Betriebsvereinbarung Fahrtkosten

  • Wir haben in unserem Geschäftsgebiet mehrere Standorte, die maximal 30km auseinander liegen. An einigen Standorten davon gibt es Fahrzeuge vom Arbeitgeber, die für Dienstfahrten genutzt werden können. Steht kein Dienstwagen zur Verfügung, kann man den eigenen Wagen nehmen und mit 0,30 € abrechnen. So ist es bisher.


    Unser Arbeitgeber möchte nun (warum auch immer) nicht mehr, dass die Fahrzeuge für ganztägige Fahrten genutzt werden. Heißt also, wenn ich normalerweise am Standort A arbeite und am Dienstag in Standort B arbeiten muss, darf ich keinen Firmenwagen nehmen und auch will er für ganztägige Einsätze an anderen Standorten keine Fahrtkosten erstatten. Demnach müsste ich mir das über die Steuererklärung wiederholen. Ist das so zulässig? In den Arbeitsverträgen (zumindest in den Neueren) steht drin, dass man in allen Standorten eingesetzt werden kann.

    Für untertägige Wechsel hingegen soll man weiter Fahrtkosten einreichen dürfen.


    Mir erschließt sich die Sinnhaftigkeit hier nicht ganz.

  • Mir erschließt sich die Sinnhaftigkeit hier nicht ganz.

    Mir auch nicht. Außer, dass es ihm offensichtlich die Planung erschwert, weil so Fahrzeuge einen ganzen Tag nicht verfügbar sind.


    Aus welchem Grund müssen denn bei euch AN an anderen Standorten arbeiten?


    Wir hatten ein ähnliches Problem, wo der AG auch der Meinung war, wenn ein Kollege mal statt in Hamburg in Kiel arbeitet, ist das ja nicht seine normale Tätigkeit (die Tätigkeit in der Filiale hingegen schon), weshalb der AG die Reisezeit den Kollegen aufbrummen wollte. Wir haben ihm dann erklärt, dass wir dann zukünftig den Kollegen empfehlen werden, erst ihren Stammarbeitsplatz anzufahren und von dort ihre Dienstreise anzutreten. Dann kommen sie halt erst 2 Stunden später in der anderen Filiale an. Aber dann passt das wenigstens mit den Fahrzeiten und dem Fahrgeld. Das war der Punkt, wo unser AG verstanden hat, dass das so nicht läuft...


    Aber wenn das Problem des AG das fehlen von Fahrzeugen ist, dann solltet ihr ihm einfach mal empfehlen, sich mit einer der großen Autovermietungen in Verbindung zu setzen. So ein Fahrzeug kostet am Tag irgendwas um die 50 Euro und der AG hat seinen Fuhrpark weiterhin zur Verfügung.


    Wenn mein AG mir erklären würde, ich müsste jetzt, nur weil es ihm in den Kram passt, mal eben das dreifache an Fahrzeit und Fahrgeld ausgeben um mir das über die Lohnsteuer erstatten zu lassen - mein Fahrzeug wäre immer an den Tagen wo ich es dafür brauchen würde, gerade kaputt, in der Werkstatt oder meine Frau bräuchte es, um den Hamster zum Tierarzt zu bringen... :saint:

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • In den Arbeitsverträgen (zumindest in den Neueren) steht drin, dass man in allen Standorten eingesetzt werden kann.

    Was steht in den "alten" AVen?


    Was genau steht in den neuen? Gibt es einen Haupterbringsort der Arbeitsleistung und der AG kann woanders hin versetzen? Oder sind dir wechselnden Arbeitsorte bereits standardmäßig vereinbart?

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • es gibt in den wirklich alten Verträgen noch feste Einsatzorte. In den neuen Verträgen heißt es, dass man sowohl im Hauptstandort als auch in den anderen Stellen eingesetzt werden kann. Es gibt halt bei uns Spezialisten, die bspw. 3 Tage in der Woche im Hauptstandort arbeiten und 2 Tage in einer Außenstelle.

  • in einer Außenstelle

    In einer oder in einer bestimmten? Hintergrund der Frage: Wenn von vorneherein HV und Posemuckel vereinbart ist, dann hätte der AG sogar Recht, wenn er sagt, dass das die Einsatzorte sind und der AN selber zuständig ist, für seinen Weg zur Arbeit. Wenn es sich aber jede Woche anders entscheidet, ob Posemuckel, Kleinkleckersdorf oder doch Hinterbergmerkzwerghalberhausen - da würde ich erwarten, dass der AG auch dafür sorgt, dass seine Spezialisten die notwendige Flexibilität haben.

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  • es gibt in den wirklich alten Verträgen noch feste Einsatzorte.

    Wenn er denn überhaupt versetzen könnte, ist die Fahrt vom festen Einsatzort zum anderen vom AG zu ersetzen. Mehr noch: Die AN müssen ihre Privat-PKW dafür nicht einsetzen.

    In den neuen Verträgen heißt es, dass man sowohl im Hauptstandort als auch in den anderen Stellen eingesetzt werden kann.

    Sind alle Arbeitsorte gleichwertig genannt, oder gibt es einen arbeitsvertraglichen Haupterbringsort mit Versetzungsklausel?

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  • Unser Arbeitgeber möchte nun (warum auch immer) nicht mehr, dass die Fahrzeuge für ganztägige Fahrten genutzt werden. Heißt also, wenn ich normalerweise am Standort A arbeite und am Dienstag in Standort B arbeiten muss, darf ich keinen Firmenwagen nehmen und auch will er für ganztägige Einsätze an anderen Standorten keine Fahrtkosten erstatten.

    Hm. Seltsames Ansinnen.

    Auf eure privaten Ressourcen darf er nicht zugreifen, kann also keine dienstlich begründeten Fahrten auf private Kosten verlangen, so wie er auch keine Arbeit in der Freizeit (Ressouce Zeit) der dienstliche Telefonate mit privaten Telefonen verlangen darf. Wo kämen wir sonst auch hin? Geld mitbringen, um arbeiten zu dürfen?


    Wenn ihr aus dienstlichen Gründen herumfahren müsste, ist das Fahrzeg ein Arbeitsmittel. Entweder stellt er euch ein Fahrzeug oder er zahlt für die dienstliche Nutzung eurer privatautos eine Gebühr, also diese 30 Cent/km. Die sind i.d.R. ohnehin nicht kostendeckend, aber das ist schon wieder ein anderes Thema.


    Demnach müsste ich mir das über die Steuererklärung wiederholen.

    "Wiederholen" passt m.E. nicht so ganz, denn für die Steuererklärung wirken Werbungskosten nur Steuer-mindernd, d.h. durch Abzug von u.a. Werbungskosten sinkt die zu versteuernde Summe deiner Einnahmen und dadurch wiederum die Höhe der Steuern. Bei einem Steuersatz von beispielsweise 40% würdest du also bei angesetzten 100 Euro nicht etwa 100 Euro zurückbekommen, sondern 40 Euro weniger Steuerlast haben.

    (Das ist natürlich alles SEHR grob vereinfacht, aber die Richtung wird hoffentlich erkennbar. Grundfreibeträge, ggf. zumutbare Eigenanteile und richtig viele andere Kleinigkeiten machen Steuern zu einem sehr komplexen Thema.)

    Du bekommst also keine Ausgaben erstattet, deswegen kannst du dir solche Auslagen auch nicht per Steuererklärung "wiederholen".


    Wie Moritz bereits schrieb: wenn ich dienstliche Fahrten ohne jede Vergütung mit dem Privatauto machen müsste, dann hätte ich _für den AG!_ kein Auto mehr. Dann ist es nur geliehen und dies mit enger Zweckbindung oder einem Tageslimit, welches keine Umwege zulässt. Oder kaputt, von einem anderen Familienmitglied genutzt usw. Jedenfalls untertags nicht verfügbar, wenn es um dienstliche Veranlassung geht.


    Achja; bei uns darf man auch morgens direkt zu anderen Arbeitsorten (Standorten) oder zum Feierabend von diesen direkt heimfahren, es sind von den dienstlich abzurechnenden Kilometern lediglich die Kilometer abzuziehen, welche man ohnehin normalerweise zum eigenen Standorte gefahren wäre.

    Also wenn ich normal 7 km fahre und dann halt man an einem Morgen 13 km direkt zu einem anderen Standort, um dort meine Arbeit aufzunehmen, dann darf ich dem AG die 6 Kilometer Differenz in Rechnung stellen und abrechnen. Bleibe ich den ganzen Tag dort, kann ich für den Heinmweg natürlich ebenfalls 6 km dienstlich ansetzen.

    Ggf. Standortwechsel unter tags wird voll angesetzt, ist ja zweifelsfrei auch dienstlich veranlasst.

    Man wird alt wie ein Haus und lernt doch nie aus.