Desksharing - BV benötigt?

  • Hallo zusammen,


    bei uns im Betrieb arbeitet man hinter den Kulissen an Desksharing-Konzepten. Der Hintergrund ist klar finanziell, das spart halt viel Kohle. Ergo ist man bemüht, das möglichst breit auszurollen.


    Frage: Habt Ihr schon BVen zu dem Thema abgeschlossen? Worauf müssen wir achten, damit wir nicht jeden Fehler erneut machen, den andere schon 3x gemacht haben?


    Ich bin für jeden Tip dankbar!


    Viele Grüße

    Dirk

  • Hallo Dirk,


    ja, Desksharing ist bei uns ein Thema. Und ja, wir haben eine BV dazu.


    Und das war auch notwendig. Denn es gab nicht nur einzelne Kollegen, die sich nicht daran gewöhnen konnten, nicht auf ihrem Platz zu sitzen, es gab auch Vorgesetzte die AN die nicht aus ihrer Abteilung waren "des Platzes verwiesen" haben.


    (Für die, die mit dem Begriff nichts anfangen: Desksharing bedeutet, es gibt nicht mehr pro AN einen Schreibtisch, sondern davon ausgehend, dass immer ein Teil der AN krank, in Urlaub, im Homeoffice (gibt es bei uns schon länger) oder in irgendeinem Projekt sind, gibt es weniger Schreibtische als Arbeitnehmer.

    D.h. für z.B. 100 AN gibt es nur noch 85 Schreibtische, die nach einem wie auch immer gearteten System vergeben werden.)


    Das Problem dabei: Was in der Masse funktioniert, funktioniert im Kleinen selten. Hat eine Abteilung 40 AN, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass von diesen 40 immer 4 oder 5 gerade nicht da sind. Hat die Abteilung aber nur 5 AN ist es eher die Ausnahmen, dass nicht alle da sind.


    Von sagen wir mal 250 Arbeitstagen im Jahr, haben wir an 220 kein Problem. Manchmal musste man ein wenig suchen, um noch einen freien Platz zu finden, aber es funktionierte. Aber im Januar, wenn die Grippewelle vorbei war und noch keiner wieder Urlaubsreif war, passte es plötzlich nicht mehr. Dann fehlten plötzlich Arbeitsplätze... Und darüber muss man sich im Vorfeld Gedanken machen, wie man damit dann umgeht. (Ähnliches passierte kurz nach den Osterferien, bis die ersten vor dem Sommerferien in den Urlaub gingen. Oder nach dem Herbstferien, bevor die Grippewelle einsetzt (ja, es gab schon vor Corona Krankheiten, die ganze Arbeitsbereiche lahmgelegt haben).)


    Und wir haben z.B. geregelt, dass es zwar weniger Schreibtische gibt, aber jeder AN ein abschließbares Fach für seine Unterlagen oder was auch immer zur Verfügung hat. Und dass jeder AN eine eigene Tastatur und Maus hat. (Die wollte der AG am Platz lassen, was wir aber aus hygienischen Gründen (schon lange vor Corona) abgelehnt haben.)


    Und in dieser BV ist z.B. auch klar geregelt, wie der Platz zu hinterlassen ist (und trotzdem gab es Kollegen, die meinten, man könne ja seine Tastatur, Maus, Tee-Tasse usw. als "Handtuchersatz" zur Reservierung des Platzes zweckentfremden) und was passiert, wenn er nicht so hinterlassen wird (Die Tische werden abends/nachts knallhart abgeräumt. Die Dinge kann man sich beim Hausmeister bei Facilities Management abholen. Und sollten vertrauliche Unterlagen auf dem Tisch gefunden werden, konnte das sogar für eine Abmahnung reichen. Letzteres hat es, soweit ich weiß, bis heute nicht gegeben, aber sich Sachen abholen - heute nur noch selten. Waren drei harte Monate für den Empfang (weil dort die Sachen als zentrale Anlaufstelle hinterlegt waren), aber dann hatte es auch der letzte begriffen...).


    Also ja, es gibt durchaus Regelungsbedarf. Einfach mal zusammensetzen und im Vorfeld Gedanken machen, was so passieren könnte.


    Ach ja, und bei uns wurde das Projekt vom Fraunhofer-Institut begleitet. Die sind über Monate immer wieder durch die Abteilungen gerannt und haben ermittelt, wie hoch die Auslastung in den einzelnen Bereichen war. Mit dem Ergebnis, dass am Ende wirklich für jede einzelne Abteilung eine einzelne "Kennzahl" errechnet wurde. Nagel mich nicht fest, aber nur mal so als Beispiel: die Entwickler/Programmierer sind so gut wie immer am Platz, da hat man am Ende einen Faktor von 0,95 genommen (Urlaub und Krankheit gibt es da ja auch), während unsere ganzen Projektleiter am Ende bei einem Faktor von 0,45 waren, weil die eigentlich immer entweder bei der Fachabteilung, in irgendeiner Besprechung oder zum konzentrierten Arbeiten zuhause waren.


    Sorry, ist wieder lang geworden, hoffe aber, dass das erst einmal genügend Input war.


    Gruß


    Moritz

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Hallo,


    oft genug dient "Desk-sharing" ja auch dazu, durch die Hintertür Großraum-Lösungen umzusetzen. Und diese Großraum-Lösungen machen krank. Steigerungen der Krankheitsquote von 40-60% sind durchaus nachgewiesen worden.


    Und wenn Du im Netz mit den Stichworten "Großraumbüro, Gesundheit" suchst, findest Du etliche, zT sehr umfangreiche Studien, die signifikante negative Wirkungen bereits ab einer Bürogroße 3-6 AN belegen.

  • Bekommen die die nur rumsitzen trotzdem ihren Lohn? ;)

    Auch das wäre zu regeln bzw. klar zu vereinbaren das dem so ist.

    Was mir spontan zu der Aufzählung von Moritz noch einfällst. Gleiche Anzahl von Monitoren, Dockingstations, elektrisch höhenverstellbare Schreibtische,....
    Für Mittarbeiter welche eine Einschränkung haben, Sekretariate sollte man die Zuweisung von feste Arbeitsplätze vereinbaren.

  • Hallo,


    das hier

    Für Mittarbeiter welche eine Einschränkung haben, Sekretariate sollte man die Zuweisung von feste Arbeitsplätze vereinbaren.

    ist natürlich richtig. Schwerbehinderte/gleichgestellte Beschäftigte haben natürlich weiterhin ihre gesetzlichen Ansprüche auf einen "leidensgerechten" Arbeitsplatz gem. § 164 Abs. 4 SGB IX.

    Und wenn dieser leidensgerechte Arbeitsplatz zB nach ärztlicher Einschätzung ein Einzel-Büro sein muß, dann muß der AG bei der Planung von Anfang an berücksichtigen und Betriebsräte haben die Pflicht, darauf zu achten.

  • Bekommen die die nur rumsitzen trotzdem ihren Lohn?

    ^^ Nee, ganz so einfach ist es nicht. Aber sie fahren während der Arbeitszeit wieder nach Hause (oder wo auch immer sie remote arbeiten können und wollen) um dann von dort ihren Job zu erledigen.


    Gleiche Anzahl von Monitoren, Dockingstations, elektrisch höhenverstellbare Schreibtische,....
    Für Mittarbeiter welche eine Einschränkung haben, Sekretariate sollte man die Zuweisung von feste Arbeitsplätze vereinbaren.

    Dockingstations - logisch, anders würde es kaum funktionieren. Gleiche Anzahl Monitore tatsächlich nicht. Ja, es gibt Kollegen, die brauchen ihre zwei Monitore, aber die meisten kommen mit einem aus. Insofern gibt es bei uns Bereiche, da gibt es mehr Arbeitsplätze mit zwei Monitoren.

    elektrisch höhenverstellbare Schreibtische - brauchten wir noch nicht einmal zu fordern. Hat das Fraunhofer dem AG schon erklärt, dass das anders gar nicht geht...

    Und ja, wir haben tatsächlich einige wenige Arbeitsplätze, die beschriftet sind, weil sie einen besonderen Stuhl haben.


    Die Befürchtungen, was die Großraumbüros anging hatten wir auch. Aber auch da war es ein Segen, dass das Institut mit von der Partie war. Die haben von vornherein dafür gesorgt, dass viel für die Schallisolierung getan wurde.


    Und ja, ein paar Kollegen musste man erst einmal "erziehen", weil sie der Meinung waren, Telefonkonferenz mit Hörer ist zu anstrengend, also benutzt man die Freisprecheinrichtung... drei Kollegen mit wenigen Metern Abstand, in der gleichen Telko, aber alle auf Lautsprecher... super, da kommt Freude auf. Also wurde kurzerhand der Katalog für das Büromaterial erweitert und jeder konnte sich ab sofort ein Headset zu seinem Telefon bestellen.


    Ja, es hat ein paar Anlaufschwierigkeiten gegeben, aber heute würden wir alle nicht mehr da weg wollen.

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Moin zusammen,


    da sind ja schon mal einige sehr interessante Gesichtspunkte auf den Tisch gekommen. Ich denke einfach, das Thema ist durch die vielen verschiedenen Aspekte, die da reinspielen, extrem komplex. Und wir möchten einfach möglichst sicher verhindern, dass dabei Kollegen "unter den Tisch fallen".


    Vielen Dank bis hier hin schon einmal. Falls noch jemand Anregungen hat, wir sammeln schon fleissig, aber jeder Input ist willkommen :)


    Viele Grüße

    Dirk

  • Aber sie fahren während der Arbeitszeit wieder nach Hause (oder wo auch immer sie remote arbeiten können und wollen) um dann von dort ihren Job zu erledigen.

    wird das dann als bezahlte AZ bewertet oder nur als AZ und nicht bezahlt?

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • Was man auch regeln bzw. einführen kann ist das man sich über eine Software (App auf einem Firmenhandy, Browser) im Vorfeld Arbeitsplätze Reserveiren kann. Das beugt auch dem Problem vor das Mitarbeiter in die Firma kommen und keinen Arbeitsplatz bekommen.
    Reinigen des Arbeitsplatzes am Abend durch den Mitarbeiter selbst oder durch eine Reinigungsfirma/eigene Mitarbeiter. ....

  • wird das dann als bezahlte AZ bewertet oder nur als AZ und nicht bezahlt?

    Selbstverständlich bezahlt, wozu wäre das sonst gut?



    ist das man sich über eine Software (App auf einem Firmenhandy, Browser) im Vorfeld Arbeitsplätze Reserveiren kann

    Die Idee hatten wir ja auch. (Gibt ja Firmen bei denen funktioniert das).

    Das war dem AG aber zu aufwändig. Daher kommt tatsächlich die o.g. Regelung. Weil wir gesagt haben, dass es dem AN nicht zuzumuten ist, jetzt wieder 45 min nach Hause zu fahren und dann erst seine Arbeit zu beginnen.

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Selbstverständlich bezahlt, wozu wäre das sonst gut?

    unbezahlt wäre für nix gut, aber die AG möchten das immer gerne als Pause oder unbezahlte AZ abrechnen.

    Mir ging es hauptsächlich darum, zu erfahren ob das bei euch als bezahlte AZ geregelt werden konnte.

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • Was man auch regeln bzw. einführen kann ist das man sich über eine Software (App auf einem Firmenhandy, Browser) im Vorfeld Arbeitsplätze Reserveiren kann. Das beugt auch dem Problem vor das Mitarbeiter in die Firma kommen und keinen Arbeitsplatz bekommen.
    Reinigen des Arbeitsplatzes am Abend durch den Mitarbeiter selbst oder durch eine Reinigungsfirma/eigene Mitarbeiter. ....

    dafür bereitet die IT schon eine App vor. Die wird uns demächst vorgestellt.

  • Das Problem, ob ein Arbeitsplatz zur Verfügung steht, damit ich nicht unverrichteter Dinge wieder zurückfahren muss lässt sich einfach technisch regeln.

    Es gibt "Buchungssysteme". Dabei kann jeder Schreibtisch direkt gebucht werden. So gesehen kann sich dann sogar jeder seinen Lieblingsschreibtisch nahe der Kaffeemaschine sichern.

  • dafür bereitet die IT schon eine App vor. Die wird uns demächst vorgestellt.

    Dann müsst ihr aber auch dafür sorgen, dass jeder ein Firmenhandy bekommt. Auf privaten Smartphones hat die App m.E. nichts zu suchen, zumindest darf es keinen Zwang geben die App auf privaten Smartphones installieren zu müssen.

  • den Status haben wir schon hinter uns. Es gibt schon eine App für den Zugriff ins Intranet und eine zum Stempeln bzw. Verwalten der persönlichen Daten usw. Fand ich auch nicht prickelnd, ist aber so durch den BR gegangen.