Betriebsteil ohne BR-Kandidaten für die nächste Wahl

  • Hallo zusammen,


    ich habe leider keine Informationen zu unserem speziellen Fall gefunden und hoffe Ihr könnt mir weiterhelfen.


    In unserer GmbH gibt es mehrere Standorte mit jeweils eigenem Betriebsratsgremium.

    Nun ist es so, dass evtl. ein Standort keine Kandidaten für einen neuen Betriebsrat finden wird.


    Nach §4 (1) BetrVG ist es ja so, dass – wenn die MA des Standortes das so wünschen – dieser Betrieb an der Wahl des Hauptbetriebsrates teilnehmen kann.


    Wir, der Hauptbetriebsrat, haben aber schon im letzten Jahr, aufgrund nicht mehr ausreichender Anzahl Betriebsräte, neu gewählt und wir wählen somit erst 2026 wieder ein neues Gremium.


    Kann mir jemand sagen, wie das dann gehandhabt wird? Bleibt den Kollegen dann bis 2026 nur die Unterstützung des GBR bei entsprechenden Themen?


    Wir hoffen, dass sich doch noch ‚Vor-Ort-Kollegen‘ finden werden, die sich aufstellen lassen. Die Entfernung zwischen unseren Betrieben ist doch recht groß (ca. 3 Std. Fahrzeit) und wir wären auch wirklich nur die zweitbeste Lösung.


    Danke schon mal vorab für Euren Input!


    Beste Grüße, Otherland

  • Findet sich gar keiner? Man kann den zu wählenden BR auf die nächstuntere Grenze reduzieren wenn man nicht genug findet. Also von z.b. 7 auf 5 oder wenn das nicht langt auf 3 und dann weiter bis auf 1.

    Und einer wird sich doch finden lassen oder?

  • Wie wird immer gesagt: Jeder bekommt den Betriebsrat, den er sich wählt.

    Wenn da sich keine Kandidaten zur Wahl stellen, scheint das Verlangen nach einem Betriebsrat ja auch nicht so groß zu sein.

    Sich aus lauter Bequemlichkeit an einen anderen Betriebsrat anhängen zu wollen, finde ich etwas sehr schwach.

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  • Hallo zusammen,


    danke für die Antworten! Ich habe es ja fast befürchtet, dass sich vor 2026 nichts tut.

    Die derzeitigen BR sind auf dem Zahnfleisch und sich untereinander auch nie einig. Das ist schade, aber die Situation in diesem Betriebsteil ist auch durch das Verhalten der Führungskräfte sehr belastet.

    Für uns würde es aus der Ferne ja noch schwerer die Vorgesetzten auf Linie zu bekommen.


    Falls die Kollegen tatsächlich betriebsratslos werden, haben sie ja dann 4 Jahre Zeit zu schauen wie es läuft so ganz ohne Betriebsrat. Wir hoffen, es findet sich doch noch jemand.


    Beste Grüße, Otherland

  • Bleibt den Kollegen dann bis 2026 nur die Unterstützung des GBR bei entsprechenden Themen?

    Nur mal so, für's Protokoll: der GBR ist nie, für irgendwelche lokalen Themen zuständig und kann/darf da auch nicht unterstützen... (gleichwohl gelten GBVen auch für betriebsratslose Betriebe, aber die Kontrolle, ob sie auch angewandt werden, würde dort niemand durchführen (außer den AN selber).


    Insofern wäre sie wohl komplett auf sich allein gestellt.


    da eine Abstimmung nach § 4 Abs. 1 Satz 2 BetrVG nur für die Zukunft wirken kann

    Absolut richtig!



    kann sie im geschilderten Fall auch nur ab 2026 wirksam werden.

    Da hätte ich noch eine andere Idee.


    Wenn der BR im Hauptbetrieb seien Rücktritt erklärt und damit Neuwahlen auslöst, bekommt ihr das auch vor 2026 hin... (nur mal so als Gedankenansatz)


    Ungewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche Maßnahmen, nicht?

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Ja, ist uns schon klar, dass der GBR nicht viel tun kann. Das wäre halt die schlechteste Lösung...


    Neuwahlen wären echt aufwändig, wo wir da gerade erst durch sind. Wie sehen unsere Kollegen das denn - der BR tritt zurück und den soll ich den wieder wählen... Das fände ich für unser Gremium echt unschön.


    Aber danke für den hilfreichen Hinweis!


    Wir sind gespannt, wie es weiterläuft.

  • Wie sehen unsere Kollegen das denn - der BR tritt zurück und den soll ich den wieder wählen...

    Das ist tatsächlich nur eine Frage der Kommunikation. Ihr könnt ja klar machen, warum ihr so agiert.


    Aber ja, Aufwand ist es. Ob es den braucht/der lohnt könnt nur ihr vor Ort entscheiden. Ich wollte nur aufzeigen, dass es da, zumindest mal theoretisch, einen legalen Weg gibt.

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  • Bei den beschriebenen Zuständen ist ein BR doch so was von wichtig!


    Ich schlage euch eine BR Klausur der Standorte vor (sehr zeitnah), um mit dem noch existierenden Gremium einen Weg zu finden, wie sie die Uneinigkeiten ausräumen können und sich für die nächste Wahlperiode besser aufstellen können.

    Wenn sie jetzt das Handtuch werfen, hat die GL gewonnen. Und es wird wenig Gutes daraus erwachsen.

  • Der derzeit tätige BR versucht schon die Kollegen zu motivieren und Kandidaten zu finden. Ich glaube aber nicht, dass sich dieses Gremium in der jetzigen Konstellation weiterführen lässt. Eine Klausurtagung wird das nicht mehr retten können.


    Natürlich wären Neuwahlen bei uns eine Möglichkeit, ich glaube aber nicht, dass sich im Gremium hierfür eine Mehrheit findet. Die Argumentation dafür würde mir auch sehr schwerfallen... "Die machen das schon für uns, dann muss ich mich nicht bemühen" finde ich nämlich auch schwach.


    Also hoffen wir für die Kollegen, dass sie einsichtig sind, die Problematik der Fern- oder Nichtbetreuung erkennen und sich jemand findet, der die BR-Arbeit machen möchte.


    Vielen Dank an alle!

  • Neuwahlen wären echt aufwändig, wo wir da gerade erst durch sind. Wie sehen unsere Kollegen das denn - der BR tritt zurück und den soll ich den wieder wählen... Das fände ich für unser Gremium echt unschön.

    War zwar eine andere Voraussetzung, aber wir haben genau das gemacht. Zurückgetreten und dadurch eine Neuwahl "erzwungen".


    Wir haben das unseren Kollegen und auch der Geschäftsleitung sauber kommuniziert, dann war das überhaupt kein Problem.


    Die derzeitigen BR sind auf dem Zahnfleisch und sich untereinander auch nie einig. Das ist schade, aber die Situation in diesem Betriebsteil ist auch durch das Verhalten der Führungskräfte sehr belastet.

    Für uns würde es aus der Ferne ja noch schwerer die Vorgesetzten auf Linie zu bekommen.

    Vielleicht ist es aber aus der Entfernung auch gerade leichter. Die Führungskräfte in dem anderen Standort sind nicht EURE Führungskräfte. Da kann man manchmal als BR ganz anders auftreten, da man ja im Gegenzug nicht befürchten muss, im "normalen" Arbeitsleben die Quittung präsentiert zu bekommen.

    Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen

    (Aristoteles)