Ablehnung von Urlaub

  • Hallo zusammen,

    eine Kollegin kam heute auf mich zu, da ihr Urlaub abgelehnt wurde. Die Situation stellt sich wie folgt dar:

    Die beiden Mitarbeiterinnen vertreten sich gegenseitig im Krankheits- oder Urlaubsfall. Kollegin 1 hat ein Kind und kann deswegen im Sommer nur dann Urlaub nehmen, wenn die Kita schließt, da sie ansonsten keine Betreuung hätte. Das sind die letzten drei Wochen der Sommerferien.

    Der Mann von Kollegin 2 ist Erzieher und hat eine neue Stelle angetreten. Bei dieser hat die Kita blöderweise genau in den letzten drei Wochen der Sommerferien geschlossen. Somit kann sie mit ihren Mann nur in dieser Zeit verreisen, bekommt aber vom AG keinen Urlaub genehmigt, da Kollegin 1 mit dem Kind Vorrang hätte.

    Grundsätzlich verstehe ich den Gedanken hinter der Regelung, allerdings wird hierbei Kollegin 2 der Urlaub mit ihrem Man dauerhaft verbaut, was ebenfalls nicht hinnehmbar ist.

    Meine Meinung: Der AG muss eine Vertretungslösung finden. Hier besteht allerdings das Problem, dass in der Abteilung nur die beiden Kolleginnen arbeiten (Wareneinkauf) und eine andere Person erst aufwändig eingearbeitet werden müsste.

    Wie seht ihr das? Ich konnte weder in unserem Manteltarifvertrag noch im BetrVG etwas dazu finden. Ich kann aber auch einfach nur nicht richtig gesucht haben.

    Liebe Grüße

    Ranzi

  • wann hat der Mann denn den Job gewechselt und wann hat die andere Kollegin ihren Urlaub beantragt?

    Wieso ist die Einarbeitung einer Vertretung für 3 Wochen denn so aufwändig?


    Grundsätzlich haben Eltern mit Kindern, die noch auf die Ferienzeit angewiesen sind Vorrang aber das halt kein "Freibrief".

    Nicht die Dinge sind positiv oder negativ, sondern unsere Einstellung macht sie so. (Epiktet, gr. Philosoph)

  • wann hat der Mann denn den Job gewechselt und wann hat die andere Kollegin ihren Urlaub beantragt?

    Wieso ist die Einarbeitung einer Vertretung für 3 Wochen denn so aufwändig?

    Der Mann hat den Job irgendwann Anfang des Jahres gewechselt. DIe Urlaubsplanung für das Jahr 2023 ist bei uns aber schon im Herbst abgeschlossen. Für dieses Jahr hat sie auch Verständnis, nur möchte sie verständlicherweise nicht jedes Jahr auf den Urlaub mit ihrem Mann verzichten.

    Die Einarbeitung ist insofern aufwändig, weil es keinen im Haus gibt, der das Know How hat und entbehrlich ist. Für drei Wochen pro Jahr in ein komplexes und abteilungsfremdes Themengebiet eingearbeitet zu werden, ist eben nicht ganz einfach.

  • Ich konnte weder in unserem Manteltarifvertrag noch im BetrVG etwas dazu finden.

    Geregelt werden Urlaubsgrundsätze in einer BV nach § 87/1/5


    Meine Meinung: Der AG muss eine Vertretungslösung finden.

    Sehe ich auch so. Euer AG hat den Fehler gemacht und Euren Einkauf unterbesetzt. Wenn 2 ausfallen läuft der Laden nicht mehr? Das geht nicht. Hier sollte er mehr Mitarbeiter schulen.

    Was ist denn wenn beide AU werden?

    Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt, sei wachsam

    Reinhard Mey

  • naja es gibt ja mehr als nur die Sommerferien also ist die Einarbeitung ggfls. auch für mehr Zeit.

    Und wenn jetzt bis nächstes Jahr eine Lösung herbei soll also dann muss das ein AG abkönnen.

    Nicht die Dinge sind positiv oder negativ, sondern unsere Einstellung macht sie so. (Epiktet, gr. Philosoph)

  • Das Problem mit den überschneidenden Ferien ist ja ein absehbares und auch langfristiges Problem: Die Mutter wird noch mehrere Jahre die Betreuung in den Ferien sicherstellen müssen und der Mann der Kollegin bestenfalls auch mehrere Jahre in seinem Job bleiben. Neben den Sommerferien überschneiden sich ggf. ja auch weitere Ferien.

    Es ist also nicht so, dass man jetzt eine Stellvertretung für einmalig drei Wochen finden müsste sondern eine langfristige Lösung für mehrere Jahre. Der Aufwand verliert da schnell an Relevanz und ist meines Erachtens für den AG zumutbar.

    Eine (zentrale?) Abteilung mit nur zwei Personen sollte entweder mit drei Wochen Pause leben können oder aber besser besetzt werden. Vielleicht kann man Überschneidungen mit anderen kaufmännischen Bereichen finden, bei denen dann eine gegenseitige Aushilfe möglich ist.

  • ist das den jedes Jahr so, das beide Kita´s gleichzeitig geschlossen haben?


    oder ist es dieselbe Kita?

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • Abseits aller sehr vernünftigen Einlassungen zum Thema der Einarbeitung mind. einer dritten Kollegin oder eines dritten Kollegen noch ein paar Gedanken zu den kollidierenen Urlaubswünschen für den Sommer:

    ... da Kollegin 1 mit dem Kind Vorrang hätte.

    Habt ihr eine BV, welche diesen Vorrang nebst anderen regelt? Denn auf Dauer dürfte es auch kaum durchsetzbar sein, dass Kollegen ohne Kinder _immer_ zurückstehen müssen in den Ferien ....


    Ansonsten geht es doch hier nur um drei Wochen, oder?

    ... die letzten drei Wochen der Sommerferien.

    Die Sommerferien haben aber i.d.R. sechs Wochen.

    Dass die beiden Kolleginnen immer dieselben drei Wochen kollidieren, ist doch eher unwahrscheinlich, oder? Der Mann kann ja in seinem neuen Job im nächsten Jahr sicher auch besser wählen als jetzt "als Neuer" ... es mag also für dieses Jahr zu so einer Kollision kommen und das Ehepaar muss u.U. diesmal zurückstehen, aber ein dauerhaftes Problem sehe ich eigentlich bisher nicht.


    Und für dieses Jahr ist noch eine Antwort offen:

    wann hat der Mann denn den Job gewechselt und wann hat die andere Kollegin ihren Urlaub beantragt?

    Wenn die Urlaube für 2023 bereits besprochen und genehmigt waren, als der Mann den Job gewechselt hat, dann ist es eine Folge des Jobwechselsund wurde mit diesem in Kauf genommen, dass das Paar halt diesmal nicht zusammen Urlaub nehmen kann - denn die Mutter mit dem kleinen Kind wird ja kaum vom bereits genehmigten Urlaub zurücktreten sollen, oder?


    Und nächstes Jahr gibt es dann ja wieder zweimal drei Wochen in den Sommerferien ......

    Man wird alt wie ein Haus und lernt doch nie aus.

  • Hallo,


    wenn eine der Betroffenen das will, ist der BR ja auch im Einzelfall in der Mitbestimmung gem. § 87 Abs. 1 Nr. 5 BetrVG

    § 87 BetrVG - Einzelnorm


    Und ich sehe keinen grundsätzlichen Vorrang für eine der betroffenen ANinnen. Deswegen sollte der BR hier ggü. dem AG klar vertreten und verlangen, daß eine Lösung gefunden wird, die grundsätzlich beiden Betroffenen in der fraglichen Zeit einen Urlaubsanspruch einräumt - sei es durch alternierenden wechsel, sei es durch eine zusätzliche Vertretung. Eine zusätzliche Vertretung kann für den AG von Vorteil sein - oder wird keine Ware eingekauft, wenn beide gleichzeitig krank sind oder sonstwie "ausfallen"?

  • Hi,

    fordert den Arbeitgeber zu Verhandlungen nach § 87 (1) 5 auf. Dort solltet ihr erstmal das grundsätzliche regeln.

    Gibt diverse Regelungsbeispiele, unter anderem von der Hans-Böckler-Stiftung: https://www.boeckler.de/fpdf/H…laubsgrundsaetze_2015.pdf


    Dabei kann man den Arbeitgeber auch schon mal darauf hinweisen, dass eine dritte Person als Aushilfe benötigt wird, da ansonsten jedes Jahr ein Einigungsstellenverfahren notwendig ist, was deutlich teurer ist als eine Person einzuarbeiten.