Was gehört zu einem leidensgerechten Arbeitsplatz?

  • Hallo @ll,


    heute treibe ich mich mal hier rum. Und habe nur eine Frage zum leidensgerechten Arbeitsplatz. Ich bin schwerbehindert (GdB 50) und habe ausstattungsmäßig schon ganz gute Bedingungen. Was mich jetzt aber noch beschäftigt: Gehört eine Arbeitszeitänderung auch dazu?


    Hintergrund: Ich möchte auf Grund unserer neuen BV mit einer für Teilzeitler dusseligen und unsinnigen Pausenregelung meine AZ von 6 h x 5 Tage auf 7 h Mo-DO + 4 h Freitags ändern. Dabei Mo-Do zzgl. 30 Minuten Pause, Freitags ohne Pause. Und ja, das wären 2 h mehr pro Woche. Aber das wäre ok.


    Dies dürfte ja erst mal dem ArbZG entsprechen. Weil aber unser AG ziemlich unflexibel und stur ist (unser BR leider auch), würde ich natürlich auch gern das Argument eines leidensgerechten Arbeitsplatzes in meinem Antrag bringen. Meine Schwerbehinderung umfasst neben einigen körperlichen Gebrechen auch einiges an seelischen Beeinträchtigungen.


    Und wenn der AG da nicht mitmacht, wäre da unsere SBV in der Pflicht, mich zu unterstützen? Bisher ist da ja leider nicht viel gekommen von ihr. Und könnte man für solche Fälle auch das Integrationsamt um Unterstützung bitten?


    LG Lilex

    ~~~ Alle sagten: Das geht nicht! Dann kam einer, der wusste das nicht und hat es einfach gemacht. ~~~

    ~~~ Eine Lösung hätte ich - mir fehlt nur das passende Problem. ~~~

  • Ich bin jetzt kein Experte in diesem Thema, da können andere bestimmt rechtssichere Aussagen treffen.


    Auf den ersten Blick würde ich allerdings schon hinterfragen, warum zurückliegend die AZ-Verteilung 6h x 5 Tage mit deiner Schwerbehinderung vereinbar war, jetzt auf einmal eine andere Arbeitszeitverteilung notwendig ist.

    Zumindest die Begründung für die Neuverteilung der Arbeitszeit kann natürlich nicht die neue BV zur Arbeitszeit sein. Vielmehr müsstest du aus meiner Sicht gesundheitliche Gründe anführen. Wenn diese stichhaltig sind, denke ich wird der AG nicht auskommen.


    Aber wie schon gesagt, ich bin in diesem Themenfeld eher ein Laie.

    Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen

    (Aristoteles)

  • Hallo stehipp, bei meiner alten Vereinbarung mit den 5x6 h hatte ich noch einen individuellen Vertrag. Nach Einführung dieser neuen BV wurde mein Vertrag angepasst und nun habe ich extrem starre Arbeitszeiten, die mich seelisch halt ziemlich beeinflussen.

    ~~~ Alle sagten: Das geht nicht! Dann kam einer, der wusste das nicht und hat es einfach gemacht. ~~~

    ~~~ Eine Lösung hätte ich - mir fehlt nur das passende Problem. ~~~

  • Lilex m.W: umfasst der Leidensgerechte Arbeitsplatz primär technische Ausstattung, also Stühle, Tragehilfen, Leiterchen, höhenverstellbare Tische, Beleuchtung, Rolli-Rampen, MindesttürbreitenLifter, Exoskelette oder was es da sonst noch auch abseits von Büroarbeitsplätzen gibt, aber keine Veränderungen von Arbeitszeit.


    Der Spezi ist diesen Themen ist aber albarracin , er macht das schon viel länger und verfügt über fundiertes Wissen.


    Nach Einführung dieser neuen BV wurde mein Vertrag angepasst

    Das wäre fast ein eigenes Thema, denn einseitige Anpassungen sind so eine Sache. Hast du eine Änderungskündigung erhalten oder wurde tatsächlich nicht der Vertrag angepasst, sondern eine Regelung, auf welche sich den AV bezieht?

    Für dieses Thema ist das aber vermutlich nicht vorrangig, muss man also nicht auswalzen, sonst lenkt es nur den Fokus von deiner neuen Frage weg.


    Kannst du das bitte näher erläutern

    Dazu gibt es bereits zwei Threads von Lilex (#1, #2), meiner bescheidenen Meinung kann man dort nachlesen und muss das hier nicht erneut abhandeln. Wie geschrieben, es würde den Fokus dieses Threads verschieben , zudem auf ein bereits (zweimal) abgehandeltes Thema.

    Man wird alt wie ein Haus und lernt doch nie aus.

  • Hallo,


    die leidensgerechte Arbeitszeit ist ausdrücklicher Bestandteil des "Maßnahmenkatalogs des § 164 Abs. 4 Satz 1 Nr. 4 SGB IX:

    § 164 SGB IX - Einzelnorm (gesetze-im-internet.de)

    Dabei handelt es sich um einklagbare Rechtsansprüche


    Diese Rechte sind als Schutzgesetz ohne Öffnungsklausel auch nicht tarif- bzw. betriebsdisponibel. Ein AG darf deswegen eine leidensgerechte Organisation der Arbeitszeit auch nicht mit Verweis auf betriebliche Regelungen einseitig ändern bzw. verweigern.

    Allerdings ist für die Wahrnehmung der Rechte aus § 164 Abs. 4 SGB IX Voraussetzung, daß es einen Zusammenhang mit der Behinderung gibt und medizinische Gründe für die angestrebte Maßnahme.


    Bezüglich der Erhöhung der Arbeitszeit kommt es darauf an, ob die Arbeitszeit in der Vergangenheit aus behinderungsbedingten Gründen reduziert wurde oder ob die jetzige Arbeitszeit von Anfang an so vereinbart war.


    Natürlich ist es gesetzliche Aufgabe der SBV, gem. § 178 Abs. 1 SGB IX

    § 178 SGB IX - Einzelnorm (gesetze-im-internet.de)

    die schwerbehinderten/gleichgestellten Beschäftigten bei der Durchsetzung Ihrer Rechte zu unterstützen - eine Verpflichtung, die übrigens auch für den BR gilt gem. § 80 Abs. 1 Nr. 1 und 4 BetrVG:

    § 80 BetrVG - Einzelnorm (gesetze-im-internet.de)


    Es liegt leider in der Natur der Sache, daß Vertrauenspersonen einen unterschiedlichen Grad an Professionalität haben.

    Schwerbehinderte/gleichgestellte Beschäftigte können aber bei entsprechenden Problemen auch selbst an das zuständige Integrationsamt zugehen, besser aber direkt an den örtlich zuständigen Integrationsfachdienst

    Unterstützung durch den Integrationsfachdienst | BIH

  • Tut mir leid aber für mich hört sich das an als wenn jemand mit einer betrieblichen Regelung nicht einverstanden ist und deswegen seine Behinderung benutzen will um sich ne Sonderregelung zu schaffen.


    Ein Anrecht auf eine Stundenerhöhung hat man eh nur in den seltensten Fällen ....siehe albarracin und wie ich einer SBV oder dem Integrationsamt beibringen will, dass ich nicht 5mal 6 Stunden sondern ,,nur" 4mal 7 und einmal 4 arbeiten kann würde mich auch interessieren!

  • Hallo stehipp, bei meiner alten Vereinbarung mit den 5x6 h hatte ich noch einen individuellen Vertrag. Nach Einführung dieser neuen BV wurde mein Vertrag angepasst und nun habe ich extrem starre Arbeitszeiten, die mich seelisch halt ziemlich beeinflussen.

    Hmmm naja, eine Regelung 5x6 Stunden ist doch sehr starr.

    4x7 + 1x4 ist genauso starr, nur eben anders verteilt.


    Insofern bleibe ich bei meiner Meinung, die Begründung für die Änderung der Arbeitszeit kann ausschließlich durch die Besonderheiten deiner gesundheitlichen Situation begründet werden. Inwiefern es hier Gründe gibt, kannst nur du und evtl. dein Arzt finden.

    Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen

    (Aristoteles)

  • Hallo,


    wenn man so gar keine Ahnung von Behinderung und ihren individuellen Auswirkungen hat und erst recht keine Ahnung von den rechtlichen Grundlagen, die der Gesetzgeber aus gutem Grund geschaffen hat, sollte man/frau sich mit moralisierenden Äußerungen etwas zurückhalten.

    Ich habe derartige Fälle mehrfach im Jahr. Notwendig ist halt immer eine individuelle Betrachtung der Behinderung und ihrer Auswirkungen. Eine Arbeitszeitregelung, die für X der reinste Segen ist, kann sich für Y gesundheitlich nachteilig auswirken.

  • die für X der reinste Segen ist, kann sich für Y gesundheitlich nachteilig auswirken....da gebe ich dir recht aber auch für behinderte Mitarbeiter ist der Arbeitsplatz kein Wunschkonzert. Wenn wie aus den bisherigen Beiträgen von Lilex erkennbar eine schlechte Regelung für Teilzeitkräfte von AG und BR geschaffen wurde brauche ich meine Behinderung nicht in den Vordergrund zu setzen um eine Änderung meiner Arbeitszeit zu erreichen.

  • Diese 2 h Erhöhung wäre nur "Nebenprodukt". Und es geht auch nicht primär um eine AZ-Erhöhung.

    Tut mir leid aber für mich hört sich das an als wenn jemand mit einer betrieblichen Regelung nicht einverstanden ist und deswegen seine Behinderung benutzen will um sich ne Sonderregelung zu schaffen.

    Natürlich bin ich nicht einverstanden. Aber dazu bei Bedarf in den entsprechenden Treads nachlesen, warum wieso weshalb...


    Bezüglich der Erhöhung der Arbeitszeit kommt es darauf an, ob die Arbeitszeit in der Vergangenheit aus behinderungsbedingten Gründen reduziert wurde oder ob die jetzige Arbeitszeit von Anfang an so vereinbart war.


    Ich bekomme jedes Jahr einen neuen Änderungsvertrag. Und diesmal übrschnitt sich der Beginn des neuen Vertrages mit der Einführung dieser BV. Daher hat der Personalonkel gleich reingeschrieben, dass die BV gilt. Die vorigen Jahre habe ich meinen Vertrag immer so bekommen, wie ich es beantragt hatte. Aber wie gesagt, mir geht es nicht um die Erhöhung. Wenn es nur daran scheitern würde, würde ich natürlich bei meinen 30 Stunden bleiben. Und diese AZ-Kürzung habe ich von Anfang an mit § 164 Abs. 4 SGB IX begründet.



    Das ist bei uns leider der Knackpunkt. Der BR scheint ein Kuschelpartner des AG zu sein und die SBV (seit weit über 10 Jahren im Amt) ist auch immer überfragt. Das Problem ist, sie macht sich dann auch nicht schlau. Ich bzw. wir Schwerbehinderten sollen uns dann selbst kümmern.


    Aber der Tipp mit dem örtlichen Integratinsfachdienst find ich gut! Dort hatte ich schon mal vor 3 oder 4 Jahren angerufen. Die waren da echt sehr freundlich. Das werde ich auf jeden Fall in Angriff nehmen.


    die für X der reinste Segen ist, kann sich für Y gesundheitlich nachteilig auswirken....da gebe ich dir recht aber auch für behinderte Mitarbeiter ist der Arbeitsplatz kein Wunschkonzert. Wenn wie aus den bisherigen Beiträgen von Lilex erkennbar eine schlechte Regelung für Teilzeitkräfte von AG und BR geschaffen wurde brauche ich meine Behinderung nicht in den Vordergrund zu setzen um eine Änderung meiner Arbeitszeit zu erreichen.

    Warum soll ich meine Behinderung nicht mit ins Spiel bringen? Ich bin es nun mal und wenn mir die neue Regelung psychisch überhaupt nicht bekommt, dann bringe ich die ins Spiel und gut. Und nochmals: Es geht nicht um eine Erhöhung der AZ, sondern um eine bessere tägliche Verteilung.

    ~~~ Alle sagten: Das geht nicht! Dann kam einer, der wusste das nicht und hat es einfach gemacht. ~~~

    ~~~ Eine Lösung hätte ich - mir fehlt nur das passende Problem. ~~~

    Einmal editiert, zuletzt von Lilex () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Lilex mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Hallo,


    mit Verlaub, aber wie habe ich das hier

    Ich bekomme jedes Jahr einen neuen Änderungsvertrag.

    zu verstehen?


    Hast Du einen befristeten Arbeitsvertrag?


    Daher hat der Personalonkel gleich reingeschrieben, dass die BV gilt.

    Der kann reinschreiben, was er will. Wie schon geschrieben, geht das Gesetz vor.


    Und das hier

    Ich bin es nun mal und wenn mir die neue Regelung psychisch überhaupt nicht bekommt, dann bringe ich die ins Spiel und gut.

    ist durchaus ein zu berücksichtigender Aspekt - egal, ob es die Vorstellungskraft nicht-behinderter Menschen übersteigt.

  • Warum willst du eigentlich 2h länger?

    Diese 2 h Erhöhung wäre nur "Nebenprodukt". Und es geht auch nicht primär um eine AZ-Erhöhung.

    ...dieses "Nebenprodukt" könnte evtl. zum Problem werden.

    Denn damit stellst Du im Prinzip formal einen Antrag auf Verlängerung der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit gem. § 9 TzBfG.

    Nun ist es in diesem Fall so, dass die Verteilung der verlängerten Arbeitszeit allein durch das Direktionsrecht des AG bestimmt wird (natürlich mit Zustimmung des BR usw., aber der taugt bei Euch ja scheinbar nix.). Im Gegensatz zu § 8 TzBfG wo der AG die Verteilungswünsche des AN (der reduzierten Arbeitszeit) zu berücksichtigen hat.

    Daher würde ich hier auch erstmal nur die Neuverteilung beantragen und dann in diesen Rahmen die Verlängerung anbieten (aber nicht beantragen).

    „Schreibe nicht der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist“

    Hanlons Rasiermesser

  • ... brauche ich meine Behinderung nicht in den Vordergrund zu setzen um eine Änderung meiner Arbeitszeit zu erreichen.

    Dieses Moralisieren ist mir vollkommen unverständlich. Wenn jemand ein gesetzlich verbrieftes Recht wahrnimmt, ist das absolut statthaft. Punkt.


    Und die damit verbundenen Unterstellungen finde ich unsympathisch. Bei aller Liebe, die ich ansonsten für Dich habe, schwede12 , das hier halte ich für einen Griff ins Klo.

  • Deine Meinung Fried ist okay aber ich bin weiterhin der Meinung wenn jemand seine Behinderung benutzt um für sich bessere Bedingungen zu erreichen finde ich das nicht okay!


    Es gibt bestimmt auch viele andere Teilzeitkräfte die nicht mit der Regelung von Lilex Betrieb einverstanden sind und drunter leiden. Dann sollte man sich eher dafür einsetzen, dass es für Alle eine vernünftige Lösung gibt.


    Aber wenn Lilex schreibt....dann bringe ich eben meine Behinderung ins Spiel.....mal schauen ob sie es durch bekommt.

  • Deine Meinung Fried ist okay aber ich bin weiterhin der Meinung wenn jemand seine Behinderung benutzt um für sich bessere Bedingungen zu erreichen finde ich das nicht okay!


    Es gibt bestimmt auch viele andere Teilzeitkräfte die nicht mit der Regelung von Lilex Betrieb einverstanden sind und drunter leiden. Dann sollte man sich eher dafür einsetzen, dass es für Alle eine vernünftige Lösung gibt.


    Aber wenn Lilex schreibt....dann bringe ich eben meine Behinderung ins Spiel.....mal schauen ob sie es durch bekommt.

    Unabhängig das andere Teilzeitkräfte mit der Regelung hier ein Problem haben stört mich die Aussage das jemand seine Behinderung nutzt um für sich bessere Bedingungen erreicht für vollkommen unpassend.
    Es geht hier darum das man für den Menschen mit special Efects auch eine ihnen gerechte Lösung zu finden damit sie ihre Arbeit mit der Leistung welchem ihm möglich ist zu erbringen. Und damit im Rahmen der Inklusion auch an der Arbeitswelt und privaten Welt teilnimmt.

  • ich bin weiterhin der Meinung wenn jemand seine Behinderung benutzt um für sich bessere Bedingungen zu erreichen finde ich das nicht okay!

    die Aussage das jemand seine Behinderung nutzt um für sich bessere Bedingungen erreicht für vollkommen unpassend.

    Ich finde die ganze Diskussion vollkommen überflüssig (um nicht zu sagen schwachsinnig).

    Denn in beiden Fällen wird versucht eine verallgemeinerte Aussage zu etwas zu treffen, was ausnahmslos individuell und sehr differenziert betrachtet werden muss.

    So zu tun, als würde ein relevanter Anteil aller Schwerbehinderten ihr Leiden nur vorschieben, um persönliche Vorteile zu erreichen, ist dumm, unrichtig und (mit Verlaub) "arschlochhaft".

    Aber so zu tun, als ob es unter Schwerbehinderten keine opportunistischen Arschlöcher gäbe, die genau das tun, ist genauso dumm, unrichtig und (mit Verlaub) "arschlochhaft".


    Es geht doch immer darum einen konkreten Sachverhalt neutral zu bewerten. Welches Leiden/Einschränkung = welche dazu passende Maßnahme. Dabei sind diese "moralisierenden Ansätze" (egal in welche Richtung!!) doch nur hinderlicher Bullshit.

    „Schreibe nicht der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist“

    Hanlons Rasiermesser

  • Suppenkasper und Paragraphenreiter ohne den Hintergrund der bisherigen Beiträge von Lilex hätte ich den Beitrag vielleicht auch anders beurteilt. Wenn aber erst jemand die ganze Zeit sich über eine betriebliche Regelung aufregt und dann auf einmal eine Extrawurst wegen seiner Behinderung einfordert braucht sich nicht wundern wenn dies nicht ernst genommen wird. Und deswegen vielleicht auch keine Unterstützung von seiner SBV bekommt.