Video-Besprechungen Kamerapflicht

  • Moin Moin,


    ich frage mich gerade, ob ich auf dem Schlauch stehe :/ ?
    Wenn der Arbeitgeber (anordnen) möchte, dass bei Videokonferenzen alle Beschäftigten die Kamera anhaben, ist das doch mitbestimmungspflichtig oder?

    Wie handhabt ihr das bei euch und habt ihr eine BV dazu?


    Wir haben leider noch nichts geregelt, da eigentlich bisher nur die "dringende Bitte" geäußert wurde: Argumente: Gebot der Höflichkeit und vor Ort sieht man sich ja auch. Bei einer Pflicht hört bei mir aber eigentlich der Spaß auf (auch wenn ich selber meist die Kamera anhabe). Würde jetzt eigentlich als BR gerne "reinreden".


    Und müssen Beschäftigte eine Abmahnung fürchten, solange wir noch nichts geregelt haben/ aktiv waren, wenn sie die Kamera trotzdem auslassen (und dann ggf. das Meeting verlassen sollen)?


    Freue mich auf eure Erfahrungen

  • Kollektivrechtlich sehe ich hier recht eindeutig § 87 (1) Nr 1 + 6 BetrVG als einschlägig, vmtl auch Nr 14. D.h. der BR sollte umgehend beim AG vorstellig werden und eine Rücknahme dieser Anweisung fordern, bis man eine Einigung erzielt hat.


    Individualrechtlich sehe ich einen Unterschied je nachdem, von wo aus der/die AN an der Videokonferenz teilnimmt. Das Einschalten der Kamera daheim (bei Homeoffice) wird schwerer verlangt werden können als das Einschalten der Kamera im Büro, weil in ersterem Fall das private Umfeld (Wohnung) mitgefilmt wird und damit der Eingriff ins Persönlichkeitsrecht gravierender ist.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    Einmal editiert, zuletzt von Pfried ()

  • Das Einschalten der Kamera daheim (bei Homeoffice) wird schwerer verlangt werden können als das Einschalten der Kamera im Büro, weil in ersterem Fall das private Umfeld (Wohnung) mitgefilmt wird und damit der Eingriff ins Persönlichkeitsrecht gravierender ist.

    Könnte man dann daraus aber nicht auch konstruieren, dass der MA offensichtlich keinen geeigneten Platz für Homeoffice hätte, wenn Videokonferenzen explizit gefordert sind? Also nur mal um des Teufels Advokaten zu spielen ...

  • Könnte man dann daraus aber nicht auch konstruieren, dass der MA offensichtlich keinen geeigneten Platz für Homeoffice hätte, wenn Videokonferenzen explizit gefordert sind?

    Warum sollte z.B. ein perfekt eingerichteter Büroarbeitsplatz, hinter dem an der Wand (im Kamerabereich) die gesammelten Bonding- und sonstigen SM-Utensilien hängen, nicht geeignet sein? :P


    Aber im Ernst: Die Wohnung ist schlicht ein besonders geschützter Privatbereich, Home Office hin oder her.


    Wobei ich davon ausgehe, dass vmtl jedes Videotool so einstellbar ist, dass man den Hintergrund weichzeichnen oder künstlich erzeugen kann. Man müsste/könnte als BR auf dieser Option beharren.


    Und müssen Beschäftigte eine Abmahnung fürchten, solange wir noch nichts geregelt haben/ aktiv waren, wenn sie die Kamera trotzdem auslassen (und dann ggf. das Meeting verlassen sollen)?

    Fürchten müssten sie arbeitsrechtliche Sanktionen, auch wenn sie ggf einer rechtlichen Überprüfung nicht standhielten, nicht rechtskonform wären. Auch deswegen sollte der BR wirklich schnell auf den AG zugehen.

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    4 Mal editiert, zuletzt von Pfried () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Fried mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Ich wäre für den Wechsel von Home Office zu mobilen Arbeiten, nicht das sich die Arbeitssicherheit Moritz bei den notwendigen Arbeitsplatzbegehungen noch ein paar Trauma holt.


    Wir haben da aktuell das so geregelt das man im mobilen Arbeiten die Wohnung ausblendet. Das funktioniert mit den im Standart vorhandenen oder selbst fotografierten Hintergründen bei uns sehr gut. Es gibt auch Kollegen/innen welche den Raum mit Raumteilern abgetrennt haben.

    Bevor wir einfache oder komplizierte Gesetzen/Verordnungen erlassen sollten wir es vielleicht mit etwas einfachen wie Hochdeutsch versuchen :)

  • Da wir etwas vom ursprünglichen Thema des Kollektivrechts abgekommen sind:

    Kollektivrechtlich sehe ich hier recht eindeutig § 87 (1) Nr 1 + 6 BetrVG als einschlägig, vmtl auch Nr 14. D.h. der BR sollte umgehend beim AG vorstellig werden und eine Rücknahme dieser Anweisung fordern, bis man eine Einigung erzielt hat.

    Da besteht hier vmtl Konsens?

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Kollektivrechtlich sehe ich hier recht eindeutig § 87 (1) Nr 1 + 6 BetrVG als einschlägig, vmtl auch Nr 14. D.h. der BR sollte umgehend beim AG vorstellig werden und eine Rücknahme dieser Anweisung fordern, bis man eine Einigung erzielt hat.

    :thumbup:Das dachte ich mir auch.

    Da bin ich ja beruhigt, dass ich doch nicht so daneben lag.


    Ich verstehe ja die Intention des ArbG, ich finde es auch besser zu sehen, mit wem ich spreche bzw. wer dabei ist.

    Mir fallen aber auch einige Gründe ein, warum Video eben nicht immer gewünscht/ möglich ist.


    Home Office ist hier kein Problem, haben Mobile Arbeit.


    Wie handhabt ihr das bei euch und habt ihr eine BV dazu?

    Rechtlich sind wir uns ja scheinbar alle einig, wie sieht es bei euch in der Praxis aus?

  • Hallo,


    ich verstehe das Problem nicht.


    Jedes Tool hat die Möglichkeit einen Hintergrund einblenden zu lassen.

    Warum also die Aufregung?


    Beschweren sich da eher die Leute, die ein Problem haben im HO ordentlich zu arbeiten?

    Also die, die man anruft und kaum vergeht eine Stunde auch schon den Rückruf erhalten hat, obwohl er Grün im Teams angezeigt wird?


    Nr.6 finde ich etwas heftig.

    Aber es dürfte 14 alleine schon reichen um den Aushang (wenn man das den unbedingt will) entfernen zu lassen.



    Gruß

    Gerhard

  • Das funktioniert meiner Erfahrung nach auch nur so semi gut.

    Ich habe dieselben Erfahrungen gemacht.

    Je weniger man sich vor der Kamera bewegt (und je laaangsaaameeer), um so besser klappt das mit dem Freistellen der Person und Hinterlegung eines selbst gewählten Hintergrundes. Ansonsten sieht man aber doch immer wieder Teile des tatächlichen Hintergrundes, also ggf. des Wohnraumes.


    Und wenn die Software mal spinnt, ist die Ersetzung ggf, auch mal komplett passé.


    Wenn man nicht gerade einen separaten Arbeitsraum hat (womöglich vom AG bezahlt) oder zumindest eine separate Ecke nur mit Wand oder Bücherregal (Inhalt mit dienstlichem/fachlichen Hintergrund, bevor hier wieder jemand Bondage-Videos platzieren will :-D) hinter dem Sprecher, dann wüsste ich auch keine Handhabe für Kamerapflicht im Home-Office.


    Beschweren sich da eher die Leute, die ein Problem haben im HO ordentlich zu arbeiten?

    Sollten wir nicht solche plumpen Versuche, die Kollegen pauschal in Misskredit zu setzen, dem AG überlassen und dann ordentlich erwidern, statt ihm auch noch das Wort zu reden?

    Man wird alt wie ein Haus und lernt doch nie aus.

  • Nr.6 finde ich etwas heftig.

    Wie kommst Du denn darauf? Der passt aber sowas von :D

    Ich meine technische Einrichtung ist klar und das es hier um eine Überwachung des Verhaltens geht auch (ist der MA überhaupt anwesend, spielt er mit dem Handy, schaut er nebenher Netflix, oder was auch immer). Also was ist daran "heftig"?

    Was könnte bitte noch mehr im Sinne des § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG sein als eine Kamera vor die ich mich setzen muss, damit der Chef sieht ob ich da bin??


    ...aber wenn der AG nicht daran gedacht hat Filter zu verbieten würde ich mir den Spaß mal machen :D ich muss da immer an den Anwalt denken, der in Texas bei einer Onlineverhandlung (unabsichtlich) mit Katzenfilter angetreten ist und es nicht geschafft hat diesen auszuschalten :D :D

    (124) "Ich bin keine Katze": Anwalt verzweifelt in Video-Konferenz am Katzenfilter - YouTube

    „Schreibe nicht der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist“

    Hanlons Rasiermesser

  • Zum Thema "das mit dem Hintergrund funktioniert auch nur so semi-gut" anbei ein schönes Beispiel, in dem jemand (ich sage nicht wer, hüstel) meinte, ein Urlaubsbild sei dafür doch gut...

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    Einmal editiert, zuletzt von Pfried ()