manipulationsfreie Zeiterfassung auch im Homeoffice erforderlich?

  • Hallo,


    wir loggen uns seit Jahren über eine Zeiterfassungsanlage ein und aus. Dies geschieht durch einen Schlüssel mit entsprechender Codierung.

    Auch die Mittagspause wird entsprechend geloggt. Die Daten fließen in ein Zeiterfassungsprogramm, welches ein MA der Finanz-/Personalabteilung bearbeitet.


    Nun haben wir jedoch auch eine MA'in, die ausschließlich im Homeoffice arbeitet.

    Bisher ist es so, dass sie dem MA der Finanz-/Personalabteilung einfach eine Email schreibt über ihre Beginn- und Endzeiten, an denen sie gearbeitet hat (Pause entfällt, da sie nur 6 Std. an 3 Tagen arbeitet).


    Nun entstand die Frage, ob es nicht "ungerecht" sei, dass wir uns digital einloggen müssen und sie einfach ihre Arbeitszeiten per Email mitteilen kann.

    Natürlich muss ich dieser Frage nun nachgehen... bin aber unsicher.

    Kann / sollte / darf... ich als BR der GF vorschlagen, dass sich die Kollegin auch so ein-/ausloggen muss, damit es manipulationsfrei geschieht und dass es auch gerecht ist gegenüber dem Rest der Belegschaft?


    Es gibt ja durchaus Möglichkeiten über entsprechende Apps (für Smartphones od. auch Desktop-Anwendungen).


    Was denkt Ihr?


    Grüße,

    imebro

  • Hallo imebro,


    prinzipiell ist fast alles möglich. Die meisten Zeitsysteme haben auch die Möglichkeit, dass man sich von außerhalb einloggt und direkt darauf zugreift. Wenn man die entsprechenden Rechte vergibt, kann man es so einrichten, dass sich Mitarbeitende ein- und ausstempeln können.


    Auch ein melden von Zeiten per App wäre möglich.


    Aber ich frage mich, was es bringen soll. Zumindest in der Theorie ist es möglich, dass die Mitarbeiterin, um die es hier geht, um 5 Uhr aufsteht, sich anstempelt und danach noch einmal für sechs Stunden ins Bett legt um sich dann wieder auszustempeln. Oder sie beginnt eher mit der Arbeit als sie dürfte, stempelt sich erst ein wenn sie darf, hört aber dann eher auf, als sie dürfte und stempelt sich erst später aus.


    Beim HomeOffice bestehen immer Manipulationsmöglichkeiten, die nur schwer zu kontrollieren sind. Ob gearbeitet wurde und ob die Leistung passt, merkt ein guter Vorgesetzter im Normalfall noch, aber bei der Einhaltung der Arbeitszeit und der Pausen, wird es halt schwierig. Klar gibt es technische Überwachungsmöglichkeiten, aber die gingen mir als Betriebsrat zu weit. Auch wäre es technisch möglich, den Zugang zum Firmennetzwerk für gewisse Uhrzeiten und gewisse Mitarbeiter zu sperren, aber auch da frage ich mich, ob ich das als Betriebsrat wirklich haben möchte.


    LG

    Markus

    "Ein Kompromiss ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind" Aristide Briand

  • Ich würde hier nur tätig werden, wenn die Kollegin im HO nun Problem mit der Dokumentation ihrer Stunden bekommen sollte, ansonsten würde ich da die Finger von lassen.

    Wenn hier andere Kolleg*innen meinen, das wäre ungerecht, dann klingt das für mich wie eine Neiddebatte, die mich nicht zu irgendwelchen Handlungen anstachelt.

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  • was ist daran denn unfair und wieso ist das andere gerechter? Nur mal so als Frage. Fragst Du die Kolleg*innen nicht wieso sie das als ungerecht empfinden?

    Wenn das Zeiterfassungssystem diese Möglichkeit nicht bietet kann man wohl kaum verlangen, dass wegen der einen MA ein neues System angeschafft wird oder für viel Geld ein zusätzliches Modul angeschafft wird.


    Für mich hört sich das eher nach einer Neiddebatte derer an, die nicht von zu Hause arbeiten können/dürfen.

    Nicht die Dinge sind positiv oder negativ, sondern unsere Einstellung macht sie so. (Epiktet, gr. Philosoph)

  • Meines Erachtens ist die Kollegin im Home-Office sowieso privilegiert, weil sie eure Irre nicht täglich sehen muß... ;)


    Aber bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 6 Stunden wäre schon mal die Frage gestattet, ob sich der technische und organisatorische Aufwand überhaupt lohnt. Zumal er, wie Markus richtig schreibt, ohnehin kaum zu kontrollieren ist.


    Du könntest ja mal die anderen fragen, was ihr Problem ist und ob es ihnen dadurch besser geht, wenn es anderen ebenfalls schlechter geht. Wollen sie vielleicht lieber an der Eingangstür auch eine Mail schreiben, dass sie jetzt gerade kommen oder gehen? Anstatt euch gegenseitig das Leben schwer zu machen, konzentriert euch lieber auf den gemeinsamen Feind und lasst untereinander das Motto gelten "man muss auch ma jönne könne" ;)

    Für einen Betriebsrat gilt: Lobt dich der Gegner, ist das bedenklich. Schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg. (August Bebel)

  • Danke für Euren Rat.


    Es ergab sich einfach in einem Gespräch mit ein paar unserer MA.

    Dann meinte einer, der hier u.a. für Datenschutz zuständig ist, dass er sich frage, ob es gesetzlich OK ist, wenn nicht alle MA sich auf die gleiche, bzw. auf eine sichere Weise ein-/ausloggen müßten. Genau hierdurch würde es eben ggf. mehr Neid geben, wenn man nicht selbst im HO arbeiten kann/darf.


    Im Grunde war das Thema dann auch durch und ich weiß, dass die MA hier überhaupt kein Problem damit haben, dass diese eine Kollegin im HO arbeitet (das hat auch pers. Gründe...).


    Ich wollte es nur rechtlich abklären, ob es nicht ggf. sein MUSS, dass man sich im HO auch digital ein-/ausloggt.


    Grüße,

    imebro

  • Wenn die technischen Möglichkeiten nicht vorhanden sind, gibt es kein Muss sondern es sollte eine vernünftige Lösung gefunden werden, um die Arbeitszeiten zu erfassen, die könnte auch lauten, brauchst keine Zeiten erfassen, wir vertrauen dir, das du entsprechend deines AV arbeitest.

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  • Ich wollte es nur rechtlich abklären, ob es nicht ggf. sein MUSS, dass man sich im HO auch digital ein-/ausloggt

    Das Gesetz ist an der Stelle relativ nachlässig. Denn danach ist der AG nur

    verpflichtet, die über die werktägliche Arbeitszeit des § 3 Satz 1 hinausgehende Arbeitszeit der Arbeitnehmer aufzuzeichnen

    D.h. die 6 Stunden der Kollegin müsste der AG überhaupt nicht aufzeichnen.


    Soweit zum Rechtlichen. Aber selbstverständlich steht es dem BR frei, im Rahmen seiner Mitbestimmung mit zu bestimmen, wie die Aufzeichnung der Arbeitszeiten erfolgt. Auch für die AN im Homeoffice.


    Will sagen: eine Verpflichtung gibt es per se nicht, allerdings könnte der BR hier eine schaffen. Allerdings bin ich da völlig bei den Kollegen:


    Klar gibt es technische Überwachungsmöglichkeiten, aber die gingen mir als Betriebsrat zu weit.

    (Aber ich denke, das hat sich dann auch schon erledigt. Bin gerade die ersten Tage wieder am Rechner... da dauert wieder alles zu lange...)

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • in gerade die ersten Tage wieder am Rechner...

    ist bei mir ähnlich, nach 3 Wochen Urlaub mit anschließendem Seminar 1 Woche, muss man sich erstmal durch einen Haufen Mails und Post wühlen und dann auch noch denn täglichen Wust abarbeiten.


    Zum glück wusste ich mein Passwort noch! ;)

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  • Wenn man bedenkt, wo ich zum Seminar war, dann war das mit Urlaub gleichzusetzen obwohl die An- und Rückfahrt jeweils mehr als 7 Stunden waren und dann auch an den Reisetagen noch Seminar.

    Aber ein so gutes Seminar mit Kolleg*innen aus der gleichen Branche mit den gleichen Themen und einem Dozenten, der aus meiner Sicht nur schwer zu toppen ist, lässt man nicht an sich vorbei gehen.

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