Überstunden

  • Hallo,


    ich hoffe man kann mir hier bei meiner Problematik weiterhelfen.


    Angestellt in der KKH Reinigung, Bereich OP, Vertrag 35 Std pro Woche.


    Seit Monaten extreme Arbeitsbelastung, immer 200- 230 Stunden im Monat.


    Arbeitgeber rührt sich nicht trotz mehrfacher Beschwerde.

    Betriebsrat wird ebenfalls nicht tätig- selbiger unterschreibt ja die Schichtpläne, dort stehen die Stunden für den Monat ja drauf, mir ein Rätsel warum das abgezeichnet wird.


    Weiterer Streitpunkt: die ominöse Spätschichtbereitschaft.

    Spätdienst von 14:30 bis 22 Uhr, so steht es auch auf den Schichtplänen ABER vom Arbeitgeber die Anweisung von 22- 00 Uhr Bereitschaft.

    Der Nachtdienst wurde aus Kostengründen abgeschafft.


    Es fehlt seit 1 Jahr der 4 Mann im OP, teilweise sind wir nur zu 2- heißt man ist im Früh/Spätdienst völlig alleine mit Zwischen und im Spätdienst Grundreinigung von Ops, Büros, Gängen, Aufwachraum etc.pp.


    Wir laufen hier alle am Limit weil es einfach zu viel ist, wir gehen oftmals 12 Tage durchgängig arbeiten mit 2 Tagen frei.


    Bin Dankbar für Anregungen wie wir uns weiterhin verhalten sollen.

  • Moin,


    das sind mehrere Problemfelder, die hier angesprochen werden. Ich sortiere mir das mal nach Einfachheit, und nicht nach der Reihenfolge der Nennung:


    1. Ich nehme an, ihr seid nicht tarifgebunden?


    2. Bereitschaft: Gibt es hierzu eine Betriebsvereinbarung zwischen BR und AG? Wenn ja, was steht da dazu drin? Wenn nein, gibt es in den Arbeitsverträgen etwas zum Thema Bereitschaft? Wie sieht diese "Bereitschaft" konkret aus?


    3. Mehrarbeit: Gibt es irgendwelche Betriebsvereinbarungen über Mehrarbeit? Da wäre insbesondere interessant, wie die Mehrarbeit ausgeglichen werden soll. Gibt es keine Vereinbarungen, dann muss es eine Regelung im individuellen Arbeitsvertrag geben.
    Grundsätzlich trennen muss man den Arbeitszeitbegriff bei der Mehrarbeit von der Vergütung. Das eine hat mit dem anderen nur sehr mittelbar etwas zu tun.

    Grundsätzlich sagt das Arbeitszeitgesetz, dass Mehrarbeit (also Arbeitszeit über die vertragliche Arbeitszeit hinaus) innerhalb von 24 Wochen durch Freizeit ausgeglichen werden muss.


    Aber grundsätzlich möglich sind 12 Tage Arbeit am Stück, mit 2 freien Tagen (einer davor, einer danach). Klingt krass, ist aber so. Aber ständige Mehrarbeit ist natürlich nicht rechtens, die Mehrarbeit muss ausgeglichen werden.


    Schau dir mal diese Seite hier an: https://www.arbeitszeit-klug-g…/taegliche-arbeitszeiten/ die beschreibt die Gesamtthematik recht gut.

    Viele Grüße

    BRV aus Frankfurt

    Einmal editiert, zuletzt von EDDFBR ()

  • Guten Morgen,


    Punkt 1. In meinem Arbeitsvertrag ist festgehalten das der Rahmentarifvertrag sowie der Mindestlohntarifvertrag gilt.


    2. Unter Arbeitszeit steht:

    Die Arbeitszeit richtet sich- ggf. ergänzend zu den individuellen Festlegungen und zu den gesetzlich zwingenden Arbeitsbestimmungen- nach den Arbeitszeitregelungen der maßgeblichen tariflichen Arbeitsbedingungen.

    Die Arbeitszeit beträgt gegenwärtig 35 Wochenstunden.

    Im Rahmen dieser tariflichen Arbeitszeitenregelungen wir der Arbeitneu jeweils auf Anweisung der Arbeitgeberin auch erforderliche Mehr+ und Überstunden, Nacht/Schicht/Samstags/Sonntags/ und Feiertagsarbeit- ggf. such im Rahmen flexibler Arbeitszeitmodelle- leisten.


    Mein Problem ist halt das die Überstunden ins endlose ausufern seit Monaten.


    Sie werden bezahlt nur bringt das nix wen man irgendwann einfach fix und fertig ist.

  • Sie werden bezahlt nur bringt das nix wen man irgendwann einfach fix und fertig ist.

    Verstehe ich das richtig, dass die Überstunden ausbezahlt und nicht durch Freizeit ausgeglichen werden?

    Wenn das der Fall ist, sollte man tatsächlich überprüfen ob nicht die Höchstgrenzen der Arbeitszeit überschritten werden.

    Bei...

    200- 230 Stunden im Monat

    sind das ja ungefähr zwischen 46,5 und 53,5 Stunden pro Woche. Alles über 48 Stunden pro Woche muss lt. § 3 ArbZG innerhalb von 6 Monaten, bzw. 24 Wochen, durch Freizeit ausgeglichen werden (wie EDDFBR ja schon geschrieben hat). Allerdings kann aufgrund eines Tarifvertrages von dieser Regelung abgewichen werden:

    Zitat

    Arbeitszeitgesetz (ArbZG)
    § 7 Abweichende Regelungen

    (1) In einem Tarifvertrag oder auf Grund eines Tarifvertrags in einer Betriebs- oder Dienstvereinbarung kann zugelassen werden,

    1. abweichend von § 3

    a) die Arbeitszeit über zehn Stunden werktäglich zu verlängern, wenn in die Arbeitszeit regelmäßig und in erheblichem Umfang Arbeitsbereitschaft oder Bereitschaftsdienst fällt,
    b) einen anderen Ausgleichszeitraum festzulegen,

    (...)

    D.h. es kommt jetzt wirklich darauf an, was genau Dein Tarifvertrag zur Arbeitszeit regelt.

    Aber die Höchstgrenze von durchschnittlich 48 Stunden pro Woche kann nicht geändert werden, nur der Ausgleichszeitraum. D.h. gem. § 3 ArbZG darf innerhalb von 6 Monaten / 24 Wochen nicht mehr als durchschnittlich 48 Stunden die Woche gearbeitet werden. Ist im Tarifvertrag der Ausgleichszeitraum auf z.B. 1 Jahr verlängert (ist in unserem TV so), dann darf innerhalb von einem Jahr nicht mehr als durchschnittlich 48 Stunden die Woche gearbeitet werden.

    Wenn Du also in einer Woche 50 Stunden arbeitest, dann kann man Dir nicht einfach 15 Überstunden ausbezahlen und die Sache als erledigt betrachten. 2 Stunden müssen Dir in jedem Fall (innerhalb des tarifvertraglichen Ausgleichszeitraums) durch Freizeit ausgeglichen werden. (Wenn Du dann in der nächsten Woche "nur" 46 Stunden arbeitest ist der Ausgleich erfolgt, da es dann im Durchschnitt 48 h pro Woche sind).

    Ich würde mir aber nicht zuviel davon versprechen, weil für nur eine Woche ohne Überstunden (35h) dann 6 Wochen lang

    50 h / Woche möglich sind (6x50h=300h + 35h = 335h / 7 Wochen = durchschnittlich 47,85 h pro Woche).


    Meiner Meinung nach sollte Euer BR hier...

    Es fehlt seit 1 Jahr der 4 Mann im OP, teilweise sind wir nur zu 2- heißt man ist im Früh/Spätdienst völlig alleine mit Zwischen und im Spätdienst Grundreinigung von Ops, Büros, Gängen, Aufwachraum etc.pp.

    ...tätig werden. Da würde ich vom AG verlangen umgehend eine Stelle auszuschreiben und zu besetzen, da anderweitig Eure Überstunden nicht mehr vom BR genehmigt werden.

  • Hmhmhm....der Betriebsrat meint das wäre alles okay so weil kein Personal da.


    Ich arbeite übrigens regelmäßig 12 Tage durch und komme dann ohne Probleme von Mo- So auf 55-67 Stunden.

    Geht dann natürlich die nächste Woche von Mo- Fr munter weiter mit 40- 45 Stunden.


    Ich sehe schon es ist knifflig, ich hab mich entschlossen Verdi beizutreten und wen das alles nicht bringt werde ich kündigen.


    Vielen Dank für eure Wortmeldungen und Tipps.

  • Ja,


    das Arbeitszeitgesetz ist tatsächlich ein ziemlich zahnloser Tiger. Wie der reitende Mitschreiber schon gesagt hat ist alles bis 48 Wochenstunden OK.


    Inhaltlich muss man sich dann irgendwann mal die Frage stellen, ob es eine Möglichkeit gibt, nicht mehr Teil eines solch ausbeuterischen Systems zu sein. Sprich: Einen Arbeitsplatzwechsel in Erwägung ziehen.

    Viele Grüße

    BRV aus Frankfurt

    Einmal editiert, zuletzt von EDDFBR ()

  • Hmhmhm....der Betriebsrat meint das wäre alles okay so weil kein Personal da.

    Das ist einfach kein Argument.

    Was tut der BR denn dagegen? Ist für Euren Bereich eine Stelle ausgeschrieben? Wenn ja, wo und wie?

    Ist die Stelle nur intern ausgeschrieben, oder auch extern? Ist diese Stellenanzeige nur irgendwo auf einer schlecht gepflegten Homepage Eurer Klinik versteckt, oder steht die auch mal bei den Jobangeboten in Eurer lokalen Tageszeitung?

    Weiß die Agentur für Arbeit von dieser freien Stelle und kann evtl. jemanden vermitteln? Hat man es mal mit einem Personal Recruiter versucht?

    Das sind Dinge die Euer BR durchdrücken könnte, einfach weil er in diesem Fall das ultimative Druckmittel in der Hand hat: Eure Überstunden (die halt ohne Zustimmung des BR nicht gehen).


    ich hab mich entschlossen Verdi beizutreten

    Das ist in jedem Fall eine gute Idee!

    Wenn Du denen Deinen Fall schilderst, ist es ziemlich wahrscheinlich dass Euer Betriebsratsvorsitzender recht bald eine Anfrage von Verdi bekommt, was denn da bei Euch los ist. Das kann durchaus für Bewegung sorgen.

  • Sie werden bezahlt nur bringt das nix wen man irgendwann einfach fix und fertig ist.

    Genau diese Gefahr besteht, wenn Du weiterhin Raubbau an Deinem Körper betreibst.

    Danken wird es Dir ohnehin niemand. Lass Dich mal vom Hausarzt durchschecken.

    Alle Menschen sind klug - die einen vorher, die anderen nachher.

    Voltaire (1694 - 1778).