Betriebsratswahl durchgeführt - jetzt kommen die Konsequenzen für die Organisatoren

  • Hallo zusammen,


    ich bin gerade etwas ratlos und frustriert. Wir haben zu fünft in einer Genossenschaft einen Betriebsrat ( rund 75 Mitarbeiter an diesem Standort) gegründet. Uns war bewusst, dass es ein heißes Eisen ist und wir mit Konsequenzen rechnen müssen. Der Betriebsrat ist jetzt gegründet, wir sind aber alle 5 nicht reingewählt worden weil, wundersamerweise, auf einmal genug Kanditaten vorhanden waren und durch den Stimmenklau nicht genügend Stimmen auf uns fielen. Das war in dieser Art nach den Vorgesprächen nicht zu erwarten gewesen. Wir hatten damit gerechnet, dass zumindest ein oder zwei von uns reinkommen.


    Fakt ist, der Betriebsrat ist da, aber wir stehen nun auf der Abschussliste vom Chef. Wir waren alle im Wahlvorstand und haben noch bis November Kündigungsschutz.


    Nun gehen die Schikanen los: Dem einen wird das Vertrauen entzogen und nahegelegt zu kündigen, anderen Kollegen werde die Reisekosten angezweifelt, ich werde von internen Veranstaltungen ausgeladen, Projekte auf andere Personen verlagert, die Teamleiter machen Druck auf die Kollegen mit Anweisungen zu Themen die vorher und auch bei anderen nie ein Problem waren oder sind. Dazu kommen noch Rufschädigung und Verleumdung. Das ist erst der Anfang. Alles sehr subtil und wenig nachweisbar.


    Diesen Betriebsrat zu installieren hat uns alle viel Kraft gekostet aber der Zermürbungskrieg seitens unseres Chefs geht nun erst los. Der sinnt auf Rache, weil er die Wahl als Angriff auf sich persönlich empfindet und sein Ego schwer getroffen ist.

    Meine Frage: Wie gehen wir damit um? Gibt es jemanden an den wir uns wenden können oder vielleicht ein spezielles Forum wo man sich austauschen kann?


    Vielen Dank schon mal.


    PS Ich habe den neuen Betriebsrat schon mal informiert, aber die müssen sich erst konsolidieren und die Schulungen machen. Abgesehen davon weiss ich nicht, inwieweit die nicht doch am Rockzipfel vom Chef hängen nach dem was passiert ist.

  • Mein zentraler Rat: Nehmt euch (je) einen Anwalt und beratet das weitere Vorgehen. Es läuft ja offenbar auf eine Kündigung hinaus und je früher man mit der Gegenwehr anfängt, desto besser die Chancen auf einen anderen Ausgang.

    (Mobbingtagebuch, Protokolle, schriftliche Kommunikation, usw.)

    Stimmenklau

    Stimmen kann man ja nicht so einfach "klauen". Ich vermute erst mal, dass die Wahl nicht angefochten wurde/wird und damit die fünf anderen Kandidierenden völlig legitim und demokratisch ins Amt gewählt wurden - zumindest was die beweisbare Situation angeht. Theoretisch könnt ihr euch jetzt an den BR wenden und der ist dann zum Handeln verpflichtet. Ist er vom AG installiert könnt ihr über einen Pflichtverstoß die Auflösung erwirken und neu wählen lassen. Das hatte beim letzten Mal aber ja eher wenig Erfolg. Sitzen da aber 5 "von den Guten", dann könnt ihr dem Chef gemeinsam Einhalt gebieten. Aber letztlich bleibe ich bei der Empfehlung: Nehmt euch einen Anwalt - schon jetzt.

    (Und noch etwas dringender: umgehend eine Rechtschutzversicherung mit Arbeitsrecht abschließen - oder in die Gewerkschaft eintreten und darüber Rechtschutz bekommen!)

  • Tobias hat zwar eine gute Antwort gegeben, aber ich möchte trotzdem den Alternativweg aufzeigen, den ich vermutlich selbst gehen würde. Grundregel: Niemals etwas anmerken lassen, damit wertet man den Gegner nur auf ("so dick ist mein Arsch nun auch wieder nicht, als dass mir diese Faxen nicht meilenweit daran vorbei gehen würden...")

    Ich nehme an, dass bei euch jeder jeden kennt und Ursache und Wirkung in Zusammenhang bringen kann. Sei zu den Kollegen je nach Sympathie freundlich oder korrekt. Sie werden sich ihren Teil schon denken, besonders wenn alle 5 Initiatoren betroffen sind, statt dass der AG -noch perfider- sich einen "Rädelsführer" herauspickt und die anderen als Mitläufer darstellt.

    Dem einen wird das Vertrauen entzogen und nahegelegt zu kündigen

    Och wissen Sie, eigentlich interessiert mich nur Ihr Geld, von Ihrem Vertrauen kann ich keine Rechnungen bezahlen. Aber kündigen? Nein, was ich mir hier rausnehme, könnte ich mir in keiner vernüftigen Firma leisten. (Letzteren Satz habe ich tatsächlich mal zu meinem Chef gesagt, der Anblick entgleisender Gesichtszüge war Gold wert). ^^


    anderen Kollegen werde die Reisekosten angezweifelt

    Bei der nächsten angeordneten Dienstreise: was, ich soll reisen? Haben Sie niemand vertrauenswürdigeren gefunden? Das wird den Kollegen aber zu schaffen machen, dass sie scheinbar noch weniger vertrauenswürdig sind als ich...

    ich werde von internen Veranstaltungen ausgeladen, Projekte auf andere Personen verlagert

    Prima, dann habe ich weniger zu tun und erspare mir das blabla auf den Meetings. Kann ich heute früher Feierabend machen?


    die Teamleiter machen Druck auf die Kollegen mit Anweisungen zu Themen die vorher und auch bei anderen nie ein Problem waren oder sind.

    Das finde ich nett, dass Sie mir die Arbeit so gründlich erklären. Sie wissen ja, dass ich oft gelangweilt bin und an interessantere Dinge denke. Aber sagen Sie doch mal, ob die Schraube rechts oder links herum zu geht, das vergesse ich immer wieder...

    Dazu kommen noch Rufschädigung und Verleumdung

    Solange es harmlos ist: Bestätigen und durch Übertreibung ins Lächerliche ziehen. "Nein, ich habe kein Alkoholproblem. Wenn ich kiffe, trinke ich keinen Tropfen!" Wirklich gerichtlich wehren würde ich mich nur, wenn strafrechtlich relevante Behauptungen aufgestellt werden und Zeugen das bestätigen können. Ansonsten nach dem Motto: "Was stört es den Mond, wenn der Hund ihn ankläfft." Wenn du Ärger zeigst, spornst du den AG nur an.

    Für einen Betriebsrat gilt: Lobt dich der Gegner, ist das bedenklich. Schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg. (August Bebel)

  • (Und noch etwas dringender: umgehend eine Rechtschutzversicherung mit Arbeitsrecht abschließen - oder in die Gewerkschaft eintreten und darüber Rechtschutz bekommen!)

    Das wäre auf jeden Fall vernünftig. Ihr solltet auch schon mal alles dokumentieren was in die Richtung geht (Mobbingtagebuch).

    Wenn die gewählten BRM "gute" sind, sprecht mal mit Ihnen, dass es doch gut wäre, wenn Ihr vor November mal nachrückt. Irgendwann sind die ja wohl auch mal im Urlaub oder auf Seminar.

    Wenn man das etwas kreativ macht, könnt Ihr Euren Kündigungsschutz um einiges ausdehnen.

  • Wenn die gewählten BRM "gute" sind, sprecht mal mit Ihnen, dass es doch gut wäre, wenn Ihr vor November mal nachrückt. Irgendwann sind die ja wohl auch mal im Urlaub oder auf Seminar.

    Wenn man das etwas kreativ macht, könnt Ihr Euren Kündigungsschutz um einiges ausdehnen.

    Das wäre definitiv der einfachste Weg euch erst mal sicherheit zu verschaffen. Urlaub krank oder zb. eine Sitzungszeit geschickt ansetzen. Dazu vielleicht noch der Tip. Nachdem BR Arbeit ein Ehrenamt ist, dürfen BRM´s auf freiwilliger Basis

    auch im Urlaub an Sitzungen teilnehmen. Bekommen aber dann diese Std nicht (nochmal) bezahlt.


    Die 5 direkten BRM´s sind ja durch euch zu diesem Amt gekommen. Ich würde mich als einer von diesen verpflichtet fühlen Euch in dieser Situation beizustehen.

  • Der Betriebsrat ist jetzt gegründet, wir sind aber alle 5 nicht reingewählt worden weil, wundersamerweise, auf einmal genug Kanditaten vorhanden waren und durch den Stimmenklau nicht genügend Stimmen auf uns fielen

    dann seid ihr EBRM.

    Besteht zufällig die Möglichkeit, das einige von euch demnächst "zeitweise nachrücken" (Urlaub/ Krankheit / Verhinderung eines BRM) und darüber noch weitere Zeit Kündigungsschutz erlangt?

    Das würde zumindestens euch beruhigen (und den Chef beunruhigen ;) )


    ggf. sind ja auch EBRM mal verhindert, so das nicht immer dasselbe EBRM nachrückt und somit mehrere EBRM zum aktiven Einsatz kommen.

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.