IT-Ausfall am Standort, Verrechnung des Heimwegs zum Wechsel ins Mobile Arbeiten

  • Wir hatten kürzlich einen IT-Ausfall am Standort. Für die "Verbleibenden" ist es ja ganz klar, sie haben ihre Arbeitskraft angeboten und die Stunden wurden auch für die Zeit des Ausfalls gutgeschrieben.


    Nun haben wir einen Teil der Belegschaft, der für Mobiles Arbeiten ausgestattet ist und entsprechend den Weg ins heimische Büro angetreten haben um dort weiterzuarbeiten. Dadurch sind teilweise anderthalb Stunden verlorengegangen, mit denen die Personen nun im Minus sind.


    Wie ist diese Wegstrecke zu werten? Ist es wie beim Arbeitsweg persönliches Schicksal, wenn man so weit weg wohnt oder gelten dort andere Rahmenbedingungen?


    Unsere BV sieht eine Anordnung vom Mobilen Arbeiten nicht vor außer bei außergewöhnlichen Ereignissen wie Hausbrand, Bombendrohung, etc.

    Fallere me possum solus - wie wir Lateiner sagen. 3er Betriebsrat, BRV, kein Tarif.

  • Wenn es nicht die Möglichkeit der Anordnung von mobilem Arbeiten gibt, dann war die Fahrt nach Hause entweder "dumm" oder sie muss vergütet werden. Euer AG kann sich ziemlich sicher sein, dass das zumindest das allerletzte Mal war, dass jemand spaßeshalber nach Hause gefahren ist, um dort weiterzuarbeiten, obwohl er das nicht müsste.

  • dann war die Fahrt nach Hause entweder "dumm"

    Das sehe nicht hier nun gar nicht, denn man hätte so oder so nach Hause fahren müssen, da das IT-System ja ausgefallen war.

    Es bleibt nur zu Regeln, wie wird mit der Zeit, für den Heimweg umgegangen.


    Bei IT-Systemen ist immer mal mit Ausfällen zu rechnen, daher solltet ihr eure BV gemeinsam mit dem AG einvernehmlich anpassen.

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  • Ausfälle der IT sind unternehmerisches Risiko des AG. Und so lange mir freisteht, nach der Arbeit nach Hause zu fahren oder mich vor dem Tor zu betrinken, ist das auch mein Privatvergnügen. Wenn mich der AG aber irgendwo hinschickt, damit ich dort arbeiten kann, ist das eine Dienstreise.

  • Ich sehe hier keinen Anspruch auf Fahrtkosten und/oder Fahrzeitersatz.


    Der Mitarbeiter hat sich an dem Tag für einen "Bürotag" entschieden. Zu dem gehört die Anfahrt und Rückfahrt in der Freizeit.

    Ob die nun Abends oder nach 30 Minuten erfolgt ist ja grundsätzlich mal unerheblich.


    Der Mitarbeiter war jetzt sehr arbeitgeberfreundlich. Er hätte auch einfach den Tag im Büro abwarten können um die Spinnweben hinter der Heizung zu zählen. Hat er aber nicht, er ist nach Hause gefahren (wie gesagt eine Fahrt die er eh an dem Tag hätte machen müssen) und hat dort im Homeoffice gearbeitet. Nett von ihm.

    Die Zeit im Homeoffice ist dann natürlich wieder Arbeitszeit.


    ich schließe mich aber Der Nordfriese, vielleicht eure BV überarbeiten und hierzu eine Regelung finden.

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  • Ich würde das erstmal mit dem AG besprechen im Sinne von:

    "Hörmalzu, die Kolleginnen und Kollegen sind nach Hause gefahren obwohl sie genausogut hier an ihrem Arbeitsplatz hätten bleiben können. Wir denken, dass solltest Du positiv anerkennen und zumindest die Fahrtzeit aus Arbeitszeit anerkennen.

    Das zeigt dann Deine Wertschätzung gegenüber denen. Was meinst du?"

    Mehr km sind ja nicht angefallen und wenn ihr einen einigermaßen denkfähigen Arbeitgeber habt...ok gebe zu, findet man selten...sollte der das einsehen und ziemlich schnell verstehen.

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  • Das sehe nicht hier nun gar nicht, denn man hätte so oder so nach Hause fahren müssen, da das IT-System ja ausgefallen war.

    Nein. Stichwort "Annahmeverzug".

    Wie ist diese Wegstrecke zu werten?

    Das kommt m.E. darauf an, wie die ArbZ-Regelung ist. Wenn die Heimfahrt während der verbindlichen ArbZ (lt DP) war, ist sie zu vergüten. Wenn nicht, nicht.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Hallo Fried,

    dass die Arbeitszeit voll zu vergüten ist, war für mich klar.

    Hier geht es im den Heimweg, ob da die Zeit für die Wegstrecke gut zu schreiben ist, so habe ich jedenfalls die Eingangsfrage verstanden.

    Da bin ich nach wie vor der Meinung, das die Zeit für die Heimfahrt eh angefallen wäre, nämlich bei normalen Arbeitsende.

    Wenn nun die Arbeit im HO wieder aufgenommen wird, muss man halt mit dem AG klären, dass dann die Zeit für die Wegstrecke ins HO ebenfalls zu vergüten wäre und dann ggf. die BV anpassen.

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  • Das kommt m.E. darauf an, wie die ArbZ-Regelung ist. Wenn die Heimfahrt während der verbindlichen ArbZ (lt DP) war, ist sie zu vergüten. Wenn nicht, nicht.

    Der Transfer fand während der geplanten Schicht statt.

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  • ich würde die Fahrtzeit vom (defekten) Büro ins funktionierende Homeoffice als Arbeitszeit sehen.

    Aus meiner Sicht ist der AG komplett im Annahmeverzug aufgrund des Ausfalls der IT, nun hatten aber einige MA die Möglichkeit aus dem Homeoffice zu arbeiten und haben dies dem AG angeboten ("Du Chef ich kann ja mal probieren ob ich von daheim aus arbeiten kann" auch wenn das so die wenigsten wohl wirklich gesagt haben). Von daher würde ich die Fahrtzeit nicht als Fahrtzeit um nach Feierabend wieder nach Hause zu kommen sehen, sondern als Rüstzeit um den nächsten funktionierenden Arbeitsplatz zu erreichen.

  • Von daher würde ich die Fahrtzeit nicht als Fahrtzeit um nach Feierabend wieder nach Hause zu kommen sehen, sondern als Rüstzeit um den nächsten funktionierenden Arbeitsplatz zu erreichen.

    Das ist ein sehr guter Einwand. Nehmen wir mal an, es gäbe in näherer Umgebung einen weiteren Standort, von dem aus die Weiterführung der Arbeit möglich wäre. Dann hätte sich die Frage nach Bezahlung der Anfahrtzeit vermutlich gar nicht gestellt.

    Die MA hätten auch sagen können: "Na so was, der Server ist kaputt. Da können wir nichts machen. Wenn er wieder läuft, könnt ihr uns in der Eisdiele anrufen." Auch da hätte der AG seinen Annahmeverzug hinnehmen müssen. Stattdessen hat er aber MA, die sagen: "Kein Problem, das kann ich auch im Homeoffice machen." Da wäre es wohl das Mindeste, wenn der AG die Anfahrtzeit vergütet und eine kleine Anerkennung springen lässt, ob BV zu mobilem Arbeiten existiert oder nicht.


    Dadurch sind teilweise anderthalb Stunden verlorengegangen, mit denen die Personen nun im Minus sind.

    Ist das eine theoretische Annahme oder die Ansicht des AG?

    Für einen Betriebsrat gilt: Lobt dich der Gegner, ist das bedenklich. Schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg. (August Bebel)

  • Arbeitszeit ist die Zeit von Anfang bis Ende mit Ausnahme der Pausen. so sagt es das Arbeitszeit-G.

    Als morgens war der Beginn bis zum Ausfall. Die Rückfahrt war dann was?

    Pause? wohl kaum.

    Vorgezogene Rückreise? dann hätte ich aber die Ruhezeit bis zum wieder Anfang gebraucht.

    Also muss es doch AZ gewesen sein. ;)

    Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt, sei wachsam

    Reinhard Mey

  • Wegen der 1,5 Stunden (was für einen einfachen Fahrtweg schon unangenehm lange ist) würde ich vermutlich kein Gerichtsverfahren anstrengen. Aber es wäre definitv das letzte Mal, dass ich dem AG derartig entgegen komme.

    Selbst bei Mindestlohn sind das 18 Euro - völlig ausreichend für eine anständige Portion Eis und einen Milchshake (Ok, nächstes Jahr vermutlich nur noch zwei Kugeln Eis), um die Zeit bis zum regulären Arbeitsende zu überbrücken.

    Beim rechtlichen Anspruch bin ich mir - insbesondere nachträglich - nicht ganz sicher (aber ausreichend überzeugt von der Zahlungspflicht).

  • Ist das eine theoretische Annahme oder die Ansicht des AG?

    Das ist die "schwebende Sicht" des Arbeitgebers. Also so wie es jetzt in der Zeiterfassung steht. Beim Verlassen des Standorts auf Abwesend gesetzt, bei der Arbeitsaufnahme im Mobilen Arbeiten wieder auf Anwesend gesetzt. Resultat - Loch entsprechend der Fahrtzeit.


    Die Kommunikation dazu war wohl, das alle bis Schichtende X in den Feierabend gehen sollen und alle danach ins Mobile Arbeiten gehen sollen. Die erste Gruppe wird bisherigem Stand nach ausgeglichen, das war auch unter einer Stunde. Über die zweite Gruppe sind wir mit dem AG jetzt im Gespräch.


    Wegen der 1,5 Stunden (was für einen einfachen Fahrtweg schon unangenehm lange ist) würde ich vermutlich kein Gerichtsverfahren anstrengen. Aber es wäre definitv das letzte Mal, dass ich dem AG derartig entgegen komme.

    Ja. Die Kollegen sitzen alle nicht gerne untätig rum aber einen schalen Beigeschmack hat es schon.

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    Einmal editiert, zuletzt von HankHardware () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von HankHardware mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Die Kommunikation dazu war wohl, das (...) alle danach ins Mobile Arbeiten gehen sollen.

    Die Fahrt ins Mobile Arbeiten war also nicht nur während der ArbZ, sie wurde auch noch vom AG explizit angewiesen!?


    Mir fällt wahrlich kein Grund ein, warum der AG da nicht vergütungspflichtig sein sollte.

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  • Mir fällt wahrlich kein Grund ein, warum der AG da nicht vergütungspflichtig sein sollte.

    jetzt bin ich auch definitiv bei Dir, ohne die Anweisung war ich eher bei muss man verhandeln.

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  • Die Fahrt ins Mobile Arbeiten war also nicht nur während der ArbZ, sie wurde auch noch vom AG explizit angewiesen!?


    Mir fällt wahrlich kein Grund ein, warum der AG da nicht vergütungspflichtig sein sollte

    Dann bin ich auch dabei, dass das zu vergüten ist.

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  • Danke für eure Rückmeldungen, die Argumentation hat meinem Eindruck nach verfangen.

    Jetzt das große Nachrechnen, weil die Leute nicht alle vernünftig gleich digital Anwesenheit gemeldet haben. 8o

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  • Okay, Kommando zurück. Rückmeldung von HR, dass das ja der normale Heimweg sei und daher nicht zu vergüten. Da sind wir wieder am Anfang.

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