Betriebsversammlungen von der Belegschaft online gewünscht

  • kein Argument, wenn der "Aufwand" einschließlich Fahrtzeit sowie Fahrtkosten voll vergütet wird

    Spätestens wenn eine Übernachtung ansteht, wird das rumpimmeln am anderen Standort nicht mehr vergütet. Dann hänge ich ggf. einen kompletten Nachmittag/Abend im Kleinkaff Pummelsdorf rum, wo um sechs die Bürgersteige hochgeklappt werden und muss in einem von der Firma bezahlten, aber quietschenden Bett mit zu weicher Matratze schlafen. Im Worst Case reicht die Zeit am Tag der Versammlung nicht mehr für die Rückreise und ich muss den ganzen Rummel (selbst wenn ich einen regulären Arbeitstag vergütet bekomme, ohne etwas zu tun) noch mal durchmachen. Und daheim bleibt meine Arbeit auch noch liegen. Mir entstehen dabei sicherlich keine Extrakosten, aber Attraktiv ist auch was anderes.

    In der Theorie also richtig, praktisch aber eine einfache Entscheidung für die MA. Der BR sitzt dann mit einem Bruchteil der theoretisch interessierten MA im viel zu großen Saal und zeiht ein langes, gesetzestreues, Gesicht.

  • Spätestens wenn eine Übernachtung ansteht, wird das rumpimmeln am anderen Standort nicht mehr vergütet.

    ....und bei einer 3stelligen Anzahl an Kollegen die übernachten und fahrzeittechnisch in Summe dann 2-3 Tage nicht im Betriebsteil anwesend sind, kann auch nicht im Interesse des Gesetzgebers sein... von Kunden die 3 Tage lange keinen erreichen auch mal ganz zu schweigen... :thumbdown: Zumal man ja auch niemanden "ausladen" kann/darf/sollte.


    Hier muss der Gesetzgeber sich dringend mal an die Realitäten anpassen (man könnte ja zumindest 2 hybrid zulassen).


    Allerdings hat mir die oben genannte Idee der "Infoveranstaltung" gut gefallen

  • Hier muss der Gesetzgeber sich dringend mal an die Realitäten anpassen

    Nein, nein, nein!

    Im Sinne des Gesetzgebers ist das vollumfängliche und undiskutierbare Recht auf eine Präsenzveranstaltung. Der Gesetzgeber schließt jede Diskussion mit der "Pflicht" einer Präsenzveranstaltung aus. Ganz egal, wie unangenehm das für den AG oder die Kunden ist. Und selbst, wenn es in Betrieben gemeinschaftlich toleriert wird, hat albarracin da völlig Recht: rechtlich korrekt und einwandfrei ist ausschließlich die Versammlung in Präsenz.


    Für uns sind Onlinesitzungen angenehmer und praktischer, weil bei uns die Rahmenbedingungen das auch gut hergeben. Ich möchte aber kein Recht darauf haben, wenn dafür dann in irgendeinem Betrieb jemand für eine Präsenzsitzung kämpfen müsste. Und schon die Möglichkeit schafft Begehrlichkeiten bei den Arbeitgebern. Ich wette, dass das auch jetzt mit den Onlinesitzungen für einige Betriebsräte schon ein Problem ist.

  • ....und bei einer 3stelligen Anzahl an Kollegen die übernachten und fahrzeittechnisch in Summe dann 2-3 Tage nicht im Betriebsteil anwesend sind, kann auch nicht im Interesse des Gesetzgebers sein... von Kunden die 3 Tage lange keinen erreichen auch mal ganz zu schweigen... :thumbdown: Zumal man ja auch niemanden "ausladen" kann/darf/sollte.


    Hier muss der Gesetzgeber sich dringend mal an die Realitäten anpassen (man könnte ja zumindest 2 hybrid zulassen).


    Allerdings hat mir die oben genannte Idee der "Infoveranstaltung" gut gefallen

    Das ist Teil des Betriebsrisikos des Arbeitgebers. Er und nur er muss dafür eine Lösung finden.
    Und nein der Gesetzgeber hat sich da nicht anzupassen.

    Wenn ich alles im Nachgang auf einer Infoveranstaltung online bekomme dann habe ich als Mitarbeiter gar keinen Anreiz mehr auf die Betriebsversammlung in Präsenz zu gehen.


    Für uns sind Onlinesitzungen angenehmer und praktischer, weil bei uns die Rahmenbedingungen das auch gut hergeben. Ich möchte aber kein Recht darauf haben, wenn dafür dann in irgendeinem Betrieb jemand für eine Präsenzsitzung kämpfen müsste. Und schon die Möglichkeit schafft Begehrlichkeiten bei den Arbeitgebern. Ich wette, dass das auch jetzt mit den Onlinesitzungen für einige Betriebsräte schon ein Problem ist.

    Das mit den Betriebsräten und der Onlinesitzung versus einer Betriebsratssitzung bzw. Ausschusssitzung in Präsenz unterschreibe ich zu 100%, weil auch dort erkennbar ist das keine Lust mehr da ist sich zu Präsenssitzungen zu treffen. Was ich im übrigen für schrecklich halte.

    Bevor wir einfache oder komplizierte Gesetzen/Verordnungen erlassen sollten wir es vielleicht mit etwas einfachen wie Hochdeutsch versuchen :)

  • weil auch dort erkennbar ist das keine Lust mehr da ist sich zu Präsenssitzungen zu treffen.

    das ist auch bei uns so, allerdings war schon vorher das "Erscheinen zur Präsenssitzung" bei einzelnen BRM immer mit Unmut verbunden.


    Durch die Online- und/oder Hybrid-Möglichkeiten hat sich die Lage m.M.n. verbessert, gerade auch wenn EBRM oder Ersatzmitglieder des BA kurzfristig dazustossen und sonst erst anreisen müssten.

    Man hat weniger "Verhinderungen", gerade von BRM die im HO arbeiten und Sitzungen sind besser integrierbar in den Arbeitstag.


    Solange die Möglichkeiten in der Entscheidung des BR liegen ist das für ok, auch für eine Betriebsversammlung.

    Sobald der AG da mitentscheiden dürfte, wäre ich dagegen.

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • Wenn ich alles im Nachgang auf einer Infoveranstaltung online bekomme dann habe ich als Mitarbeiter gar keinen Anreiz mehr auf die Betriebsversammlung in Präsenz zu gehen.

    In der Theorie würde ich da, und auch bei allen anderen Argumenten für Präsenz, zustimmen.


    In der Realität sieht es aber so aus, dass die Mitarbeiter ohne die zusätzliche online-Möglichkeit, wie z.B. "Infoveranstaltung" trotzdem nicht zur Präsenz-Versammlung kommen und zusätzlich noch sauer auf den BR sind, weil der ihnen keine Möglichkeit zur Online-Teilnahme bietet.

  • Ich hatte ja bereits geschrieben, dass bei uns auch Online-Teilnahme organsiert ist. Aber nur für die MA in den Außenwerken. Alle anderen MA vor Ort haben natürlich Präsenzpflicht.

    Und das hier

    ist mE kein Argument, wenn der "Aufwand" einschließlich Fahrtzeit sowie Fahrtkosten voll vergütet wird.

    Und DAS wird es bei uns nicht. Fahrtzeit bei mir z. B. 3 h (hin und zurück) und ca. 4 h Versammlung. Meine AZ = 6,5 h. Da mir aber auf Grund unserer bekloppten BV noch 0,75 h Pausen aufgeschlagen werden, werden mir also 15 min. nicht bezahlt. Das sind zwar Peanuts, aber es geht ja ums Prinzip. Die MA im anderen Außenwerk hätten sogar fast 5 h Fahrtzeit und würden demzufolge auch einbüßen. Die Kosten allerdings werden erstattet.


    Daher finden wir die (eigentlich nicht ganz rechtskonforme) Hybridveranstaltung als willkommene Alternative. Und wo kein Kläger, da auch kein Richter ;)

    ~~~ Alle sagten: Das geht nicht! Dann kam einer, der wusste das nicht und hat es einfach gemacht. ~~~

    ~~~ Eine Lösung hätte ich - mir fehlt nur das passende Problem. ~~~

  • In der Theorie würde ich da, und auch bei allen anderen Argumenten für Präsenz, zustimmen.


    In der Realität sieht es aber so aus, dass die Mitarbeiter ohne die zusätzliche online-Möglichkeit, wie z.B. "Infoveranstaltung" trotzdem nicht zur Präsenz-Versammlung kommen und zusätzlich noch sauer auf den BR sind, weil der ihnen keine Möglichkeit zur Online-Teilnahme bietet.

    Da hilft den Mitarbeitern in einer anderen Art und Weise, z. B. per Email klar zu machen das das gesetzlich so geregelt ist.
    Und der Betriebsrat hier konform der Gesetze arbeit bzw. arbeiten muss. Genauso wie er das bei anderen Mitarbeiteranliegen tut. Und davon dann ein paar aufzählen, welche den Mitarbeitern bei nicht Nasenfaktor, also nicht konform mit dem Gesetz, Handlung weh tun würden.

    Bevor wir einfache oder komplizierte Gesetzen/Verordnungen erlassen sollten wir es vielleicht mit etwas einfachen wie Hochdeutsch versuchen :)

  • Ungleichbehandlung , aufgrund welchen Rechtes geht das?

    Ach Randolf, Ungleichbehandlung gibt es bei uns doch gar nicht ;) Auch bei Aktionen wie: "Heute gibt es in den Kantinen ein Eis für jeden MA" ist es nicht ungleich, dass die Außerwerkler eben KEIN Eis bekommen. :rolleyes:


    Und wenn ich ehrlich bin, mir ist Online sehr lieb, da ich auf Grund meiner Behinderung große Probleme habe, in die Zentrale zu kutschen, dort evtl. noch weit zu laufren und dann 4 Stunden zu sitzen. Gut, das sind alles keine Gründe. Aber ich finde, wer vor Ort wohnt bzw. arbeitet, kann durchaus mal die Viertelstunde Wegzeit in Kauf nehmen.

    ~~~ Alle sagten: Das geht nicht! Dann kam einer, der wusste das nicht und hat es einfach gemacht. ~~~

    ~~~ Eine Lösung hätte ich - mir fehlt nur das passende Problem. ~~~

  • Auch bei Aktionen wie: "Heute gibt es in den Kantinen ein Eis für jeden MA" ist es nicht ungleich, dass die Außerwerkler eben KEIN Eis bekommen. :rolleyes:

    sie könnten aber, wenn sie in den Betrieb kommen würden --> das ist der Unterschied zu

    Alle anderen MA vor Ort haben natürlich Präsenzpflicht.

    die dürfen nicht Online, auch wenn Sie wollten.

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • Okay, Randolf, das ist ein Unterschied. Theoretisch könnten wir alles stehen und liegen lassen, das Kraftwerk abfahren, gegen 10 Uhr zur Hauptstelle fahren, unser Eis schlabbern und dann wieder gegen 13:30 Uhr auf Arbeit sein.


    sie könnten aber, wenn sie in den Betrieb kommen würden --> das ist der Unterschied zu

    die dürfen nicht Online, auch wenn Sie wollten.

    So ist es. Da aber der BR das damals so kommuniziert hat: "Die BV ist in Präsenz durchzuführen. Damit aber auch die Außenstellen und Schichtarbeiter dennoch teilnehmen können, haben diese ausnahmsweise die Online-Alternative bekommen." Und soweit ich weiß, hat sich da niemand beschwert. Daher: Auch wenns nicht rechtens ist, nehmen wir es dennoch gern wahr.

    ~~~ Alle sagten: Das geht nicht! Dann kam einer, der wusste das nicht und hat es einfach gemacht. ~~~

    ~~~ Eine Lösung hätte ich - mir fehlt nur das passende Problem. ~~~

  • Okay, Randolf, das ist ein Unterschied. Theoretisch könnten wir alles stehen und liegen lassen, das Kraftwerk abfahren, gegen 10 Uhr zur Hauptstelle fahren, unser Eis schlabbern und dann wieder gegen 13:30 Uhr auf Arbeit sein.


    So ist es. Da aber der BR das damals so kommuniziert hat: "Die BV ist in Präsenz durchzuführen. Damit aber auch die Außenstellen und Schichtarbeiter dennoch teilnehmen können, haben diese ausnahmsweise die Online-Alternative bekommen." Und soweit ich weiß, hat sich da niemand beschwert. Daher: Auch wenns nicht rechtens ist, nehmen wir es dennoch gern wahr.

    Naja dann muss halt mal jemand aus dem Standort die Genehmigung zum Abfahren und wieder anfahren des Kraftwerkes stellen bei der Geschäftsführung. Und die Auswirkungen darstellen. Der Fall mit dem Eis vor Ort am Kraftwerk wird dann sicher ganz schnell gelöst werden.

    Bevor wir einfache oder komplizierte Gesetzen/Verordnungen erlassen sollten wir es vielleicht mit etwas einfachen wie Hochdeutsch versuchen :)

  • Naja dann muss halt mal jemand aus dem Standort die Genehmigung zum Abfahren und wieder anfahren des Kraftwerkes stellen bei der Geschäftsführung. Und die Auswirkungen darstellen. Der Fall mit dem Eis vor Ort am Kraftwerk wird dann sicher ganz schnell gelöst werden.

    Gute Idee :D


    Im Falle unseres "Frauentags-Eis" gab es eine prima Lösung. Da sollte jede MAin sich auch ein Eis aus der Kantine holen. Nachdem ich das meinem Chef erzählt habe und schon wieder meckern wollte, weil wieder nicht richtig an die Außenstellen gedacht wurde, meinte mein Chef "Wo ist das Problem? Sie machen eine Dienstreiseantrag und fahren Eis essen" Naja, da haben wir 3 Mädels uns einen schönen Tag gemacht :) Nur musste da die Anlage nicht abgefahren werden ;)

    ~~~ Alle sagten: Das geht nicht! Dann kam einer, der wusste das nicht und hat es einfach gemacht. ~~~

    ~~~ Eine Lösung hätte ich - mir fehlt nur das passende Problem. ~~~

  • Auch wenn es natürlich vollkommen richtig ist, dass eine online/hybrid-BV formal schlicht und einfach unzulässig ist und auch wenn man das bei einem "Paragraphenreiter" nicht unbedingt vermuten würde, so habe ich doch ganz erhebliche (historisch bedingte) Probleme mit blindem Gehorsam, bzw. einem vollkommen unreflektierten "Des isch aba Gesetz!"

    (Ich will da jetzt nicht den Großonkel ins Spiel bringen, der 1984 wissentlich und vorsätzlich gegen § 27 des Grenzgesetzes der DDR verstoßen hat, als er den Flitzer "übersehen" und nicht abgedrückt hat. - Das geht sicher zu weit!).

    ...aber man darf auch Gesetze hinterfragen und in diesem Fall wäre ich nicht nur recht dankbar, wenn Betriebsräte einfach weiter online/hybrid-BVen durchziehen, sondern auch wenn jemand dagegen klagen würde. Einfach nur um den Gerichten nochmal die Möglichkeit einzuräumen über Sinn und Unsinn dieser Regelung zu reflektieren. :D

    „Schreibe nicht der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist“

    Hanlons Rasiermesser

  • ...aber man darf auch Gesetze hinterfragen und in diesem Fall wäre ich nicht nur recht dankbar, wenn Betriebsräte einfach weiter online/hybrid-BVen durchziehen, sondern auch wenn jemand dagegen klagen würde. Einfach nur um den Gerichten nochmal die Möglichkeit einzuräumen über Sinn und Unsinn dieser Regelung zu reflektieren. :D

    Ein Gericht hat da nicht über Sinn und Unsinn einer eindeutigen gesetzlichen Regelung zu reflektieren.

    Bevor wir einfache oder komplizierte Gesetzen/Verordnungen erlassen sollten wir es vielleicht mit etwas einfachen wie Hochdeutsch versuchen :)

  • Hallo Paragraphenreiter ,


    Sinn und Unsinn einer gesetzlichen Regelung hat der jeweilige Gesetzgeber zu "reflektieren". Du kannst ja gerne "hinterfragen" und Petitionen einreichen oder versuchen, MdBs zu Gesetzentwürfen zu bewegen.


    Auch die "Reflektion" durch Gerichte hat Ihre Grenzen im Wortlaut eines Gesetzes. Das mußte ja auch 2018 das BAG erkennen, als das BVerfG entschied, daß das BAG in § 14 Abs. 2 TzBfG in Sachen "Vorher-Beschäftigung" etwas hineinfantasiert hat, was da einfach nicht drinstand.


    Und dieser Gesetzgeber hat vor, während und nach der Pandemie idR sehr bewußt zu erkennen gegeben, daß er bei der Betriebsverfassung dem Präsenzprinzip einen sehr hohen Rang einräumt und dafür auch in den jeweiligen Gesetzesbegründungen gute Gründe benannt.


    Eine derartige grundsätzlich zulässige Wertung bzw. Gewichtung von widerstreitenden Sachargumenten zu vergleichen mit einem unmenschlichen und moralisch verwerflichem "Grenzregime", nur weil Dir das Präsenzprinzip gerade nicht passt, ist zumindest ziemlich geschmacklos.

  • Mal ein ketzerischer Gedanke in diesem Zusammenhang:
    Ist denn bei solchen (rechtswidrigen) Online-Betriebsversammlungen der Arbeitgeber eigentlich verpflichtet, die Zeit der Teilnahme als Arbeitszeit zu bezahlen :/ ?

  • Mal ein ketzerischer Gedanke in diesem Zusammenhang:

    Ist denn bei solchen (rechtswidrigen) Online-Betriebsversammlungen der Arbeitgeber eigentlich verpflichtet, die Zeit der Teilnahme als Arbeitszeit zu bezahlen :/ ?

    Mal ein pragmatischer Vorschlag in diesem Zusammenhang:


    Frag ihn doch, ob es ihm lieber ist, wenn du die ohnehin vorhandene Infrastruktur nutzt, um vom HO aus an der Betriebsversammlung teilzunehmen oder er dir den Anfahrtsweg bezahlen möchte. ;)

    Für einen Betriebsrat gilt: Lobt dich der Gegner, ist das bedenklich. Schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg. (August Bebel)