Einführung eines Bonussystems für MA

  • Hallöchen zusammen,


    hier ist wieder mal euer OssiBR...

    Das damalige Thema mit der plötzlichen Besprechung war ein Aufhebungsvertrag, welcher mir "angeboten" wurde. Habe ich natürlich nicht angenommen. Aber jetzt zum eigentlichen Thema:


    Der AG will bei uns für jeden Mitarbeiter ein Bonussystem einführen mit Punkten. er hat es ausgearbeitet und definiert, sodass wir am besten in der heutigen Sitzung annehmen sollen. Gut und schön es sind folgende Punkte:


    Zuverlässigkeit

    Pünktlichkeit 80 P.


    Einsatzbereitschaft

    Übernahme von Zusatzsschichten 20 P.

    Leistung von Überstunden bei Bedarf 10 P.

    Übernahme von Sonderaufgaben 10 P.


    Flexibilität

    Abteilungsübergreifende Unterstützung (kurzzeitig) 10 P.

    Einsatz in anderen Abteilungen (Schichtweise/dauerhaft) 20 P.


    Ordnung & Sauberkeit

    Zustand des Arbeitsplatzes während der Schicht 10 P.

    Zustand des Arbeitsplatzes zu Schichtende 20 P.

    Arbeitsumfeld allgemein 10 P.


    Teilnahme an Trainings

    Freiwillige Trainings außerhalb der regulären Arbeitszeit 10 P.


    Der Mitarbeiter soll über die Dauer von 3 Monaten 120 Punkte "erwirtschaften" und so werden ihm dann zum nächsten Quartal 0,50 € / h mehr gegeben, sowie ein Urlaubstag mehr.

    Außerdem soll die wöchentliche Arbeitszeit auf 37,5 h festgelegt werden (die meisten Arbeitnehmer haben 40-Stunden-Verträge).

    Des Weiteren kam vom AG die Aussage: Wir werden JEDEN Arbeitnehmer einzeln befragen ob er dieses System will oder nicht und ihn dann dementsprechend ins System integrieren.


    Also Frage 1: Ist es möglich, dass bei einem solchen System, dass ALLE Arbeitnehmer betrifft, Arbeitnehmer ausgeschlossen werden können, nur weil sie nicht teil des Systems sein wollen, oder liegt da schon eine Ungleichbehandlung vor?


    Frage 2, gekoppelt mit Frage 1: Der AG koppelt dieses Punktesystem mit einer (normalerweise) Reduzierung der Arbeitszeit. Bei dem was man verdienen kann absolut lächerlich, aber egal. Kann dies der AG so machen, auch wenn er AN sagt: "Ich will Teil des Systems sein, aber ich lasse meine Arbeitszeit nicht heruntersetzen"?


    Frage 3: Ist gerade der Punkt Ordnung & Sauberkeit nicht so subjektiv, dass man ihn fast gar nicht objektiv beurteilen kann?


    Frage 4: Müsste der AG nicht den AN auch Schulungsangebote einrichten (alle 3 Monate mind. eines welches er außerhalb der Arbeitszeit durchführen kann), wenn er seine vorhandene Punktzahl nicht anders erhöhen kann? --> Konkretes Beispiel: Es ist Hochkonjunktur, Mehrarbeit ist beantragt und durchgewunken beim BR, Sonderaufgaben können nicht übernommen werden, Zusatzschichten würden in einer RoWo enden, obwohl dies nicht beim BR genehmigt ist / die AN sich auch mal ausruhen wollen und abteilungsübergreifend kann man nicht arbeiten, weil man in der eigenen Abteilung zu tun hat. Außerdem läuft der Vorgesetzte immer dann auf meinen Arbeitsplatz, wenn es dort recht unordentlich ist. --> Eigentlich ein Unding in einer solchen Situation die "erhofften" 120 Punkte zu erhalten.


    Ich könnte jetzt mit noch mehr Fragen kommen wie "Wenn man einmal zu spät kommt, gibt es dann nur Punktabzug und wenn ja wieviel, oder ist das ein "ganz oder gar nicht"-Ding?", "Was sind Sonderaufgaben?", "Wann ist eine Zusatzschicht eine Zusatzschicht?" etc. Also reine Definitionsfragen, die hoffentlich heute erstmal geklärt werden.


    Ich persönlich halte dies für eine Maßnahme dem AN weniger zu zahlen und noch mehr auszupressen. Wenn diese Arbeitszeitreduzierung nicht wäre, könnte man das Ganze durchaus annehmen, aber ich persönlich würde mich nicht dahingehend anstrengen, denn für (netto ca.) 50,-€ mehr in der Tasche und mal einem Urlaubstag mehr, den ich dann auch dringend benötige(!!!), wäre mir das zu viel "Aufwand".


    Was haltet ihr davon?


    Danke im Voraus für eure Antworten.

  • Hallo,


    als erstes unterliegt so ein System immer der Mitbestimmung und kann nicht einseitig eingeführt werden. Wir sind nicht bei

    "wünsch dir was " sondern bei " so ist es ".

    Also Frage 1: Ist es möglich, dass bei einem solchen System, dass ALLE Arbeitnehmer betrifft, Arbeitnehmer ausgeschlossen werden können, nur weil sie nicht teil des Systems sein wollen, oder liegt da schon eine Ungleichbehandlung vor?

    Ohne eure Zustimmung darf das System nicht eingeführt werden.

    Frage 2, gekoppelt mit Frage 1: Der AG koppelt dieses Punktesystem mit einer (normalerweise) Reduzierung der Arbeitszeit. Bei dem was man verdienen kann absolut lächerlich, aber egal. Kann dies der AG so machen, auch wenn er AN sagt: "Ich will Teil des Systems sein, aber ich lasse meine Arbeitszeit nicht heruntersetzen"?

    Das sind dann doch alles Änderungskündigungen.

    Frage 3: Ist gerade der Punkt Ordnung & Sauberkeit nicht so subjektiv, dass man ihn fast gar nicht objektiv beurteilen kann?

    Ich würde mich mich so einem Blödsinn gar nicht beschäftigen.

    Was möchte euer AG damit bezwecken?

  • Hallo Ossi,


    Beurteilungssysteme sind in der Regel in einem TV geregelt.

    Wenn bei euch kein TV gilt, dann kann der BR hier von seiner Mitbestimmung gebrauch machen, weil das System der Mitbestimmung unterliegt.

    Wenn der AG hier also etwas will stellt sich die Frage, was will der BR und wie will er das. Macht der BR einen gegenvorschlag. Ist der BR überhaupt geschult um hier aktiv sein zu können oder muss der sich Externe Hilfe rein holen, z.B. die TBS


    Gruß

    Rabauke

  • Ich finde das System ....Sch...... hier würde bei mir der AG auf Granit stoßen!


    Es gibt halt Leute die keine Überstunden oder Zusatz Trainings außerhalb der AZ machen können. Wenn deren Arbeitsplätze dann noch als unordentlich eingestuft werden haben sie ja keine Möglichkeit auf ihre Punkte zu kommen.


    Wie rabauke vorschlägt holt Euch Hilfe von extern und arbeitet ein eigenes System aus was fairer ist. Und dann gehts Verhandeln los ;)

  • Hmm also ich zerpflücke mal für mich:


    Zuverlässigkeit

    Pünktlichkeit 80 P.

    Da ich Gleitzeit habe 80P


    Einsatzbereitschaft

    Übernahme von Zusatzsschichten 20 P.

    Kann ich nicht...0P

    Leistung von Überstunden bei Bedarf 10 P.

    ist in Gleitzeit...0P

    Übernahme von Sonderaufgaben 10 P.

    noch was dazu zum BR Mandat (oder ist das schon eine Sonderaufgabe) noch? also 0P

    Ach ja... wenn da BR-Mitglieder auch bewertet werden so ist dies, wenn sie aufgrund ihres BR Amtes diese Sonderaufgaben nicht ausführen können und keine Punkte bekommen eine Benachteiligung und daher ...


    Flexibilität

    Abteilungsübergreifende Unterstützung (kurzzeitig) 10 P.

    Hab genug zu tun... 0P

    Einsatz in anderen Abteilungen (Schichtweise/dauerhaft) 20 P.

    Hab genug zu tun... 0P


    Ordnung & Sauberkeit

    Zustand des Arbeitsplatzes während der Schicht 10 P.

    Oje... wo gehobelt wird fallen Späne... 0P

    Zustand des Arbeitsplatzes zu Schichtende 20 P.

    Die Späne (sinnbildlich) bleiben oft liegen... 0P

    Arbeitsumfeld allgemein 10 P.

    Das ist bei mir sowieso schlecht (aber das ist von der Firma her) also geb ich mir da 10P



    Teilnahme an Trainings

    Freiwillige Trainings außerhalb der regulären Arbeitszeit 10 P.

    No way 0P


    Somit komme ich auf 90P und bin weit weg von irgendwelchen Boni...

    Selbst wenn ich die 30P bei Sauberkeit bekomme, bin ich immer noch weg...

  • ja nun, wer nur dienst nach Vorschrift macht hat auch keinen Bonus verdient, ist doch logisch, du solltest an deiner Einstellung arbeiten :D

    ich arbeite auch außerhalb der Gleitzeit und bin auch abends und nachts für meine Kollege erreichbar, und das ganz nachweisbar ohne bezahlen also 200 zusatzpunkte und damit sicher eine Boni

  • Teilnahme an Trainings

    Freiwillige Trainings außerhalb der regulären Arbeitszeit 10 P.

    außerhalb der Arbeitszeit ist Freizeit! Wie kann der AG auf den Trichter kommen Bonuspunkte für mein Verhalten in der Freizeit zu geben? Das entbehrt ja jeder rechtlichen Grundlage! (Aber für meine Hobbys bilde ich mich auch manchmal fort, wenn das auch zählt ;)) Ne im Ernst, sowas wird euer BR ja hoffentlich nicht unterschreiben.



    Außerdem soll die wöchentliche Arbeitszeit auf 37,5 h festgelegt werden (die meisten Arbeitnehmer haben 40-Stunden-Verträge).

    Wenn ich das richtig interpretiere, ist der Arbeitgeber nicht so nett und ihr dürft einfach weniger arbeiten, sondern er will euch auch weniger Geld zahlen. Eine Änderung der Arbeitszeit kann in einer BV nicht gemacht werden. Das ist entweder Tarif- oder Individualrecht (daher vermutlich das Ansinnen des AG mit jedem MA einen Einzelvertrag zu machen). Die dadurch fehlende Arbeitszeit soll dann durch Überstunden wieder reingeholt werden:

    Einsatzbereitschaft

    Übernahme von Zusatzsschichten 20 P.

    Leistung von Überstunden bei Bedarf 10 P.

    Übernahme von Sonderaufgaben 10 P.

    Diese Überstunden müssten dann aber auch saftig entlohnt werden, und nicht nur mit ein paar Punkten für einen evtl. Bonus.


    Und tatsächlich hast du Recht, viele Kriterien sind "Ansichtssache" und es bedarf einer genauen Definition und der Festlegung eines Gremiums (paritätische Besetzung AG/BR), dass z.B. Sauberkeit beurteilt.


    Alles in allem ein kluger Schachzug vom AG den ihr so nicht mittragen müsst. Holt Euch Sachverstand und macht einen sinnvollen Gegenvorschlag zu einem Bonussystem.

  • Erst einmal danke für die ganzen tollen Antworten.

    Um hier mal klarzustellen:

    Der AG weiß, dass er unser Einverständnis darüber braucht, sonst hätte er es schon längst eingeführt.

    Wir hatten gestern den AG dazu geladen und schon erste Fragen:

    Ist dieser Bonus mit einer Reduzierung der ARbeitszeit verbunden? - Nein, er wird extra gesehen. Allerdings will der AG bei 3+ - Schichtsystemen eine Reduzierung auf 7,5 h einführen, da die Leute in bestimmten Abteilungen dann eine halbe Stunde "zu viel" da sind und sich gegenseitig die Beine in den Bauch stehen, teilweise vor der Stechuhr. Zu Coronazeiten ein wirklich übler Umstand.


    3+ - Schichtsystem haben bei uns nur die Produktionsabteilungen. Die Logistik (durch 2-Schicht) fällt flach.


    Dennoch habe ich es mir durchgerechnet und würde als einzelner Arbeitnehmer da nicht zustimmen. ;)


    Dass Ordnung & Sauberkeit eine rein subjektive Angelegenheit und schwer zu definieren ist, hat der AG abgewürgt: Dann muss man das eben definieren. O.o


    Es wurden Sonderaufgaben definiert: Ich fragte: "Wenn ich als Schichtleiter, Aufgaben von meinem Logistikleiter übernehme, weil ich das nicht schaffe, kriege ich dann den Bonus?" - "Nein, Sie als Schichtleiter sind dazu da die Arbeit in der Logistik aufrecht zu erhalten." - " Also werde ich nie diesen Bonus kriegen?" - "Korrekt." O.o


    Auf die Frage: "Ist dieser Pünktlichkeitsbonus ein "ganz oder gar nicht" sprich einmal zu spät gekommen und der ganze Bonus ist weg?" - "Ja, natürlich. Wenn man mehrere Male zu spät kommt erhält man dafür ja auch eine Abmahnung." - "Und was ist wenn man nicht daran schuld ist (man hat zum Beispiel einen Unfall, oder kommt durch eine Umleitung zu spät)?" - "Die Maschinen müssen laufen und wenn die Nachfolgeshcicht zu spät kommt, muss man diese herunterfahren. Wo fängt man an und wo hört man auf? Definitiv würde man in einem solchen Falle auch keine Punkte kriegen, man kommt ja seiner Pflicht nicht nach." O.o --> Wenn ich alles einkalkulieren müsste, was mir an einem extrem schlechten Tag passieren kann, müsste ich demnach 2 Stunden vorher losfahren, bei einem 5-Minuten-Weg. O.o


    Soviel erstmal dazu. Ich würde morgen einen (noch längeren) Kommentar verfassen, ich muss auf Schicht. Da es ja gestern "definiert" wurde was was ist usw...

  • Hallo OssiBR0815,


    die ganzen Details interessieren glaube ich nicht. Wollt ihr denn eine Bonusregelung die nur Stress bedeutet und die Mitarbeiter schlechter darstellt??

    Ich wiederhole mich gerne. Was bezweckt der AG damit? Welche Vorteile hat der AN davon? Will ich mich damit beschäftigen?

    Wenn ja, dann ab und einen Sachverständigen beim AG beantragen. Diesen sollte er euch genehmigen, ansonsten wird das pauschal nichts mit dem Bonussystem. Macht euch nicht so einen Kopf der AG will was, also soll er sich kümmern und euch unterstützen oder ihr lasst das.

  • Hallo OssiBR0815,


    die ganzen Details interessieren glaube ich nicht. Wollt ihr denn eine Bonusregelung die nur Stress bedeutet und die Mitarbeiter schlechter darstellt??

    Ich wiederhole mich gerne. Was bezweckt der AG damit? Welche Vorteile hat der AN davon? Will ich mich damit beschäftigen?

    Wenn ja, dann ab und einen Sachverständigen beim AG beantragen. Diesen sollte er euch genehmigen, ansonsten wird das pauschal nichts mit dem Bonussystem. Macht euch nicht so einen Kopf der AG will was, also soll er sich kümmern und euch unterstützen oder ihr lasst das.

    Was der AG damit bezwecken will ist klar:

    Er will die Leute davon abhalten eine halbe Stunde in einigen Abteilungen "nur rumzustehen", da sie sonst an der Maschine nicht gebraucht werden, aber da muss der AG auch früher reagieren.

    am Ende ist es nur dazu da um Kosten zu sparen.

    Wie haben einem Test in einer Abteilung zu einem "leistungsgerechten Lohn" zugestimmt und dann gesagt, dass es natürlich unfair gegenüber anderen MA, wenn die eine Abteilung etwas kriegt und andere nicht!

    Daraufhin kam diese tolle Idee! O.o


    Aber danke für eure Meinungen. Ich werde dem BR vorschlagen, dass der AG uns einen Sachverständigen kommen lässt, ansonsten sehe ich den Bonus so wie er derzeit ist (und nicht nur ich sehe das so) als "Nasenbonus" und ungeheure Benachteiligung gegenüber den 8-Stündlern, auf Grund der Arbeitszeitreduzierung.