Zertifizierter Mediator - Erfahrungen mit der Ausbildung?

  • Hallo zusammen,


    ich interessiere mich aktuell für das Thema Mediation.

    Ist von euch jemand als zertifizierter Mediator ausgebildet und kann aus praktischer Sicht berichten, wie sich das in eurem Betrieb ausgewirkt hat?

    Die Ausbildung ist ja mit ~5000 Euro nicht ganz billig. Freistellung nach §37, 6 BetrVG ist aber grundsätzlich möglich.


    Allgemein:

    Findet ihr das Konzept der Mediation sinnvoll? Als BR anwendbar?


    Warum ich mich dafür interessiere ist der Grund, dass wir auffallend viele Konflikte zwischen Personal und Vorgesetzten (die wurden vorgesetzt, Führungskräfte führen. Sind sie nicht!) haben und ich mittlerweile regelmäßig zu 6 Augen Gesprächen gebeten werde, um die Kuh vom Eis zu holen.

    Bisher habe ich auch sehr befriedigende Ergebnisse erzielt, aber man sollte ja nie aufhören es besser machen zu wollen.


    Daher bitte ich um eure praktische Erfahrung und und um eure Meinung.

  • Findet ihr das Konzept der Mediation sinnvoll? Als BR anwendbar?

    Ja, absolut. Und ja, abhängig von den betrieblichen Gegebenheiten.

    Freistellung nach §37, 6 BetrVG ist aber grundsätzlich möglich.

    Ich fürchte aber leider, das wird im Streitfall nicht sehr gut verargumentierbar sein, denn faktisch gehört das nicht explizit zu den gesetzlich definierten Aufgaben des BR. D.h. der AG muss mitspielen.


    Ich selber habe beim ifb 2003/2004 die Schulungen Mediation 1 + 2 gemacht, die für mich persönlich kompetent geleitet wurden und sehr informativ waren. Mein Eindruck war damals aber, dass Teilnehmer:innen, die diesbzgl beruflich nicht vorgebildet waren, und das war die Mehrzahl, teils ziemliche Probleme hatten und nicht unbedingt immer gut "abgeholt" wurden.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Danke für den Beitrag.

    Wo hast du das praktisch einsetzen können? Konflikte zwischen AG und BR oder AN mit Führungskräften?

    Oder beides?


    Wie bahnt sich so eine Mediation an? Wirst du gerufen oder leitest du die Mediation ein?


    Wenn ich bisher vermittle, dann auf Wunsch des Mitarbeiters.

  • Da ich 2008 bei meinem damaligen AG und damit auch aus dem BR-Amt dort ausgeschieden bin, sind meine praktischen Erfahrungen damit doch etwas länger her. Bei meinem jetzigen AG (wo ich, trotzdem ich mir geschworen hatte, es nie wieder zu tun, wieder in der AN-Vertretung gelandet bin, aber ohne hervorgehobenes Amt) habe ich das nie eingesetzt.


    Bei Konflikten zwischen AG und BR ist man Partei, da hilft die Mediationsausbildung nicht.


    Einsetzbar war es bei Konflikten innerhalb von Abteilungen, z.B. zwischen hierarchisch gleichgestellten Kolleg:innen, aber auch zwischen Untergebenen und Vorgesetzten.


    Die Mediation kann nicht durch die Mediator:innen einfach eingeleitet werden. Eine der Parteien muss die Mediation beauftragt, die anderen Parteien müssen zugestimmt haben. Wenn man einen solchen Konflikt im Betrieb hat, kann man ukd sollte man aber auf das Angebot aufmerksam machen und dafür werben.


    Bei Konflikten zwischen AG und BR ist man Partei, da hilft die Mediationsausbildung nicht.

    Das ist falsch ausgedrückt. Sie hilft insofern, als dass man vllt das Verhalten bzw die Kommunikation des AG besser einschätzen und darauf reagieren kann und so vllt einen Konflikt vorab entschärft.


    Aber man kann nicht einen Konflikt schlichten, in dem man selber Partei ist.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    Einmal editiert, zuletzt von Fried () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Fried mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Ich habe früher (2003) eine Ausbildung zur Familienmediation durchgemacht, allerdings ohne Prüfung/Zertifikat.
    Ich finde, ergänzend zu den Bemerkungen von Fried, denen ich zustimme: Bei Streitigkeiten im Betrieb sollten neutrale externe Wirtschafts-MediatorInnen oder Supervisoren hereingeholt werden. Es gibt z. B. sog. "geschickte Mediationen", bei denen die Konfliktbeteiligten (betroffenen Beschäftigten oder Gruppen) quasi in die Mediation geschickt werden (nicht ganz freiwillig), damit Lösungen miteinander gefunden werden.


    Es kann natürlich nur von Vorteil sein, wenn BR-Mitglieder mediative Fähigkeiten erlernen und anwenden.

  • Es gibt z. B. sog. "geschickte Mediationen", bei denen die Konfliktbeteiligten (betroffenen Beschäftigten oder Gruppen) quasi in die Mediation geschickt werden (nicht ganz freiwillig), damit Lösungen miteinander gefunden werden.

    Gibt es. Im Zuge des Direktionsrechtes kann der AG eine Mediation z.B. in einer konfliktträchtigen Abteilung anordnen. Das macht eine Mediation aber nicht unbedingt leichter, gelinde gesagt.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Die Mediation ist ein sehr wichtiges und bedeutendes Instrument und zwischen Konfliktparteien zu vermitteln. Auch wird das nicht umsonst von Rechtsschutzversicherungen angeboten um einen teuren Gerichtsprozess zu verhindern. Nicht selten stellen die Gerichte dann krazze Nachteile für die eine Partei. Das hat dann wieder zur Folge das man in die Instanzen gehen muss um Recht zu bekommen. Mit fällt gerade ein es gibt ja auch Schiedsgerichte, welche ähnlich funktionieren. Die Verhandlung auf Augenhöhe ist für beide Konfliktparteien sehr wichtig. Mediatoren werden inzwischen ausgebildet und müssen einen Wissensnachweis/Kenntnisnachweis erbingen. Es gibt ja auch Ombudsstellen, welche nach einem ähnlichen Prinzip verfahren.