betriebsurlaubs die Wildkamera vom Hausmeister (der dies bestätigt hat) installieren lassen, um zumindest festzustellen, zu welchen Zeiten da Partys steigen. Er (GF) trage natürlich die Verantwortung für diesen Vorfall und künftige wie auch immer geartete Überwachung.


    Wir haben zum Ausdruck gebracht, dass das Ansinnen grundsätzlich nachvollziehbar sei, und der BR auch zustimmen werde, wenn technische und rechtliche Fragen geklärt sind.


    Und ich denke wirklich,

    dass der "geständige Finanzminister" sich gedacht hat "ach, scheiß auf den BR, dass Ding wird jetzt installiert"

    Der tickt so, ganz windiger Typ...

    Entschuldigt hat er sich nämlich nicht, nur mit vielen Worten wenig gesagt (siehe Eingangspost).

    Habe ihm auch vor Zeugen (ein Kollege war während des "Geständnisses" mit im Büro) gesagt, dass die Aktion sch**** war.


    Wahrscheinlich wurde vergessen, die Kamera wieder zu entfernen, wie hätte ich sie sonst drei Wochen nach dem Urlaub finden können? (Das ist ironisch gemeint...)


    Insgesamt bleibt ein sehr schaler Beigeschmack zurück...

    Bin sehr gespannt, wie es weiter geht. Vermutlich ist eine technisch brauchbare Lösung, die auch Aufnahmen liefert, duch die "Täter" identifiziert werden könnten, einfach zu teuer.


    Folgendes haben wir auch vorgeschlagen.

    Ein übergroßes Warnschild und wenn man es drauf anlegt noch eine fette, gut sichtbare Kameraattrappe und schon haben die "feiernden Jugendlichen" überhaupt keinen Bock mehr da abzuhängen. - Könnte man dem AG mal vorschlagen, so gäbe es überhaupt keine Diskussion über Datenschutz und/oder Verarbeitung, Aufbewahrung usw. der aufgezeichneten Daten (weil es keine gibt) und das Problem wäre höchst wahrscheinlich gelöst.

    Ich bin ja ein Fan von Stroboskopen... :evil: Die könnten aber womöglich auch die paar Anwohner vergrämen.

  • [Endvierzigerspießermodus ON]

    Das würden die eh net hören, weil sie entweder mit ihren Noise-Cancelling-Earbuds oder Boom-Boxen unterwegs sind...

    Alle. Ausnahmslos. Und außerdem schauen die sowieso alle gleich aus.:P

    [Endvierzigerspießermodus OFF]


    In meiner Heimatstadt gab es zu Pandemiezeiten (ok, vorher auch schon) einen Party-Hotspot, wo sich Massen an Jugendlichen abends und nachts getroffen haben.

    Ich glaube, da wurde auch über die akustische Variante diskutiert.

    Immerhin hat die Stadt den weisen Entschluss gefasst, auf besagter Brücke zwei Flutlichtmasten zu installieren.

    Haben die Kids sich gefreut, dass ihre Party-Location nun auch noch einladend hell beleuchtet war! Hat gar nix gebracht.


    Augenzwinkernd habe ich schon vogeschlagen, ein paar Gänse anzuschaffen. Die beste Alarmanlage!

  • Das würden die eh net hören, weil sie entweder mit ihren Noise-Cancelling-Earbuds oder Boom-Boxen unterwegs sind...

    Alle. Ausnahmslos. Und außerdem schauen die sowieso alle gleich aus. :P

    Als Mittvierziger bin ich der mit den Noise-Cancelling-Earbuds. XD

    Augenzwinkernd habe ich schon vogeschlagen, ein paar Gänse anzuschaffen. Die beste Alarmanlage!

    Oha, Massenvernichtungswaffen!

    Fallere me possum solus - wie wir Lateiner sagen. 3er Betriebsrat, BRV, kein Tarif.