Arbeitsunfähigkeit drei Tage ohne AU und dann?

  • Hallo zusammen,


    die Frage über die ich gerade nachdenke.

    Wir haben geregelt, dass ein MA bis zu drei Tage ohne AU Krank zu Hause bleiben kann.

    Am vierten Tag muss man wieder da sein, oder eine AU vorlegen.

    Also erstmal alles wie im Gesetz vorgegeben.


    Der AG möchte dann an diesem vierten Tag die AU inklusive der drei vorangegangenen Tage, die man auch ohne zu Hause bleiben konnte. Also dann ab dem ersten Tag.


    Nun kann es ja sein, dass ich am zweiten oder dritten Tag merke, das wird nichts und gehe dann zum Arzt. Ein Arzt könnte bis zu drei Tage zurück Krankschreiben. Aber ob das jeder macht...

    Der AG sagt also, gehst du am dritten oder auch erst am vierten Tag zum Arzt, muss die AU ab dem ersten Tag lauten also inklusive der vorherigen die man ohne AU zu Hause bleiben konnte.


    Ich bin eigentlich der Meinung, dass dennoch 3 Tage Krank ohne AU - und dann ab dem vierten mit AU ebenso richtig sein müssten. Und man nicht gezwungen ist, diese zurück Datieren zu lassen. Aber da kann ich natürlich auch falsch liegen.


    Hoffe das ist verständlich. Was sagt ihr? Weiß jemand dazu Rechtsprechung? Kann die AU ab dem vierten Tag lauten oder muss diese dann auch auch zurück Datiert ab dem ersten Tag lauten?


    Vielen Dank

  • Ein Arzt könnte bis zu drei Tage zurück Krankschreiben.

    Ich will nicht ausschließen, dass er das kann, soweit ich weiß, darf er das nur in sehr seltenen (offensichtlichen) Fällen.

    Die Fälle, wo ein Mensch sagt: ist von alleine gekommen und wird auch wieder von alleine gehen, gehören da üblicherweise nicht zu. Einen Tag zurück kann der Arzt wohl immer gehen, wenn der übliche Krankheitsverlauf das hergibt.


    Also wenn der AG eine AU ab dem ersten Tag haben will - gehe ich halt direkt zum Arzt und lasse mich gleich für die Woche AU schreiben. Bin ich jedenfalls direkt auf der sicheren Seite...

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

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  • Habt Ihr einen Betriebsrat? Dann seid Ihr in der Mitbestimmung und macht dem AG klar, dass dies eine blöde Idee ist. AU sollen nur im Ausnahmefall rückwirkend datiert werden. Z.B. wenn ein AN nachweisen kann, dass er zu krank war um zum Arzt zu gehen. Die Forderung von Eurem AG ist eigentlich gleich zu setzten mit AU ab dem ersten Tag!

  • Der AG sagt also, gehst du am dritten oder auch erst am vierten Tag zum Arzt, muss die AU ab dem ersten Tag lauten also inklusive der vorherigen die man ohne AU zu Hause bleiben konnte.

    die Frage ist doch: was passiert wenn der Arzt sich weigert rückwirkend ein AU-Bescheinigung auszustellen.


    Der AN ist doch gar nicht in der Lage eine rückwirkende AU sicher einzufordern, d.h. die Regelung die dein AG möchte setzt den AN in eine "nicht erfüllbare Pflicht"


    Diese Regelung ist unabhängig vom Bestehen eines BR für den AN nichtig (miene Einschätzung)

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • Das wird in der Praxis nicht funktionieren. Eine rückwirkende Krankschreibung über den vorherigen Tag hinaus ist Praxisfern.

    In Einzelfällen bei guter Begründung muss der AG dann eben die Krankschreibung ab dem ersten Tag einfordern. Das aber vorher angekündigt. Ihr habt es geregelt wie es im Gesetz steht. Mehr gibt es nicht zu regeln und jetzt gibt es Streit um die Lohnfortzahlung. Die Gefahr liegt hier auch beim AN. Wenn die Lohnfortzahlung die der AG geleistet hat 6 Wochen übersteigt, davon aber nur 5 Wochen der Krankenkasse mit AU nachgewiesen sind beginnt ihre Krankengeldzahlung erst nach der 6. Woche AU. Das heißt für den AN 1 Woche kein Einkommen. Das sollte den Missbrauch etwas eindämmen. Ich bin der Meinung das die Befürchtungen des ausuferndem Krankfeiern nach dem WE usw. sowieso ein Märchen sind. Einzelfälle gibt es immer.

  • Hallo,


    wenn der AG die gesetzliche Regelung akzeptiert, dann muß er auch akzeptieren, daß eine AU-Bescheinigung dann auch erst ab dem 4. Tag datiert ist. Das Eine geht ohne das Andere nicht, denn sonst führt der AG quasi "durch die Hintertür" die Vorlagepflicht zumindest bei längeren AU-Zeiten ab dem 1. Tag ein.

    Und da eine derartige Anweisung lt. Fallschilderung nicht nur für einzelne AN gelten soll, sondern für alle, die länger als 3 Tage AU sind, ist das auch mitbestimmungspflichtig.


    Wie schon geschrieben, dürfen Ärzte nur in eng begrenzten Ausnahmefällen eine AUB rückwirkend ausstellen. Die seltsame Befindlichkeit eines einzelnen AG gehört nicht zu diesen Ausnahmefällen.