Neu als SBV / Inhalte der Grundlagenschulung

  • Hallo in die Runde,

    ich bin letzte Woche als SBV gewählt worden; unsere Einrichtung (Öffentlicher Dienst) hatte bislang keine SBV, da wir gerade erst 5 MA mit einer anerkannten SB haben.


    Ich weiß, dass ich mich als SBV selber eine Grundlagenschulung entscheiden darf und weder Personalrat noch Arbeitgeber hier ein Mitbestimmungsrecht haben.

    So habe ich auch schon ein Seminar gegenüber der Leitung angekündigt, das ich besuchen möchte, habe auch beschrieben, welche Abwägungen ich hier vorgenommen habe - und nun bekomme ich von der Leitung ein erstes Veto:


    • 4 Tage seien "für das Thema vom Zeitaufwand her eine Herausforderung und auch überzogen"
    • der finanzielle Aufwand müsste bedacht werden


    Die supergünstigen Grundlagenschulungen seitens des LWL-Intergrationsamtes sind bis mindestens zum Ende des Jahres ausgebucht (ca. 300 EUR /Schulung), so dass ich mich bei private Anbietern wegen der Schulung umgeschaut hatte: hier liegen alle Schulungen im preislichen Bereich von um die 2000 EUR (inkl. Unterkunft + Verpflegung), was natürlich eine enorme Preisdifferenz ist.


    Die Leitung hat mir nun eine eintägige Online-Schulung bei einem Bildungswerk (e.V.) für 270 EUR vorgschlagen mit diesen Inhalten:



    • Schwerbehinderung - Abgrenzung zu „Arbeitsunfähigkeit“ und „Erwerbsminderung“
    • Pflichten des Arbeitgebers:
      • Besetzung von Arbeitsplätzen
      • Einladung zu Vorstellungsgesprächen
      • behinderungsgerechte Beschäftigung nach Fähigkeiten und Kenntnissen
      • Teilzeit, Mehrarbeit
      • Prävention, Betriebliches Eingliederungsmanagement
    • Inklusionsvereinbarung
    • Leistungen der Integrationsfachdienste für Arbeitgeber
    • Gesetzliche Rente bei Schwerbehinderung
    • Besprechung praktischer Fälle der Teilnehmenden


    Wie schätzt Ihr diesen Vorschlag ein?


    Über schnelle Rückmeldungen würde ich mich freuen, da die Leitung direkt morgen früh eine Besprechung anberaumt hat zu diesem Thema.


    Vielen Dank in die Runde,

    Savannah

  • da würde ich überhaupt nicht darauf eingehen. Nicht umsonst dauern manche Seminare eben ein paar Tage, außerdem ist der Austausch den man mit anderen SBV hat, unbezahlbar. Auch werden Rückfragen sofort beantwortet und Themen diskutiert. Du kannst übrigens so viele Seminare besuchen die du für deine SBV Arbeit brauchst.

    Ich kann dir die Seminare von KVJS sehr empfehlen.

    Die Leitung hat mir nun eine eintägige Online-Schulung bei einem Bildungswerk (e.V.) für 270 EUR vorgschlagen mit diesen Inhalten:

    da lache ich nur drüber, diese ganzen komplexen Themen haut man sich nicht an einem! Tag in den Kopf.

    Sag deinem AG dass du auf Präsenzseminare gehst. Sollten die sich quer stellen rufst du einfach mal das Integrationsamt an und erzählst ihnen davon.

    Und wenn`s ganz hart kommt:


    Sollte der Arbeitgeber den Schulungsanspruch infrage stellen, so hat die Schwerbehindertenvertretung das Recht, die Erforderlichkeit der Schulungsteilnahme nach § 179 Abs. 4 SGB IX und somit die Kostenübernahme in einem Beschlussverfahren beim Arbeitsgericht klären zu lassen.

    wenn man düngen will reicht es nicht durch den Zaun zu furzen.

  • Hallo Savannah,


    zuerst: Glückwunsch zur Wahl :)


    als Zweites: Lass dich nicht hetzen oder unter Druck setzen.


    Natürlich stimmst du die Seminare insofern ab, dass du dich nicht exakt in der Urlaubszeit zum Seminar verkrümelst, wenn besonders viele Kollegen planmäßig weg sind, aber darüber hinaus bist du einigermaßen frei in der Wahl - und im Sinne guter Vertretung der schwerbehinderten und ihnen gleichgestellten Kollegen sind ordentliche Seminare unabdingbar.


    Von einer Online-Schulung als ersten Einstieg (!) würde ich abraten, denn da fehlt der Kontakt zu den anderen Teilnehmern. Zudem kommt an einem einzigen Tag nicht sonderlich viel rüber, da wird im Schweinsgalopp durch die Themen geritten und für Vertiefung bleibt kaum Zeit. Das artet eher in eine Info-Veranstaltung aus nach dem Motto: diese und jene Themen sind zu beachten, wenn ihr den Job ernst nehmt. Wirklich Wissen erarbeiten ist da nicht drin.


    Grundlagenschulungen bevorzuge ich in Präsenz, online mache ich nur zu konkreten speziellen Themen und möglichst nur bis ca. 3 Stunden Dauer, denn das ist ziemlich anstrengend.


    Viel Erfolg im Amt :)

    Man wird alt wie ein Haus und lernt doch nie aus.

  • Hallo Scheeks und mimmie,

    hallo sonst,


    vielen Dank für den herzlichen Empfang und Euren ausführlichen und schnellen Antworten!!

    Diese haben mich schon jetzt sehr bestärkt! :)


    Noch eine Frage zu den Kosten:

    Kann der Arbeitgeber die Übernahme der relativ hohen Kosten verweigern, wenn es denn "auf dem Markt" doch Anbieter gibt, die deutlich günstiger (weil subventioniert) Seminare anbieten?


    Danke vorab und Grüße,

    Susanne

  • Hallo Savannah

    Wie eine Forenlegende zu sagen pflegt "Es kommt darauf an". In deinem Fall wie Mimi schon geschrieben hat hast du das Recht deine Entscheidung Gerichtlich klären zu lassen. Die Argumente des AG werden meist nicht ausreichen deine Entscheidung revidieren zu können. Der Zeitliche Aspekt ist mit entscheidend, was nützt ein Grundlagenseminar 2024 wenn du doch jetzt schon als SBV gewählt bist und arbeiten willst. Die Qualität spielt eine Rolle usw.usw. Nur Mut

  • Hallo zusammen,

    Savannah du hast auch im öffentlichen Dienst das Recht den Schulungsanbieter frei auszuwählen, du bist nicht an die Seminare des Integrationsamtes gebunden und musst auch nicht das kostengünstigste Seminar auswählen.


    Aber: dein Arbeitgeber kann durchaus die Zustimmung verweigern und sogar die Zahlung, insbesondere wenn er dir ein vergleichbares kostengünstigeres Seminar aufzeigt.


    Ausserdem must du im Öffentlichen Dienst dich ein wenig mit dem Personalvertretungsgesetz beschäftigen da dort die Kostenregelungen enthalten sind und die gelten auch für die SBV. In Niedersächsischen PersVG heißt es beispielsweise:

    §37 Die durch die Tätigkeit des Personalrates entstehenden Kosten trägt die Dienststelle nach Maßgabe des Haushaltsplans.

    ...


    Ich empfehle daher zunächst mal mit dem Personalrat zu reden um deren Verfahrensweise kennen zu lernen.


    Selbstverständlich steht dir auch der bereits beschriebene Weg über die Gerichte offen.

  • Hallo,


    auch Dein AG muß halt noch viel lernen.


    Du hast Anspruch, das erste Grundlagenseminar so schnell wie möglich zu besuchen, um überhaupt arbeitsfähig zu sein.

    Du musst Dich auch nicht mit den "Schnellbleichen" in 2,5 Tagen abfinden, die die Integrationsämter üblicherweise als Billigvariante anbieten. Es gibt sehr gute didaktische und pädagogische Gründe, für die Grundlagenschulungen in Schwerbehindertenrecht und Arbeitsrecht 5-tägige Schulungen zu absolvieren. Da ist nämlich mehr Platz für persönliche Fragen und auch für Übungen.

    Auch auf eine Online-Schulung musst Du Dich nicht einlassen. Es spricht nach wie vor sehr viel für ein Präsenzseminar, bei dem es auch noch den Austausch unter den Teilnehmern selbst gibt. Außerdem ist die Lernkontrolle in einem Präsenzseminar ebenfalls viel intensiver.


    Was Dir Dein AG herausgesucht hat, ist ein Witz. Es ist das Programm eines Aufbauseminars, aber auch in der Billigvariante einer Schnellbleiche. Ich selbst bin auch als Teamer für SBV-Seminare (aber nicht beim ifb) tätig und würde diese Inhalte auf drei verschiedene Teile verteilen.


    Was Du verlangen kannst - und zwar wie schon geschrieben so schnell wie möglich, ist das erste Grundlagenseminar, das mindestens folgende Inhalte haben soll:


    - Rechte der SBV (insbesondere § 178 SGB IX)

    - persönliche Rechtsstellung der Vertrauensperson (§ 179 SGB IX)

    - Pflichten des AG ggü. schwerbehinderten/gleichgestellten Beschäftigten

    - Rechte der schwerbehinderten/gleichgestellten Beschäftigten ggü. ihrem AG

    - Bewerberverfahren

    - Antrag auf Schwerbehinderung

    - Antrag auf Gleichstellung


    Selbst in 5 Tagen können die letzten 3 Themen nur "angerissen" werden und müssen ggfs. später in Fachseminaren vertieft werden.


    Bitte beachte auch, daß alle Seminaranbieter bei einzelnen Themen in der Grundlagenserie SBV 1-3 zT unterschiedliche Inhalte haben, was den Wechsel zwischen Anbietern innerhalb der Grundseminare schwierig macht.


    Neben dem empfehlenswerten ifb kanst Du auch bei den Gewerkschaften nach Seminaren suchen. Insbesondere Ver.di und die IG Metall haben auch für SBVenumfangreiche Programme - allerdings hat der ifb in der Gesamtheit wohl das vollständigste Angebot.


    Die Finger lassen solltest Du von Anbietern, die für SBVen außer den Grundseminaren gar kein oder kaum spezielle Angebote haben. Das ist idR ein Indiz, daß SBV nur ein Nebenprodukt ist und die Qualität nicht so toll.

  • Hallo zusammen,


    Homer, Gruenschnabel, albarracin, ganz herzlichen Dank für Eure ausführlichen und hilfreichen Antworten!!


    Gerade auch die Infos zur spezielleren Situation im Öffentlichen Dienst sind für mich als SBV-Neuling wichtig - zumal ich im Öffentlichen Dienst Quereinsteigerin bin.


    Ich werde morgen also gut vorbereitet in die Kurzbesprechung mit der Leitung gehen, mich jedoch noch zu keiner Aussage hinreißen lassen und am Montag an der Personalratssitzung teilnehmen und die dortigen Kolleg*innen befragen, wie diese es mit deren Geltendmachung ihres Schulungsanspruch gemacht hatten.


    Schade eigentlich, ich hatte bei unserer Leitung nicht gedacht gehabt, dass es direkt schon bei dieser ersten Frage der Schulung schon zu Gegenwind kommt...


    Viele Grüße!

  • Schade eigentlich, ich hatte bei unserer Leitung nicht gedacht gehabt, dass es direkt schon bei dieser ersten Frage der Schulung schon zu Gegenwind kommt...

    Da würde ich nicht zu viel hineininterpretieren, diese teuren Seminare sind einfach ein leidiges Thema :D

    Unser AG ist soweit durchaus in Ordnung, sachlicher Typ der auch immer bereit ist einer sinnvollen Argumentation zu folgen. Aber bei jedem Seminar gibt es Gejammer und Gezeter und einen 30 minütigen Monolog über die unverschämte und vollkommen überzogene Preisgestaltung aller Seminaranbieter. Da hat er uns sogar schon Rechnungen von den Schulungen der Führungskräfte vorgelegt, die tatsächlich teils deutlich günstiger waren, als ein BR-Grundlagenseminar. Da kann der sich richtig aufregen: "Das ganze Geschäftsmodell ist eine Frechheit! Die wo aussuchen dürfen müssen es nicht bezahlen und der wo bezahlen muss, darf nicht mit aussuchen! Nur deshalb können die solche Preise ausrufen! - und was haben diese Seminaranbieter bitte für Deals mit den Hotels?! die Unterbringungskosten sind ja lächerlich, dafür könnte man auch ne Woche All Inclusive nach Malle fliegen!"

    Natürlich haben wir immer alle unsere Seminare bekommen, sonst würde ich das kaum so entspannt sehen.

    Aber jedes Mal muss ich mir halt vorher den Monolog anhören, dem AG ein bisschen zustimmen ("ja, die sind wirklich unverschämt teuer, aber die Schulung muss halt sein") und dann klappt das auch. - Also bloß weil Deine Leitung bei Seminaren rumzickt, heißt das noch lange nicht, dass sie das auch bei allem anderen tun wird.


    ...und @ifb, so ganz falsch ist das auch gar nicht, zumindest was die Unterbringungskosten angeht!

    Bei dem Seminar Betriebsverfassungsrecht I, vom 30.05. - 02.06. in Heidelberg, kosten Unterbringung & Verpflegung 602,10 €.

    Im Monnaber Nou Finca Hotel & Spa auf Malle zahlt man vom 30.05. - 02.06. 474,- € und hat nen Pool.

    Da ist die Frage nach der Verhältnismäßigkeit durchaus erlaubt.

    „Schreibe nicht der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist“

    Hanlons Rasiermesser

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  • Die Frage ist doch eher, warum das Seminar nicht aus Rücksicht auf die Kosten im Nou Finca mit Pool stattfindet.

    Da macht der AG dann Stunk wegen der leicht erhöhten Reisekosten. Aber ich finde Deine Idee super! Bin voll dafür! ...ifb?

    „Schreibe nicht der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist“

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