Gehaltsliste

  • Schönen guten Tag,


    Ich bin seit kurzen neu im Betriebsrat. Nun wurde ich von Arbeitnehmern angesprochen, ob ich Ihnen eine allg. Gehaltsliste zeigen könnte. Das heißt ohne Namen oder sonstiges. Also die reine Lohntabelle der Firma.


    Mein Arbeitgeber und die Personalchefin verweigern dies aber und sagen diese allg. Tabelle sei nur für den Betriebsrat bestimmt.


    Darf ich also keine Auskunft darüber geben, weil mir der Arbeitgeber es verbietet oder hat er dazu gar kein Recht?


    Tut mir leid, wenn solch eine Frage schonmal aufgetaucht ist.


    Danke für die Antworten


    Grüße Christian

  • Darf ich also keine Auskunft darüber geben, weil mir der Arbeitgeber es verbietet oder hat er dazu gar kein Recht?

    Ich fange mal mit der Lieblingsantwort aller Juristen an: Das kommt drauf an...


    Das BAG hat entschieden, wenn der AG selber die Auskunftsersuchen seiner AN gem. EntgTranspG erfüllt, hat der BR keinen Anspruch mehr auf die vollständigen Listen und darf auch die Daten nicht weitergeben. (Mal grob vereinfacht.)


    D.h. andersherum aber auch: der AG könnte diesen Task an den BR delegieren und sagen: wenn ihr was wissen wollt, redet mit dem BR, der hat die Zahlen.


    Aber mal kurz hierzu:

    ob ich Ihnen eine allg. Gehaltsliste zeigen könnte

    Das solltest du immer und unter allen Umständen vermeiden. Dafür sind die Daten schlicht zu sensibel. Was du machen kannst (wenn ihr eine solche Liste habt), du kannst dem Kollegen ausrechnen, wo er im Vergleich zu anderen AN liegt.


    Ansonsten soll der Kollege ein Auskunftsersuchen gem. § 10 EntgTranspG an den AG stellen. Auch dabei könnt ihr dem Kollegen helfen (wie formuliere ich das richtig, was muss ich angeben, damit da vernünftige Zahlen rauskommen etc.pp).


    Dann habt ihr Einsatz gezeigt, habt aber (sicher) kein Problem mit Datenschutz o.ä.

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Nach § 80 (2) BetrVG hat der BR über den BA oder einen entsprechenden Ausschuss Einblick in die kompletten Entgeltlisten aller AN (jedoch kein Recht auf Aushändigung), diese dürfen auch nicht anonymisiert sein. Der BR darf sich zu den eingesehen Listen Notizen machen, jedoch keine Kopien anfertigen. Die eingesehenen Daten sind vertrauliche personenbezogene Informationen, die der BR nicht weitergeben darf.


    Also nein, solche anonymisierten Gehaltslisten zur Einsicht für die AN gibt es nicht.


    Ich wüsste auch nicht, was die bringen sollten: Wenn ich eine Liste mit z.B. 1000 Gehältern hätte, aus denen jede Information gestrichen ist, die Rückschlüsse auf einzelne Personen zuließen, und da habe ich z.B. einen Range von 5000€ bis 120000€ Jahresverdienst, und AN habe ich von Putzkräften im Minijob bis hin zu AT-Angestellten mit viel Verantwortung und einer Abgeltung von einer bestimmten Anzahl von Überstunden mit inkludierten erfolgsanhängigen Boni, wenn also Unvergleichbares in der Liste auftaucht, was weiß ich dann?


    M.E. dürfte der BR aber aus seinen Notizen Auswertungen anfertigen und diese, sofern § 79 BetrVG und der Personaldatenschutz dem nicht entgegenstehen, ggf betriebsöffentlich machen.


    P.S., Moritz , das Recht auf Auskunft nach dem Entgelttransparenzgesetz ist sehr eng beschränkt auf den Gesetzeszweck, dient also nicht einem generellen Vergleich aller AN untereinander, und es beinhaltet nicht das Recht auf Einblick in anonymisierte Gehaltslisten.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • das Recht auf Auskunft nach dem Entgelttransparenzgesetz ist sehr eng beschränkt auf den Gesetzeszweck, dient also nicht einem generellen Vergleich aller AN untereinander, und es beinhaltet nicht das Recht auf Einblick in anonymisierte Gehaltslisten.

    Danke, das ist mir bekannt und ich habe auch nichts gegenteiliges behauptet. (Allerdings kann ich mit dem Vergleichswert von Männlein und Weiblein durchaus auch mein eigenes Gehalt einordnen, nicht?) Es ging mir nur darum (ohne es explizit ausgeführt zu haben, mein Fehler), dass der BR dem AN hier eine Möglichkeit aufzeigt, wie er grundsätzlich eine "Einordnung" seines Gehaltes haben kann (was genau er mit der Liste will, bzw. was er sich davon verspricht, weiß ich doch gar nicht). Und gleichzeitig könnte (!!!) es dem AG zu lästig werden, wenn da alle Nase lang einer mit einem vernünftig formulierten Auskunftsersuchen aufschlägt, so dass er dann vielleicht genervt sagt: hier BR, nimm die Listen und kümmer dich...


    Sich nur hinzustellen und dem Kollegen zu sagen: ja, wir dürfen reinschauen, können dir aber nichts sagen, ist doch auch unbefriedigend. Aber etwas kann der BR ja anbieten... (ob der Kollege damit etwas anfangen kann (und/oder will)? Keine Ahnung. Aber vielleicht es es auch genau das, was ihm helfen würde. (Oder er sieht zumindest, dass der BR getan hat, was er konnte.)

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  • Moritz , dass Du das weißt, weiß ich, ich versuche in Threads nur davon auszugehen, dass andere Teilnehmer:innen oder gar der/die Threadstarter:in etwas, das vllt missverständlich formuliert ist oder Sachen offen lässt, nicht so sicher beurteilen können. Und dann scheiße ich Weinbeerln, damit die dann nicht evtl falsche Schlussfolgerungen ziehen.


    Was ich mich bzgl des Einsichtsrechtes frage, vllt ist ein anderer Kommentar da ergiebiger als der ErfK:

    M.E. dürfte der BR aber aus seinen Notizen Auswertungen anfertigen und diese, sofern § 79 BetrVG und der Personaldatenschutz dem nicht entgegenstehen, ggf betriebsöffentlich machen.

    Dürfte der BR aus den Notizen der Einsichtnahme eine Statistik für eine genügend große Berufsgruppe anfertigen mit z.B. folgendem Inhalt: Mindestgehalt in der Gruppe, Höchstgehalt in der Gruppe, Einkommensquartile (25% verdient mehr als, 50% verdient mehr als, 75% verdient mehr als...)?


    Also, ich meine nicht nur für sich selber anfertigen (das darf er bestimmt), sondern diese Statistik auch betriebsöffentlich machen?

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    Einmal editiert, zuletzt von Fried () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Fried mit diesem Beitrag zusammengefügt.