IT-Ausfall am Standort, Verrechnung des Heimwegs zum Wechsel ins Mobile Arbeiten

  • Rückmeldung von HR, dass das ja der normale Heimweg sei und daher nicht zu vergüten.

    nach dem "normalen Heimweg" ist Feierabend - danach arbeitet man nicht mehr.

    Wenn überhaupt war das ein Wechsel der Arbeitsstätte bedingt durch einen Grund, den der AG zu verantworten hat (die MA sind ja nicht auf eigenen Wunsch nach Hause gefahren)

    --> dann war das maximal eine Arbeitsunterbrechung (Pause kann ja nicht, der MA konnte ja nicht wählen was er macht, die Heimfahrt war ja arbeitsbedingt notwendig)

    --> könnte ein Dienstgang / Dienstreise gewesen sein ;)


    bei uns wird so etwas bezahlt oder die MA verbleiben im Büro und spitzen Kugelschreiber an

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • bei uns wird so etwas bezahlt oder die MA verbleiben im Büro und spitzen Kugelschreiber an

    Genau dies haben auch zwei Mitarbeiter gemacht, die nicht von daheim arbeiten konnten. :D

    Jetzt haben wir zwei unterschiedliche Meinungen und ich finde im Internet nur "die einen sagen so, die anderen sagen so".


    Wenn ich mal so wühle komme ich mir vor als würde ich eine ganz neue Welt erforschen von Reisezeit, Wegzeit, Arbeitszeit und Arbeitszeit, aus der kein Vergütungsanspruch entstehen muss. (watt?)

    Dienstreise / 4 Dienstreisen und Arbeitszeit | Haufe Personal Office Platin | Personal | Haufe
    Gemäß § 2 Abs. 1 ArbZG ist Arbeitszeit die Zeit vom Beginn bis zum Ende der Arbeit ohne die Ruhepausen. Grundsätzlich zählt die gewöhnliche Wegezeit von der…
    www.haufe.de


    Zitat

    Nach der sog. Beanspruchungstheorie des BAG sind Wegezeiten immer dann Arbeitszeit, wenn der Arbeitnehmer während dieser Zeiten in einem Umfang fremdbestimmt im überwiegenden Interesse des Arbeitgebers beansprucht wird, der eine Einordnung als Arbeitszeit erfordert.

    Hier wäre der Arbeitgeber dann raus. Es gab keinerlei Vorgaben zum Arbeitsweg und die Leute waren auch teilweise zwischendurch einkaufen und sowas, was für Ruhezeit spricht.


    Daher bleibt es wohl bei "schön doof, dass ihr das gemacht habt".

    Fallere me possum solus - wie wir Lateiner sagen. 3er Betriebsrat, BRV, kein Tarif.

  • die Leute waren auch teilweise zwischendurch einkaufen

    ok, da passt natürlich "schön doof" ganz gut :S bei denen ist das natürlich schwierig zu argumentieren, weil zumindestens das Einkaufen privat war.

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • da bleibt als Fazit dann halt, dass zukünftig alle


    MA verbleiben im Büro und spitzen Kugelschreiber an

    machen.


    Ich sehe aber immer noch die Anweisung des AG nach Hause zu fahren und von dort zu arbeiten, daher bin ich immer noch der Meinung, dass es sich um Arbeitszeit handelt.

    Nicht die Dinge sind positiv oder negativ, sondern unsere Einstellung macht sie so. (Epiktet, gr. Philosoph)

  • Ich würde das in der nächsten Betriebsversammlung thematisieren und (bestenfalls durch einen externen Referenten) erklären lassen, was Annahmeverzug bedeutet, welche Regeln dabei einzuhalten sind, was die MA tun müssen - und was nicht.

    Der Fehler des kostenlosen Arbeitens sollte allen nur einmal passieren.

  • Ich würde das in der nächsten Betriebsversammlung thematisieren und (bestenfalls durch einen externen Referenten) erklären lassen, was Annahmeverzug bedeutet, welche Regeln dabei einzuhalten sind, was die MA tun müssen - und was nicht.

    Der Fehler des kostenlosen Arbeitens sollte allen nur einmal passieren.

    Definitiv. Es wird ja sicherlich auch was sinnstiftendes geben, was man in der Zeit machen kann, Qualitätsmaßnahme oder so.

    Fallere me possum solus - wie wir Lateiner sagen. 3er Betriebsrat, BRV, kein Tarif.

  • Hier wäre der Arbeitgeber dann raus.

    Nein. Der AG hat die AN während ihrer ArbZ explizit zum HO nach Hause beordert, die Reise war also fremdbestimmt. Wenn das Einkaufen etc nicht 50% oder mehr der Zeit beansprucht hat, überwog auch das Interesse des AG.


    Aber wo nicht geklagt wird, wird nicht gerichtet.


    Wenn der AG allerdings sagt, das war keine ArbZ, dann würde ich als BR wg Verstoßes gg die Mitbestimmung vorgehen, denn das wäre ja dann entgegen § 87 (1) 2+3 BetrVG eine einseitige Änderung des AG gewesen...

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Nein. Der AG hat die AN während ihrer ArbZ explizit zum HO nach Hause beordert, die Reise war also fremdbestimmt. Wenn das Einkaufen etc nicht 50% oder mehr der Zeit beansprucht hat, überwog auch das Interesse des AG.

    Der Meinung würde sich die BG bei der Meldung eines Wegeunfalls sicher nicht anschließen.
    Glücklicherweise haben wir diesen Zusatzpunkt bisher nicht.


    Der IT Ausfall ist also kein außergewöhnliches Ereignis?
    Wenn der Weg ins Mobile Arbeiten angeordnet worden ist, würde ich das nur als Dienstreise ansehen aber nicht als Arbeitszeit.
    Versicherungstechnisch ist das nächste Problem das ja einige noch private Dinge erledigt haben.
    Arbeitszeit ist dann erst wieder das Arbeiten im Mobilen Arbeiten.

    Auf jeden Falls sollte der Fall dringend in einer Protokollnotiz zur BV geregelt werden. Und zwar am besten vor dem nächsten IT Systemausfall.

    Ist der Fall das die Netzwerkverbindung bzw. andere Gründe das Arbeiten im Mobilen Arbeiten nicht möglich machen in der BV geregelt? Also ab welchem Zeitpunkt nach einem Ausfall man in die Firma kommen muss? Weil auch das und den dann notwenigen Weg sollte man ja klar regeln.

    Bevor wir einfache oder komplizierte Gesetzen/Verordnungen erlassen sollten wir es vielleicht mit etwas einfachen wie Hochdeutsch versuchen :)

    Einmal editiert, zuletzt von suppenkasper () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von suppenkasper mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Der IT Ausfall ist also kein außergewöhnliches Ereignis?

    Doch doch, sonst wäre wir routinierter.


    Ist der Fall das die Netzwerkverbindung bzw. andere Gründe das Arbeiten im Mobilen Arbeiten nicht möglich machen in der BV geregelt? Also ab welchem Zeitpunkt nach einem Ausfall man in die Firma kommen muss? Weil auch das und den dann notwenigen Weg sollte man ja klar regeln.

    Die BV ist da recht luftig. Es ist definiert, dass die Führungskraft den MA zum nächsten Werktag ins Büro zurückzitieren kann und "in Ausnahmefällen" auch untertätig die Weisung erfolgen kann, nicht näher definiert. Bisher haben wir das so gesehen, dass der MA bei einem technischen Ausfall die Voraussetzungen nicht mehr erfüllt und daher an den Arbeitsplatz zurückzukehren hat.


    Die BV haben wir geerbt und auch kein Mandat gesehen daran zu rütteln, weil die MA Bedenken haben, das Mobile Arbeiten an sich aufs Spiel zu setzen, sollten wir sie kündigen.

    Fallere me possum solus - wie wir Lateiner sagen. 3er Betriebsrat, BRV, kein Tarif.

  • Der Meinung würde sich die BG bei der Meldung eines Wegeunfalls sicher nicht anschließen.

    Richtig, aber irrelevant. Wir reden vom Vergütungsrecht, nicht vom SGB VII.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Richtig, aber irrelevant. Wir reden vom Vergütungsrecht, nicht vom SGB VII.

    Aber ein Aspekt welchen man betrachten muss ist das private Einkaufen. Das ist nämlich auch für die Vergütung und Arbeitszeitbetrachtung durchaus relevant.

    Bevor wir einfache oder komplizierte Gesetzen/Verordnungen erlassen sollten wir es vielleicht mit etwas einfachen wie Hochdeutsch versuchen :)

  • Wenn der Weg ins Mobile Arbeiten angeordnet worden ist, würde ich das nur als Dienstreise ansehen aber nicht als Arbeitszeit.

    Das änderte nichts: Eine Dienstreise, die während der ArbZ absolviert wird, ist zu vergüten.

    Aber ein Aspekt welchen man betrachten muss ist das private Einkaufen. Das ist nämlich auch für die Vergütung und Arbeitszeitbetrachtung durchaus relevant.

    Ja, die Zeit ist als Pause zu betrachten und abzuziehen. Aber die Heimfahrt per se ist zu vergüten.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Ungeachtet der Rechtslage sehe ich diesen Fall als typisch an, wie ein kleinkarierter Bilanzwi***er beim Versuch den Cent zu sparen den Euro in den Sand setzt. Vielleicht ist es den einen oder anderen zu doof, ihre Vergütung einzuklagen und die HR freut sich erst mal über jeden, den sie über den Tisch gezogen haben. Aber sobald der nächste, übernächste und drittnächste Ausfall ansteht, werden sich die MA an diese Art der Wertschätzung erinnern und wirklich lieber die Kugelschreiber anspitzen oder die Briketts waschen. Von den Auswirkungen auf die Motivation und die Leistungsbereitschaft mal zu schweigen.


    Es gibt eine schöne realsatirische Buchreihe von Martin Wehrle: Ich arbeite in einem Irrenhaus. Bisher sind 2 Bände erschienen. Dort werden auch Fälle beschrieben, die von Lesern eingesandt wurden. Ich würde mich nicht wundern, wenn dieser Fall in Teil 3 ausführlich beleuchtet wird. :evil:

    Für einen Betriebsrat gilt: Lobt dich der Gegner, ist das bedenklich. Schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg. (August Bebel)

  • Als BR würde ich zwei Wege einschlagen. Einmal den AG im Gespräch auf das stoßen, was er motivationstechnisch mit den AN macht:

    Aber sobald der nächste, übernächste und drittnächste Ausfall ansteht, werden sich die MA an diese Art der Wertschätzung erinnern und wirklich lieber die Kugelschreiber anspitzen oder die Briketts waschen.

    Und ihn, wenn das nicht fruchtet, hierauf hinweisen:

    Wenn der AG allerdings sagt, das war keine ArbZ, dann würde ich als BR wg Verstoßes gg die Mitbestimmung vorgehen, denn das wäre ja dann entgegen § 87 (1) 2+3 BetrVG eine einseitige Änderung des AG gewesen...

    Beim nächsten Mal: Klage.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Rückmeldung von HR, dass das ja der normale Heimweg sei und daher nicht zu vergüten. Da sind wir wieder am Anfang.


    Schließe mich an, dass dann Arbeitsschluss ist (Normaler Arbeitstag da Annahmeverzug) und nachfolgende Arbeit war dann aber noch + zu schreibende Überstunden.

    Mal dem HR das sagen?

  • War gesundheitsbedingt ein paar Wochen raus, wollte euch aber trotzdem nicht das Ende der Geschichte vorenthalten. Im Endeffekt sind wir uns einige geworden und niemand ist an dem Tag mit Minus rausgegangen.

    Fallere me possum solus - wie wir Lateiner sagen. 3er Betriebsrat, BRV, kein Tarif.