Nachweisgesetz im Bewerbungsprozess

  • Hallo liebes Forum,

    ein Bewerber fragt im Rahmen des Bewerbungsprozesses nach den im Arbeitsvertrag erwähnten Betriebsvereinbarungen. Aktuell muss der AG diese innerhalb 1 Monat nach Arbeitsbeginn dem neuen Mitarbeiter übergeben.
    Ich kann den Bewerber verstehen, der gerne aber im Vorfeld bereits die Unterlagen als Grundlage seiner Entscheidung nutzen würde.

    Muss der Arbeitgeber im Vorfeld die Unterlagen bereits zur Verfügung stellen?


    Viele Grüße


    Michael

  • Wenn im Arbeitsvertrag sich auf Betriebsvereinbarungen bezogen wird muss der AG diese auch mit dem Arbeitsvertrag dem Kandidaten geben. Denn sonst wäre die Klausel im Arbeitsvertrag nichtig. Der AG könnte sich im Notfall nicht auf die Betriebsvereinbarungen beziehen.

  • Lexipedia , das ist bzgl des Verhältnisses von BVen und AVen natürlich fundamental falsch. BVen wirken unmittelbar und zwingend auf das Arbeitsverhältnis, egal ob sie im AV erwähnt werden oder nicht. Oder anders aufgezogen: Was ist die Rechtsquelle Deiner Aussage?


    (Beispiele: Der AV legt eine wöchentliche ArbZ von x Stunden fest und verweist bzgl der Verteilung der ArbZ auf die im Betrieb geltende BV, oder der AV legt die Zahl der Urlaubstage fest und verweist bzgl der Urlaubsgrundsätze auf die im Betrieb geltende BV - inwiefern würden diese BVen auf das Arbeitsverhältnis nicht anwendbar sein, wenn sie nicht beigelegt wären?)


    MichaelP , der AG muss in dem Zusammenhang das, was im NachwG steht. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn ihm die Unterschrift des/der neuen AN sehr wichtig wäre, kann und darf er aber.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    2 Mal editiert, zuletzt von Fried ()

  • Muss der Arbeitgeber im Vorfeld die Unterlagen bereits zur Verfügung stellen?

    Ein Müssen im juristischen Sinne würde ich, wegen der schon erwähnten unmittelbaren Wirkung, auch verneinen wollen.


    Wenn ich aber als AG im Arbeitsvertrag auf eine BV verweise, sollte es schlicht guter Stil sein, auch die derart "verklausulierten" Vertragsbedingungen offen zu legen.


    Als potentieller AN will ich doch vor Unterschrift wissen, was auf mich zukommt.

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Hallo,


    es liegt schlicht und ergreifend am AN, die vollständige schriftliche Fassung der arbeitsvertraglichen Bedingungen einzufordern, bevor er/sie eine Zusage gibt bzw . unterschreibt.


    Bei einem AG, der nicht in der Lage bzw. nicht willens ist, vollständige Arbeitsverträge vorzulegen und auch ggfs. tarifvertragliche Regelungen zu "liefern", sollte sich ein*e Bewerber*in gut überlegen, zuzusagen.