Wegeunfall - AG möchte das AN Arbeit wieder aufnimmt

  • Hallo Zusammen,


    eine Kollegin hatte am Dienstag einen Wegeunfall (Bänderiss) und ist bis einschließlich Dienstag nächster Woche krankgeschrieben.
    Nun hatte sie gestern einen Anruf vom Vorgesetzten der "höflich" gefragt hatte, ob es möglich ist, dass sie am Freitag wieder ihre Arbeit aufnimmt, wenigstens für eine Stunde.
    Wahrscheinlich will der AG verhindern, dass eine Meldung an die BG geschrieben werden muss.

    Ich habe ihr geraten es nicht zu tun, da es wahrscheinlich ist, dass sie länger als 1 Woche krankgeschrieben wird.

    Abgesehen davon dass diese höfliche Anfrage der Fürsorgepflicht des AG widerspricht, was würde der AN denn für Nachteile entstehen, wenn sie die Arbeit trotzdem aufnimmt und eventuell längerfristige Schäden entstehen und bleiben?
    Würde sie den BG Versicherungsschutz verlieren?

    Und wie bringe ich dem AG höflich bei, dass er so eine Forderung in Zukunft unterlassen soll?

    Grüße
    Hartmut

  • Und wie bringe ich dem AG höflich bei, dass er so eine Forderung in Zukunft unterlassen soll?

    Wie das höflich geht, weiß ich auch gerade nicht - aber vielleicht indem man erst einmal fragt, wie er überhaupt auf das schmale Brett gekommen ist...


    Das grundsätzliche Problem beim Arbeiten trotz AU: Der Arzt bescheinigt "eine voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit". In dem Moment, wo der AN seine Tätigkeit wieder aufnimmt, ist die AU sozusagen entwertet, bzw. abgelaufen, weil der AN damit signalisiert "hat doch nicht solange gebraucht". Will/muss er dann am nächsten Tag (oder irgendeinem der Folgetage, die noch innerhalb der ursprünglichen AU lagen) wieder der Arbeit fernbleiben, braucht er streng genommen eine neue AU.


    Verliert der AN durch seine Aktion den besonderen Schutz der BG? Im Prinzip nein. Die BG tritt für alles ein, was "aus dienstlicher Veranlassung" passiert. Auf der anderen Seite hat der AN ja eine Mitwirkungspflicht und darf nichts tun, was die Heilung verzögert/behindert.


    Und wenn ich so darüber nachdenke, wäre hier wohl auch mein Ansatzpunkt für das Gespräch mit dem AG: a) wenn du so etwas vom AN verlangst, dann mach das bitte schriftlich, damit der AN hier nachweisen kann, dass das nicht auf seinem Mist gewachsen ist und er nicht in Regress genommen werden kann und b) wenn du so was machst, sei dir darüber klar, wenn das zu Mehrkosten für die BG kommt, kann es dir passieren, dass die BG sich an dir schadlos hält, weil du das initiiert hast. Könnte teuer werden. Willst du das?

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • braucht er streng genommen eine neue AU.

    die AU bleibt ja gültig, der AN kann jederzeit der Arbeit wieder fernbleiben.


    Zitat: Jedoch ist der Arbeitnehmer für die gesamte Dauer der Krankschreibung berechtigt, der Arbeit fernzubleiben.


    www.k3s-rechtsanwaelte.de/aktuelles/ aktuelle-rechtsprechung/arbeitsrecht/269-arbeiten-trotz-arbeitsunfähigkeitsbescheinigung


    oder hier:

    Weil die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung kein Arbeitsverbot darstellt, dürfen Krankgeschriebene wieder zur Arbeit zurückkehren, wenn sie sich gesund und dienstfähig fühlen. Übrigens verliert die AU ihre Gültigkeit dadurch nicht. Wer also arbeiten will trotz Krankschreibung, dann aber merkt, dass er sich überschätzt hat, darf wieder nach Hause und sich bis zum Ablauf der Krankschreibung auskurieren.


    www.praktischarzt.de/ratgeber/arbeiten-trotz-krankschreibung


    Und wie bringe ich dem AG höflich bei, dass er so eine Forderung in Zukunft unterlassen soll?

    ich würde den AG fragen, ob er die AU anzweifelt, weil ein Bänderriss und 1 Woche AU nicht zusammenpassen und er deshalb den Vorgesetzten des AN vorgeschickt hat, um zu testen ob der AN "gar nicht so AU ist"?

    Weil ich könnte mir gar nicht vorstellen, das er als AG ein Interesse daran hat, ernsthaft kranke AN unter Druck zu setzen damit diese sich nicht ganz auskurieren, um dann eingeschränkt leistungsfähig zur Arbeit zu erscheinen. Was natürlich zu weiteren AU führen könnte und insgesamt dann noch länger dauert, bis der AN wieder voll einsatzfähig gesund ist.

    Ansonsten wäre das sicher ein Alleingang des Vorgesetzten gewesen und in dem Fall möchte der Betriebsrat dann gerne ein ernstes Gespräch mit dem Vorgesetzten im Beisein des AG führen, auch damit der Vorgesetzte vor weiteren "Fehlern" geschützt wird. ;)


    Jetzt hat der AG ja die Wahl, ich schätze er redet sich raus und läßt den AN in Ruhe.

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


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  • die AU bleibt ja gültig, der AN kann jederzeit der Arbeit wieder fernbleiben

    Danke für den Hinweis. Das hatte ich in der Tat anders "abgespeichert" - gut zu wissen.



    Damit ist der AN dann wohl auf der sicheren Seite (auch oder vor allem, was den Versicherungsschutz angeht), gleichwohl denke ich schon, dass die BG da bei Missbrauch empfindlich reagiert.


    möchte der Betriebsrat dann gerne ein ernstes Gespräch mit dem Vorgesetzten im Beisein des AG führen

    Ich verstehe immer nicht, woher dieses "möchten" kommt. Die Arbeitsanweisungen erteilt der Arbeitgeber. Und den fordert der BR auf, seine Führungskräfte auf den rechten Weg zu bringen. Denn der AG ist es schließlich auch, der die Konsequenzen zu spüren bekommt, wenn das nicht funktioniert. Mit der Führungskraft rede ich allenfalls mal auf kollegialer Ebene unter vier Augen. Und wenn das nicht reicht, dann eben offiziell über den AG - der ist der Ansprechpartner des BR, niemand sonst.

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  • Ich verstehe immer nicht, woher dieses "möchten" kommt.

    aus der praktischen Erfahrung, dass der AG dann schnell und tätig wird. Zumindestens mein AG möchte vermeiden, dass der BR da evt. im Vier-Augen-Gespräch zuviele Informationen bekommt.


    "möchten" ist auch nur die freundliche Version von: wird passieren, wenn AG nicht aktiv wird

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  • Hallo Zusammen,
    erstmal vielen Dank für eure Antworten und entschuldigt bitte, dass ich mich nicht vorher zurückgemeldet habe.


    Eure Antworten und Erklärungen haben mir geholfen.


    Meine Kollegin hat sich dafür entschieden der "Bitte" nicht nachzukommen wieder an die Arbeit zu kommen, mittlerweile wurde sie auch wieder bis Ende nächster Woche krankgeschrieben.


    Ich vermute mal, dass die Bitte des AG sich daraus ergibt, dass der AG "Angst" vor einer Erhöhung der BG-Beiträge hat und dem ganzen weiteren Aufwand.