Mitarbeitergespräch mit/ohne Betriebsrat

  • Hallo zusammen,


    benötige mal eure Hilfe.


    Eine Mitarbeiterin (untere Lohngruppe) bekommt ein Schreiben:


    Einladung Personalgespräch

    hiermit laden wir sie zu einem Personalgespräch am 11.09.23 um 14:00 Uhr ein.

    Hierbei geht es um die Zusammenarbeit in blablabla Einrichtung.



    Am gleichen Tag erhält sie eine Abmahnung da sie bei der Arbeit etwas nicht erledigt hat. (täglich Essensproben nehmen - 5 mal im Monat nicht genommen)


    Die Dame wendet sich an den Betriebsrat mit der Bitte an dem Gespräch teilzunehmen. (Email und tel.) - BR sagt zu dabei zu sein.


    Der BR Vorsitzender fragt nach und erhalte die Unterlagen: "Kopie Abmahnung / Schriftverkehr / Aussagen Kollegen / vorgesehene Maßnahmen" von der Leitungskraft die die Abmahnung unterschrieben und die Einladung geschickt hat.


    Gestern ruft die Mitarbeiterin den BR an und sagt das das Gespräch bereits stattgefunden hat.

    Sie hat nachgefragt warum der BR denn nicht dabei gewesen ist.

    Bei dem Gespräch waren die Vorgesetzte, die Leitungskraft und die Personalmanagerin. Es wurden noch andere Fehlverhalten (Grüßt nicht ordentlich, Fehlzeiten, falsche Reinigung eines Gerätes) erörtert.


    Auf Nachfrage gestern bei der Personalmanagerin war diese erstaunt das der BR nicht bei dem Gespräch dabei war.


    Gestern hat sich auf Nachfrage des BR herausgestellt, dass man "vergessen" hat dem BR die Terminänderung mitzuteilen. :cursing:


    Wie das Gespräch ausgegangen ist kann man sich vorstellen - klar hat die Kollegin die Fragen beantwortet und alles mögliche zugegeben. Wenn 3 Vorgesetzte einen bearbeiten.


    Der BR würde da jetzt gerne was unternehmen da es nicht das erste Mal das so etwas vorkommt.


    Habt ihr Ideen wie man da vorgehen kann?

  • Wenn und insofern hier ein gesetzlicher Anspruch auf Teilnahme des BRM bestand, kann und darf man eine Störung der BR-Tätigkeit annehmen. Das wäre auch justiziabel.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Und wo könnte man Mitarbeitende besser in dieser Hinsicht schulen als öffentlich auf der Betriebsversammlung. Berichtet vom Vorgehen des AG und erklärt allen, dass das Gespräch direkt unterbrochen / beendet wird, wenn ein gewünschtes BRM nicht anwesend ist.

  • Servus Fried,


    inwiefern "gesetzlicher Anspruch"?

    Kommt der Anspruch nicht schon allein daher zustande, dass die Kollegin den Wunsch nach dem BR geäußert hat?


    Der Termingrund war "Zusammenarbeit in der Einrichtung" und nicht das Fehlverhalten


    Die Terminverschiebung ohne BR dies mitzuteilen.

  • Nicht jedes Gespräch zwischen Vorgesetztem und MA begründet einen Anspruch auf Teilnahme des BR.

    "Zusammenarbeit in der Einrichtung" ist sicherlich naheliegend und mit den benannten Ergänzungen auch anzunehmen. Es könnte aber auch ein Termin zur Absprache von Kommunikationsregeln auf Teamebene sein. Dann wäre der BR (nicht für das Thema aber für das Gespräch) raus.

  • Kommt der Anspruch nicht schon allein daher zustande, dass die Kollegin den Wunsch nach dem BR geäußert hat?

    Nein, der kommt nur zustande, wenn die Kriterien des § 82 (2) BetrVG erfüllt sind (oben verlinkt).


    Bei einem Kritikgespräch wie diesem geht es aber eh um Leistungsbeurteilung und Entwicklung im Betrieb, der Anspruch ist damit erfüllt.


    Der AG hat also schon beim Thema gelogen, und dann hat er zusätzlich den BR außen vor gehalten.


    Und das bringt mich wieder hierzu:

    (...) kann und darf man eine Störung der BR-Tätigkeit annehmen. Das wäre auch justiziabel.

    Also: Verstoß des AG feststellen, im Wiederholungsfall mit Klage drohen.


    Die AN muss man informieren und instruieren, in so einem Fall das Gespräch sofort abzubrechen und erst fortzuführen, wenn das BRM anwesend ist.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    Einmal editiert, zuletzt von Pfried () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Fried mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • im Wiederholungsfall mit Klage drohen.

    Ich finde immer, wenn man dem AG mit Klage droht, ist der Ärger vorprogrammiert. Vielleicht sollte man es immer erst auf die sanfte Tour beginnen, und dann irgendwann dem AG erklären, dass man gar nicht mehr anders kann, als gerichtliche Wege zu beschreiten

    "Das Gras wächst nicht schneller wenn man dran zieht."

    "Immer Sonne ist Wüste"

    BRV,9er Gremium,kein Tarif

  • Agassi0 , ich schrieb ja nicht, "jetzt gleich mit Klage drohen", sondern "im Wiederholungsfall mit Klage drohen."


    Generell empfiehlt man bei Verstößen des AG gg die Rechte des BR den Dreischritt:


    Beim erstmaligen Verstoß ein freundliches Schreiben mit der Feststellung des Verstoßes und der Bitte, den BR künftig zu beachten. Beim zweitmaligen oder andauernden Verstoß ein Schreiben mit Feststellung des Fortdauern des Verstoßes und der konkreten Ankündigung rechtlicher Schritte. Beim drittmaligen oder weiter andauernden Verstoß leitet man diese Schritte dann ein (Beauftragung anwaltlicher Vertretung zur Einreichung einer Klage).

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    Einmal editiert, zuletzt von Pfried ()