Mutter setzt sich für Tochter ein

  • Hallo zusammen,


    wir haben zum 01.01.2023 eine junge Frau mit Autismusspektrumsstörung als Hauswirtschafterin eingestellt. Ihre Aufgaben sind die Hausreinigung, Essensausgabe und Wäschepflege. Offensichtlich erfüllt sie diese Aufgaben nicht zur Zufriedenheit der Vorgesetzten (Fakten habe ich noch keine).

    Bereits im Einstellungsprozess hat ihre Mutter (nicht rechtl. Betreuerin) die Vorstellungstermine begleitet, auch auf Wunsch der Tochter. Jetzt hat die Mutter Kontakt zur MAV aufgenommen und geschildert wo die Probleme liegen und auch angedeutet, dass es für ihre Tochter wohl schlecht aussieht (lt. der Vorgesetzten). Die MAV Vors. hat sie an die SBV verwiesen und die Mutter wird mich Montag anrufen.

    Meine Frage ist jetzt, wie sieht das rechtlich aus? Wieviel Einfluss darf die Mutter nehmen? Die junge Kollegin ist aufgrund ihrer Behinderung nicht in der Lage die Situation umfänglich zu schildern und ich würde auch einschätzen, dass sie sich nicht wirklich öffnet im Gespräch. Insofern ist die Mutter natürlich hilfreich, aber sie spricht für die Tochter und ist im Arbeitsprozess ja gar nicht dabei. Logischerweise ist sie sehr daran interessiert, dass das Arbeitsverhältnis weiter besteht. Ich natürlich auch.

    Ich würde ihre Aussagen am Montag zur Kenntnis nehmen und dann ein Gespräch, erst nur mit der jungen Kollegin und dann mit Vorgesetzter und mit Mutter, wenn die Tochter das wünscht.

    Ist diese Vorgehensweise so ok? Habt ihr noch eine andere Idee dazu?

    Noch eine Frage: Kann der ifd in der Probezeit auch schon dazu geholt werden? (Ganz grundsätzlich, nicht nur in diesem Fall)


    Vielen Dank euch und schöne Grüße

    Antje

  • Hallo,


    aufgrund des Datenschutzes darfst Du nur mit ausdrücklichem Einverständnis der Betroffenen (zB Schweigepflichtsentbindung) ggü. Dritten Auskünfte geben, wenn die/der Betroffenen volljährig ist.

    Ansonsten ist eine Weitergabe nur auf gesetzlicher Grundlage gestattet wie zB gesetzliche Betreuung.


    Eine Mutter einer volljährigen Person ist nun mal "Dritte", sofern sie nicht gesetzliche Betreuerin ist - auch wenn sie das nicht wahrhaben will.

  • Danke Albarracin,


    dieser Fakt ist mir klar, arbeite selbst in der Eingliederungshilfe und habe entsprechende Erfahrung damit.

    Mir stellt sich die Frage, wie die Situation zu meistern ist, wenn wir im gemeinsamen Gespräch sind.

    Normalerweise höre ich mir die Schilderung der Mitarbeiterin an und versuche mit ihr zusammen und der Vorgesetzten, nach Lösungen zu suchen. In diesem Fall wird die Mutter für die Tochter sprechen. Das heißt mein Ansprechpartner ist im Gespräch die Mutter. Die Tochter ist nicht in der Lage die Situation zu reflektieren.

    Die Mutter hat logischerweise die Arbeitssituation nicht erlebt und kann nur schildern was ihre Tochter berichtet. Dass sie in ihrer Rolle als Mutter dann evtl. ihre eigenen Emotionen mit einbringt ist nur verständlich.

    Aber das ist das Dilemma.

    Und ich gehe davon aus, wenn die Tochter die Anwesenheit der Mutter wünscht, dass wir dem entsprechen (müssen?).

  • Wenn die Mutter schon beim Einstellungsgespräch dabei war, dürfte die Schweigepflichtentbindung wohl nur eine Formsache sein und an deiner Stelle würde ich mir die Anwesenheit der Mutter sogar ausdrücklich wünschen, weil die ihre Tochter am besten unterstützen und wohl verständlicher vermitteln kann. Vor allem, wenn die Tochter nicht für sich selbst sprechen kann und ohne Beistand untergebuttert würde. Vermutlich ist es der Tochter nur recht, wenn die Mutter für sie verhandelt. Wenn Emotionen eingebracht werden, sehe ich das nicht von vornherein als negativ. Vielleicht ist die Vorgesetzte ja eher für Empathie empfänglich als für kalte Logik... ;)

    Für einen Betriebsrat gilt: Lobt dich der Gegner, ist das bedenklich. Schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg. (August Bebel)

  • Was sagt den die rechtliche Betreuung der Betroffenen zu dem Thema?
    Und in welchem Verhältnis steht diese Betreuung zur Mutter?

    Bevor wir einfache oder komplizierte Gesetzen/Verordnungen erlassen sollten wir es vielleicht mit etwas einfachen wie Hochdeutsch versuchen :)

  • Hallo,


    danke DMmdL, ich habe selbstverständlich nichts gegen die Teilnahme der Mutter am Gespräch, ohne sie hätte die Kollegin keine Chance sich zu äußern. Sie ist aber kein neutrales Sprachrohr und das ist der Punkt, der sich für mich schwierig anfühlt. Und dafür gibt es keine Gesetze, dass ist ein weiches Thema. Daher kam meine Bitte um Ideen dazu, manchmal sind die eigenen Gedanken dazu schon vorgefertigt und ein Input von außen ist sehr hilfreich.

    Dummerweise ereignet sich der Fall in dem Bereich, in dem ich auch arbeite und mir ist die Vorgesetzte bekannt. Daher kann ich diesen Satz


    Vielleicht ist die Vorgesetzte ja eher für Empathie empfänglich als für kalte Logik... ;)

    ausschließen.


    @Suppenkaspar: Die Kollegin hat keine rechtliche Betreuung.

  • Hallo Antje,


    ich hatte vor kurzem auch so eine Situation, bei der Eigen- und Fremdwahrnehmung der Arbeitsqualität eines behinderten Beschäftigten grosse Diskrepanzen aufwiesen und sich der Vater immer wieder einmischte.


    In dieser Situation

    Die Mutter hat logischerweise die Arbeitssituation nicht erlebt und kann nur schildern was ihre Tochter berichtet.

    empfehle ich Dir, zuerst ein Gespräch nur mit Mutter und Tochter zu führen, um auf eine gemeinsame Sachebene zu kommen.


    Evtl. lassen sich dann auch individuelle Lösungsstrategien planen.

    Würden diese Diskussionen erst im Beisein von AG-Vertretern beginnen, könnte das sehr fatal werden.

  • Danke für den Tipp, wir werden ein gemeinsames Gespräch führen. Hatte jetzt auch die Idee, ob die Kollegin nicht etwas aufschreiben kann. Ob das eine Möglichkeit wäre, sich selbst zu äußern.

    Nach dem Telefonat mit der Mutter heute, hat sich herausgestellt, dass es Probleme mit einer anderen Mitarbeiterin gibt. die sich offenbar deutlich im Ton vergreift und der jungen Kollegin Arbeiten aus der Hand reißt...

    Mangelnde Einarbeitung und eine Vorgesetzte, die kein Interesse an Schlichtung hat, kommen dazu. Da ist eine Beendigung des Dienstverhältnisses in der Probezeit schon eine Willkommene Lösung.

    Manchmal zweifel ich wirklich daran, ob ich in einem sozialen, caritativen Bereich arbeite.