Welche Fähigkeiten braucht ein Betriebsratsvorsitzender (fachlich und sozial)

  • Nachdem in einem anderen Thread das Thema aufgekommen ist, möchte ich hier einmal die Diskussion eröffnen, welche Skills ein Betriebsratsvorsitzender braucht, um seinen Job gut zu machen. Das Ganze sollte auch einmal unabhängig davon sein, ob der BRV freigestellt ist oder nicht.


    Klar kommt es ein wenig auf die BR-Größe an und wie die Kenntnisse und Fähigkeiten im Gremium sind, aber das sind ja im Normalfall auch eher Themen, die den BR im Allgemeinen betreffen und nicht den BRV an sich.


    Dinge die nur der BRV und evtl auch die Ausschusssprecher können muss sind meines Erachtens:


    Rhetorik, da meist der BRV derjenige ist, der die Vorabgespräche zu Verhandlungen führt und dem Arbeitgeber dazu bringen muss, überhaupt verhandeln zu wollen.

    Außerdem sollte er auch sprachlich wenigstens einigermaßen auf dem selben Level spielen können, sie sein Gegenüber. Auch zum Thema Rhetorik gehört, dass der BRV einigermaßen Schlagfertig sein sollte und aglil im Denken, damit er schnell auf Argumente oder Anschuldigungen reagieren kann und nicht erst aus dem Zimmer muss um sich eine spontane Antwort zu überlegen.


    Dann muss ein BRV auch einiges an Nehmerqualitäten haben. Desöfteren kommen Arbeitgeber auf die Idee, der BRV wäre persönlich für das Handeln des BR verantwortlich. Auch bei Verhandlungen kommt es schon mal vor, dass der Arbeitgeber plötzlich die Sachebene verläßt und auf der persönlichen Ebene versucht den BRV aus dem Gleichgewicht zu bringen.


    Dann benötigt der BRV auch die Fähigkeit sich in die Situation anderer hineinzudenken (Empathie). Denn nur so kann er verstehen, warum sein Gegenüber so handelt, wie er es tut und kann das Ganze besser steuern. Diese Fähigkeit braucht es sowohl bei Gesprächen mit dem AG als auch mit Kolleginnen oder Kollegen.


    Neben einem umfassenden Wissen über das Betriebsverfassungsgesetz und dem Arbeitsrecht sollte er auch, zumindest Grundkennntnisse über sämtliche Themen haben, die demnächst oder aktuell im Betriebsrat bearbeitet werden.


    Strategisches Denken schadet mit Sicherheit auch nicht, damit er sich besser einen Plan machen kann, wie man so manche Dinge angehen kann oder welche Konsequenzen sein handeln haben kann.


    Der BRV sollte auch ehrlich aufrichtig und verlässlich sein.


    Ich merk schon, ich könnte bestimmt noch eine Stunde schreiben, aber ich möchte euch ja auch noch ein paar Punkte überlassen, die ihr schreiben könnt.


    Außerdem habe ich auch noch andere Dinge zu tun, als hier im Forum Beiträge zu schreiben ;)


    Viel Spass bei der Diskussion


    Gruß Markus

    "Ein Kompromiss ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind" Aristide Briand

  • Ein BRV sollte resilient sein, d.h. schwierige Situationen dürfen ihn/sie nicht aus dem Gleichgewicht bringen denn ansonsten verbrenne ich mich selbst.

    Ein BRV muss auch abgeben können, außer in einem 1er Gremium habe ich durchaus die Möglichkeit, Aufgaben zu verteilen, natürlich im Rahmen der Möglichkeiten der anderen Gremiumsmitglieder.

    Das Beherrschen der gängigen Software (Office, evtl. Zeiterfassung etc.) zur Bearbeitung der anstehenden Aufgaben ist erforderlich.


    So nun von anderen Forumsteilnehmern bitte weiter.

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  • auweia, ihr beide habt schon recht viel genannt.

    So ein bisschen andere beeinflussen zu können ist auch nicht schlecht, wobei ich das nicht auf direkte Entscheidungen im Gremium beziehen möchte. Eher im Sinne von wie bringe ich die anderen BRMS zum arbeiten?

    Insgesamt hilft ein breites Allgemeinwissen.

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  • So ein bisschen andere beeinflussen zu können ist auch nicht schlecht, wobei ich das nicht auf direkte Entscheidungen im Gremium beziehen möchte. Eher im Sinne von wie bringe ich die anderen BRMS zum arbeiten?

    Nennen wir es mal Führungsqualitäten bzw. natürliche Authorität. Ja das stimmt, denn es ist manchmal garnicht so einfach ein BRM ohne Weisungsbefugnis zu etwas zu bringen, wozu es eigentlich keine Lust hat.


    LG

    Markus

    "Ein Kompromiss ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind" Aristide Briand

  • Markus 1973 ED Danke für das Erstellen des Threads.


    Vorbemerkung

    Wenn wir uns hier die Qualitäten eines idealen Vorsitzenden wünschen/basteln/postulieren, sollte uns eines klar sein: Ideale sind, per Definition, unerreichbar. Das bedeutet aber nicht, dass die Idealvorstellung falsch ist oder dass wir auch gar nicht erst versuchen müssen in die Nähe zu kommen (wegen der Unerreichbarkeit ist der Frust ja quasi mit eingebaut!), sondern dass wir sowohl mit uns selbst (das gelingt meist noch ganz gut), aber auch mit den Kollegen (das ist meist schwieriger) Nachsicht haben müssen, wenn es nicht ideal läuft.

    Insofern sollte sich hier bitte niemand auf den Schlips getreten fühlen, weil er irgendeine (vermeintliche) Qualifikation nicht mitbringt. Und auch das ist klar: jeder von uns hat eigene Vorstellungen davon, wie so ein Idealtyp auszusehen hätte.


    Beispiel: Während der eine eine straffe Sitzungsführung erwartet, um schnell durch die Themen zu kommen und die Sitzungslänge kurz zu halten, möchte der andere durchaus auch einmal die Zeit haben um über seine Befindlichkeiten zu reden und findet es daher völlig ok, wenn eine Diskussion auch mal abschweift. Beides kann man nachvollziehen, beides lässt sich verargumentieren. Aber wo liegt das richtige Maß?



    Zum Thema

    Viele Dinge, die Markus hier aufgeführt hat, würde ich so unterschreiben. Aber etwas fehlt mir hier noch völlig:


    Ein BRV sollte gut organisiert und strukturiert sein, da viele Aufgaben immer wieder kehren und es keinen Sinn macht, jedes Mal das Rad neu zu erfinden.


    Ein BRV sollte sachlich sein. Meint nicht, dass er keine Gefühle haben darf, aber meint, er sollte sich von ihnen nur sehr begrenzt leiten lassen. Ein BRV, der sich regelmäßig in Rage redet, nur weil der AG anderer Meinung ist, wird irgendwann nicht mehr ernst genommen. Aber ein BRV, der auf der Sachebene mit dem AG diskutiert, fragt, wo das Problem liegt und dann lösungsorientiert damit umgeht, wird auch als Verhandlungspartner geschätzt. (Auch wenn es sachliche Divergenzen gibt.)


    Und ja, ein BRV muss ein verdammt dickes Fell haben. Denn nicht nur der AG wird ihn immer wieder auf der persönlichen Ebene angreifen. In meiner gelebten Erfahrung tun das die lieben Kollegen noch viel öfter!


    Führungsqualitäten bzw. natürliche Authorität

    Das Stichwort hier lautet wohl: Motivation. Insofern ergänze ich noch das Idealbild um Motiviert.


    Wer das Amt als BRV nur übernimmt, weil es ja einer machen muss, muss kein schlechter BRV sein, aber der BRV der selber hochmotiviert ist, hat es einfacher.

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

    Einmal editiert, zuletzt von Moritz () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Moritz mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Ein BRV muss auch abgeben können, außer in einem 1er Gremium habe ich durchaus die Möglichkeit, Aufgaben zu verteilen, natürlich im Rahmen der Möglichkeiten der anderen Gremiumsmitglieder.

    Hierzu habe ich noch etwas vergessen, ich darf meine Erwartungen die ich an die BRM habe, nicht gleichsetzen, wie ich als BRV es gemacht hätte, denn dann kann die Enttäuschung über das Ergebnis dazu führen, dass ich doch nicht Abgeben will und das wiederum kann im Gremium zu Frust führen wenn der BRV eh alles alleine macht.

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  • Das ist alles gut und schön, aber ein(e) BRV muss auch nicht perfekt sein.

    Sie/er sollte aber möglichst um die mangelnde Perfektion wissen.


    Humor wäre übrigens auch noch eine wünschenswerte Eigenschaft, die mir einfiele.


    Und mit all diesen guten Eigenschaften würde sich diese(r) BRV vermutlich gerade woanders bewerben...

  • Humor wäre übrigens auch noch eine wünschenswerte Eigenschaft

    Allen voran ein gewisser Galgenhumor und sich selbst nicht zu wichtig nehmen.


    Und ja, abgeben können - ein BRV muss auf der einen Seite autark sein (meint er braucht niemanden der ihn triggert), muss aber auf der anderen Seite ein absoluter Teamplayer sein.



    Und mit all diesen guten Eigenschaften würde sich diese(r) BRV vermutlich gerade woanders bewerben...

    Da mache ich mir keine Sorgen. Der würde wegen seiner Überqualifikation überall abgewiesen... :saint:

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  • Der würde wegen seiner Überqualifikation überall abgewiesen...

    für einen anderen Führungsjob sind das ja genau die falschen Qualifikationen... :D

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  • Moritz : Dann sollte ich wohl noch etwas an meinem in mir Ruhen arbeiten.


    Ich finde auch Geduld als BRV eine sehr wichtige Eigenschaft. Denn gerade wenn man engagiert ist, kommt einem die Zeit bis etwas tatsächlich passiert oder beschlossen wird manchmal ewig vor.


    Auch eine gute Menschenkenntnis hilft sehr, da nur weil ein BRM sich nicht sofort für jede Aufgabe meldet es nicht gleichbedeutend ist mit er will keine übernehmen. Manche Kollegen trauen sich selbst weniger zu als nötig wäre.

  • Auweia, ihr haut mir hier alles um die Ohren, was ich falsch gemacht habe :D


    Ich habe mein Amt unter folgender Voraussetzung angetreten

    Wer das Amt als BRV nur übernimmt, weil es ja einer machen muss

    was ich noch um ein weiteres Moritz-Zitat ergänzen möchte: Ein guter BRV muß auch mal Scheiße an sich vorbei schwimmen lassen. Allerdings macht es bezüglich Menge und Frequenz sicherlich einen Unterschied ob man im idyllischen Wiesenbach badet oder im Abwasserkanal... ;)

    Für einen Betriebsrat gilt: Lobt dich der Gegner, ist das bedenklich. Schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg. (August Bebel)

  • Ich finde auch Geduld als BRV eine sehr wichtige Eigenschaft. Denn gerade wenn man engagiert ist, kommt einem die Zeit bis etwas tatsächlich passiert oder beschlossen wird manchmal ewig vor.

    ich nenne es mal eine gesunde Mischung aus Idealismus und Realismus. Ein BRV sollte immer versuchen die ideale Lösung zu finden, sich aber genau so im Klaren sein, dass es die ideale Lösung oder das ideale BRM oder den idealen Arbeitgeber nicht gibt.


    sicherlich einen Unterschied ob man im idyllischen Wiesenbach badet oder im Abwasserkanal...

    naja, einer der sich als Kanalsanierer beworben hat weiß, dass er da mit mehr rechnen muss. ;)

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    Einmal editiert, zuletzt von Markus 1973 ED () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Markus 1973 ED mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Eine tolle Themensammlung zur Selbstreflektion. Ich selbst halte Prinzipientreue für sinnvoll, auch wenn sie einem manchmal auch im Wege stehen kann. Langfristig zahlt sich das aus. Ebenso wie Genauigkeit. Wer aus der Not heraus ungenau oder gar schlampig arbeitet, dem fällt das am Ende wieder vor die Füße. Viele Dinge sind nicht nur für den BRV angebracht sondern auch für gute BRM.

    Aber wo liegt das richtige Maß?

    Flexibel das richtige Maß zu erkennen und gerade nicht EINE harte Linie zu fahren, ist oft zielführender. So bekommt man auch gegensätzliche Charaktere und Gruppierungen zusammen.

  • BRV.. keine.. er darf doch eh nur machen was das Gremium Ihm sagt, also die einzige Qualifikation die da sein muss, hörig dem BR dienen und immer das tun was der BR mehrheitlich will, selbst wenn es Quatsch ist.


  • Ihr hab das Wichtigste schon aufgezählt. :):thumbup:


    Hier noch was sicherlich weniger Wichtiges als eben die fachliche und menschliche Kompetenz, was m.E. aber dennoch nicht fehlen sollte: Ein BRV sollte je nach Anlass bei Bedarf auch "repräsentativ" sein, also neben den bereits genannten kommunikativen Fähigkeiten ggf. auch "gepflegt" erscheinen können*.

    Das fällt mir so ein, weil ich einen von mir sehr geschätzten Kollegen im Gremium habe, der großes Wissen hat, engagiert ist und zuhören kann, der sich nicht drückt und mit dem man echt was bewegen kann usw., der aber nicht nur zu BR-Sitzungen, sondern auch zu "offiziellen Terminen" meist in ausgewaschenen, löchrigen und sichtlich eingelaufenen T-Shirts anrückt, häufig auch fleckig. Wenn dann noch das Bäuchlein raushängt (was wir älteren Herren überwiegend haben, nachlassendes Bindegewebe und so ;)), ist das zumindest nicht meine Vorstellung eines BRV, der ein Gremium auf einer Betriebsversammlung oder beim GBR/KBR oder gar beim Aufsichtsrat vertritt und eben repräsentiert.



    *) ausdrücklich können und nicht jederzeit müssen. Und es geht auch nicht um Krawatte oder Anzug oder Ballkleid für einen Staatsempfang oder den Opernball, sondern nur um die Fähigkeit, bei Bedarf zum passenden Anlass auch "businessmäßig" auftreten zu können, was auch leger in (sauberer) Jeans und frischem Hemd sein kann.

    Man wird alt wie ein Haus und lernt doch nie aus.

  • immer das tun was der BR mehrheitlich will, selbst wenn es Quatsch ist.

    Hmmm, mal angenommen folgender Fall: Das Gremium beschließt Quatsch. Du weisst dass es Quatsch ist, der AG weiß es auch und das ArbG erst recht. Du bist aber derjenige, der den Quatsch vor dem Gericht zu vertreten hat.

    Da braucht man (bei einem postfaktischen Gremium) wohl in der Tat eine Menge Gleichgültigkeit. ;)

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  • Hier noch was sicherlich weniger Wichtiges als eben die fachliche und menschliche Kompetenz, was m.E. aber dennoch nicht fehlen sollte: Ein BRV sollte je nach Anlass bei Bedarf auch "repräsentativ" sein, also neben den bereits genannten kommunikativen Fähigkeiten ggf. auch "gepflegt" erscheinen können*.

    ohohhh ich glaube ich muss jetzt bald zurücktreten. Soll jetzt nicht bedeuten, dass ich ungewaschen und ungebürstet erscheine, aber man erkennt an meinem Äußeren meinen Musikgeschmack und wenn ich mal tatsächlich Hemd und Krawatte trage, dann heirate ich gerade, oder jemand, der mir sehr wichtig ist und wo ich weiß, dass er darauf bestanden hätte, ist gestorben.


    Das hat zwar am Anfang tatsächlich dazu geführt, dass ich von so Manchen nicht so richtig ernst genommen wurde, dass hat sich aber mittlerweile erledigt. Mittlerweile weis der Arbeitgeber, dass er nicht unbedingt auf das Äußere schauen sollte, wenn er die Fähigkeiten von jemanden beurteilen möchte.


    LG

    Markus

    "Ein Kompromiss ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind" Aristide Briand

  • ihr haut mir hier alles um die Ohren, was ich falsch gemacht habe

    Da wir uns persönlich nicht kennen, weise ich das weit von mir. Bzw. wenn, dann ist das reiner Zufall.


    Für mich kann ich sagen, dass ich etliche Dinge angeführt habe, wo ich bei mir merke, dass es daran hapert... (weshalb ich den Job als BRV auch an den Nagel gehangen habe!)


    er darf doch eh nur machen was das Gremium Ihm sagt

    Ganz so ist es ja auch wieder nicht. Auch wenn er prinzipiell lediglich primus inter pares ist, ein paar Sonderfunktionen hat er ja schon, da er die Tagesordnung bestimmt, die Sitzungen leitet und Nachrichtenempfänger und -sender des BR ist. Insofern hat er schon ein paar Tasks, die er mehr oder weniger autonom zu erledigen hat und über die er einiges steuern kann.


    Ja, der BRV kann auch nicht schalten und walten wie er lustig ist (wir haben hier im Laufe der Jahre ja schon den einen oder anderen Betriebsratsfürsten wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgestellt (na ja, oder uns zumindest darum bemüht) aber das bedeutet ja nicht, dass er gar keine Möglichkeiten hat.


    Da möchte ich doch gleich noch mal Goethe bemühen:

    Zitat von Johann Wolfgang von Goethe, Natur und Kunst

    Wer Großes will, muss sich zusammenraffen;
    In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister,
    und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben.

    Sich im Rahmen der Gesetze zu bewegen und dabei zu versuchen (!!!) teilweise völlig unterschiedliche Menschen und Interessen unter einen Hut zu bekommen, genau darin liegt, nach meinem Verständnis, die Kunst eines erfolgreichen BRVs im Speziellen und eines erfolgreichen BRs im Allgemeinen.


    Oder, gerade passend zu den Olympischen Spielen: Auch der Steuermann im Achter scheint zum Gelingen des Rennens nicht viel beizutragen, da er sich bloß durch die Gegend kutschieren lässt und ab und zu mal ein Kommando brüllt. Wer aber mal im Großboot gefahren ist, weiß welchen Anteil der Steuermann tatsächlich hat, obwohl sein Krafteinsatz nahezu Null ist. (Selbst beim Boot ins Wasser setzen oder wieder rausholen ist er kaum zu gebrauchen, weil die, die auch beim Rudern die Arbeit machen, üblicherweise einiges größer sind, sprich das Boot irgendwo über ihm schwebt ;) )


    Und ja, eine gewisse Leidensfähigkeit gehört sicher auch dazu. Gleichgültigkeit sehe ich eher nicht (auch wenn ich glaube zu wissen, was Markus hier vermutlich meint), ich würde es eher einen gewissen Gleichmut nennen wollen. Dinge hinzunehmen, die man nicht ändern kann und seine Energie nicht für die Dinge zu verschwenden, die man nicht ändern kann ohne dabei zu resignieren.


    Und nein, bisher habe ich die Kombination aus allem so noch nicht erlebt - aber man wird doch noch mal träumen dürfen, nicht? :sleeping:8)

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  • man erkennt an meinem Äußeren meinen Musikgeschmack

    hm da hab ich mich wohl noch so deutlich ausgedrückt, denn mir ging es nicht um individuelle Vorlieben, sondern um zumindest annähernde Vorzeigbarkeit zumindest zu "offizielleren" Anlässen :)

    Und ein BRV auf einer offiziellen Veranstaltung kann meinetwegen ein Heavy-Metal- oder SciFi- oder Online-Game- oder Lindenberg- oder Beatles- oder Aerosmith- usw. -T-Shirt tragen (zur Not auch Flippers oder Kessler-Zwilllinge oder Julio Iglesias oder Rex Gildo oderwasweißich), aber eben nicht fast schon zerlumpt mit tennisballgroßen Löchern im fast komplett ausgewaschenen, inzwischen viel zu kleinen Shirt und zudem sichtlich (!) schmuddelig, quasi mit der ablesbaren Speisekarte der letzten Tage da vorne stehen und das Gremium repräsentieren - meiner Meinung nach :)


    Sich im Rahmen der Gesetze zu bewegen und dabei zu versuchen (!!!) teilweise völlig unterschiedliche Menschen und Interessen unter einen Hut zu bekommen, genau darin liegt, nach meinem Verständnis, die Kunst eines erfolgreichen BRVs im Speziellen und eines erfolgreichen BRs im Allgemeinen.

    Sehr schön formuliert, die hohe Kunst der Diplomatie also :thumbup:

    Man wird alt wie ein Haus und lernt doch nie aus.

    Einmal editiert, zuletzt von Scheeks ()