Relevanz Stellenbeschreibung?

  • Hallo zusammen,


    da bei uns im Unternehmen bei bestimmten Gruppen von Mitarbeitern sehr viel Unmut herrscht, und diese Ihre bisherigen Tätigkeiten, welche nicht in der Stellenbeschreibung stehen, nicht mehr auführen möchten meine Frage:


    In wieweit ist die Stellenbeschreibung für die Kollegen relevant. Ich habe gestern dazu mal ein wenig recherchiert, und mehrfach gelesen, dass relevant ist was im Arbeitsvertrag vereinbart ist und nicht was in der Stellenbeschreibung. Was ist allerdings wenn weder im Arbeitsvertag noch in der entsprechenden Stellenbeschreibung festgelegt ist.


    Beispiel: Ein Kollege führt bereits seit einigen Jahren eine bestimmte Tätigkeit aus. Vor einigen Jahren wurde diese Tätigkeit laut Arbeitsplatzbeschreibung einer anderen Gruppe von Kollegen zugewiesen. Aufgrund verschiedener Themen, ist die Gruppe dieser Kollegen sehr verärgert und möchte jetzt nur noch "Dienst nach Vorschrift" leisten und zieht hierfür die Arbeitsplatzbeschreibung heran.


    Man fragte ich als Betriebsratsvorsitzender ob diese Vorgehensweise rechtlich in Ordnung ist, ich bin allerdings unsicher. Aus meinem Verständnis geht der Arbeitsvertag natürlich vor allem, also auch der Arbeitsplatzbeschreibung. Was allerdings wenn die Tätigkeiten sich aus beidem nicht ergeben und ie Kollegen diese Tätigkeit entsprechend einfach einstellen?


    Liebe Grüße,


    Micha

  • Im AV bzw in der Dokumentation lt NachwG ist eine kurze Charakterisierung oder Beschreibung der vom Arbeitnehmer zu leistenden Tätigkeit festzuhalten. Diese ist verbindlich.


    Die Stellenbeschreibung ist es erstmal nicht. Allerdings kann sich durch konkludentes Verhalten der AV-Parteien der AV auch ändern bzw konkretisieren, d.h. wenn nach einer vom AV ggf abweichenden Stellenbeschreibung gearbeitet wurde.

    "Dienst nach Vorschrift" (...) Man fragte ich als Betriebsratsvorsitzender ob diese Vorgehensweise rechtlich in Ordnung ist,

    Dienst nach Vorschrift ist rechtlich natürlich in Ordnung. Vorschrift ist aber die Weisung, die der AG gemäß § 106 GewO erteilt.


    Wenn eine Tätigkeit nicht arbeitsvertraglich abgedeckt ist, kann sie nicht angewiesen werden. Ggf kann aber auch strittig werden, was Inhalt des AV ist.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    Einmal editiert, zuletzt von Fried ()

  • evt. hilft dir dieser Link weiter, weil auch Arbeitsplätze entwickeln sich im Laufe der Zeit weiter (z.B. Elektronisierung, neue Maschinen, neue Methoden und Verfahren)


    Rechtsfragen zum Weisungsrecht des Arbeitgebers im Arbeitsrecht
    Umfang und Grenzen des Weisungsrechts des Arbeitgebers im Arbeitsrecht. Wann darf eine Weisung missachtet werden und Folgen der Mißachtung.
    www.rechtsanwalt-bach.de


    evt. kannst Du das "Problemfeld" etwas genauer beschreiben

    Beispiel: Ein Kollege führt bereits seit einigen Jahren eine bestimmte Tätigkeit aus. Vor einigen Jahren wurde diese Tätigkeit laut Arbeitsplatzbeschreibung einer anderen Gruppe von Kollegen zugewiesen. Aufgrund verschiedener Themen, ist die Gruppe dieser Kollegen sehr verärgert und möchte jetzt nur noch "Dienst nach Vorschrift" leisten und zieht hierfür die Arbeitsplatzbeschreibung heran.

    das ist so allgemein, das "Dienst nach Vorschrift" auch genau das sein könnte, was die AN jetzt nicht mehr machen wollen.

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • Ich versuche es etwas detaillierter: Die Kollegen sind laut AV Trainer. Bisher haben die Trainer auch Einzelcoachings am Mitarbeiter ausgeführt. Das wird durch die veränderte Arbeitsplatzbeschreibung nicht mehr abgedeckt. In dieser wird explizit auf das Ausführen/Erstellen von Schulungen hingewiesen, Coachings wurden bei der Umstrukturierung einer anderen Gruppe von Kollegen zugewiesen.


    Und genau um diese Coachings handelt es sich bei dem Teil, den die Trainer so nicht mehr ausführen wollen. Der AV ist hier auch nicht eindeutig. Deshalb meine Frage.

    Danke für den Link. Den werde ich gleich mal durchlesen.

    Ja das ist auch genau meine Sorge - nicht dass die Kollegen sich da auf sehr dünnes Eis begeben.

  • Ja das ist auch genau meine Sorge - nicht dass die Kollegen sich da auf sehr dünnes Eis begeben.

    aus deiner Beschreibung heraus würde ich meinen: dünnes Eis :)

    --> ist ja grundlegend gleichartige Tätigkeit, nur einmal mit vielen Zuhörern und einmal mit einem einzelen Zuhörer.

    desweiteren machen die das schon über Jahre und sie sind laut AV "Trainer"


    soweit jetzt der AV nicht weiter spezifiziert würde ich den MA davon abraten, einfach so ohne anwaltliche Prüfung der Sachlage die Aufgaben "Einzelcoaching" zu verweigern.

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  • Und genau um diese Coachings handelt es sich bei dem Teil, den die Trainer so nicht mehr ausführen wollen. (...) nicht dass die Kollegen sich da auf sehr dünnes Eis begeben.

    Das ist nicht nur dünnes Eis, das ist der Versuch, auf einem See im Hochsommer Schlittschuh zu laufen.


    M.E. ist das eindeutig vom AV gedeckt und im Arbeitsverhältnis auch gelebt.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Das ist nicht nur dünnes Eis, das ist der Versuch, auf einem See im Hochsommer Schlittschuh zu laufen.


    M.E. ist das eindeutig vom AV gedeckt und im Arbeitsverhältnis auch gelebt.

    Auch Dir danke nochmal. Ich hatte das vermutet, wollte hier aber sichergehen soweit es geht. Im Grundsatz können die Kollegen das nur anwaltlich prüfen lassen und dann entsprechend reagieren.

  • Auch Dir danke nochmal. Ich hatte das vermutet, wollte hier aber sichergehen soweit es geht. Im Grundsatz können die Kollegen das nur anwaltlich prüfen lassen und dann entsprechend reagieren.

    Selbst wenn man davon ausgehen müsste, dass die Weisung nicht rechtens ist, wäre die Empfehlung, ihr unter Vorbehalt der gerichtlichen Überprüfung zu folgen.


    Aber der Fall hier erscheint mir sehr eindeutig andersrum.

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  • Selbst wenn man davon ausgehen müsste, dass die Weisung nicht rechtens ist, wäre die Empfehlung, ihr unter Vorbehalt der gerichtlichen Überprüfung zu folgen.


    Aber der Fall hier erscheint mir sehr eindeutig andersrum.

    Jupp, alles andere wäre ein "va banque" Spiel. Im Endeffekt kann ich nur empfehlen. Ist halt gerade echt dicke Luft hier...

  • Ich ordne nach erstem Eindruck das Problem der Kolleg:innen und ihre Reaktion eher im Bereich der subjektiven Kränkung als im Reich der Fakten ein.


    AltErnie72 , für den BR bedenkenswert ist aber grundsätzlich, dass Stellen- bzw Tätigkeitsbeschreibungen Instrumente der Personalplanung sind, man also bei Veränderungen frühzeitig zu informieren wäre.

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    Einmal editiert, zuletzt von Fried () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Fried mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Ich ordne nach erstem Eindruck das Problem der Kolleg:innen und ihre Reaktion eher im Bereich der subjektiven Kränkung als im Reich der Fakten ein.

    Sagen wir so: Emotional ist die Reaktion sehr nachvollziehbar. Da ich hier die Vorgeschichte nicht breit treten möchte, habe ich mir das geschenkt. Formulieren wir es so: Hier wurden bestimmten Gruppen von Kollegen mit Anlauf ins Gesicht getreten. Und das wissentlich. Ich vermute, dass man hier demnächst eine Kündigungswelle erwarten kann, aber grundsätzlich ging es ja erst einmal nur darum den Kollegen einen vernünftigen Rat zu gehen. Das werde ich nun tun, und dann weitersehen.

  • Im Endeffekt kann ich nur empfehlen.

    und mögliche Konsequenzen aufzeigen, falls die Meinung der AN nicht der Rechtslage entsprechen sollte und dann wieder den Hinweis auf die anwaltliche Beratungsmöglichkeit.

    --> also keine "Angst machen", sondern sachlich alle Optionen aufzeigen (auch die die der AN nicht hören will)

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • Formulieren wir es so: Hier wurden bestimmten Gruppen von Kollegen mit Anlauf ins Gesicht getreten. Und das wissentlich.

    Dann ist die Reaktion der Kolleg:innen rational nachvollziehbarer...


    War das für den BR absehbar? Denn, wie oben geschrieben, hätte der AG die veränderten Stellenbeschreibungen wg § 92 BetrVG ja mit dem BR besprechen müssen...

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  • Dann ist die Reaktion der Kolleg:innen rational nachvollziehbarer...


    War das für den BR absehbar? Denn, wie oben geschrieben, hätte der AG die veränderten Stellenbeschreibungen wg § 92 BetrVG ja mit dem BR besprechen müssen...

    Da muss ich jetzt noch mal recherchieren. Die Veränderung war vor meiner Zeit - Soweit ich weiß wurde es aber abgesprochen da die entsprechenden Kollegen eine Vertragsänderung ( bezüglich Ihrer Bezeichnung ) unterzeichnen mussten damals.

    und mögliche Konsequenzen aufzeigen, falls die Meinung der AN nicht der Rechtslage entsprechen sollte und dann wieder den Hinweis auf die anwaltliche Beratungsmöglichkeit.

    --> also keine "Angst machen", sondern sachlich alle Optionen aufzeigen (auch die die der AN nicht hören will)

    Auf jeden Fall - aber das wird eh so sein, dass sie es nicht hören wollen. Dessen bin ich mir durchaus bewusst.

  • da die entsprechenden Kollegen eine Vertragsänderung (bezüglich Ihrer Bezeichnung) unterzeichnen mussten damals.

    Das muss kein:e AN. Und dieses Vorgehen des AG hat schon ein massives "Gschmäckle".

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Das muss kein:e AN. Und dieses Vorgehen des AG hat schon ein massives "Gschmäckle".

    Ok, "mussten" war die falsche Formulierung - unterschrieben haben trifft es - mir wurde damals sowas auch vorgelegt, ich habe dieses aber verneint und Ihnen mitgeteilt dass sie mir ja, wenn sie es denn unbedingt wollen, gerne eine Änderungskündigung geben können.

    Danach war es dann nie wieder Thema.

  • Ok, "mussten" war die falsche Formulierung - unterschrieben haben trifft es - mir wurde damals sowas auch vorgelegt, ich habe dieses aber verneint und Ihnen mitgeteilt dass sie mir ja, wenn sie es denn unbedingt wollen, gerne eine Änderungskündigung geben können.

    heißt aber ja: sie haben es unterzeichnet und damit dürfte die Tätigkeit "abgesegnet" worden sein von den AN.


    Das muss kein:e AN. Und dieses Vorgehen des AG hat schon ein massives "Gschmäckle".

    andererseits sollten erwachsene Menschen nur unterzeichnen was sie auch verstanden haben.

    Ich höre dieses "ich muss das ja unterschreiben" auch gelegentlich in Zusammenhang mit AV-Klauseln.

    Wenn man dann fragt, wer den AN den gezwungen hat und womit, höre (ich zumindestens) häufig: "Ich wollte ja den Job, aber eigentlich zu anderen Bedingungen, nur die haben mir keinen anderen AV angeboten, deshalb musste ich das ja unterzeichnen"

    Meine Standardantwort ist dann: man unterschreibt nichts, was man gar nicht will, sondern klärt das bevor man unterschreibt.

    --> daher bin ich da grundsätzlich "schmerzfrei" bei solchen "ich musste ja" Aussagen (mit Ausnahme von Fällen, wo klar ist der AN war tatsächlich nicht in der Lage das zu überblicken)

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    Einmal editiert, zuletzt von Randolf ()

  • heißt aber ja: sie haben es unterzeichnet und damit dürfte die Tätigkeit"abgesegnet" worden sein von den AN.

    Eher nicht, denn damals im selben Kontext wurde halt die entsprechende Stellenbeschreibung geändert. Und das To-Do Coachings auf eine andere Gruppe von Kollegen umgelegt. Das war eine Umstrukturierung damals, wo auch die Stellebeschreibungen erneuert wurden ( ist Schätzungsweise 4 Jahre her ). In der Realität haben die Kollegen ( und damals auch ich ) unseren Job wie vorher gemacht - also inklusive der Einzel-Coachings.

  • Man könnte natürlich arbeitsrechtlich iSd Kolleg:innen argumentieren, dass die damalige (angebliche) Notwendigkeit eines neuen AVes dafür spricht, dass die Stellenbeschreibung tatsächlich den AV spezifiziert und deswegen diese Weisung des AG von § 106 GewO nicht mehr gedeckt ist.


    Vllt zu spitzfindig...


    Und, wie gesagt, der Weisung unter Vorbehalt einer gerichtlichen Überprüfung sollte man eh folgen.

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    Einmal editiert, zuletzt von Fried ()

  • In der Realität haben die Kollegen ( und damals auch ich ) unseren Job wie vorher gemacht - also inklusive der Einzel-Coachings.

    Habe ich das jetzt richtig verstanden: Ursprünglich machten sie Gruppen-Training und individuelles Coaching (zu gleichen oder ähnlichen Themen). Dann ist der AG gekommen und hat gesagt: ihr macht nur noch Gruppen-Trainings, das Einzel-Coaching machen unsere "Spezialisten", das habe sie denen schriftlich gegeben, aber da sie nie eine "Spezialistentruppe" wirklich aufbauen konnten, wurden auch die Einzel-Coachings nach wie vor gemacht, obwohl das anders vereinbart/angesagt war?


    Dann sähe ich hier schon eine Möglichkeit, den AG mal beim Wort zu nehmen und zu sagen... schau mal, kam von dir... warum halten wir uns nicht einfach an das, was wir damals vereinbart haben?

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!